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Risiko Einsamkeit - Gesellschaftliche Bedingungen eines problematischen Gefühlszustands

Title: Risiko Einsamkeit - Gesellschaftliche Bedingungen eines problematischen Gefühlszustands

Examination Thesis , 2011 , 49 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Yvonne Preuth (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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„Was ist das Thema deiner Staatsarbeit?“ fragte mich eine Freundin. „Einsamkeit und deren soziologische Bedingungen“, antwortete ich. Betroffenes Schweigen folgte meiner Aussage.
Dieses ist nur ein Beispiel von vielen, welches zeigen soll, dass die Thematik Ein-samkeit in unserer heutigen Gesellschaft, in der es auf Teamfähigkeit und soziale Empathie ankommt, äußerst negativ besetzt ist. Einsamkeit wird als Ausdruck sozia-ler Inkompetenz verstanden, die mit Gefühlen des Schams, des Unbehagens, des Wegblickens und Leugnens verbunden ist. Auch in den wissenschaftlichen Disziplinen ist dieser „Turn-away-Effekt“ zu vernehmen, so dass „Einsamkeit“ bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in den Sozialwissenschaften weitgehend ignoriert worden ist.
Wie abhängig Individuen von einem sozialen Beziehungsgefüge sind, in dem sie Anerkennung finden und Unterstützung erfahren, zeigen die in der Geschichte immer mal wieder aufgetreten Fälle von Wolfskindern oder mutwillig isolierten Kindern.
Ob Psammetich, ein ägyptischer Pharao, oder Kaiser Friedrich II., immer wieder gab es Versuche, Kinder in völliger Isolation aufwachsen zu lassen ohne jegliche menschliche Nähe. Aus der Einsamkeit der Kinder resultierten neben großen Sprachdefiziten auch Bindungsunfähigkeit und geistige Fehlbildungen.
Ein anderes Beispiel aus den Vereinigten Staaten zeigt, dass Frühgeborere im Brutkasten ihren, durch Isolierung herbeigeführten, kognitiven Rückstand schneller durch physischen Kontakt aufholen. In der Tierwelt gibt es ähnliche Beobachtungen: sobald es Neugeborenen an Berührung mangelt, fahren diese ihren Stoffwechsel zurück und hören auf zu wachsen.
Einsamkeitserfahrungen, die Ablehnung durch andere Menschen, entsprechen der Gefühlslage einer physischen Verletzung. Zu diesem Ergebnis sind die Wissenschaftler der Bowling Green State University in Ohio gekommen.
Dass Einsamkeit eine besondere Aufmerksamkeit verdient, zeigt sich ebenfalls durch gesellschaftliche und innerfamiliäre Sanktionstechniken, die als Strafe den Entzug der Freiheit des Individuums einfordern. Einsamkeitsstrafen gehören sogar zu den zentralen Sozialtechniken.
Einsamkeit kann als Hölle oder aber auch als Tor zur Weisheit begriffen werden. Gerade die positive Hinwendung ist unserer westlichen Kultur nicht fremd.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einsamkeit als Emotion

3. Einsamkeit

3.1. Historische Einordnung des Begriffs

3.2. Einsamkeit vs. Alleinsein

3.3. Einsamkeit vs. Soziale Isolation

3.4. Definition

3.4.1. Verwendung des Begriffs „Einsamkeit“ im Englischen

3.5. Arten der Einsamkeit

4. Determinanten der Einsamkeit im sozialen Wandel

4.1. Globalisierung

4.1.1. Arbeit und Mobilität

4.1.2. Arbeitslosigkeit und Armut

4.1.2.1. Forschungsergebnisse

4.1.3. Informationstechnologien

4.1.3.1. Forschungsergebnisse

4.2. Individualisierung und Pluralisierung

4.2.1. Urbanisierung und Verstädterung

4.2.1.1. Nachbarschaft im Wandel

4.2.1.2. Exkurs: Netzwerkforschung

4.2.1.3. Segregation

4.2.2. Wandel der Familienstrukturen

4.2.2.1. Single-Gesellschaft

4.2.2.1.1. Forschungsergebnisse

4.3. Demografische Alterung

4.3.1. Einsamkeit im Alter

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Hausarbeit untersucht die soziologischen Bedingungen und Determinanten von Einsamkeit in der modernen Gesellschaft. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Prozesse des sozialen Wandels – insbesondere Globalisierung, Individualisierung und demografische Alterung – das Phänomen der Einsamkeit beeinflussen und verstärken.

  • Historische und soziologische Einordnung des Einsamkeitsbegriffs
  • Einfluss von Globalisierung, Arbeit und neuen Informationstechnologien
  • Wandel von Familienstrukturen und die Zunahme der Single-Gesellschaft
  • Die Rolle der Urbanisierung und Segregation für das soziale Miteinander
  • Zusammenhang zwischen Armut, sozialer Isolation und Einsamkeit

Auszug aus dem Buch

3.1. Historische Einordnung des Begriffs

Um einen umfassenden Einblick über den Begriff „Einsamkeit“ zu erhalten, ist es wichtig, sich mit der historischen Einordnung und dem Begriffswandel auseinanderzusetzen, um schließlich die Einsamkeit unserer heutigen Gesellschaft näher zu beleuchten.

Grundsätzlich lässt sich schon einmal vorab sagen, dass der Einsamkeit entweder eine schöpferisch produktive Kraft zugesprochen oder diese als eine quälend leidvolle Erfahrung beschrieben und empfunden wurde und wird.

Einsamkeit wurde zunächst im Zusammenhang mit religiösen und mystischen Aspekten als ein Ort des Rückzuges und eine Möglichkeit des schöpferischen Genusses im Einklang mit Gott verstanden. In Zeiten der Aufklärung wurde diese Sichtweise abgelöst durch eine Hinwendung des Individuums zu sich selbst; die religiöse Einsamkeit wird demnach abgelehnt und eine Zurückgezogenheit mit dem Ziel persönlicher Vervollkommnung zur schöpferischen Tätigkeit und Geistesarbeit wird begrüßt. Durch den gesamtgesellschaftlichen, kulturellen und intellektuellen Fortschritt steht nun das schöpferische Individuum im Vordergrund. Dieses Lebensgefühl kommt auch in literarischen Werken wie Gothes „Die Leiden des jungen Werthers“ zum Ausdruck.

Im kulturgeschichtlichen Zeitalter der Romantik erfährt die Einsamkeit eher eine programmatische Bedeutung. In der Einsamkeit findet das Individuum sowohl tröstenden Schutz als auch die Option auf sich allein gestellt zu sein. Werke des Künstlers Caspar David Friedrich verdeutlichen die romantische Sehnsucht nach Einsamkeit, das eins sein mit der Natur und die damit verbundene schöpferische oder auch zerstörerische Kraft des Gefühls einer ganzen Epoche.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Stigmatisierung von Einsamkeit und führt in das Thema der soziologischen Bedingungen dieses Gefühls ein.

2. Einsamkeit als Emotion: Dieses Kapitel verortet Einsamkeit im soziologischen Kontext von Emotionen, die als Resultat von Interpretation und Bewertung sozialer Situationen entstehen.

3. Einsamkeit: Hier wird der Begriff historisch hergeleitet, von Alleinsein und sozialer Isolation abgegrenzt und eine soziologische Definition erarbeitet.

4. Determinanten der Einsamkeit im sozialen Wandel: Das Hauptkapitel analysiert die Faktoren Globalisierung, Individualisierung und demografische Alterung als Ursachen für Einsamkeit.

5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über den Forschungsstand und betont, dass soziale Medien Kontakte zwar erleichtern, aber keine tiefen sozialen Bindungen ersetzen können.

Schlüsselwörter

Einsamkeit, Soziale Isolation, Soziologie, Sozialer Wandel, Globalisierung, Individualisierung, Single-Gesellschaft, Urbanisierung, Soziale Netzwerke, Armut, Emotionen, Internet, Arbeit, Demografische Alterung, soziale Teilhabe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziologischen Bedingungen und gesellschaftlichen Ursachen, die das Empfinden von Einsamkeit in der heutigen Zeit fördern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen den Einfluss der Globalisierung (Arbeit/Internet), die Auswirkungen der Individualisierung (Familienwandel/Single-Gesellschaft) und die Folgen der Urbanisierung auf soziale Kontakte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die komplexen sozialen Determinanten aufzuzeigen, die Einsamkeit zu einem problematischen Gefühlszustand in der modernen Gesellschaft machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die soziologische Theorien und empirische Forschungsergebnisse zum sozialen Wandel systematisch auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie sich makrostrukturelle Veränderungen, wie z.B. prekäre Arbeitsverhältnisse oder die Veränderung von Familienstrukturen, auf die Qualität sozialer Beziehungen auswirken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind soziale Isolation, Individualisierung, Digitalisierung, soziale Netzwerke und der Wandel der Familienstrukturen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit?

Ja, die Arbeit definiert Alleinsein als einen objektiv messbaren Zustand des physischen Getrenntseins, während Einsamkeit ein subjektiv als unangenehm empfundenes Gefühl von Mangel an zwischenmenschlicher Nähe darstellt.

Wie wirkt sich das Internet auf das Einsamkeitsempfinden aus?

Die Arbeit zeigt widersprüchliche Ergebnisse auf: Während das Internet die Kontaktpflege erleichtern kann, führen exzessive Nutzung und die Ersetzung von realer durch virtuelle Kommunikation laut einigen Studien zu einer Schwächung traditioneller Bindungen.

Welche Bedeutung hat die Single-Gesellschaft für das Thema?

Durch den Wandel der Familienstrukturen und die Zunahme von Einpersonenhaushalten wächst die Zahl der Menschen, die auf ein stabiles privates soziales Gefüge verzichten, was neue Bedingungen für Einsamkeitsgefühle schafft.

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Details

Title
Risiko Einsamkeit - Gesellschaftliche Bedingungen eines problematischen Gefühlszustands
College
University of Dortmund
Grade
1,7
Author
Yvonne Preuth (Author)
Publication Year
2011
Pages
49
Catalog Number
V202901
ISBN (eBook)
9783656384380
ISBN (Book)
9783656385288
Language
German
Tags
Einsamkeit Alter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Yvonne Preuth (Author), 2011, Risiko Einsamkeit - Gesellschaftliche Bedingungen eines problematischen Gefühlszustands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202901
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