Seit 2002 gibt es in Bayern den Lehrplan für das Fach „Deutsch als Zweitsprach“ für alle Schulformen und –arten. Von vielen anderen Bundesländern wurde dieser Rahmenlehrplan aufgrund seiner Effektivität und Umsetzbarkeit bereits übernommen.
Um dem Lehrplan, dem Konzept und dem Fach „Deutsch als Zweitsprache“ gerecht zu werden, um Schülerinnen und Schüler, die Deutsch lernen, optimal fördern zu können, bedarf es einen handlungsorientierten, offenen und lebensnahen Unterricht zu gestalten.
„Die wesentlichen Kriterien des Lehrplans, vor allem die Schüleraktivitäten, die durch Sprachhandeln zum Sprachwachstum führen, sind folgerichtig nur schwer mit Lehrbüchern (…) zu realisieren.“ (Hölscher, Piepho, Roche, 2006, S.20)
Sprache lernen bedeutet nach diesem neuen Konzept nicht mehr lehrgangs- und buchgebunden, linear und starr eine Sprache zu verinnerlichen, sondern mit allen Sinnen, offen, durch das Einbringen von Vorerfahrungen, situationsgemäß und kindgerecht, Sprache zu entdecken, zu erforschen und wahrzunehmen. Einen Weg, Kindern, die Deutsch als Zweitsprache lernen, diese „Entdeckungs-, Forschungsreise“ zur deutschen Sprache zu ermöglichen, sind „Lernszenarien“. „Sprache wird hier nicht mehr linear und formal „durchgenommen“, sondern als inszeniertes Sprachwachstum entwickelt.“ (ebd., S.20)
Die folgende Hausarbeit wird daher das didaktische Konzept der „Lernszenarien“ genauer darstellen und beleuchten. Zunächst werden theoretische Grundlagen und Hintergründe dargelegt. In diesem Zusammenhang wird unter Anderem geklärt, was „Lernszenarien“ eigentlich sind, welches didaktische Konzept hinter diesen steht, wie sie aufgebaut sind und welche Rolle die Lehrkraft spielt. Im Anschluss an die theoretischen Erklärungen werden Materialien zur praktischen Anwendung vorgestellt. In diesem Kontext werden auch Beispiele für mögliche, thematische Auseinandersetzungen vorgestellt.
Gliederung
1. Was sind Lernszenarien?
2. Das Konzept der Lernszenariendidaktik
3. Der Ablauf/ die Phasen eines Lernszenarios
4. Die Rolle der Lehrkraft
5. Die praktische Umsetzung von Lernszenarien
5.1 Materialien zum Thema Lernszenarien in der Grundschule
5.2 Praxis Beispiel: Leitfaden für die Arbeit mit Lernszenarien in Deutsch als Zweitsprache
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem didaktischen Konzept der „Lernszenarien“ auseinander, um aufzuzeigen, wie ein handlungsorientierter und lebensnaher Unterricht im Fach „Deutsch als Zweitsprache“ gestaltet werden kann, der Schülerinnen und Schüler effektiv in ihrer individuellen Sprachentwicklung fördert.
- Theoretische Grundlagen und Konzept der Lernszenariendidaktik
- Strukturierung und methodische Phasen eines Lernszenarios
- Die Rolle der Lehrkraft als Lernmanager und Mentor
- Praktische Anwendungsbeispiele und Materialangebote
- Individuelle Förderung und Heterogenität im Unterricht
Auszug aus dem Buch
1. Was sind Lernszenarien?
„Ein Lernszenario ist eine offene, [handlungsorientierte] Lernmethode (im Rahmen des sog. Selbstorganisierten Lernens), die aus dem Projektunterricht hervorgegangen ist und Überschneidungen mit dem Lernen an Stationen hat. (…) Schwerpunkt des Lernszenarios ist das Bereitstellen möglichst vielfältiger Handlungssituationen (unterschiedliches Material, Problemlöseaufgaben, vielfältige Handlungs- und Sozialformen), die sich für eine Präsentation der Ergebnisse in der Gesamtgruppe eignen.“ (Bildungsserver. Berlin-Brandenburg)
Lernszenarien wurden ursprünglich für den Einsatz im Englischunterricht (Fremdsprachenunterricht) konzipiert. Sie sind aber auch in jedem anderen Schulfach einsetzbar. „Von allergrößtem Gewinn aber ist die Szenariendidaktik für den Unterricht in Deutsch als Zweit- und Fremdsprache.“ (Hölscher, 2005, S.4) Lernszenarien sind demnach effektiv im Unterricht für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache einsetzbar. „Lernszenarien verbinden muttersprachlichen Deutschunterricht mit dem Sprachwachstum in der Zweitsprache Deutsch und verknüpfen die Inhalte der Lehrpläne für Deutsch und Deutsch als Zweitsprache.“ (Hölscher, Piepho, Roche, 2006, S.9) Lernszenarien stellen dabei ein sehr flexibles Unterrichtmodell dar, welches den individuellen Auf- und Ausbau des Wortschatzes und des Sprachkönnens der Kinder in den Vordergrund stellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was sind Lernszenarien?: Dieses Kapitel definiert Lernszenarien als handlungsorientierte Lernmethode, die ursprünglich aus dem Fremdsprachenunterricht stammt und besonders effektiv für das Sprachwachstum im Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht ist.
2. Das Konzept der Lernszenariendidaktik: Hier wird erläutert, wie dieses Unterrichtsmodell durch individuelle Förderung und lebensnahe Sprachverwendung der Heterogenität in Schulklassen begegnet und Über- sowie Unterforderung entgegenwirkt.
3. Der Ablauf/ die Phasen eines Lernszenarios: Das Kapitel beschreibt den Prozess des Lernszenarios von der Themenfindung über die Erarbeitungs- und Optimierungsphasen bis hin zur abschließenden Präsentation der Ergebnisse.
4. Die Rolle der Lehrkraft: Die Lehrkraft wandelt sich hierbei vom Wissensvermittler zum Mentor, Tutor, Lektor und Lernmanager, der Rahmenbedingungen schafft und Lernprozesse moderiert.
5. Die praktische Umsetzung von Lernszenarien: Dieser Abschnitt stellt konkrete Materialien und methodische Leitfäden vor, die Lehrkräften helfen, Lernszenarien im Schulalltag erfolgreich zu planen und umzusetzen.
Schlüsselwörter
Lernszenarien, Deutsch als Zweitsprache, DaZ, Sprachwachstum, Handlungsorientierung, Projektunterricht, Heterogenität, Sprachförderung, Wortschatzaufbau, Szenariendidaktik, Lehrplan, Unterrichtsmodell, Sprachkompetenz, Individualisierung, Grundschulpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das didaktische Konzept der „Lernszenarien“ und deren Anwendung als handlungsorientierte Methode im Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die theoretische Herleitung des Konzepts, der strukturierte Ablauf innerhalb von Lernszenarien sowie die konkrete praktische Implementierung im Grundschulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Mehrwert von Lernszenarien für ein individuelles und motivierendes Sprachlernen aufzuzeigen, das Schülerinnen und Schüler dort abholt, wo sie sprachlich stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Aufbereitung fachdidaktischer Konzepte führender Experten wie Petra Hölscher, Hans-Eberhard Piepho und Jörg Roche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Hintergründe, die Phasenstruktur des Modells, die veränderte Rolle der Lehrkraft sowie umfangreiche praktische Anwendungsmöglichkeiten und Materialhinweise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Lernszenarien, Sprachwachstum, DaZ, Handlungsorientierung und individuelle Lernförderung.
Wie unterstützen Lernszenarien Kinder mit unterschiedlichem Sprachstand?
Durch die Offenheit des Konzepts können Schülerinnen und Schüler Aufgaben wählen, die ihrem individuellen Kompetenzniveau entsprechen, wodurch sowohl Über- als auch Unterforderung vermieden werden.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft konkret in diesem Prozess?
Die Lehrkraft gibt den Stoff nicht mehr linear vor, sondern schafft Rahmenbedingungen, koordiniert Material und wirkt als Lernmanager, der individuelle Lernprozesse begleitet und reflektiert.
- Arbeit zitieren
- Jenny Mummelthey (Autor:in), 2012, Lernszenarien - "Sprache kann nicht gelehrt, sondern nur gelernt werden", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203003