„Frühlings Erwachen“ und „Das kunstseidene Mädchen“ – bereits die Titel der Werke von Frank Wedekind und Irmgard Keun strahlen eine lebensfrohe und frühlingshafte Wärme aus. Ebenso die Protagonistinnen: Ilse und Doris – zwei junge Frauen, die ihr Leben genießen, sich nicht entmutigen lassen und deren Lebensfreude ein Sonnenstrahl in dem Herzen des Lesers ist.
In der folgenden Ausarbeitung werde ich die beiden lebensmunteren Frauen mitei-nander vergleichen. Den Schwerpunkt wird hierbei das Verhältnis zwischen den Protagonistinnen und der Gesellschaft bilden, um die Rolle, welche ihnen in dieser zukommt, nachvollziehen zu können. Aus diesem Grund werde ich untersuchen, ob sich ihre Lebensentwürfe mit den gesellschaftlichen Frauenbildern vereinbaren las-sen, welche Rolle Männer in ihrem Leben einnehmen und ob sie emanzipiert sind oder als gesellschaftliche Außenseiterinnen gesehen werden können.
1. Einleitung
2. Inhaltsangaben
2.1 „Das kunstseidene Mädchen“
2.2 „Frühlings Erwachen“
3. Analysen der Protagonistinnen
3.1 „Doris“ – „Das kunstseidene Mädchen“
3.2 „Ilse“ – „Frühlings Erwachen“
4. Die Rolle der Protagonistinnen in der Gesellschaft
4.1 Gesellschaftliches Frauenbild um 1891
4.2 Gesellschaftliches Frauenbild um 1932
4.3 Ilse und Doris – traditionelle Frauen von 1891/1932?
4.4 Stellen Ilse und Doris gesellschaftliche Außenseiterinnen dar?
4.5 Rolle von Männern in Ilses und Doris‘ Leben
4.6 Sind Ilse und Doris emanzipiert?
5. Schluss
6. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit vergleicht die Protagonistinnen Ilse aus Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ und Doris aus Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“. Das Ziel ist es zu untersuchen, wie sich die Lebensentwürfe der Frauen zu den gesellschaftlichen Frauenbildern ihrer jeweiligen Zeit verhalten, welche Rolle Männer in ihrem Leben einnehmen und ob sie als emanzipiert oder als gesellschaftliche Außenseiterinnen betrachtet werden können.
- Vergleich zweier literarischer Frauenfiguren aus unterschiedlichen Epochen
- Analyse des gesellschaftlichen Frauenbildes um 1891 und 1932
- Untersuchung der Abhängigkeiten von männlichen Rollenbildern
- Evaluierung der Emanzipationsgrade der Protagonistinnen
- Einordnung als gesellschaftliche Außenseiterinnen
Auszug aus dem Buch
3.1 „Doris“ – „Das kunstseidene Mädchen“
Die Protagonistin Doris aus Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ durchläuft im Laufe des Romans eine Entwicklung. Sie orientiert sich maßgeblich am Film und vieles ihrer Verhaltensweisen und Wünsche „bestreitet sich aus dem, was sie auf der Leinwand gesehen hat“5, ebenso der Wunsch in Berlin ein „Glanz“ zu werden, d.h. einen besonders hohen ökonomischen Standard zu erreichen.
Sie vergleicht sich bereits mit bekannten Schauspielerinnen, bezieht sich jedoch ausschließlich auf Äußerlichkeiten und Besitztümer6. Dies wird auch in ihren übrigen Beschreibungen deutlich, sodass es dem Leser schwer gemacht wird, einen Blick in ihre Emotionen zu erhalten. Gleichzeitig spiegelt diese Tatsache ihre starke Fokussierung auf Materielles wider. Sehr prägnant wird dies, als sie sich von ihrem ohnehin geringen Gehalt, welches sie als Sekretärin verdient und von dem sie, trotz ihrer Unabhängigkeit von ihren Eltern, einen Großteil an dieselben abgibt, um für deren finanzielle Absicherung zu sorgen, einen „einen Hut mit Feder“7 kauft, der ihr nach eigener Aussage vorzüglich zu ihrem blassen Teint steht. Sie legt sehr großen Wert auf ihr Aussehen und lässt Gegenständen eine hohe Wertschätzung zukommen. Dies verdeutlicht ihre Prägung durch das kapitalistische System. Doris ordnet ihre Wahrnehmungen nach kommerziellen Gesichtspunkten und nutzt diese als Indizien für Wohlstand (vgl. S.6, Z.1-9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Vergleich der lebensfrohen Protagonistinnen und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich Gesellschaftsrolle und Emanzipation.
2. Inhaltsangaben: Kurzfassung der Handlungen von „Das kunstseidene Mädchen“ und „Frühlings Erwachen“ als Basis für die Analyse.
3. Analysen der Protagonistinnen: Charakterisierung von Doris und Ilse unter besonderer Berücksichtigung ihrer Motivationen und ihres Lebensstils.
4. Die Rolle der Protagonistinnen in der Gesellschaft: Untersuchung des historischen Frauenbildes, der Außenseiterrolle, der Männerbeziehungen und des Emanzipationsstatus der beiden Frauen.
5. Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse und Reflexion über die Aktualität der behandelten Themen.
6. Anhang: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.
Schlüsselwörter
Irmgard Keun, Frank Wedekind, Frauenbild, Emanzipation, Außenseiterin, Weiblichkeit, Literaturanalyse, Weimarer Republik, Rollenverhalten, soziale Abhängigkeit, Geschlechterrollen, Neue Frau, Glanz, Selbstbestimmung, Lebensfreude
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Protagonistinnen Doris aus „Das kunstseidene Mädchen“ und Ilse aus „Frühlings Erwachen“ hinsichtlich ihrer Rolle in der Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die historischen Frauenbilder um 1891 und 1932, der Emanzipationsbegriff, die Rolle der Männer im Leben der Frauen sowie die Außenseiterproblematik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuvollziehen, ob sich die Lebensentwürfe der Protagonistinnen mit den gesellschaftlichen Normen vereinbaren lassen und ob sie tatsächlich emanzipiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Vergleichsanalyse, die auf der Auswertung primärer literarischer Werke und einschlägiger Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgen detaillierte Charakteranalysen der Frauenfiguren sowie die Untersuchung ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihrer Abhängigkeitsverhältnisse gegenüber Männern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Emanzipation, Frauenbild, Außenseiterin, soziale Unabhängigkeit, Geschlechterrollen und historische Einordnung.
Wie unterscheidet sich die Motivation von Doris gegenüber der von Ilse?
Doris strebt vor allem nach ökonomischem Aufstieg und „Glanz“, während Ilse eine ausgeprägte Charakterstärke zeigt und soziale Bindungen eher nach persönlicher Zuneigung als nach Vermögen beurteilt.
Warum wird Doris im Text als Grenzfall zwischen intentionalem und existentiellem Außenseiterinnentum beschrieben?
Weil sie zwar prinzipiell die Möglichkeit hätte, ihr Leben zu ändern, die realen Lebensperspektiven der Weimarer Republik für sie jedoch keine attraktiven Alternativen bieten, weshalb das intentionale Element nur theoretisch bleibt.
- Arbeit zitieren
- Sophie Helle-Feldmann (Autor:in), 2012, Vergleich der Frauenfigur "Ilse" aus Frank Wedekinds Drama "Frühlings Erwachen" und "Doris" aus Irmgard Keuns Roman "Das kunstseidene Mädchen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203057