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Soziologische Grenzen der Spieltheorie

Title: Soziologische Grenzen der Spieltheorie

Term Paper , 1999 , 18 Pages , Grade: 1.3

Autor:in: Daniel Ammon (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Summary Excerpt Details

Wer unter Soziologen (und besonders unter Soziologiestudenten) behauptet, das sich soziales
Verhalten mit mathematischen Formeln und Computersimulationen analysieren lässt, hat zumeist
mit Desinteresse, skeptischen Blicken oder engagiert vorgetragenen Gegenargumenten
zu rechnen. Soziologie war und ist eine Bücherwissenschaft und ein von aufklärerischen
Prinzipien getragenes wissenschaftliches Diskussionsforum. Sie wird ihrem Gegenstand nur
gerecht, wenn sie die Komplexität der Realität nur so weit reduziert, wie es unbedingt nötig
erscheint, um überhaupt über einen sozialen Sachverhalt eine Aussage machen zu können.
Der Soziologie geht es nicht in erster Linie um formale Reinheit und ein abstraktes, logisch
konsequentes Denken, sondern um eine den Menschen dienliche Analyse der realen
Verhältnisse. Und wer sich einmal ein Statistikseminar im Fach Soziologie gönnt, der wird
bemerken, daß die Studenten diese Veranstaltung aufgrund ihrer mathematischen Ausrichtung
eher als lästige Pflicht betrachten und weniger als Bereicherung ihres wissenschaftlichen
Instrumentariums.
Es gibt also von Seiten der Soziologen sowohl wissenschaftlich begründete als auch persönlich
motivierte Gründe, der Spieltheorie,die letztlich eine Spielart der Mathematik ist, distanziert
gegenüberzustehen. Erschwerend kommt wohl noch die heimliche Befürchtung hinzu,
daß ein funktionierendes mathematisches Modell der sozialen Wirklichkeit der Soziologie die
Existenzberechtigung nehmen oder ihr zumindest viele ihrer ureigenen Gebiete streitig
machen könnte.
Wenn man die sozialwissenschaftliche Literatur zur Spieltheorie überblickt, so findet man
dann auch im wesentlichen Argumente und Beispiele, warum und wo die Sichtweise bzw. die
Grundlagen der Spieltheorie der Wirklichkeit nicht gerecht werden. Es tritt deutlich zutage,
daß das Hauptanwendungsgebiet der Spieltheorie im wirtschaftlichen Bereich liegt. In den
letzten Jahren allerdings wurde von den Spieltheoretikern die evolutionstheoretische
Bedeutung ihrer Wissenschaft hervorgehoben.
Die Wirtschaftswissenschaften mussten von nun an etwas umdenken, denn die Möglichkeit,
daß es nicht unbedingt das „egoistische Gen“ ist, daß den Menschen zum Erfolg führt,
sondern soziales Verhalten viel fruchtbarer ist (wie es die Ergebnisse der spieltheoretischen
Forschungen nahe legen), steht in Opposition zu den bisherigen wirtschaftswissenschaftlichen
Grundannahmen.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die sozialwissenschaftliche Kritik der Spieltheorie

1.1. Die Relevanzproblematik der Axiome

1.2. Die allgemeinen Axiome der Spieltheorie

1.3. Der Aspekt der Fehleinschätzung

1.4. Das Problem der Spielsituation

1.5. Die Definition des Spielendes

2. Die evolutionstheoretische Bedeutung der Spieltheorie aus soziologischer Sicht

2.1. Das Gefangenendilemma

2.2. Die Computerturniere Robert Axelrods

2.3. Die ökologischen Turniere

Schlußbetrachtungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die soziologischen Grenzen der Spieltheorie, indem sie deren mathematische Annahmen kritisch hinterfragt und mit realen sozialen Phänomenen konfrontiert. Das primäre Ziel ist es, den Erkenntniswert spieltheoretischer Modelle für die Soziologie zu bewerten und zu prüfen, inwieweit diese die Komplexität menschlichen Handelns tatsächlich erfassen können.

  • Kritische Analyse der spieltheoretischen Axiome und ihrer Relevanz für soziale Sachverhalte.
  • Untersuchung des "Gefangenendilemmas" und der evolutionstheoretischen Spielansätze.
  • Reflektion über Machtgefälle und die Rolle der menschlichen Existenzsicherung in Spielmodellen.
  • Diskussion über das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Rationalität und soziologischer Wirklichkeit.

Auszug aus dem Buch

1.2. Die allgemeinen Axiome der Spieltheorie

Welches sind aber die Axiome von denen die Spieltheoretiker im wesentlichen ausgehen? Junne fand sechs den meisten Gebieten der Spieltheorie zugrunde liegende Annahmen: 1. Es existiert eine endliche Menge von Spielern. 2. Jedem Spieler steht eine endliche Zahl reiner Strategien zur Verfügung 3. Jeder Spieler kennt nicht nur die eigenen, sondern auch die den anderen zur Wahl stehenden Strategien. 4. Jeder Spieler weist jeder möglichen Strategienkombination einen bestimmten - für die Dauer des Spiels unveränderlichen - Nutzwert zu. 5. Jeder Spieler kennt außer der eigenen auch alle fremden Nutzenbewertungen. 6. Jeder Spieler spielt „rational“, wobei unter „rational“ zunächst nur verstanden wird, daß er von zwei gegebenen Alternativen jeweils die vorzieht, die ihm einen größeren Nutzen verspricht.

Für Junne ist klar, daß alle diese Punkte mehr oder weniger unrealistisch sind. Er räumt aber ein, daß, obwohl es der Spieltheorie um die logische Struktur von Entscheidungssituationen geht und weniger um das tatsächliches Verhalten von Menschen, sie dennoch unter bestimmten Voraussetzungen den Nutzen einer bestimmten Strategie analysieren kann. Aber eben diese bestimmten Voraussetzungen hängen davon ab, inwieweit die oben beschriebenen sechs Grundannahmen bestätigt werden können.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die skeptische Haltung der Soziologie gegenüber mathematischen Modellen und führt in die Fragestellung ein, ob die Spieltheorie trotz ihrer Abstraktion einen soziologischen Mehrwert bieten kann.

1. Die sozialwissenschaftliche Kritik der Spieltheorie: Dieses Kapitel analysiert die unrealistischen Grundannahmen und Axiome der Spieltheorie sowie die Probleme, die sich aus der Fehleinschätzung von Spielsituationen ergeben.

2. Die evolutionstheoretische Bedeutung der Spieltheorie aus soziologischer Sicht: Hier wird anhand des Gefangenendilemmas und der Axelrod-Turniere diskutiert, wie Kooperation und evolutionäre Anpassung in Spielmodellen abgebildet werden und wo hierbei die Grenzen gegenüber realen sozialen Machtverhältnissen liegen.

Schlußbetrachtungen: Das Fazit stellt die Spieltheorie in den Kontext der Kanteschen Terminologie und betont, dass sie zwar keine Weltformel liefert, aber als strukturiertes Denkwerkzeug zur Reflexion über Rationalität und soziale Verantwortung dienen kann.

Schlüsselwörter

Spieltheorie, Soziologie, Gefangenendilemma, Rationalität, Axiome, soziale Wirklichkeit, Kooperation, Evolutionstheorie, Modellbildung, TIT FOR TAT, Machtgefälle, Entscheidungssituation, Nutzenmessung, Systemkritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die soziologischen Grenzen der Spieltheorie und prüft, inwieweit die abstrakten mathematischen Modelle der Spieltheorie geeignet sind, reale soziale Verhältnisse und menschliches Handeln zu erklären.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die erkenntnistheoretische Kritik an spieltheoretischen Axiomen, die Analyse von Spielsituationen sowie die evolutionstheoretische Bedeutung von Kooperation, wie sie etwa in Axelrods Computerturnieren dargestellt wird.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Spieltheorie trotz ihrer formalen Logik bei der Anwendung auf reale soziologische Fragestellungen an ihre Grenzen stößt, da sie wesentliche Aspekte menschlicher Existenz und sozialer Dynamik ausblendet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wählt einen diskursiven, sozialwissenschaftlichen Ansatz, der bestehende theoretische Debatten der Soziologie mit spieltheoretischen Modellen konfrontiert und kritisch bewertet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die "Relevanzproblematik der Axiome" sowie das "Problem der Spielsituation" diskutiert, bevor im zweiten Teil anhand evolutionstheoretischer Modelle (Gefangenendilemma, ökologische Turniere) die soziale Brauchbarkeit dieser Strategien untersucht wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Spieltheorie, Rationalität, soziale Wirklichkeit, Axiome, Kooperation und Modellbildung charakterisieren.

Welche Rolle spielt das "Gefangenendilemma" für die Argumentation?

Das Gefangenendilemma dient als zentrales Beispiel, um die Problematik von rationalem Eigennutz gegenüber sozial vorteilhafter Kooperation in einer für die Spieltheorie typischen, aber für die Soziologie oft zu starren Entscheidungssituation zu veranschaulichen.

Warum wird die Spieltheorie als "abendländisch geprägt" kritisiert?

Der Autor argumentiert, dass die Spieltheorie von Spielbedingungen ausgeht (wie dem Streben nach messbarem Nutzen oder dem Fehlen von Handicaps), die nicht universell menschlich sind, sondern spezifisch auf westliche Wirtschafts- und Kulturformen verweisen.

Inwieweit kann die Spieltheorie dennoch nützlich sein?

Trotz der Kritik räumt der Autor ein, dass der Versuch einer spieltheoretischen Analyse hilft, soziale Situationen zu strukturieren und Fragen aufzuwerfen, die für ein besseres Verständnis des sozialen Handelns unerlässlich sind.

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Details

Title
Soziologische Grenzen der Spieltheorie
College
University of Freiburg  (Institut für Soziologie)
Course
Globalisierung II
Grade
1.3
Author
Daniel Ammon (Author)
Publication Year
1999
Pages
18
Catalog Number
V20314
ISBN (eBook)
9783638242264
Language
German
Tags
Soziologische Grenzen Spieltheorie Globalisierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Ammon (Author), 1999, Soziologische Grenzen der Spieltheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20314
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