Ursachen und Auswirkungen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung


Studienarbeit, 2011

19 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFSDEFINITIONEN
2.1 Persönlichkeitsstörung
2.2 Abgrenzung zwischen gesundem und pathologischem Narzissmus

3. ENTSTEHUNG VON NARZISSMUS
3.1 Risikofaktoren in der Frühsozialisation
3.2 Gesellschaftliche Risikofaktoren

4. DIE NARZISSTISCHE PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG IN
KINDHEIT UND JUGEND
4.1 Die narzisstische Persönlichkeitsstörung in der Kindheit
4.2 Die narzisstische Persönlichkeitsstörung in der Jugend

5. NARZISSMUS UND LIEBESBEZIEHUNGEN

6. ZUSAMMENFASSUNG

7. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Immer mehr Fachzeitschriften und Bücher diskutieren über das ständig aktueller werdende Thema des Narzissmus. Narzissmus, in der Fachliteratur als narzisstische Persönlichkeitsstörung bekannt, ist eine psychische Erkrankung. Die kurze Behandlung im Seminar „Psychische Erkrankungen und Rehabilitation“ und das Lesen verschiedener Artikel in Fachzeitschriften zu diesem Thema erwogen mich zu einer intensiven Beschäftigung mit der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Zu Beginn werden verschiedene Begriffe definiert und voneinander abgrenzt, um einen allgemeinen Überblick über den Narzissmus zu geben. Dabei wird geklärt, inwieweit sich gesunder und pathologischer Narzissmus voneinander angrenzen. Anschließend werden die Ursachen des Narzissmus untersucht, wobei zwischen Risikofaktoren in der Frühsozialisation und in der Gesellschaft unterschieden wird. In diesem Gliederungspunkt stehen die Fragen „Inwieweit beeinflusst das elterliche Erziehungsverhalten die Ausprägung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung?“ und „Sind Technologie und Globalisierung Risikofaktoren für Narzissmus?“ im Mittelpunkt. Fachliteratur zum Narzissmus beschäftigt sich hauptsächlich mit der Ausprägung bei Erwachsenen. Dieser Erkenntnis liegt der folgende Gliederungspunkt zugrunde, welcher sich mit Narzissmus bei Kindern und Jugendlichen auseinandersetzt. Es wird untersucht, wie sich Narzissmus bei Kindern und Jugendlichen äußert und ob sich dieser von dem Narzissmus bei Erwachsenen unterscheidet. Letzter Schwerpunkt ist den Liebesbeziehungen von Narzissten gewidmet. Dieser entstand während der Sichtung entsprechender Fachliteratur, welche Narzissten vorwiegend negative Eigenschaften zuschreibt. Aus diesem Grund wird die Hypothese „Narzisstische Persönlichkeiten sind nicht in der Lage, dauerhafte Liebesbeziehungen einzugehen.“ untersucht.

An dieser Stelle sei auf das Sammelwerk „Narzissmus“ von O. Kernberg und H. Hartmann hingewiesen, welches zahlreiche nützliche Beiträge verschiedener Autoren vereint. Dieses Buch stellt die Grundlage der vorliegenden Studienarbeit dar.

2. Begriffsdefinitionen

Dieser Gliederungspunkt wendet sich allgemeinen Begriffen zu, welche im Kontext der narzisstischen Persönlichkeitsstörung unabkömmlich sind. Narzissmus ist eine spezifische Art von Persönlichkeitsstörungen. Folglich wird vorerst der allgemeine Begriff der Persönlichkeitsstörung erklärt. Anschließend wird zwischen zwei verschiedenen Arten des Narzissmus unterschieden, der des gesunden Narzissmus und der des pathologischen Narzissmus.

2.1 Persönlichkeitsstörung

Es gibt verschiedene Kriterien, nach welchen eine Persönlichkeitsstörung erkannt oder ausgeschlossen wird. Beispielsweise liegt bei einer Persönlichkeitsstörung eine „deutliche Unausgeglichenheit in mehreren Funktionsbereichen wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle …“ (Arolt/ Reimer/ Dilling 2011, S. 226) vor. Es muss jedoch immer eine „organische Erkrankung des Gehirns“ (Arolt/ Reimer/ Dilling 2011, S. 226) ausgeschlossen werden. Ist eine Persönlichkeitsstörung vorhanden, ist der Betroffene nicht in der Lage seine Verhaltensmuster einer speziellen Situation der Umwelt anzupassen. In derartigen Situationen fällt der Betroffene durch sein rigides und unnachgiebiges Verhalten auf, dessen Ursache er nicht bei sich, sondern bei anderen Personen sucht (vgl. Arolt/ Reimer/ Dilling 2011, S. 228).

2.2 Abgrenzung zwischen gesundem und pathologischem Narzissmus

Es wird häufig diskutiert, inwieweit ein stark auf sich selbst bezogener Mensch als pathologisch narzisstisch gilt. Um dies zu klären, müssen zudem zahlreiche Umwelteinflüsse mit beachtet werden (vgl. Hartmann 2006, S. 12).

Gesunder Narzissmus

Der gesunde Narzissmus bezieht sich auf das Selbstwertgefühl des Individuums und damit auf eine grundlegende Eigenschaft des Menschen (vgl. Kernberg 1998, S. 359). Die Entwicklung der Identität, einer Grundlage zur Ausprägung des Selbstwertgefühls, geht mit Selbst- und Fremderfahrungen einher. Zudem besitzt die Struktur des normal ausgeprägten Narzissmus „sowohl libidinös wie aggressiv besetzte Anteile“ (Kernberg 1998, S. 359). Dies ist für die Entwicklung einer „normalen Liebesfähigkeit“ (Kernberg 1998, S. 359) von enormer Bedeutung. Nur durch die Erfahrung von Krisen (z.B. Austesten von Aggressivität) lernt der Mensch dazu. Der gesunde Narzissmus bezeichnet demzufolge die kognitive Fähigkeit, die Libido gegenüber der Aggressivität auszugleichen und zu stärken (vgl. Kernberg 1998, S. 361). Die sogenannte Eigenliebe ist im Vergleich zum pathologischen Narzissmus reduziert. Dies bedeutet, dass bei einem Mensch mit gesundem Narzissmus trotz ausgeprägter Ich- Bezogenheit das Über- Ich normal entwickelt ist. Das Selbst und das äußere Objekt sind getrennt voneinander (vgl. Hartmann 2006, S. 12). Daher können gesund narzisstische Personen eine dauerhaft stabile Beziehung mit anderen Personen eingehen.

Pathologischer Narzissmus

Narzissmus wird dann als pathologisch bezeichnet, wenn er den Mensch in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen einschränkt. Der Mensch ist unfähig, soziale Beziehungen dauerhaft einzugehen, verbunden mit einer emotionalen Distanz (vgl. Erlich 2000, S. 97). Nach Siegmund Freud unterscheiden sich Liebesgefühle nach Zärtlichkeit und Sinnlichkeit. Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung sind ausschließlich zu sexuellen Liebesgefühlen, der Sinnlichkeit, fähig. Die Zärtlichkeit, welche beispielsweise ernsthaftes Interesse am Anderen und Dankbarkeit umfasst, kommt im Repertoire nicht vor (vgl. Nuber 2010, S. 20). Narzissten dieser Art sind dauerhaft bestrebt, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Ihr gesamtes Handeln ist auf die Idealisierung ihres Selbst gerichtet (vgl. Nuber 2010, S. 20).

Das Auftreten der narzisstischen Persönlichkeitsstörung geht einher mit antisozialem Verhalten. Deshalb ist es oftmals schwer, die narzisstische Persönlichkeitsstörung von anderen Persönlichkeitsstörungen (z.B. antisoziale Persönlichkeitsstörung) abzugrenzen. In diesem Zusammenhang soll natürlich auch auf die häufig auftretende Komorbidität hingewiesen werden (vgl. Hartmann 2006, S.18). Eine Abgrenzung nimmt das ICD- 10 vor, welches Merkmale der narzisstischen Persönlichkeitsstörung benennt. Diese sind entscheidend für eine differenzierte Diagnostik. Die Merkmale werden folgend aufgelistet, um einen zusammenfassenden Blick auf die Erkennungszeichen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung zu bekommen.

- „Größengefühl in Bezug auf die eigene Bedeutung (z.B. übertreiben die Betroffenen ihre Leistungen und Talente, erwarten ohne entsprechende Leistungen als bedeutend angesehen zu werden)
- Beschäftigung mit Phantasien über unbegrenzten Erfolg, Macht, Scharfsinn, Schönheit oder ideale Liebe
- Überzeugung, „besonders“ und einmalig zu sein und nur von anderen besonderen Menschen oder solchen mit hohem Status (oder von entsprechenden Institutionen) verstanden zu werden oder mit diesen zusammen sein zu können
- Bedürfnis nach übermäßiger Bewunderung
- Anspruchshaltung; unbegründete Erwartung besonders günstiger Behandlung oder automatischer Erfüllung der Erwartungen
- Ausnutzung von zwischenmenschlichen Beziehungen; Vorteilsnahme gegenüber anderen, um eigene Ziele zu erreichen
- Mangel an Empathie; Ablehnung, Gefühle und Bedürfnisse anderer anzuerkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren
- Häufiger Neid auf andere oder Überzeugung, andere seien neidisch auf die Betroffenen
- Arrogante , hochmütige Verhaltensweisen und Attitüden“

(Hartmann 2006, S. 19).

Ursula Nuber stellt zusätzlich zu den oben genannten „egoistischen“ und „unabhängigen“ Narzissten eine weitere Gruppe von Narzissten auf: Die abhängigen Narzissten. Diese fallen durch ihre augenscheinlich altruistische Art auf. Dieser Gruppe sind meist Frauen zugehörig, welche ihren Partner direkt kontrollieren und den Aufstieg in Machtpositionen unterstützen. Dadurch erhalten auch sie Macht und Kontrolle, indem der Partner letztendlich abhängig gemacht wird (vgl. Nuber 2010, S. 22).

Einige Autoren sind der Meinung, dass eine Abgrenzung zwischen gesundem und pathologischem Narzissmus nicht erfolgen kann, da der Begriff des gesunden Narzissmus ein Paradoxon impliziert (vgl. Erlich 2000, S. 97). Narzissmus ist eine anerkannte Störung der Persönlichkeit, währenddessen Gesundheit einen Idealzustand des Menschen, frei von jeglichen Beeinträchtigungen, beschreibt. Stattdessen kann bei dem gesunden Narzissmus von einer menschlichen Entwicklung gesprochen werden, welche es erlaubt, narzisstische Beweggründe als Hauptmotiv des eigenen Handelns abzulegen (vgl. Erlich 2000, S. 97).

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Details

Titel
Ursachen und Auswirkungen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Note
2,1
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V203168
ISBN (eBook)
9783656297369
ISBN (Buch)
9783656297918
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Narzissmus, persönlichkeitsstörung
Arbeit zitieren
Sozialarbeiter/ Sozialpädagoge (B.A.) Samuel Rohn (Autor), 2011, Ursachen und Auswirkungen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203168

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