1. Einführende Bemerkungen
1.1. Fragestellung
„Mein schönes Fräulein darf ich wagen/ Meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?“
Mit dieser Frage Fausts beginnt die Gretchentragödie. Diese Arbeit soll sie separiert von dem übrigen Fauststoff in den drei benannten Fassungen vergleichen. Dabei werden Kenntnisse des Inhalts der Szenen vorausgesetzt und nur auf Besonderheiten und Unterschiede zwischen den Fassungen eingegangen. Die Fragestellung, die diese Arbeit zu beantworten sucht, kann folgendermaßen gestellt werden:
Worin unterscheiden sich die drei Fassungen und womit sind die inhaltlichen und sprachlichen Änderungen begründet?
Der Aufbau dieser Arbeit folgt den Szenen der Gretchenhandlung. Es werden bei den relevanten Szenen die Inhalte der verschiedenen Fassungen gegenübergestellt, um inhaltliche Doppelungen zu vermeiden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführende Bemerkungen
1.1. Fragestellung
1.2. Die Entstehung
2. Darstellung und Vergleich in szenischer Reihenfolge
2.1. Auerbachs Keller
2.1.1. Inhaltliche Besonderheiten
2.1.2. Historischer Kontext
2.1.3. Stilistische Besonderheiten
2.2. Land Strase
2.3. Hexenküche
2.3.1. Wirkung von Margarete auf Faust-Bedeutung für die Handlung
2.3.2. Bedeutung der Verjüngung im historischen Kontext
2.4. Strase bis Ein Gartenhäusgen
2.5. Gretgens Stube bis Zwinger
2.6. Wald und Höhle
2.7. Dom
2.8. Nacht. Vor Gretgens Haus
2.9. Walpurgisnacht, Walpurgisnachtstraum
2.10. Faust. Mephistopheles/ Trüber Tag. Feld. Nacht. Offen Feld
2.11. Kerker
2.11.1. Unterschied des Endes
2.11.2. Unterschied der Sprache
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Gretchentragödie in den drei wesentlichen Werkfassungen von Johann Wolfgang von Goethe – dem „Urfaust“ (1775), dem „Faust. Ein Fragment“ (1790) und „Faust I“ (1808). Ziel ist es, die inhaltlichen und sprachlichen Unterschiede innerhalb der Gretchenhandlung herauszuarbeiten und diese auf die sich wandelnden historischen, biografischen und epochenspezifischen Einflüsse zurückzuführen.
- Vergleichende Analyse der Szenenstruktur in den drei Fassungen
- Einfluss der Französischen Revolution auf die Textgestaltung
- Wandel von der Prosa zur Versform als Ausdruck des Epochenwechsels
- Bedeutung der „Hexenküche“ für die psychologische Fundierung der Beziehung
- Interpretation des unterschiedlichen Ausganges der Kerkerszene
Auszug aus dem Buch
2.1.3. Stilistische Besonderheiten
In der Frühen Fassung ist die Szene Auerbachs Keller in Leipzig noch in Prosa verfasst. Durch die Prosa werden in der Sturm-und-Drang-Zeit das Natürlich-Unmittelbare und das Herbe zum Ausdruck gebracht. So traktiert Goethe satirisch durch die Zechlieder der Studenten auch den Klerus und das Höflingswesen. Die in der Frühen Fassung eingestreuten Lieder, wie zum Beispiel das Volkslied und das politisch-historische Lied, werden schnell unterbrochen und stattdessen grobianische Liebeslieder und ein Lied gegen die Neffenwirtschaft des Adels gesungen.6
Die beiden später veröffentlichten Fassungen des Fragments und des Faust I sind im Unterschied zur Frühen Fassung in Versform umgearbeitet und werden der Schaffensphase des „klassischen Goethe“7 zugeordnet. “Für den klassischen Goethe sind die Stimulierung des Freiheitsdrangs und die soziale Weinspende im Wortsinn Teufelswerk!“8
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführende Bemerkungen: Einführung in die Fragestellung zur Gretchentragödie und Darstellung der Entstehungsgeschichte der drei Faust-Fassungen.
2. Darstellung und Vergleich in szenischer Reihenfolge: Detaillierter Vergleich der zentralen Szenenfolge unter Berücksichtigung von inhaltlichen, historischen und stilistischen Anpassungen durch den Autor.
3. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einordnung der Veränderungen vor dem Hintergrund der persönlichen Entwicklung Goethes sowie des Wandels von Sturm und Drang zur Weimarer Klassik.
Schlüsselwörter
Gretchentragödie, Johann Wolfgang von Goethe, Urfaust, Faust I, Faust. Ein Fragment, Szenenvergleich, Sturm und Drang, Weimarer Klassik, Französische Revolution, Verjüngungsmotiv, Gretchens Erlösung, Literaturanalyse, Textgenese, Dramentheorie, literarische Fassungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede in der Darstellung der Gretchenhandlung innerhalb der drei wichtigsten Textfassungen von Goethes Faust zwischen 1775 und 1808.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die inhaltlichen und sprachlichen Wandlungen des Textes, die Bedeutung historischer Ereignisse wie der Französischen Revolution und die stilistische Entwicklung des Autors.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, worin sich die Fassungen unterscheiden und welche inhaltlichen oder sprachlichen Gründe zu diesen Änderungen geführt haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine vergleichende Literaturanalyse der relevanten Szenen in chronologischer Reihenfolge angewandt.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil widmet sich dem detaillierten Szenenvergleich, von „Auerbachs Keller“ bis hin zur finalen „Kerkerszene“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Besonders prägend sind Begriffe wie „Urfaust“, „Klassik“, „Sturm und Drang“, „Gretchenhandlung“ und „Textgenese“.
Warum spielt die Szene „Hexenküche“ für den Vergleich eine so große Rolle?
Sie ist entscheidend für das Verständnis der Veränderung von Fausts Charakter und seine Motivation, da sie in der frühen Fassung fehlt und erst später eingefügt wurde.
Welche Bedeutung hat der unterschiedliche Ausgang der Kerkerszene?
Der Unterschied markiert den Übergang von einer eher realistisch-fatalistischen Sicht in der frühen Fassung hin zur moralisch-erlösenden Dimension im „Faust I“.
- Citar trabajo
- Christian Osterfeld (Autor), 2008, Vergleich der Gretchenhandlung in Goethes „Faust. Frühe Fassung“ (1775), „Faust. Ein Fragment“ (1790) und „Faust I“ (1808), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203295