Mit der Einführung des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeR) im Jahre 2001 hat sich die Einstellung gegenüber Fehlern positiv verändert. Während Fehler zuvor ausschließlich als Normverletzungen angesehen wurden, werden sie inzwischen auch als essentielle und natürliche Komponenten im Fremdsprachenerwerb betrachtet.
Wenn nun Fehler beim Erwerb einer Fremdsprache vollkommen natürlich auftreten, zum Beispiel durch Interferenz mit der Muttersprache oder einer anderen Fremdsprache , dann nimmt die Korrektur eine bedeutsame Rolle im Prozess des Fremdsprachenlernens ein und muss daher gründlich durchdacht werden. So geht etwa auch aus empirischen Untersuchungen hervor, dass mündliche Korrekturen unerlässlich für den Lernprozess sind und des Weiteren eine Basis für Bewertungen und Fördermaßnahmen zum weiterführenden Lernen bilden.
Ferner wird angenommen, dass es nicht von Vorteil sein kann, stets dasselbe Korrekturverhalten anzuwenden, weil Korrekturen einen wichtigen Einfluss auf den Lerner haben.
... Die Problematik ist jedoch, dass in der Praxis ein Großteil der LehrerInnen immer wieder auf dieselben Korrekturtechniken zurückgreift. Aufgrund der Tatsache, dass ich selbst während meiner Schulzeit kein abwechslungsreiches Korrekturverhalten bei meinen LehrerInnen kennengelernt habe, möchte ich mir mithilfe dieser Arbeit über die verschiedenen Korrekturverfahren bewusst werden, um in meiner zukünftigen Unterrichtspraxis über ein möglichst großes Repertoire an Korrekturtechniken zu verfügen und demzufolge die passende Korrekturtechnik in der jeweiligen Unterrichtsphase anwenden zu können.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Prinzipien der Korrektur
2.1 Schülerwünsche berücksichtigen
2.2 Der Fehler als wichtige Instanz
2.3 Bloßstellungen von SchülerInnen verhindern
3 Vor- und Nachteile mündlicher Korrekturtechniken
3.1 Die direkte Korrektur
3.1.1 Korrektur mit anschließender Erklärung
3.1.2 In der Zielsprache durchgeführte Korrektur
3.1.3 Humoristische Korrektur
3.2 Die indirekte Korrektur
3.3 Die Initiierung von Selbstkorrekturen
3.3.1 Verbale Aufforderungsarten
3.3.2 Nonverbale Aufforderungsarten
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das mündliche Korrekturverhalten von Lehrkräften im Fremdsprachenunterricht mit dem Ziel, ein reflektiertes und vielfältiges Repertoire an Korrekturtechniken zu entwickeln, das über die bloße Anwendung immer gleicher Methoden hinausgeht.
- Bedeutung des Fehlers im Fremdsprachenerwerb
- Prinzipien der Fehlerkorrektur im Unterricht
- Vergleich direkter und indirekter Korrekturverfahren
- Förderung der Selbstkorrektur durch verbale und nonverbale Techniken
- Methodische Gestaltung von Korrekturfeedback
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Humoristische Korrektur
Ein Beispiel: E: Cet après-midi je m’achète un baiser. P: Tu t’achètes des baisers? Il est intéressant. Mais où ça? Chez Amour dans le ciel? Non, tu sais bien, tu es tombée dans un piège des faux-amis. Un baiser est en français une bise et non quelque chose à manger. Le « baiser allemand » est en français la meringue laquelle tu peux acheter chez le pâtissier.
Man könnte annehmen, dass ein Vorteil an der direkten Korrektur ist, dass die Berichtigung des Fehlers gleich nach der Aussage des Schülers bzw. der Schülerin erfolgt, denn es besteht nicht die Gefahr, dass der Fehler, wie etwa bei einer späteren Korrektur, vergessen wird. Die Problematik an der Korrektur ist jedoch, dass man sich als Lehrer nicht die Frage stellen muss, ob eine Korrektur unmittelbar nach der Schüleraussage einsetzen sollte, sondern ob die Korrekturweise in diesem Augenblick den Schüler bzw. die Schülerin überhaupt erreichen kann und dementsprechend einen Nutzen für den Lerner bzw. der Lernerin darstellt. Bei Unterrichtsgesprächen ist es allerdings eher selten, dass direkte Korrekturen tatsächlich vom Lerner aufgenommen werden können, daher sollte der Lehrkörper wirklich nur dann helfen, wenn es ausdrücklich vom Schüler bzw. von der Schülerin demonstriert wird. Der Schüler bzw. die Schülerin ist nämlich in Unterrichtsgesprächen viel zu sehr damit beschäftigt sich auf den Inhalt des Gesagten zu konzentrieren. In dem Moment, in dem der Lehrer bzw. die Lehrerin korrigiert, wird nicht nur der Rede-, sondern gleichermaßen der Gedankenfluss des Lernenden unterbrochen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel im Umgang mit Fehlern im Fremdsprachenerwerb und betont die Notwendigkeit eines vielfältigen Korrekturrepertoires für Lehrkräfte.
2 Grundlegende Prinzipien der Korrektur: Dieses Kapitel diskutiert die Berücksichtigung von Schülerwünschen, die Rolle des Fehlers als Teil des Lernprozesses und Methoden zur Vermeidung von Bloßstellungen.
3 Vor- und Nachteile mündlicher Korrekturtechniken: Hier werden direkte Korrekturformen, indirekte Methoden sowie Ansätze zur Initiierung von Selbstkorrekturen detailliert analysiert und bewertet.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass es kein universell optimales Korrekturverfahren gibt und Lehrkräfte ihre Methoden situativ und dem Lernalter angepasst variieren sollten.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenunterricht, Korrekturverhalten, Fehlerkorrektur, direkte Korrektur, indirekte Korrektur, Selbstkorrektur, Sprachlernprozess, Interferenz, Kommunikationsabsicht, Lehrer-Schüler-Interaktion, didaktische Methoden, mündliche Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse und Bewertung verschiedener mündlicher Korrekturtechniken, die Lehrkräfte im Fremdsprachenunterricht einsetzen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind der pädagogische Umgang mit Fehlern, der Einfluss von Korrekturtechniken auf den Lerner und die praktische Anwendbarkeit verschiedener Methoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, für angehende Lehrkräfte ein Bewusstsein für vielfältige Korrekturstrategien zu schaffen, um die Qualität der Rückmeldung im Unterricht zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller fachdidaktischer Literatur und der methodischen Analyse von Korrekturbeispielen im Fremdsprachenkontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Korrektur sowie eine detaillierte Gegenüberstellung direkter, indirekter und selbstkorrektur-fördernder Verfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Fehlerkorrektur, Selbstkorrektur, didaktisches Handeln und Fremdsprachenerwerb definieren.
Was ist die „correction minute“ und warum ist sie vorteilhaft?
Es handelt sich um eine Methode der anonymen Fehlerbehandlung, die Zeit spart und Bloßstellungen vermeidet, da die Fehler erst zeitversetzt und gemeinsam bearbeitet werden.
Warum favorisiert die Autorin Selbstkorrekturen gegenüber Fremdkorrekturen?
Die Autorin argumentiert, dass Lerner Informationen besser behalten, wenn sie Fehler selbst erkennen und korrigieren, was den Lernprozess nachhaltiger gestaltet.
- Citation du texte
- Master of Education Carolin Kautza (Auteur), 2009, Mündliches Korrekturverhalten von LehrerInnen im Fremdsprachenunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203318