Massenmedien als politischer Sozialisationsträger


Hausarbeit, 2009
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Politische Sozialisation von Kindern
2.1 Definition
2.2 Politische Sozialisationsträger
2.2.1 Familie
2.2.2 Schule
2.2.3 Massenmedien

3 Medienerziehung in der Grundschule
3.1 Warum Medienerziehung in der Grundschule?
3.2 Aufgabenbereiche der Medienerziehung
3.3 Curriculare Vorgaben für die Medienerziehung: Untersuchung des Rahmenlehrplanes Sachunterricht
3.4 Beispiele für aktive Medienerziehung

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kinder lernen heutzutage nicht nur Medien[1] wie Fernseher oder Radio frühzeitig kennen, sie nutzen darüber hinaus Computer und Internet wie selbstverständlich.[2] Dies belegen die folgenden zwei Tabellen, auf die ich an dieser Stelle kurz eingehen möchte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 „Freizeitaktivitäten von 6- bis 13-Jährigen 2006“[3] verdeutlicht, dass Medien einen festen Platz in den Freizeitbereich von Kindern einnehmen. So ist das zentrale und hochgeschätzte Medium für Kinder im Grundschulalter das Fernsehen mit insgesamt 97 Prozent. Das Fernsehen ist gerade aus dem Grund so beliebt, weil es

als Alleskönner fungiert: für Unterhaltung, für Wissensaneignung und auch zum Vertreiben von negativen Stimmungen wie etwa Langeweile oder Frust.[4]

In der zweiten Tabelle[5] wird die Medienausstattung der Haushalte und der 6- bis 13- Jährigen Kinder im Jahre 2006 wiedergegeben. Dieser Tabelle ist zu entnehmen, dass ein Fernsehgerät in allen Haushalten präsent ist und weiterhin sogar zu 44 Prozent im Besitz der oben genannten Altersklasse ist. Des Weiteren haben die Medien Festnetz-Telefon mit 96 Prozent, Handy mit 95 Prozent und auch Computer mit 89 Prozent nahezu in fast allen Haushalten ihre Verbreitung gefunden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die beiden vorgestellten Tabellen zur Medienausstattung und zu den Freizeitaktivitäten verdeutlichen zum Einen, dass bereits Kinder über eigene verschiedene Medien verfügen, und zum Anderen, dass sich Kinder intensiv in ihrer Freizeit mit Medien beschäftigen. Zwar ist erkennbar, dass überwiegend „neue“ Medien wie Computer, Internet, Mobiltelefon und auch der MP3- Player genutzt werden, allerdings kann sich ebenfalls das Buch weiterhin als Kindermedium behaupten. Insgesamt ist festzustellen, dass Medien aller Art einen festen Bestandteil in deren Alltag bilden. In

diesem Zusammenhang wird die heutige Kindheit als „Medienkindheit“ bezeichnet, weil Kinder, und das bereits von klein auf, in der Familie erfahren, dass die direkte Kommunikation und Interaktion mit ihren Eltern und Geschwistern mithilfe von technischen Medien der Kommunikation wie Telefon und Internet stattfindet und bestimmt wird.[6] Auch werden, wie bereits oben erwähnt, Erfahrungen mit Geräten wie Fernseher, Radio und Computer gesammelt. Auf diese Art und Weise lernen sie peu à peu die Funktionsvielfalt von Medien kennen: informieren, entspannen, unterhalten, von der Wirklichkeit ablenken (Eskapismus), soziale Kontakte knüpfen und aufrechterhalten, sowie Identitätsentwicklung und Modell-Lösungen für persönliche Themen. Demnach können den Medien drei übergeordnete Funktionen zugewiesen werden: die situative, die soziale und die biografische Funktion.[7]

Aufgrund der Tatsache, dass den Medien solch eine bedeutsame Rolle im Leben (der Kinder) zukommt, ist ebenso eine Prägung auf unser politisch-gesellschaftliches Leben offensichtlich.[8] Denn wenn Medien aller Art den Lebenszyklus von Kindern und Jugendlichen in allen Lebenslagen begleiten und somit allgegenwärtig sind, dann finden auch politische Erfahrungen über Medien statt.[9] In diesem Kontext gehören Medien neben Schule und Familie zu den zentralen politischen Sozialisationsträgern. Schon dieser Fakt spricht für einen Beginn der Medienerziehung[10] bereits in der Grundschule.

Bevor ich jedoch auf die Medienerziehung in der Grundschule im dritten Punkt ihre Aufgabenbereiche, den Rahmenlehrplan Sachunterricht auf Medienerziehung untersuche, und auf gewählte Praxisbeispiele eingehe, werde ich im Punkt zwei zunächst klären, was unter politische Sozialisation von Kindern verstanden wird, sowie die primären Instanzen von politischer Sozialisation benennen und beschreiben.

2 Politische Sozialisation von Kindern

Die Hauptaufgabe, die sich die politische Sozialisationsforschung stellt, ist das Hineinwachsen der jüngeren Generation in die demokratische politische Kultur mit dem Ziel der Übernahme der Rolle des politischen Bürgers zu erreichen. Erstaunlicherweise wurde dabei bis jetzt kaum die essentielle Bedeutung der Medien berücksichtigt. Der Zusammenhang von Medien und Sozialisation gilt jedoch als unbestritten.[11] In heutigen Zivilisationsgesellschaften wird Politik größtenteils über Medien erfahren. Daraus folgt, dass bereits Kinder und Jugendliche ihre ersten politischen Orientierungen gerade in Auseinandersetzung mit Medien entwickeln. Es ist also nicht zu leugnen, dass Medien uns nicht nur Wissen vermitteln, sondern darüber hinaus vor allem unsere Vorstellungen von der Realität, unser Denken und Handeln beeinflussen und verändern.[12]

2.1 Definition

Greiffenhagen definiert politische Sozialisation als einen lebenslangen Lernprozess, innerhalb dessen ein Individuum sich Persönlichkeitsmerkmale, Kenntnisse, Fähigkeiten, Normen und Werte aneignet, welche politisches Bewusstsein und politisches Verhalten strukturieren und demnach politisch von Bedeutung sind.

Unter politischer Sozialisation von Kindern versteht man die politische Subjektwerdung[13]. Dies meint genauer die Entwicklung von politisch bedeutenden Bewusstseinsstrukturen, was wiederum an der allgemeinen Definition für politische Sozialisation von Greiffenhagen anknüpft.

Politische Sozialisation findet im Prinzip überall statt, wo Interaktion vollzogen wird oder Meinungen ausgetauscht werden.[14] Aus diesem Fakt kann man schlussfolgern, dass Grundschulkinder sowohl in latente, also unbeabsichtigte und unbewusste, als auch in manifeste, also absichtsvolle und zielgerichtete, Sozialisationsprozesse eingebunden sind.[15]

Generell kann man sagen, dass politische Sozialisation zur allgemeinen Sozialisation dazugehört, weil es den „Prozess der […] (Persönlichkeitsentwicklung) in Abhängigkeit und in Auseinandersetzung mit der inneren […] und der äußeren Realität […] (beschreibt).[16] Die innere Realität meint hierbei die Psyche und den Körper, während die äußere Realität die soziale Umwelt ausdrückt. Solch ein Prozess vollzieht sich immer durch sogenannte Sozialisationsträger. Zu den wichtigsten Instanzen poltischer Sozialisation gehören Familie, Schule und die Massenmedien, auf die ich im folgenden Kapitel 2.2 zu sprechen komme.

[...]


[1] Unter Medien versteht man im Allgemeinen Informationsträger. Sie umfassen symbolische Darstellungen wie beispielsweise Gesten, Texte, Signale, Filme, Webseiten und viele mehr. (Sacher 2003, S.1)

[2] Vgl. Anfang/Demmler/Lutz 2003, S.9

[3] Schill 2008, S.104

[4] Vgl. Anfang/Demmler/Lutz 2003, S.20

[5] Schill 2008, S.100

[6] Vgl. Schill 2008, S.155

[7] Vgl. Vollbrecht 2003, S.15

[8] Vgl. Sacher 2003, S.7

[9] Vgl. Hürther/Terlinden 1982, S.10

[10] Als Medienerziehung bezeichnet man die Unterstützung von Lern-, Entwicklungs- und Erziehungsprozessen, die unmittelbar auf die Auseinandersetzung mit Medien, ihrer Nutzung und Gestaltung gerichtet sind. (Sacher 2003, S.1)

[11] Vgl. Schorb 2003, S. 87

[12] Vgl. Kuhn 2000, S.19

[13] Ohlmeier 2007, S.54

[14] Vgl. Hürther/Terlinden 1982, S.9

[15] Vgl. Ohlmeier 2007, S.59

[16] Kuhn 2000, S.19

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Massenmedien als politischer Sozialisationsträger
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Gesellschaft, Geschichte und Kultur
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V203325
ISBN (eBook)
9783656299196
ISBN (Buch)
9783656298939
Dateigröße
1573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Massenmedien, Sozialisationsträger, Sozialisation, politische Sozialisation, Medienerziehung, Grundschule, Schule, Familie
Arbeit zitieren
M.E. Carolin Kautza (Autor), 2009, Massenmedien als politischer Sozialisationsträger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203325

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