Die Berücksichtigung sprachlicher Basisqualifikationen im Sprachstandserhebungsinstrument "Bärenstark"


Hausarbeit, 2010
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die sprachlichen Basisqualifikationen
2.1 Phonische Basisqualifikation
2.2 Pragmatische Basisqualifikation
2.3 Semantische Basisqualifikation
2.4 Morphologisch-syntaktische Basisqualifikation
2.5 Diskursive Basisqualifikation
2.6 Literale Basisqualifikationen I und II

3 Sprachstandserhebungsverfahren
3.1 Schätzverfahren
3.2 Beobachtungen
3.3 Profilanalysen
3.4 Tests

4 Analyse des Sprachstandserhebungsinstrumentes „Bärenstark“
4.1 Grundlagen über das Instrument „Bärenstark“
4.2 Durchführung des Instrumentes „Bärenstark“
4.3 Berücksichtigung der sprachlichen Basisqualifikationen

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Die enge Beziehung zwischen Bildung und Sprache nimmt nicht erst seit dem PISA-Schock im Jahr 2000 wieder eine zentrale Rolle ein. Die PISA-Studie verdeutlichte jedoch, dass Kinder mit eingeschränkten sprachlichen Fähigkeiten auch geringere Bildungschancen hatten. Sowohl die Wissenschaft als auch die Politik sind sich seit längerer Zeit darüber einig, dass sprachfördernde Maßnahmen essentiell sind, um die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Defiziten in ihren deutschen Sprachkenntnissen zu erhöhen. Diese Maßnahmen sind daher so bedeutsam, weil Sprache als eine der zentralen Schlüsselkompetenzen gilt, um am gesellschaftlichen Leben in Deutschland partizipieren zu können.[1] So dient die Sprache uns Menschen dazu sich mit anderen Menschen und den Institutionen in unserer Umwelt zu verständigen, von dessen wir selbst ein Teil sind.[2]

Damit eventuellen Sprachentwicklungsstörungen entgegengewirkt werden kann, findet vielfach individuelle Sprachförderung bereits im Vorschulbereich statt. Damit diese jedoch professionell durchgeführt werden kann, muss vorher der Sprachstand des Kindes mithilfe von Sprachstandfeststellungsverfahren festgestellt werden.[3] Der Einsatz dieser Erhebungen soll es ermöglichen, eine präzise Bestimmung des sprachlichen Leistungsstandes zu erhalten, der wiederum das Erstellen eines individuellen Sprachförderungsplanes erlaubt.

Die Idee für das Thema dieser Hausarbeit „Die Berücksichtigung sprachlicher Basisqualifikationen im Sprachstandserhebungsinstrument „Bärenstark““ entstand im Rahmen des Proseminars 17004 „Sprachkompetenz“, in dem ich, zusammen mit drei Kommilitoninnen, einen Vortrag über den Referenzrahmen zur altersspezifischen Sprachaneignung nach Ehlich gehalten habe. Dieser legt den wissenschaftlichen Kenntnisstand bezüglich kindlicher Sprachaneignung dar, indem eine Übersicht zu den analytisch identifizierbaren Teilbereichen von Sprache, die sprachlichen Basisqualifikationen, gegeben wird.[4]

Da mich besonders die Anwendung der sprachlichen Basisqualifikationen interessiert, möchte ich in dieser vorliegenden Arbeit untersuchen, ob und inwiefern die Teilbereiche der Sprache im Sprachstandserhebungsinstrument „Bärenstark“ berücksichtigt worden sind. Bevor jedoch die Untersuchung durchgeführt wird (Vgl. Kapitel 4), wird zunächst der Untersuchungsgegenstand, nämlich die sprachlichen Basisqualifikationen, in Form eines Überblicks dargestellt (Vgl. Kapitel 2). Darüber hinaus werden die vier gegenwärtigen Sprachstandsverfahrenstypen (Vgl. Kapitel 3) vorgestellt. Schließlich erfolgt in der Schlussbetrachtung (Vgl. Kapitel 5) ein Resümee der Arbeit und der Untersuchungsergebnisse.

2 Die sprachlichen Basisqualifikationen

Die Aneignung einer Sprache ist ein komplexes Geschehen, die neben den traditionellen Bereichen Phonologie, Morphologie, Syntax und Lexik, die Bereiche Semantik, Pragmatik, Diskurs sowie Literalität umfasst. Kinder müssen sich zum Einen diese Formelemente aneignen, aber zum Anderen müssen sie zugleich vor allem lernen, wie sie durch sprachliches Handeln ein Ziel erreichen, also wie sie die Formelemente nutzen können. Damit ist gemeint, dass sie beispielsweise lernen, wie sie in einer Unterhaltung das Wort ergreifen oder auch wie sie eine Geschichte erzählen.[5]

In den folgenden Unterkapiteln erfolgt ein Überblick über die verschiedenen sprachlichen Basisqualifikationen. Es ist zu beachten, dass es sich bei der hier vorliegenden Differenzierung der Basisqualifikationen um eine analytische Differenzierung handelt, denn „das Kind eignet sich nicht einzelne Basisqualifikationen ‚an sich‘ an, sondern als kommunikatives Mittel für die Erreichung kommunikativer Ziele“ (Ehlich 2008:21). In Wirklichkeit sind die jeweiligen Basisqualifikationen beim sprachlichen Handeln eng miteinander verknüpft und dürfen deshalb dabei nicht isoliert betrachtet werden.[6]

Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der Untersuchung um ein Sprachstandser-hebungsinstrument handelt, welches ein halbes Jahr vor der Einschulung eingesetzt wird, werden beim Vorstellen der einzelnen sprachlichen Basisqualifikationen nur jene Aneignungsprozesse genannt, sofern diese vorliegen, die zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr verlaufen und somit relevant für die Untersuchung sind. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die früheren bzw. späteren Prozesse für den Erwerb des jeweiligen Teilbereiches der Sprache nicht ebenso bedeutend sind.

2.1 Phonische Basisqualifikation

Die phonische Basisqualifikation bildet die Basis für eine sprachliche Verständigung im Mündlichen. Die phonische Basisqualifikation, die das Erlernen der Lautsprache erst ermöglicht, beinhaltet sowohl die Wahrnehmung, Produktion und Unterscheidung von Lauten, Silben und Wörtern als auch die Erfassung von intonatorischen Strukturen, wie etwa die Wortprosodie[7]. Die Aneignung von phonischen Kompetenzen wird schon in der pränatalen Phase, also vor der Geburt, eingeleitet und ist normalerweise in den ersten drei Lebensjahren vollendet.[8]

Eine Früherkennung von Schwierigkeiten in der phonischen Entwicklung ist unter anderem deshalb von sehr großer Bedeutsamkeit, da der phonische Teilbereich der Sprache die Grundlage für die Aneignung der Fähigkeiten von den weiteren sprachlichen Basisqualifikationen bildet.[9]

2.2 Pragmatische Basisqualifikation

Unter der pragmatischen Basisqualifikation von Sprache wird verstanden, dass das Kind elementare sprachliche Mittel kennen und nutzen lernt, um sprachlich zu handeln. So lernt das Kind etwa, seine eigene Perspektive von der des Interaktionspartners abzugrenzen und infolgedessen sein sprachliches Handeln auszuführen. Die Abgrenzung dieser Perspektiven spielt unter anderem eine zentrale Rolle bei der Hörerorientierung.[10] Als sprachliches Handeln werden folgende Tätigkeiten verstanden: Fragen, Bestätigen, Widersprechen, aber auch Erzähltes wiedergeben zu können und noch viele weitere.[11]

Zu den grundlegenden Veränderungen beim Kind zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr zählen:

- Erkennen des Frage – Antwort – Musters,
- persönlich Erlebtes wiedergeben,
- Meinungen darlegen und rechtfertigen,
- Stellen und Lösen von Aufgaben.[12]

2.3 Semantische Basisqualifikation

Zu dem semantischen Teilbereich der Sprache zählen neben der Wörteraneignung nicht nur die Begriffsbildung und Übertragung von Bedeutungen, wie beispielsweise bei Metaphern und Redewendungen, sondern auch das Feststellen von Satzbedeutungen, welche unter anderem durch das Zusammenfügen von Wörtern im Satz entstehen.[13]

Der elementare Prozess zum Erwerb der semantischen Basisqualifikation besteht in der Akkumulation des Wortschatzes, was bedeutet, dass ein Aufbau und eine quantitative Erweiterung des aktiven und passiven[14] Wortschatzes stattfindet, welches eine morphologische Differenzierung von Wortarten ermöglicht, die wiederum dazu führt, dass sich der Wortschatz des Kindes peu à peu an die Erwachsenensprache anpasst.[15]

Wesentliche Prozesse für die Aneignung der semantischen Basisqualifikation sind:

- Mehrzweckverben machen, sein, kommen und gehen werden durch handlungsspezifische Verben ersetzt, wie beispielsweise ausschalten anstatt ausmachen,
- für die Wortneubildung werden größtenteils Derivationen[16] verwendet,
- ab dem siebten Lebensjahr kommt es zunehmend zur stärkeren Zielsprachigkeit und seltener zu Wortneubildungen.[17]

[...]


[1] Vgl. Fleischer (2007:138).

[2] Vgl. Ehlich (2008:15).

[3] Vgl. Briedigkeit/ Fried (2006:10).

[4] Vgl. Ehlich (2008:12f.).

[5] Vgl. Ehlich (2008:18).

[6] Vgl. Ehlich (2008:19).

[7] In der Wortprosodie beispielsweise wird erfasst, wie Wörter sich voneinander durch Ton, Betonung und Quantität unterscheiden. Vgl. URL: http://www.ipds.uni-kiel.de/Dokumente/ModulA/L10.pdf, (letzter Zugriff: 20.03.2010).

[8] Vgl. Ehlich (2008:19).

[9] Vgl. Ehlich (2008:40).

[10] Vgl. Ehlich (2008:19).

[11] Vgl. Ehlich (2008:42).

[12] Vgl. Ehlich (2008:46).

[13] Vgl. Ehlich (2008:19).

[14] Während unter einem aktiven Wortschatz der produktive Wortschatz zu verstehen ist, meint der passive Wortschatz den rezeptiven Wortschatz. Vgl. Ehlich (2008:49).

[15] Vgl. Ehlich (2008:49).

[16] Unter dem Begriff Derivation ist die Bildung einer neuen Form durch Anfügen eines Affixes (Präfix oder Suffix) an die Derivationsbasis zu verstehen. Ein Beispiel für Präfigierung: steigen → aus (Präfix) +steigen Vgl. Stein (2005:34).

[17] Vgl. Ehlich (2008:54).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Berücksichtigung sprachlicher Basisqualifikationen im Sprachstandserhebungsinstrument "Bärenstark"
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Sprachkompetenz
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V203326
ISBN (eBook)
9783656299189
ISBN (Buch)
9783656299660
Dateigröße
2991 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bärenstark, sprachliche Basisqualifikationen, Sprachstandserhebungsinstrument, Sprachstandserhebungsverfahren, Schätzverfahren, Beobachtungen, Profilanalysen, Tests
Arbeit zitieren
M.E. Carolin Kautza (Autor), 2010, Die Berücksichtigung sprachlicher Basisqualifikationen im Sprachstandserhebungsinstrument "Bärenstark", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203326

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Berücksichtigung sprachlicher Basisqualifikationen im Sprachstandserhebungsinstrument "Bärenstark"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden