Die enge Beziehung zwischen Bildung und Sprache nimmt nicht erst seit dem PISA-Schock im Jahr 2000 wieder eine zentrale Rolle ein. Die PISA-Studie verdeutlichte jedoch, dass Kinder mit eingeschränkten sprachlichen Fähigkeiten auch geringere Bildungschancen hatten. Sowohl die Wissenschaft als auch die Politik sind sich seit längerer Zeit darüber einig, dass sprachfördernde Maßnahmen essentiell sind, um die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Defiziten in ihren deutschen Sprachkenntnissen zu erhöhen. Diese Maßnahmen sind daher so bedeutsam, weil Sprache als eine der zentralen Schlüsselkompetenzen gilt, um am gesellschaftlichen Leben in Deutschland partizipieren zu können. So dient die Sprache uns Menschen dazu sich mit anderen Menschen und den Institutionen in unserer Umwelt zu verständigen, von dessen wir selbst ein Teil sind.
Damit eventuellen Sprachentwicklungsstörungen entgegengewirkt werden kann, findet vielfach individuelle Sprachförderung bereits im Vorschulbereich statt. Damit diese jedoch professionell durchgeführt werden kann, muss vorher der Sprachstand des Kindes mithilfe von Sprachstandfeststellungsverfahren festgestellt werden. Der Einsatz dieser Erhebungen soll es ermöglichen, eine präzise Bestimmung des sprachlichen Leistungsstandes zu erhalten, der wiederum das Erstellen eines individuellen Sprachförderungsplanes erlaubt.
... Da mich besonders die Anwendung der sprachlichen Basisqualifikationen interessiert, möchte ich in dieser vorliegenden Arbeit untersuchen, ob und inwiefern die Teilbereiche der Sprache im Sprachstandserhebungsinstrument „Bärenstark“ berücksichtigt worden sind. Bevor jedoch die Untersuchung durchgeführt wird (Vgl. Kapitel 4), wird zunächst der Untersuchungsgegenstand, nämlich die sprachlichen Basisqualifikationen, in Form eines Überblicks dargestellt (Vgl. Kapitel 2). Darüber hinaus werden die vier gegenwärtigen Sprachstandsverfahrenstypen (Vgl. Kapitel 3) vorgestellt. Schließlich erfolgt in der Schlussbetrachtung (Vgl. Kapitel 5) ein Resümee der Arbeit und der Untersuchungsergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die sprachlichen Basisqualifikationen
2.1 Phonische Basisqualifikation
2.2 Pragmatische Basisqualifikation
2.3 Semantische Basisqualifikation
2.4 Morphologisch-syntaktische Basisqualifikation
2.5 Diskursive Basisqualifikation
2.6 Literale Basisqualifikationen I und II
3 Sprachstandserhebungsverfahren
3.1 Schätzverfahren
3.2 Beobachtungen
3.3 Profilanalysen
3.4 Tests
4 Analyse des Sprachstandserhebungsinstrumentes „Bärenstark“
4.1 Grundlagen über das Instrument „Bärenstark“
4.2 Durchführung des Instrumentes „Bärenstark“
4.3 Berücksichtigung der sprachlichen Basisqualifikationen
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern die theoretisch fundierten sprachlichen Basisqualifikationen im Sprachstandserhebungsinstrument „Bärenstark“ berücksichtigt werden, um die Eignung des Instruments für die Feststellung von Förderbedarf bei Kindern vor der Einschulung zu bewerten.
- Theoretische Fundierung der sprachlichen Basisqualifikationen nach Ehlich
- Kategorisierung von Sprachstandserhebungsverfahren
- Detaillierte Analyse des Berliner Instruments „Bärenstark“
- Überprüfung der Erfassungsleistung bezüglich spezifischer Teilbereiche von Sprache
- Diskussion der Grenzen von Testverfahren in der Sprachstandsfeststellung
Auszug aus dem Buch
4.2 Durchführung des Instrumentes „Bärenstark“
Nach einem kurzen Gespräch mit den Eltern, wird mit dem Kind einführend eine basisbildende mündliche Befragung durchgeführt, in der dem Kind sieben Fragen gestellt werden, wie beispielsweise „Wie heißt du?“ oder „Wie alt bist du?“. Nachdem das Kind die Fragen beantwortet hat, muss der Lehrer bzw. die Lehrerin einschätzen, ob die entsprechenden Fragen beantwortet wurden oder nicht.30 Daraufhin wird der Sprachstand des Kindes in vier verschiedenen Aufgabenbereichen erhoben, wobei ein Teddybär zum Einen eine wiederkehrende, motivierende Leitfigur für die Kinder darstellen soll und zum Anderen dazu beitragen soll, dass die Lehrer-Kind-Beziehung kindgemäß gestaltet ist.31
Es werden im Folgenden diese vier Aufgabenbereiche skizziert32. Zum besseren Verständnis und Veranschaulichung befinden sich darüber hinaus im Anhang Arbeitsblätter vom Instrument „Bärenstark“.
In dem ersten Aufgabenbereich soll das Kind zuerst fünf ausgewählte Körperteile an dem Teddybären und anschließend an sich selbst zeigen. Im Anschluss daran, soll das Kind weitere fünf Körperteile der Lehrerin in der Pluralform nennen (Vgl. Anhang 1). Das Erfassen und Wiedergeben von Handlungen anhand eines Bildes, welches in Form eines fünfteiligen Puzzles vorliegt, ist der Inhalt des zweiten Aufgabenbereiches (Vgl. Anhang 2). Im dritten Aufgabenbereich soll das Kind Unterschiede von zehn Bildpaaren feststellen und verbalisieren (Vgl. Anhang 3). Der letzte Aufgabenbereich ist nochmals in zwei Teilbereiche unterteilt. In dem ersten Teilbereich soll das Kind sein Verstehen von Präpositionen beweisen, indem es den Teddybären „auf“, „hinter“ oder „in“ ein Objekt positioniert. Im Anschluss daran wird im zweiten Teilbereich ebenfalls überprüft, ob das Kind die Präpositionen versteht. Dafür legt der Lehrer bzw. die Lehrerin den Plüschbären „unter“ oder „auf“ das Bett und das Kind soll dem Lehrer bzw. der Lehrerin sagen, wo sich das Stofftier befindet.
Durch die kommunikativen Handlungssituationen, welche in allen vier Aufgabenbereichen präsent sind, wird dem Kind schließlich die Möglichkeit gegeben, sich spontan und selbstbestimmt zu artikulieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit erläutert die Bedeutung sprachlicher Fähigkeiten für Bildungschancen und leitet daraus die Notwendigkeit von Sprachstandserhebungen ab, um den Förderbedarf von Kindern gezielt zu bestimmen.
2 Die sprachlichen Basisqualifikationen: Dieses Kapitel definiert die zentralen Teilbereiche der Sprache – Phonik, Pragmatik, Semantik, Morphologie-Syntax, Diskurs und Literalität – als analytisches Modell für die kindliche Sprachentwicklung.
3 Sprachstandserhebungsverfahren: Es werden verschiedene methodische Ansätze zur Sprachstandsmessung wie Schätzverfahren, Beobachtungen, Profilanalysen und Tests systematisch vorgestellt und differenziert.
4 Analyse des Sprachstandserhebungsinstrumentes „Bärenstark“: Das Kapitel bietet eine detaillierte Beschreibung des Instruments „Bärenstark“ und untersucht, welche sprachlichen Basisqualifikationen in den vier Aufgabenbereichen tatsächlich erhoben werden.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass das Instrument zwar nur einen Teil der Basisqualifikationen abdeckt, dies jedoch testtypisch ist und wissenschaftliche Erkenntnisse für zukünftige Entwicklungen grundlegend bleiben.
Schlüsselwörter
Sprachstandserhebung, Bärenstark, Basisqualifikationen, Sprachkompetenz, Kindliche Sprachaneignung, Sprachförderung, Sprachdiagnostik, Phonische Basisqualifikation, Pragmatische Basisqualifikation, Semantische Basisqualifikation, Morphologisch-syntaktische Basisqualifikation, Testverfahren, Schulpraxis, Förderbedarf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwiefern das Sprachstandserhebungsinstrument „Bärenstark“ die wissenschaftlich definierten sprachlichen Basisqualifikationen bei Kindern vor der Einschulung berücksichtigt.
Welches ist das zentrale Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die kritische Prüfung des Instruments „Bärenstark“ hinsichtlich seiner diagnostischen Abdeckung der verschiedenen sprachlichen Teilbereiche, um dessen Eignung zur Ableitung von Sprachförderbedarf zu beurteilen.
Welche Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen der Sprachentwicklung (Basisqualifikationen), die Klassifizierung von Erhebungsverfahren sowie die spezifische Anwendung und Analyse des Instruments „Bärenstark“.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine analytische Hausarbeit, die auf einer Literaturrecherche zu den Grundlagen der Sprachaneignung (Ehlich) sowie einer strukturellen Analyse des Erhebungsinstruments „Bärenstark“ basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Basisqualifikationen und Verfahrenstypen theoretisch fundiert, bevor eine detaillierte Analyse der vier Aufgabenbereiche von „Bärenstark“ erfolgt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind Sprachstandserhebung, Sprachaneignung, Basisqualifikationen, Diagnostik und Sprachförderung.
Was ist das Ergebnis der Analyse für das Instrument „Bärenstark“?
Das Instrument deckt die pragmatische, semantische und morphologisch-syntaktische Basisqualifikation ab, während diskursive und literale Fähigkeiten nicht explizit geprüft werden.
Warum finden manche Teilbereiche keine Beachtung in „Bärenstark“?
Die Arbeit stellt fest, dass dies dem Verfahrenstypus „Test“ geschuldet ist, der oft nur spezifische Phänomene in kontrollierten Situationen erfasst und nicht alle Aspekte der Sprachkompetenz abbilden kann.
- Citar trabajo
- M.E. Carolin Kautza (Autor), 2010, Die Berücksichtigung sprachlicher Basisqualifikationen im Sprachstandserhebungsinstrument "Bärenstark", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203326