Im Rahmen der Arbeit wird der Einfluss gesellschaftlicher Akteure auf die internationale Klimapolitik untersucht. Die Forschungsfrage der Arbeit lautet: Wird die internationale Klimapolitik durch nationalstaatliche Präferenzen bestimmt? Trifft dies zu, so sollte die nationalstaatliche Präferenzbildung in den Fokus gerückt werden, will man die internationalen Verhandlungen zum Klimawandel erklären. In der Arbeit wird hierzu die Hypothese aufgestellt, dass Staaten eher eine Bremserrolle in den internationalen Verhandlungen einnehmen, wenn einflussreiche nationalstaatliche gesellschaftliche Akteure ihre Interessen durch etwaige Abkommen bedroht sehen.
Zur Beantwortung der Frage werden die beiden Länder mittels des Neoliberalismus von A. Moravcsik untersucht. Neben den Rahmenbedingungen wird die gesellschaftliche Interessenlage analysiert. An die beiden Länderuntersuchungen schließt sich dann eine Analyse der Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll an.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Neoliberalismus nach Andrew Moravcsik
3 Grundlagen der internationalen Klimapolitik
4 Allgemeine Bedingungen gesellschaftlicher Interessendurchsetzung
5 Die Analyse der gesellschaftlichen Interessenlage von Deutschland
5.1 Ausgangslage
5.2 Politische Rahmenbedingungen im klimapolitischen Verhandlungsprozess
5.3 Wirtschaftsinteressen
5.4 Umweltschutzinteressen
5.5 Einstellung der Bevölkerung zum Umweltschutz
6 Die Analyse der gesellschaftlichen Interessenlage der USA
6.1 Ausgangslage
6.2 Politische Rahmenbedingungen im klimapolitischen Verhandlungsprozess
6.3 Wirtschaftsinteressen
6.4 Die konservative Bewegung
6.5 Umweltschutzinteressen
6.6 Einstellung der Bevölkerung zum Umweltschutz
7 Die internationalen Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll
8 Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die internationale Klimapolitik durch nationalstaatliche Präferenzen geprägt ist, die von gesellschaftlichen Akteuren geformt werden. Anhand der Theorie des Neoliberalismus von Andrew Moravcsik wird ein Vergleich zwischen den USA und Deutschland gezogen, um zu analysieren, wie unterschiedliche Interessenlagen und politische Rahmenbedingungen die Verhandlungspositionen der beiden Länder im Kontext des Kyoto-Protokolls beeinflusst haben.
- Neoliberalismus als theoretischer Rahmen zur Interessenanalyse.
- Einfluss gesellschaftlicher Akteure auf staatliche Verhandlungspositionen.
- Vergleich der nationalen Interessenlagen in Deutschland und den USA.
- Analyse der klimapolitischen Strategien von Wirtschafts- und Umweltakteuren.
- Rolle des politischen Systems bei der Durchsetzung spezifischer Interessen.
Auszug aus dem Buch
3 Grundlagen der internationalen Klimapolitik
Die Schwierigkeit in der internationalen Klimapolitik eine Lösung zu finden lässt sich mit der „tragedy of the commons“ von Garrett Hardin beschreiben. Hiernach sind Allmendegüter der Erde, wie die Qualität der Atmosphäre, begrenzt, aber frei für alle verfügbar. Ein Ausschluss davon ist nur schwer möglich. Wird die Atmosphäre nun durch Freisetzung von THG-Emissionen verschmutzt, werden die Kosten von der Allgemeinheit getragen, während die Gewinne, die durch die Verschmutzung entstehen, dem Verursacher zugutekommen. Da der Zugang ungeregelt ist, besteht kaum ein Anreiz, das umweltschädliche Verhalten einzustellen. Vielmehr läuft ein rationaler Akteur Gefahr Gewinne durch die Verschmutzung der Atmosphäre zu verlieren, da andere Akteure ihm im Verbrauch der Ressource zuvor kommen könnten.
Will man diese Situation verändern, muss der Zugang zum Allemendegut geregelt werden. (Fricke 2001:110-112) Im Falle des Klimawandels benötigt es dazu einer globalen Regelung. Eine Lösung kann weiter durch das Trittbrettfahrerproblem erschwert werden (Olson 1998). Entschließen sich einige Staaten, ihre THG-Emissionen zu senken, andere hingegen nicht, können Letztere von den Maßnahmen der ersten Gruppe profitieren und trotzdem weiterhin ihre Treibhausgase ungehindert freisetzen.
Der Stand der Forschung zum Klimawandel wird vom 1988 gegründeten Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zusammengefasst und in den IPCC-Berichten veröffentlicht. Eigene Forschung betreibt das IPCC nicht. Als zwischenstaatlicher Ausschuss haben die Regierungen der Mitglieder Einfluss auf die Arbeit des IPCC. So werden die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger im politischen Konsens beschlossen. (Oberthür & Ott 2000:28-29) Für die vorliegende Arbeit gibt der zweite IPCC-Bericht vom Dezember 1995 den Stand der Forschung wieder. Darin heißt es: “The balance of evidence suggests a discernible human influence on the global climate” (IPCC 1995:22).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problematik des Klimawandels, der Relevanz des Kyoto-Protokolls und Definition der Forschungsfrage nach dem Einfluss nationalstaatlicher Faktoren.
2 Der Neoliberalismus nach Andrew Moravcsik: Erläuterung der theoretischen Grundlage, die den Fokus von rein systemischen Faktoren auf die Interessenbildung gesellschaftlicher Akteure innerhalb von Staaten verlagert.
3 Grundlagen der internationalen Klimapolitik: Analyse der klimapolitischen Herausforderungen als Allmende-Problem und Darstellung des Forschungsstandes zum Klimawandel durch den IPCC.
4 Allgemeine Bedingungen gesellschaftlicher Interessendurchsetzung: Theoretische Herleitung, warum spezifische Interessen kleinerer Gruppen oft erfolgreicher in den politischen Prozess eingebracht werden als allgemeine Kollektivgüter.
5 Die Analyse der gesellschaftlichen Interessenlage von Deutschland: Untersuchung der deutschen Ausgangslage, der politischen Rahmenbedingungen sowie der Akteure (BDI, ENGOs) und deren Einfluss auf die Klimapolitik.
6 Die Analyse der gesellschaftlichen Interessenlage der USA: Untersuchung der US-Ausgangslage und der politischen Struktur, inklusive der einflussreichen GCC und der konservativen Bewegung, die als Bremser auftreten.
7 Die internationalen Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll: Chronologische Analyse des Verhandlungsprozesses bis zum Abschluss des Kyoto-Protokolls unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen von USA, Deutschland und weiteren Akteuren.
8 Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, in der die Hypothese bestätigt wird, dass gesellschaftliche Akteure die staatliche Position in Verhandlungen maßgeblich beeinflussen können.
Schlüsselwörter
Klimapolitik, Kyoto-Protokoll, Neoliberalismus, Andrew Moravcsik, Interessenbildung, Deutschland, USA, Treibhausgasemissionen, Wirtschaftsinteressen, Umweltschutzinteressen, Lobbying, Klimawandel, gesellschaftliche Akteure, internationale Verhandlungen, Klimaschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie nationalstaatliche Interessen, die durch gesellschaftliche Gruppen wie Wirtschaftsverbände oder Umweltorganisationen geprägt werden, die Positionen von Staaten in internationalen Klimaverhandlungen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Theorie des Neoliberalismus, die Klimapolitik der 1990er Jahre, der Vergleich zwischen Deutschland und den USA sowie die Rolle von Lobbygruppen in beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wird die internationale Klimapolitik durch nationalstaatliche Präferenzen bestimmt? Ziel ist es zu prüfen, ob die Interessen einflussreicher gesellschaftlicher Akteure als Indikator für die Rolle eines Staates (Vorreiter oder Bremser) dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoriegeleitete, vergleichende Analyse des Neoliberalismus nach Andrew Moravcsik angewandt, um die nationalstaatliche Interessenbildung und deren Auswirkungen auf internationale Verhandlungen systematisch zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Untersuchung der deutschen und US-amerikanischen Interessenslandschaften und eine detaillierte Analyse der Verhandlungsprozesse, die zum Kyoto-Protokoll führten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Klimapolitik, Kyoto-Protokoll, Neoliberalismus, Interessenbildung, BDI, ENGOs, Lobbying und internationale Verhandlungen sind prägend für den Inhalt.
Welche Rolle spielt der BDI bei der deutschen Verhandlungsposition?
Der BDI agiert als wichtiger Wirtschaftsvertreter, der durch Selbstverpflichtungserklärungen versucht, ordnungsrechtliche Maßnahmen zu vermeiden, was im Untersuchungszeitraum die deutsche Klimapolitik in Richtung freiwilliger Vereinbarungen beeinflusste.
Warum wird die USA im Vergleich zu Deutschland als "Bremser" eingestuft?
Die Analyse zeigt, dass in den USA einflussreiche Wirtschaftsakteure (wie die GCC) und konservative Netzwerke erfolgreich gegen verbindliche Klimaziele mobilisierten, was zu einer ablehnenden Haltung des US-Senats führte.
Wie beeinflussen "think-tanks" die US-Klimapolitik?
Konservative "think-tanks" nutzen Studien und Konferenzen, um Klimaforschung zu diskreditieren und die Notwendigkeit politischer Maßnahmen in der Öffentlichkeit und bei Senatoren in Frage zu stellen.
- Citar trabajo
- Dennis Diestertich (Autor), 2012, Der Einfluss gesellschaftlicher Gruppen auf die internationale Klimapolitik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203349