Mit diesem Aufsatz versuche ich zu skizzieren, was die Grundideen des Pragmatischen Dualismus sind und wo er in der Landkarte des Bereichs namens ´Philosophie des Geistes´ verortet werden kann.
Der pragmatische Dualismus ist eine alternative Position, mit der die theoretischen Schwierigkeiten der beiden dominierenden Positionen in der Gegenwartsphilosophie des Geistes, also der Naturalismus einschließlich des Physikalismus und der Eigenschaftsdualismus überwunden werden können.
Um meine Position zu skizzieren, werde ich erstens die Kritik des Eliminativismus an der klassischen Identitätstheorie, zweitens eine alternative Idee von Thomas Nagel für die klassische Identitätstheorie und drittens eine andere alternative Idee von Karl Popper erläutern und kritisch bewerten. Danach werde ich abschließend meine Strategie und die Grundideen des pragmatischen Dualismus als Problemlösungsversuch formulieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Kritik des Eliminativismus an der Identitätstheorie
3. Nagels Vorschlag und seine Probleme
4. Ein Gedankenexperiment: was wissen die Neirwaneans nicht?
5. Poppers Vorschlag und seine Probleme
6. Die negative und die positive Rolle der Philosophie
7. Grundidee des pragmatischen Dualismus
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Spannungsfelder zwischen dem humanistischen und dem naturalistischen Menschenbild in der zeitgenössischen Philosophie des Geistes und entwickelt den Ansatz des „pragmatischen Dualismus“ als Lösungsmodell, um die Dualität menschlicher Existenz – als physisches Wesen und als Person in einer Lebenswelt – vereinbar zu machen.
- Kritische Analyse klassischer Identitätstheorien und des eliminativen Materialismus.
- Diskussion erkenntnistheoretischer Grenzen durch Gedankenexperimente (Nirwaneans).
- Evaluation von Lösungsansätzen von Thomas Nagel und Karl Popper.
- Erweiterung des Realismusbegriffs zur Integration lebensweltlicher Aspekte.
- Konzeptualisierung einer „Hermeneutik der Person“ als komplementäre Methode zur Naturwissenschaft.
Auszug aus dem Buch
4. Ein Gedankenexperiment
Um weiter zu diskutieren, möchte ich ein Gedankenexperiment durchführen, das grundsätzlich auf dem von Roty in »Philosophy and the Mirror of Nature« durchgeführten Antipoden-Gedankenexperiment basiert. Nehmen wir einmal an, dass es noch einen anderen Planet-N neben dem Planet-A, auf dem Antipoden leben, geben könnte. Auf diesem Planet-N leben die Nirwaneans. Die Nirwaneans und die Antipoden sind gleichartige Menschenwesen, und wohnten zusammen auf dem Planet-A. Aber vor einigen tausend Jahren haben einige Antipoden den Planet-A verlassen und es ist ihnen gelungen, sich auf dem Planet-N anzusiedeln. Seitdem entwickelten die Nirwaneans eine eigene Zivilisation. Die beiden sind dem Menschen ganz ähnlich. Sie haben z.B. nicht nur einen Körper mit zwei Armen und Beinen, sondern auch ein gleiches Nervensystem und Gehirn. Sie haben eine hochentwickelte Zivilisation. Aber es gibt einen einzigen und entscheidenden Unterschied: Es ist den Nirwaneans gelungen, ein vollständiges physikalisches Wissen zu erlangen. Mit diesem vollständigen Wissen sind die Nirwaneans in der Lage, die kausale Beziehung aller Phänomen und Ereignisse im Universum perfekt zu erklären und die Entstehung der emergenten Eigenschaften exakt vorauszusagen. In ihrer deterministischen Weltanschauung gibt es keinen Platz für den Zufall.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Grundideen des pragmatischen Dualismus und dessen Verortung innerhalb der aktuellen Philosophie des Geistes.
2. Die Kritik des Eliminativismus an der Identitätstheorie: Analyse der ontologischen Probleme der klassischen Identitätstheorie sowie der eliminativistischen Strategie, mentale Zustände als nicht existent zu betrachten.
3. Nagels Vorschlag und seine Probleme: Untersuchung von Thomas Nagels Versuch, mentale Zustände über den Begriff der Person neu zu definieren, und die damit verbundenen konzeptionellen Schwierigkeiten.
4. Ein Gedankenexperiment: was wissen die Neirwaneans nicht?: Ein Gedankenexperiment verdeutlicht, dass physikalisches Wissen allein nicht ausreicht, um die subjektive Bedeutung menschlicher Erfahrung vollumfänglich zu erfassen.
5. Poppers Vorschlag und seine Probleme: Darstellung von Poppers Modell der drei Welten und seiner Theorie der emergenten Evolution, verbunden mit einer kritischen Würdigung des Interaktionismus.
6. Die negative und die positive Rolle der Philosophie: Erörterung der Aufgaben der Philosophie, insbesondere im Hinblick auf die Vermittlung zwischen wissenschaftlicher Analyse und lebensweltlichem Selbstverständnis.
7. Grundidee des pragmatischen Dualismus: Formulierung des pragmatischen Dualismus als Ansatz, der die duale Existenzweise des Menschen durch Komplementarität statt durch Reduktion begreift.
Schlüsselwörter
Pragmatischer Dualismus, Philosophie des Geistes, Identitätstheorie, Eliminativer Materialismus, Naturalismus, Physische Zustände, Person, Lebenswelt, Komplementarität, Subjektivität, Erkenntnistheorie, Mentale Zustände, Hermeneutik der Person, Ontologie, Physikalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Leib-Seele-Problem und der Frage, wie sich unser Selbstverständnis als Personen mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften versöhnen lässt.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Philosophie des Geistes, die Grenzen des Naturalismus, die Bedeutung ontologischer Kategorien und die methodische Ergänzung naturwissenschaftlicher Forschung durch geisteswissenschaftliche Perspektiven.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Etablierung des „pragmatischen Dualismus“ als einen neuen theoretischen Ausweg, der die Dualität menschlicher Existenz anerkennt, ohne die Prinzipien der Naturwissenschaften in Abrede zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine analytische und hermeneutische Vorgehensweise gewählt, die durch Gedankenexperimente ergänzt wird, um die Grenzen reduktionistischer Ansätze aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert kritisch die Positionen von Feyerabend, Nagel und Popper und führt ein eigenes Gedankenexperiment ein, um die Notwendigkeit einer pragmatischen Wende in der Philosophie zu untermauern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Komplementarität, Lebenswelt, Person, ontologischer Monismus, Reduktionismus und pragmatische Wende geprägt.
Was genau ist das „Undeutlichkeitsproblem“?
Dieses Problem beschreibt die Schwierigkeit der Identitätstheoretiker, den ontologischen Status mentaler Zustände zu bestimmen, ohne entweder in einen Dualismus zu verfallen oder die Existenz der mentalen Phänomene gänzlich zu leugnen.
Warum hält der Autor die Utopie der Eliminativisten für gescheitert?
Der Autor argumentiert, dass der Mensch nicht nur als physikalisches System existiert, sondern immer auch innerhalb eines lebensweltlichen Kontextes handelt, der durch rein physiologische Vokabulare nicht vollständig abgebildet werden kann.
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- Doktorand Namho Kim (Autor), 2012, Die Identitätstheorie, der eliminative Materialismus und der pragmatische Dualismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203498