Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Ausprägungen und Facetten
der Diakonie, wie sie in einigen chilenischen Einrichtungen gelebt wird. Der Grund
dafür liegt in den wenig erforschten Auffassungen und Formen der diakonischen
Tätigkeit in Chile. Das diakonische Handeln, realisiert durch das Modell der
therapeutischen Hausgemeinschaft für Suchtkranke bildet somit die Basis, auf welcher
die vorliegende Arbeit beruht. Die Hausgemeinschaften thematisieren Heilung in der
Beziehungskonstellation zwischen Gott und den Menschen und der die von Menschen
untereinander gebildet wird. Einen Schwerpunkt meiner Arbeit bilden daher die
therapeutischen Aspekte des Themas Heilung. Die daraus abgeleitete und zu prüfende
Hypothese lautet: Heilung, wie sie im Neuen Testament gezeigt und in Chile praktiziert
wird, geht über die von Buber und Rogers vorgestellten Heilungsprozesse hinaus.
Außerdem rücken die Thematik der finanziellen Unterstützung und die Frage des
Fachpersonals in den Fokus der Untersuchung.
Eine Annäherung an die Situation der Diakonie in Chile soll durch eine Befragung
erfolgen, die in Berichtsform dargestellt wird. Obwohl die Interviews nicht
repräsentativ sind, können sie wertvolle Einblicke in die diakonische Arbeit eröffnen.
Der Veranschaulichung der Thematik der Heilung durch die diakonische Gemeinschaft
sollen insbesondere die Interviews dienen, die ich in chilenischen Einrichtungen
gemacht habe. Einerseits gilt es, damit die Motivation für diakonische Tätigkeit
aufzuzeigen, und andererseits die Art der zu heilenden Verletzung näher zu betrachten.
Ausgangspunkt der Untersuchungen im dritten Abschnitt ist der therapeutische Ansatz
zum Heilungsprozess, wie er bei dem Philosophen und Pädagogen Martin Buber und
bei dem Gesprächstherapeuten Carl Rogers zu finden ist. In einem weiteren Schritt der
Analyse wird dargestellt, inwieweit sich deren Ansätze in den verschiedenen
diakonischen Einrichtungen wiederfinden, bzw. welche anderen Muster zu beobachten
sind, etwa in dem einer Hausgemeinschaft.
Folgende zwei Leitfragen sind Schwerpunkte der Arbeit:
1. In welchem Ausmaß finden sich die therapeutischen Ansätze, also das „dialogische
Prinzip“ Bubers bzw. die „Gesprächstherapie“ von Rogers, in der diakonischen
Gemeindearbeit in Chile wieder?[...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil I Diakonisches Modell der Hausgemeinschaft in Chile (bezieht sich auf ein Rehabilitationszentrum für Alkohol- und Drogenabhängige)
1.1 Religiöse Aspekte in Chile
1.2 Angewandte Methoden zur Darstellung der chilenischen Modelle/Beispiele
1.3 Berichte aus dem Interview mit Mitgliedern der chilenischen Therapieeinrichtungen
1.3.1 Zentrum: „Siquem: Centro de restauración familiar“
1.3.2 Zentrum: „Crehad: Rehabilitationszentrum für Männer“
1.3.3 Zentrum: „Hogar Casa del Alfarero“
1.3.4 Zentrum: „Crehad: Comunidad Terapéutica La Cisterna“
1.3.5 Zentrum: „Centro de Rehabilitación Yireh“
1.4 Hintergrund zum Verständnis der diakonischen Hausgemeinschaft
1.4.1 Das Leitbild der Diakonie in Chile und Deutschland
1.4.2 Finanziellen Ressourcen
1.5 Der Aspekt der Rituale im Hausgemeinschaftsmodell
Teil II Der Heilungsprozess durch den Glauben
2.1 Annährungen an den Begriff der Heilung bei Gerd Theißen
2.2 Das Element des Vertrauens im Heilungsprozess
2.3 Die positive Auswirkung des Glaubens auf den Menschen
2.4 Das Anwendung des Glaubensprozesses in der Hausgemeinschaft
2.4.1 Dynamik der Nächstenliebe in der Hausgemeinschaft
2.4.2 Das Motiv der Barmherzigkeit in der Hausgemeinschaft
2.4.3 Solidarität als diakonischer Faktor der Hausgemeinschaften
Teil III Auswirkungen zwischenmenschlicher Beziehungen, die auf diakonische Einrichtungen in Chile zutreffen
3.1 Der Einfluss der Beziehungskonstellation auf Menschen
3.2 Beziehungsprozesse bei Martin Buber
3.2.1 Die drei Sphären der Beziehung
3.2.2 Der Begriff „Urdistanz“ bei Martin Buber
3.2.3 Das dialogische Prinzip
3.3 Beziehungsaspekte im „Ich und Du“ bei Martin Buber
3.4 Bubers Einfluss auf die Therapie
3.5 Carl Rogers: die Gesprächspsychotherapie
3.6 Charakteristika des nicht-direktiven Ansatzes von Rogers
3.6.1 Das Element der Kongruenz oder Echtheit
3.6.2 Die Empathie bei Rogers
3.6.3 Die Wertschätzung des Therapeuten gegenüber dem Klienten
3.7 Therapieprozesse bei Rogers
3.8 Die therapeutische Gruppe bei Rogers
IV Auswirkungen des Glaubens, der Ritualdimension und der therapeutischen Ansätze auf das Modell der Hausgemeinschaft
4.1 Effekte der Wahrnehmung in einer Hausgemeinschaft
4.2 Wahrnehmungsprozesse nach Martin Buber und Carl Rogers
4.3 Ein Skizzierung der Rituale in der Hausgemeinschaft in Chile
4.4 Anwendung des empathischen Faktors im Hausgemeinschaftsmodell
4.5 Martin Bubers „dialogisches Prinzip“ und das Hausgemeinschaftsmodell
4.6 Carl Rogers Ansatz und das Hausgemeinschaftsmodell
4.7 Unterschiede zwischen therapeutischem Ansatz und dem Hausgemeinschaftsmodell
Fazit
Bibliographie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Masterarbeit untersucht diakonische Hilfsmodelle für Suchtkranke in Chile. Ziel ist es, die Wirksamkeit therapeutischer Hausgemeinschaften zu analysieren, deren Praxis mit den Theorien von Martin Buber und Carl Rogers zu vergleichen und zu prüfen, inwieweit Heilungsprozesse in diesem Kontext über bestehende therapeutische Ansätze hinausgehen.
- Analyse diakonischer Hausgemeinschaften für Suchtkranke in Chile.
- Untersuchung der Heilungsprozesse durch Gemeinschaft, Glauben und Rituale.
- Vergleich der chilenischen Praxis mit den Ansätzen von Martin Buber (dialogisches Prinzip) und Carl Rogers (Gesprächspsychotherapie).
- Rolle von Finanzen, Fachpersonal und ehrenamtlichem Engagement in diakonischen Einrichtungen.
- Bedeutung von Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Solidarität als diakonische Faktoren.
Auszug aus dem Buch
1.3.1 Zentrum: „Siquem: Centro de restauración familiar“
Diese Einrichtung befindet sich in Isla de Maipo, eine Stunde von Santiago de Chile entfernt, und kann bis zu 15 drogen- und alkoholabhängige Frauen aufnehmen. Das Projekt „Siquem: Centro de restauración familiar“ ist ein Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, süchtigen Frauen, die mindestens 18 Jahre alt sind und die aus eigenem Willen in das Zentrum kommen, zu helfen. Die Heilungsaussichten liegen bei etwa 50 %. Es ist auch als eine kirchliche Einrichtung vor Ort anerkannt. Die Arbeit wird kaum von öffentlichen Trägern finanziert, sondern lebt vorrangig von den Mitteln der konfessionellen freien Kirchen und von privaten Spenden.
Das Zentrum wird von einer Frau – Ximena Salinas - geleitet, die in Verbindung mit einer christlichen Gemeinde steht. Die regelmäßigen Gottesdienste werden in einer nahe gelegenen Gemeinde gefeiert. Ein zusätzliches Problem dieser Einrichtung ist, dass die Frauen meistens ein oder zwei Kinder haben, die für die Zeit der Therapie möglichst in einer Familie betreut werden müssen. Nach Möglichkeit werden die Frauen und deren Kinder von dieser Familie unterstützt. Dadurch gelingt die Reintegration in die Gesellschaft.
Dieses Zentrum betreibt seit September 2011 eine Bäckerei, die das Bindeglied zwischen den Menschen in der Einrichtung und den Menschen der Kirchengemeinde ist. Die Mitarbeiterinnen arbeiten ehrenamtlich. Da sie ab und zu ausfallen, muss die Leiterin ein hohes Maß an Flexibilität haben und oft selbst die anfallende Arbeit übernehmen. In der Einrichtung wird nicht nur ein kostenloses Gesundheitssystem angeboten, sondern auch ein wöchentliches Therapiegespräch mit einem Psychologen. Dazu kommt eine körperliche Tätigkeit: zweimal in der Woche Gymnastik.
Zusammenfassung der Kapitel
Teil I Diakonisches Modell der Hausgemeinschaft in Chile (bezieht sich auf ein Rehabilitationszentrum für Alkohol- und Drogenabhängige): Dieses Kapitel stellt fünf chilenische Therapieeinrichtungen vor, erläutert deren Finanzierungsmodelle sowie die Bedeutung des diakonischen Leitbilds und der Rituale.
Teil II Der Heilungsprozess durch den Glauben: Hier wird der Heilungsbegriff im Neuen Testament und bei Gerd Theißen analysiert, wobei der Fokus auf dem Glauben als Motor für Heilung und Gemeinschaft liegt.
Teil III Auswirkungen zwischenmenschlicher Beziehungen, die auf diakonische Einrichtungen in Chile zutreffen: Dieser Abschnitt verknüpft die Theorien von Martin Buber und Carl Rogers mit der Praxis der Hausgemeinschaften und untersucht die Bedeutung therapeutischer Beziehungen.
IV Auswirkungen des Glaubens, der Ritualdimension und der therapeutischen Ansätze auf das Modell der Hausgemeinschaft: Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengeführt und bewertet, wie Rituale und therapeutische Konzepte die Praxis der chilenischen Hausgemeinschaften prägen.
Schlüsselwörter
Diakonie, Chile, Hausgemeinschaft, Suchthilfe, Heilung, Martin Buber, Carl Rogers, Glaube, Rituale, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Solidarität, Gesprächspsychotherapie, Dialogisches Prinzip, Rehabilitation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Formen und der diakonischen Praxis in chilenischen Einrichtungen, speziell mit therapeutischen Hausgemeinschaften für Suchtkranke.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf Heilungsprozesse in diakonischen Gemeinschaften, die Rolle des christlichen Glaubens, rituelle Praktiken und die Relevanz zwischenmenschlicher Beziehungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die Wirksamkeit der in Chile gelebten Diakonie zu analysieren und zu prüfen, ob sich daraus ein neues, eigenständiges diakonisches Modell ableiten lässt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autorin nutzt qualitative Forschungsmethoden, insbesondere narrative Interviews mit Verantwortlichen der Einrichtungen, um Einblicke in die gelebte Praxis zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der chilenischen Beispiele, die theologische Fundierung des Heilungsprozesses durch den Glauben sowie die psychologische Analyse von Beziehungsprozessen (Buber/Rogers).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Diakonie, Hausgemeinschaft, Suchthilfe, Heilungsprozesse, Barmherzigkeit und Solidarität.
Wie unterscheidet sich die chilenische Praxis von europäischen Modellen?
Im Gegensatz zu vielen europäischen Einrichtungen, die oft staatlich gefördert sind und über viel Fachpersonal verfügen, arbeiten chilenische Hausgemeinschaften meist ehrenamtlich und sind stärker auf Spenden und den christlichen Glauben angewiesen.
Warum spielt das "dialogische Prinzip" von Buber in dieser Arbeit eine Rolle?
Buber liefert den philosophischen Rahmen, um das "Heilen durch Begegnung" innerhalb der therapeutischen Beziehung zu verstehen, was als Grundlage für die Analyse der Gruppeninteraktionen in Chile dient.
Welche Rolle spielen Rituale in den chilenischen Hausgemeinschaften?
Rituale dienen der Strukturierung des Lebens, schaffen Sicherheit in Krisenzeiten und helfen den Bewohnern, aus einer ungeordneten Lebenssituation zurück in die Gesellschaft zu finden.
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- Monica Jaraquemada (Autor), 2012, Therapeutische Heilungsprozesse in diakonischen Einrichtungen an Beispielen aus Chile, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203548