Grundzüge des menschlichen Bewegens als Handeln

Theoretische Hintergründe, bildungsrelevante Implikationen sowie exemplarische Anwendungskonsequenzen für die Abenteuer- und Erlebnispädagogik am Beispiel von Hochseilgartentrainings


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 2,33


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung
2.1 Bewegung
2.2 Sport
2.3 Handeln
2.4 Zusammenfassende Betrachtung

3 Bildungsrelevante Implikationen
3.1 Mensch und Welt
3.2 Subjektive und objektive Faktoren
3.3 Sozialer und kultureller Kontext

4 Exemplarische Anwendungskonsequenzen am Beispiel von Hochseilgartentrainings
4.1 Hochseilgarten als Mittler von Bildungsprozessen
4.1.1 Anwendungskonsequenzen für Hochseilgartentrainings
4.1.1.1 Körper und Bewegung im Hochseilgarten

5 Abschließende Betrachtung

6 Literaturverzeichnis

7 Internetquellenverzeichnis

1 Einleitung

„Alles was die Menschen in Bewegung setzt, muss durch ihren Kopf hindurch; aber welche Gestalt es in diesem Kopf annimmt hängt sehr von den Umständen ab“ (FRIEDRICH ENGELS, 1820 - 1895).

Bewegung ist Teil des menschlichen Lebens und stellt nicht nur einen rein körperlichen Prozess dar, sondern ist immer auch durch einen kognitiven und sozialen Teil beeinflusst. Diese Feststellung findet sich nicht erst bei ENGELS sondern schon ARISTOTELES (384 - 322 v. Chr.) sagte in diesem Zusammenhang: „Was man lernen muss, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut.“ Allein in den Aussagen von ENGELS und ARISTOTELES finden sich verschiedene Faktoren des Themenbereichs der menschlichen Bewegung als Handeln, woraus sich für mich folgende Fragen ergeben haben. Wie wird durch Handeln menschliche Bewegung beeinflusst? Welche bildungsrelevanten Implikationen ergeben sich daraus und was bedeutet dies für die Abenteuer- und Erlebnispädagogik?

Um diesen Überlegungen nachzugehen und für die vorliegende Arbeit grundlegend zu strukturieren, wird im zweiten Kapitel auf die Begriffe Bewegung, Sport und Handeln eingegangen.

Im dritten Kapitel wird darauf aufbauend, auf die dadurch entstehende bildungsrelevante Implikationen eingegangen, um anschließend im vierten Kapitel, anhand einer exemplarischen Betrachtung, sich daraus ergebende Anwendungskonsequenzen für die Abenteuer- und Erlebnispädagogik am Beispiel von Hochseilgartentrainings zu verdeutlichen.

Das fünfte und letzte Kapitel dient dazu, das Thema der vorliegenden Arbeit abschließend zu betrachten und um ein Fazit zu ziehen.

Anmerkungen:

Im Zusammenhang mit dem Thema: Grundzüge des menschlichen Bewegens als Handeln konnten nicht alle entstandenen bzw. anknüpfenden Themenbereiche wie z.B. Erfahrung, Ästhetik, Bildung, Lernen oder Erlebnis ausführlich betrachtet werden, da dies den für diese Arbeit vorgegebenen Rahmen um ein weites überschritten hätte. Ebenso wurde, aufgrund der besseren Lesbarkeit, auf eine geschlechtsspezifische Formulierung verzichtet.

2 Begriffsbestimmung

Im allgemeinen Verständnis hängt Sport immer mit Bewegung zusammen, wobei Bewegung nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer sportlichen Betätigung ist. So fällt es beispielsweise auch in der Sportwissenschaft schwer mit dem Begriff Bewegung bzw. Bewegungspädagogik umzugehen. Denn denjenigen der eine Bewegungspädagogik betont, ereilt der Vorwurf, den Sport abzulehnen. Derjenige der von Sportpädagogik spricht, verkennt dabei vielfach das konstitutive Potenzial menschlicher Bewegung für Sinnstiftung in Mensch - Welt - Bezügen (BIETZ, LANGING, ROSCHER 2005: 7). Da Bewegung und Handlung die Hauptbegriffe der vorliegenden Arbeit darstellen, ist es somit ratsam gewisse Unterschiede der Begrifflichkeiten Bewegung, Sport und Handeln herauszuarbeiten um so die Grundzüge zu begreifen, die sich in menschlichen Handlungen und den daraus folgenden Bewegungen wiederfinden.

2.1 Bewegung

Nüchtern und einseitig betrachtet wird Bewegung vom Grundverständnis der Physik her, als Ortsveränderung eines Gegenstandes, des Körpers oder seiner Glieder in Raum und Zeit, definiert (RÖTHIG 1973: 45 zit.n. ARTUS 2001: 136). Der Mensch ist von seinem Wesen her auf Bewegung angewiesen und abgesehen von der physikalischen Definition besitzt Bewegung für ihn eine existenzielle Bedeutung. So ist der Mensch beispielsweise in der Lage verschiedenste Bewegungsformen wie springen, laufen, tauchen, Klavier spielen, klettern etc. auszuführen oder auch Gefühle als Form „innerer Bewegung“ wahrzunehmen. Die damit verbundene Bewegungsentwicklung beginnt jedoch nicht erst mit der Geburt sondern bereits im Mutterleib und erst mit dem Tod endet jegliche Form von Bewegung (ZIMMER 2004: 17). Weshalb Bewegung laut BEIER (2006: 164) auch eine der offensichtlichsten und verborgensten Körperäußerungen1 des menschlichen Handelns darstellt. Und so sieht STICHWEH (1990: 378 - 380 zit.n. SCHULZE 2006: 84 - 85) beispielsweise in Bewegungen Möglichkeiten zwischen dem Menschen und seiner Umwelt zu vermitteln oder etwas auszudrücken.

Der Begriff Bewegung kann somit zusammenfassend, als Grundlage der menschlichen Existenz betrachtet werden in welcher das Individuum, in einer „Einheit von Motorik, Sensorik und Denken“ (MEUSER 2006: 106) durch Handlungen bzw. Aufgaben, etwas über sich selbst aber auch über seine Umwelt erfährt.

2.2 Sport

Wie bereits erwähnt wurde, besteht zwischen Bewegung und Sport eine enge Verbindung, aufgrund derer es schwerfällt eine genaue Trennung beider Begriffe durchzuführen und so besitzt der Begriff des Sports auch im kulturellen Verständnis verschiedene Bedeutungen. So stellt HEINEMANN (2007: 53) beispielsweise fest, dass in Schweden Pilze sammeln, in England hingegen „bird watching“ und nicht Pilze sammeln, als Sport anerkannt wird. Die Schwierigkeit einer genauen und damit abgrenzenden Definition, des Sports vom Bewegungsbegriff, liegt dabei nach VOIGT (1992: 132) in drei wesentlichen Ursachen:

1. Sport stellt einen vielfältigen, sich ständig verändernden, durch Gegensätzlichkeit geprägten Teil unserer Gesellschaft dar.
2. Eine Bewegung kann unter bestimmten Umständen Sport, unter anderen Bedingungen und Zielsetzungen dagegen etwas ganz anderes sein.
3. Sowohl einzelne als auch Zusammenschlüsse mehrerer Personen formen den Sport und geben ihm einen eigenen Charakter.

Und so sieht GRUPE (1976: 19) im Sport selbstgeschaffene, künstliche Situationen welche an den Menschen immer wieder neue Herausforderungen stellen. Auch FRANKE (1978: 149 zit. n. TOFAUTE 2009: 53) definiert Sport als soziales Konstrukt, bei welchem Bewegungsabläufe wie Laufen oder Springen nicht direkt als Sport gesehen werden sondern erst durch eine „situationsspezifische Rezeption und Bedeutungszuweisung durch die Handelnden.“ VOLKAMERS (1984: 196) definiert Sport als Schaffung willkürlicher Hindernisse, Probleme oder Konflikte, die vorwiegend mit körperlichen Mitteln gelöst werden und bei denen sich die Beteiligten darüber verständigen, welche Lösungswege erlaubt sein sollen. Und auch für SCHULZE (2006: 84 - 88) stellt sportliche Bewegung eine regelgeleitete Formbildung durch Körperbewegung dar, die im Sinne STICHWEHS, eine nonverbale Kommunikation zwischen Athlet und Betrachter ermöglicht. Wohingegen HEINEMANN abschließend (2007: 32ff) den Sportbegriff durch folgende vier Variablen zu definieren versucht: „Sport ist körperliche Bewegung; Sport unterliegt dem Leistungsprinzip; Sport ist durch soziale Normen geregelt; Sport ist unproduktiv.“

Es kann somit festgestellt werden, dass es mit einer Definition wahrlich nicht getan ist Sport als Begrifflichkeit sinngemäß zu bestimmen. Jedoch kann zusammenfassend festgehalten werden, dass Sport ein selbst geschaffenes Produkt des menschlichen Handelns darstellt in welchem Bewegungen als Handlungen vorkommen und dort willentlich und mit einer Intention ausgeübt werden.

2.3 Handeln

Auf die Begriffe Bewegung und Sport zurückblickend, verweisen HOMMEL; STRÄNGER (1982: 530 - 545) darauf, dass Handlungen ausgeführt werden um bestimmte Ziele zu erreichen bzw. bestimmte Effekte in der Umwelt zu bewirken, wodurch Handlungen oft wesentliche Informationen einer Handlungsabsicht von beobachteten Personen bieten und denen innere Determinanten zugrunde liegen, die in einem komplexen Verhaltensstrom gegliedert und übergreifend organisiert werden können. Die dabei durch Beobachtung gewonnenen Erkenntnisse können nicht nur dazu genutzt werden eine handelnde Person abzubilden, sondern bezogen auf PIAGETS (PIAGET 1973: 23 zit. n. BIETZ 2005: 95) Erkenntnislehre, auch um auf diese einzuwirken. Was wiederrum bedeutet, dass über das Handeln die Umwelt einerseits Einfluss auf den Menschen und andererseits der Mensch auch Einfluss auf die Umwelt nimmt (BAUR 1994: 41 zit.n. ZIMMER 2004: 68). Handlungen bezeichnen somit Verhaltensweisen bzw. deren Ergebnis denen eine Intention zugeschrieben werden kann und welche folgende Kriterien aufweisen:

ausgehend von einem Subjekt,
Beziehung zwischen Subjekt und Umwelt, komplexer Prozess,
Ziel- und Zweckgerichtetheit,
Ideelle Vorwegnahme von Handlungsverlauf und Handlungsergebnissen, Kontrolle und Bewertung der Handlungsergebnisse,
Soziale Determiniertheit (Kommunikation / Kooperation) (WASTL 2005: 2 - 3).

2.4 Zusammenfassende Betrachtung

Durch den vorangegangenen Versuch, die Begriffe Bewegung, Sport und Handeln in ihren Grundzügen darzustellen und zu bestimmen soll darauf aufbauend in diesem Kapitel eine für die vorliegende Arbeit einheitliche Begriffsbestimmung durchgeführt werden.

Da es in einer anthropologischen Betrachtung von Bewegung nicht um abstrakte Bewegungen im alltäglichen Leben oder im Sport, sondern stets um die Bewegungen des menschlichen Körpers geht, liegt eine wichtige Begriffliche Zusammenführung in der Einheit von Körper, Bewegung und Sport, weshalb in der weiteren Arbeit allgemein von Körperbewegung gesprochen wird (SCHULZE 2006: 86). Eine weitere Zusammenführung, die dabei mit Bezug auf GRUPES (1976: 3

- 7) Ausführungen zum Begriff der Körperbewegung gemacht wird, liegt in der Einführung und Bestimmung des Handlungsbegriffs.

[...]


1 Offensichtlich, da sich jeder lebende Mensch bewegt und verborgen als das sie aufgrund ihrer Selbstverständlichkeit selten thematisiert wird.

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Details

Titel
Grundzüge des menschlichen Bewegens als Handeln
Untertitel
Theoretische Hintergründe, bildungsrelevante Implikationen sowie exemplarische Anwendungskonsequenzen für die Abenteuer- und Erlebnispädagogik am Beispiel von Hochseilgartentrainings
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Bewegungshandlung und Erfahrung
Note
2,33
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V203589
ISBN (eBook)
9783656303404
ISBN (Buch)
9783656303596
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
grundzüge, bewegens, handeln, theoretische, hintergründe, implikationen, anwendungskonsequenzen, abenteuer-, erlebnispädagogik, beispiel, hochseilgartentrainings
Arbeit zitieren
Marcel Heinz (Autor), 2012, Grundzüge des menschlichen Bewegens als Handeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203589

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