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Anwendbarkeit neurowissenschaftlicher Erkenntnisse in der pädagogischen Praxis

Implikationen für Lehren und Lernen

Titre: Anwendbarkeit neurowissenschaftlicher Erkenntnisse in der pädagogischen Praxis

Mémoire (de fin d'études) , 2012 , 103 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Sanda Saric (Auteur)

Pédagogie - Psychologie pédagogique
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Résumé Extrait Résumé des informations

Als „Jahrzehnt des Gehirns“1 bezeichnete man die 1990-Jahre und immer noch sind die Publikationen zum Forschungsgegenstand Gehirn inflationär. Gehirnforscher wie Manfred Spitzer, Gerhard Roth und Gerald Hüther, die in den vergangenen Jahren immer mehr in den medialen Fokus gerückt sind, beschäftigen sich u.a. mit den neurobiologischen Grund-lagen des „Lernens“. Statt einem Beitrag der Lehr-Lernforschung wurde den angehenden Referendaren des Begrüßungsseminars zum Sommersemester 2011 der Lehrämter in Frankfurt am Main ein Interview von Spitzer gezeigt. Dabei äußerte der Gehirnforscher Kritikpunkte am Schul- und Bildungswesen in Deutschland, welche im Anschluss im Plenum diskutiert wurden.
„Wenn das Thema „Lernen“ in den öffentlichen Medien diskutiert wird, spielt gegenwärtig die Gehirnforschung die Hauptrolle, nicht die Psychologie und schon gar nicht die Pädagogik“2, heißt es bei Schultheis 2009. Dementsprechend wurden einige Pädagogen durch das Vordringen der Hirnforschung in das Terrain der Lehr- und Lernprozesse verunsichert, andere erhofften sich jedoch auch einen positiven Beitrag der Neurowissenschaft etwa im Hinblick auf die anhaltende Bildungsmisere in Deutschland. Sowohl in der Schule als auch in einigen Erwachsenenbildungseinrichtungen wird heute immer noch vorwiegend der Frontalunterricht praktiziert; die Organisation des Unterrichts und die Organisation des Lernens liegt weiterhin in der Hand des Lehrenden und die Lernenden bleiben nach wie vor in einer weitgehend passiven Rolle. Aus Sicht der Neurowissenschaften hat dieser Zu-stand keinen Bezug zum nachhaltigen Lernen und sollte überwunden werden. „Gehirngerechte“3 Methoden könnten hierbei ein effektives Lernen fördern und nachhaltigere Lernergebnisse sicherstellen. 2007 erklären auch die Lehr-Lernforscher, dass die in der PISA-Studie offenkundig gewordenen Probleme der deutschen Bildungseinrichtungen dringend nach professionellen Lösungen verlangen.4
[...]
1 1989 wurde vom amerikanischen Kongress die „Dekade des Gehirns“ ausgerufen. Diese Erklärung galt als eine Absicht, die Gehirnforschung „als wesentliches wissenschaftliches Anliegen der 90er Jahre zu betrachten“. Siehe: Spitzer 1996, S.339
2 Vgl. Strobel-Eisele/Wacker 2009, S.98
3 Vgl. Becker 2006, S.106
4 Stern et al. 2007, S.5

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. EINFÜHRUNG

1.1 THEMATIK UND FRAGESTELLUNG

1.2 METHODIK UND AUFBAU

1.3 BEGRIFFSDEFINITIONEN

2. LERNEN IN PÄDAGOGIK UND PSYCHOLOGIE

2.1 LERNTHEORIEN UND IHRE DIDAKTISCHE RELEVANZ

2.1.1 Behaviorismus

2.1.2 Kognitive Lerntheorien

2.1.3 Konstruktivismus

2.2 DIE WISSENSCHAFTLICHE AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM LERNBEGRIFF

3. LERNEN AUS NEUROWISSENSCHAFTLICHER SICHT

3.1 DIE ENTDECKUNG NEURONALEN LERNENS

3.2 METHODEN DER NEUROWISSENSCHAFTEN

3.3 DAS GEHIRN UND SEINE LERNZENTREN

3.3.1 Neuronen und Synapsen

3.3.2 Großhirn und Kleinhirn

3.3.3 Das limbische System

3.4 SPIEGELNEURONEN

3.5 NEUROGENESE UND PLASTIZITÄT

4. ERFOLGREICHES LERNEN UND DAS WISSEN UMS GEHIRN

4.1 LERNEN UND GEDÄCHTNIS

4.1.1 Das Dreispeichermodell

4.1.2 Das Langzeitgedächtnis

4.1.2.1 Explizites und implizites Gedächtnis

4.1.2.2 Neurobiologische Überlegungen

4.1.3 Konsolidierung

4.1.4 Wiederholung

4.2 INDIVIDUELLES UND SELBSTGESTEUERTES LERNEN

4.2.1 Vorwissen und Assoziationen

4.2.2 Lerntypen

4.3 KOOPERATIVES UND SOZIALES LERNEN

4.4 EMOTION UND MOTIVATION

4.4.1 Motivationale Aspekte des Lernens

4.4.2 Emotionales Lernen

4.4.3 Negative Emotionen im Lernprozess

4.5 GANZHEITLICHES LERNEN

4.5.1 Sensorisches Lernen

4.5.2 Bewegung im Lernprozess

5. MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN EINER INTERDISZIPLINÄREN LERNWISSENSCHAFT

5.1 DEFIZITÄRE LEHR-LERN-PRAXIS – HILFESTELLUNG DURCH DIE NEUROWISSENSCHAFT?

5.2 GRENZEN NEUROWISSENSCHAFTLICHER UNTERSUCHUNGEN IN DER PÄDAGOGIK

5.3 DISKUSSION EINER KOMMUNIKATION ZWISCHEN PÄDAGOGIK, PSYCHOLOGIE UND HIRNFORSCHUNG

5.3.1 Neurodidaktik – Neuropädagogik

5.3.2 Verbindungsstellen zwischen den Disziplinen

5.3.3 Reflexion einer Interdisziplinarität

5.4 GEHIRNGERECHTE LEHR-LERNMETHODEN

5.4.1 Szenisches Spiel

5.4.2 Gruppenpuzzle

6. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit neurowissenschaftlicher Erkenntnisse auf die pädagogische Lehr-Lernpraxis. Ziel ist es zu klären, wie Disziplinen der Hirnforschung und Pädagogik interagieren können und welche Implikationen neurophysiologische Untersuchungen für die Lernforschung und pädagogische Methoden haben.

  • Analyse und Vergleich unterschiedlicher Lerntheorien (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus)
  • Neurowissenschaftliche Grundlagen von Lernprozessen (Gehirnstruktur, Spiegelneuronen, Neurogenese)
  • Faktoren erfolgreichen Lernens (Gedächtnis, Emotion, Motivation, Ganzheitlichkeit)
  • Interdisziplinäre Diskussion zur Implementierung von Erkenntnissen in die pädagogische Praxis
  • Vorstellung gehirngerechter Methoden (Szenisches Spiel, Gruppenpuzzle)

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Neuronen und Synapsen

Die Entdeckung der Nervenzellen datiert auf das Ende des 19 Jahrhunderts und gilt als Meilenstein der Neurowissenschaft. Das menschliche Gehirn verfügt über ca. 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die für kognitiven Leistungen, Gefühle, das Sehen und Atmen, für alle Bewegungsabläufe und Gedanken zuständig sind. „Kernelemente für alle Gehirnprozesse sind die Nervenzellen als nimmersatte Input-Output-Generatoren“, heißt es bei Korte.

In den letzten Jahrzehnten konnten Gehirnforscher immer detaillierter herausfinden, wie die Nervenzellen Signale miteinander austauschen. Von allen Neuronen gehen Verzweigungen aus, wobei der längste Zweig meistens das Axon ist. Es überträgt die vom Zellkörper fortführenden Botschaften (Informationen) an andere Zellen. Alle anderen Verzweigungen heißen Dendriten. Sie nehmen die Botschaften von Axonen anderer Zellen entgegen. Die Membranhülle, welche die Nervenzellen umschließt, hat winzige Löcher, sogenannte Kanäle, die nur bestimmte Ionen durchlassen. Die Botschaft, auch Aktionspotential genannt, wandert durch das Axon, welches von einer Myelinhülle umgeben ist. Die Myelinhüllen erhöhen die Fortleitungsgeschwindigkeit und helfen bei der Ernährung der Nervenzellen und der Selbstregulation ihrer Salze. Jedes Neuron hat zu etwa 10.000 anderen Neuronen Kontakt, wobei diese Verbindungen über schwachen elektrischen Strom aktiviert bzw. nicht aktiviert werden. Die Synapsen stellen die Verbindungsstellen zwischen den Nervenzellen dar und sind räumlich und organisch der Ort, an dem Lernen stattfindet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINFÜHRUNG: Die Arbeit führt in das Thema der Anwendbarkeit neurowissenschaftlicher Erkenntnisse auf das pädagogische Feld ein und erläutert die methodische Vorgehensweise.

2. LERNEN IN PÄDAGOGIK UND PSYCHOLOGIE: Es erfolgt eine Darstellung klassischer Lerntheorien und deren didaktischer Relevanz sowie eine Auseinandersetzung mit dem allgemeinen Lernbegriff.

3. LERNEN AUS NEUROWISSENSCHAFTLICHER SICHT: Dieses Kapitel erläutert die neurobiologischen Grundlagen des Lernens, einschließlich der Funktionsweise von Gehirnregionen, Neuronen und Synapsen.

4. ERFOLGREICHES LERNEN UND DAS WISSEN UMS GEHIRN: Die zentralen Aspekte erfolgreichen Lernens werden mit Fokus auf Gedächtnis, Emotionen, Motivation und ganzheitliche Lernformen wissenschaftlich verknüpft.

5. MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN EINER INTERDISZIPLINÄREN LERNWISSENSCHAFT: Hier werden die Chancen und Herausforderungen einer Zusammenarbeit zwischen Pädagogik, Psychologie und Neurowissenschaften diskutiert und gehirngerechte Methoden reflektiert.

6. FAZIT: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und Überlegungen zur praktischen Umsetzung in Bildungseinrichtungen.

Schlüsselwörter

Neurowissenschaften, Pädagogik, Lernforschung, Gehirn, Didaktik, Gedächtnis, Neurodidaktik, Neuropädagogik, Interdisziplinarität, Synapsen, Lernen, Neuroplastizität, Kognition, Unterrichtsmethoden.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Diplomarbeit untersucht das Verhältnis zwischen der modernen Hirnforschung und der pädagogischen Lehr-Lernpraxis.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?

Die Arbeit verknüpft psychologische Lerntheorien mit neurobiologischen Befunden und diskutiert Ansätze wie die Neurodidaktik sowie konkrete Unterrichtsmethoden.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit Erkenntnisse aus der Hirnforschung dazu beitragen können, Bildungsprozesse besser zu verstehen und Lehr-Lern-Methoden zu optimieren.

Welche methodischen Zugänge wurden gewählt?

Die Autorin kombiniert eine komparative Literaturrecherche mit teilstrukturierten Experteninterviews, um verschiedene Perspektiven auf die Thematik abzubilden.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den biologischen Voraussetzungen des Lernens, der Bedeutung von Gedächtnisspeichern sowie der Rolle von Emotionen, Motivation und Individualität im Unterricht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Zentrale Begriffe sind Neurowissenschaften, Pädagogik, Neurodidaktik, Lernforschung und interdisziplinäre Lernwissenschaft.

Inwiefern beeinflussen negative Emotionen den Lernprozess?

Die Autorin stellt dar, dass negative Emotionen wie Angst oder Dauerstress die Ausbildung neuronaler Verschaltungen behindern und somit die Lernleistung signifikant negativ beeinflussen können.

Welche Bedeutung kommt dem Gruppenpuzzle im Kontext der Untersuchung zu?

Das Gruppenpuzzle dient als exemplarisches kooperatives Lernverfahren, das durch aktive Partizipation und Eigenaktivität der Lernenden die Verarbeitungstiefe erhöht und so zur nachhaltigeren Speicherung im Gedächtnis beiträgt.

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Résumé des informations

Titre
Anwendbarkeit neurowissenschaftlicher Erkenntnisse in der pädagogischen Praxis
Sous-titre
Implikationen für Lehren und Lernen
Université
University of Frankfurt (Main)
Note
1,0
Auteur
Sanda Saric (Auteur)
Année de publication
2012
Pages
103
N° de catalogue
V203628
ISBN (ebook)
9783656329572
ISBN (Livre)
9783656331377
Langue
allemand
mots-clé
anwendbarkeit erkenntnisse praxis implikationen lehren lernen
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sanda Saric (Auteur), 2012, Anwendbarkeit neurowissenschaftlicher Erkenntnisse in der pädagogischen Praxis , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203628
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