„Blockbuster drug bows out“, „Patentschutz läuft aus: Pharmabranche drohen Milliarden-Verluste“, „Generika kosten Pharmariesen jährlich Milliarden“, “5 blockbuster name brand drugs facing patent expiration“.
In den letzten Jahren haben sich Schlagzeilen wie diese sowohl in der deutschen als auch in der internationalen Presse gehäuft und spiegeln damit die derzeitige Situation in der Pharmaindustrie wider. Bei einer Vielzahl an Blockbuster-Medikamenten - die einen erheblichen Anteil am Gesamtumsatz der großen Pharmakonzerne haben - ist entweder in jüngster Zeit das zugrunde liegende Patent abgelaufen oder aber dieses Ereignis steht kurz bevor. Die dann auf den Markt strömenden Generika-Anbieter können das Medikament zu erheblich günstigeren Preisen anbieten und sorgen damit für gravierende Umsatzeinbrüche bei den Blockbuster-Medikamenten.
Verschärft wird dieser Zustand durch relativ schwachen Forschung- und Entwicklungs- (F&E-)Pipelines der jeweiligen Konzerne, insbesondere in Hinblick auf Wirkstoffe, die sich in späteren Phasen der Entwicklung befinden und somit kurz vor der Marktzulassung stehen. Dadurch können die an Marktanteil verlierenden Blockbuster-Medikamente meist nicht durch nachrückende Produkte ausgeglichen werden. Als Konsequenz sehen sich die betroffenen Unternehmen Umsatzeinbußen im Milliarden-Bereich gegenüber, sofern sie nicht in der Lage sind, die entstehenden Lücken anderweitig zu schließen.
Die vorliegende Arbeit verfolgt die Zielsetzung, die oben geschilderte Situation theoretisch aufzuarbeiten und anschließend anhand ausgewählter Unternehmensbeispiele empirisch zu analysieren. Einerseits sollen die betroffenen Unternehmen sowie Blockbuster-Medikamente einer Tiefenanalyse unterzogen werden, so dass sich deren Charakteristika nachvollziehen lassen und Erfolgskriterien abgeleitet werden können. Andererseits sollen die von den Konzernen gewählten Wachstumsstrategien angesichts der Bedrohung durch die ablaufende Patente untersucht und miteinander verglichen werden. Im Kontext der Inhouse-Strategien soll hierbei besonderes Augenmerk auf der Entwicklung und Ausgestaltung der eigenen F&E-Aktivitäten liegen. Hinsichtlich der Outhouse-Strategien ist insbesondere die Betrachtung von M&A-Transaktionen sowie von Lizenzierungsaktivitäten von Interesse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Abgrenzung des Forschungsfeldes
3. Der Ressourcenbasierte Strategieansatz als Erklärungsansatz für das Verhalten von Unternehmen bei Patentabläufen
4. Die Pharmaindustrie im Portrait
4.1 Begriffliche Grundlagen und Formen pharmazeutischer Innovationen
4.2 Branchenüberblick
4.3 Der Prozess der Arzneimittelentwicklung
4.4 Intellectual Property: Überblick über die wesentlichen Schutzrechte
4.5 Die Bedeutung von Blockbuster-Medikamenten in der Pharmaindustrie
5. Externer Wissenserwerb durch Mergers & Acquisitions und Lizenzgeschäft
6. Pharma 2020: Aktuelle Trends und zukünftige Herausforderungen
7. Theoretische Fragestellung und Arbeitshypothesen
8. Stand der Forschung
9. Charakteristika der empirischen Untersuchung
9.1 Datengrundlage
9.2 Datenaufbereitung
9.3 Untersuchungsdesign
10. Qualitative Untersuchung: Fallstudien-Analyse
10.1 F. Hoffmann-La Roche AG
10.1.1 Unternehmensanalyse
10.1.2 Blockbusteranalyse Avastin®
10.1.3 Blockbusteranalyse Herceptin®
10.1.4 Blockbusteranalyse Rituxan/MabThera®
10.2 Pfizer Inc.
10.2.1 Unternehmensanalyse
10.2.2 Blockbusteranalyse Lipitor®
10.3 Merck & Co., Inc.
10.3.1 Unternehmensanalyse
10.3.2 Blockbusteranalyse Singulair®
10.3.3 Blockbusteranalyse Cozaar®
10.4 Zwischenfazit der Fallstudien
10.4.1 Unternehmensebene
10.4.2 Blockbusterebene
10.4.2.1 Eigene Entwicklung vs. Einlizenzierung
10.4.2.2 Therapeutisches Einsatzgebiet und Charakteristika
10.4.2.3 Historie und Marktstrategien
11. Quantitative Untersuchung: Auswertung der Datenbanken
11.1 Vorbemerkungen
11.2 Interne F&E-Aktivitäten zum Competence Building und -Leveraging
11.2.1 Hoffmann-La Roche AG
11.2.2 Pfizer Inc.
11.2.3 Merck & Co., Inc.
11.3 Die Wirkstoff-Einlizenzierung als Form des Knowledge-Buyings
11.3.1 Hoffmann-La Roche AG
11.3.2 Pfizer Inc.
11.3.3 Merck & Co., Inc.
11.4 M&A-Aktivitäten als weitere Form des Knowledge Buyings
11.4.1 Hoffmann-La Roche AG
11.4.2 Pfizer Inc.
11.4.3 Merck & Co.
11.5 Zwischenfazit der quantitativen Untersuchung
11.5.1 Analyse der internen Wachstumsstrategien
11.5.2 Analyse der externen Wachstumsstrategien
12. Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse
12.1 Fragestellung und erzielte Ergebnisse
12.2 Limitationen der Untersuchung
13. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie führende Pharmaunternehmen auf die Bedrohung durch auslaufende Patente ihrer umsatzstarken Blockbuster-Medikamente reagieren. Im Zentrum steht die Analyse von Wachstumsstrategien, um den drohenden Umsatzeinbußen entgegenzuwirken.
- Ressourcenbasierte Strategien in der Pharmaindustrie
- Analyse von Inhouse-Entwicklungen und F&E-Pipelines
- Externe Wissensakquisition durch M&A und Lizenzgeschäfte
- Fallstudien zu Roche, Pfizer und Merck & Co.
- Empirische Untersuchung mittels Patent- und Pipeline-Datenbanken
Auszug aus dem Buch
1.1 Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
„Blockbuster drug bows out“, „Patentschutz läuft aus: Pharmabranche drohen Milliarden-Verluste“, „Generika kosten Pharmariesen jährlich Milliarden“, „5 blockbuster name brand drugs facing patent expiration“.
In den letzten Jahren haben sich Schlagzeilen wie diese sowohl in der deutschen als auch in der internationalen Presse gehäuft und spiegeln damit die derzeitige Situation in der Pharmaindustrie wider. Bei einer Vielzahl an Blockbuster-Medikamenten, welche einen erheblichen Anteil am Gesamtumsatz der großen Pharmakonzerne haben, ist entweder in jüngster Zeit das zugrunde liegende Patent abgelaufen oder aber dieses Ereignis steht kurz bevor. Die dann auf den Markt strömenden Generika-Anbieter können das Medikament zu erheblich günstigeren Preisen anbieten und sorgen damit für gravierende Umsatzeinbrüche bei den Blockbuster-Medikamenten. Verschärft wird dieser Zustand durch relativ schwache Forschung- und Entwicklungs- (F&E-) Pipelines der jeweiligen Konzerne, insbesondere in Hinblick auf Wirkstoffe, die sich in späteren Phasen der Entwicklung befinden und somit kurz vor der Marktzulassung stehen. Dadurch können die an Marktanteil verlierenden Blockbuster-Medikamente meist nicht durch nachrückende Produkte ausgeglichen werden. Als Konsequenz sehen sich die betroffenen Unternehmen Umsatzeinbußen im Milliarden-Bereich gegenüber, sofern sie nicht in der Lage sind, die entstehenden Lücken anderweitig zu schließen.
Die vorliegende Arbeit verfolgt die Zielsetzung, die oben geschilderte Situation theoretisch aufzuarbeiten und anschließend anhand ausgewählter Unternehmensbeispiele empirisch zu analysieren. Einerseits sollen die betroffenen Unternehmen sowie Blockbuster-Medikamente einer Tiefenanalyse unterzogen werden, so dass sich deren Charakteristika nachvollziehen lassen und Erfolgskriterien abgeleitet werden können. Andererseits sollen die von den Konzernen gewählten Wachstumsstrategien angesichts der Bedrohung durch die ablaufende Patente untersucht und miteinander verglichen werden. Im Kontext der Inhouse-Strategien soll hierbei besonderes Augenmerk auf der Entwicklung und Ausgestaltung der eigenen F&E-Aktivitäten liegen. Hinsichtlich der Outhouse-Strategien ist insbesondere die Betrachtung von M&A-Transaktionen sowie von Lizenzierungsaktivitäten von Interesse.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die aktuelle Problematik auslaufender Patente in der Pharmaindustrie und Definition der Zielsetzung dieser Arbeit.
2 Abgrenzung des Forschungsfeldes: Definition der Begriffe Pharmaunternehmen und Blockbuster-Medikament sowie Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands.
3 Der Ressourcenbasierte Strategieansatz als Erklärungsansatz für das Verhalten von Unternehmen bei Patentabläufen: Theoretische Fundierung des Unternehmensverhaltens durch den Resource Based View of the Firm.
4 Die Pharmaindustrie im Portrait: Überblick über die Branche, den Arzneimittelentwicklungsprozess, Schutzrechte und die Rolle von Blockbustern.
5 Externer Wissenserwerb durch Mergers & Acquisitions und Lizenzgeschäft: Erörterung der strategischen Bedeutung von externen Wachstumsoptionen.
6 Pharma 2020: Aktuelle Trends und zukünftige Herausforderungen: Analyse zukünftiger Marktentwicklungen und Anforderungen.
7 Theoretische Fragestellung und Arbeitshypothesen: Formulierung der zentralen Forschungsfrage und der zu prüfenden Hypothesen.
8 Stand der Forschung: Überblick über existierende betriebswirtschaftliche Literatur zur F&E und zum Patentschutz in der Pharmaindustrie.
9 Charakteristika der empirischen Untersuchung: Beschreibung der verwendeten Datenbanken, der Datenaufbereitung und des Untersuchungsdesigns.
10 Qualitative Untersuchung: Fallstudien-Analyse: Detaillierte Analyse der Unternehmen Roche, Pfizer und Merck sowie ihrer Blockbuster.
11 Quantitative Untersuchung: Auswertung der Datenbanken: Statistische Analyse der Wachstumsstrategien basierend auf Pipeline-Daten.
12 Einordnung der gewonnenen Erkenntnisse: Zusammenführung und Diskussion der Ergebnisse hinsichtlich der Hypothesen.
13 Fazit: Synthese der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Pharmaindustrie, Blockbuster-Medikamente, Patentablauf, Strategisches Management, F&E-Pipeline, Mergers & Acquisitions, Einlizenzierung, Wirkstoffentwicklung, Biotechnologie, Resource Based View, Onkologie, Wettbewerbsvorteil, Marktexklusivität, Wachstumsstrategien, Pharmakonzern.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit befasst sich mit der strategischen Reaktion großer Pharmakonzerne auf den Ablauf von Patenten ihrer wichtigsten, umsatzstärksten Medikamente, den sogenannten Blockbustern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören interne F&E-Strategien, externer Wissenserwerb durch Unternehmenskäufe (M&A) und Lizenzgeschäfte sowie die Bedeutung von Schutzrechten und Innovationen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, theoretisch zu erklären, wie Unternehmen mit der Bedrohung durch Patentabläufe umgehen, und dies anhand von Fallstudien und quantitativen Daten empirisch zu belegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden verwendet?
Es wurde ein zweistufiger Mixed-Method-Ansatz gewählt: eine qualitative Fallstudien-Analyse von drei ausgewählten Top-10-Unternehmen sowie eine quantitative Auswertung von Pipeline-Datenbanken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst sowohl eine theoretische Fundierung mittels des Ressourcenbasierten Strategieansatzes als auch eine tiefgehende empirische Analyse von drei Fallbeispielen (Roche, Pfizer, Merck) und eine aggregierte Datenbanksauswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Blockbuster, Patentmanagement, F&E-Pipeline, Knowledge Buying, Competence Building und die Onkologie als bedeutendes Therapiegebiet.
Wie unterscheidet sich die Strategie von Roche von der von Pfizer?
Die Analyse zeigt, dass Roche sehr fokussiert auf die Bereiche Biotechnologie und Diagnostik akquiriert, während Pfizer ein breiteres und aktiveres M&A-Portfolio über unterschiedlichste Branchen hinweg verfolgt, um Umsatzeinbrüche auszugleichen.
Welche Rolle spielt die Personalisierte Medizin bei Roche?
Sie bildet ein Kernelement der Forschungsstrategie, da Roche versucht, durch die Kombination von Diagnostik und Pharmaprodukten gezieltere Behandlungen für spezifische Patientengruppen zu entwickeln.
- Quote paper
- Sarah Franz (Author), 2012, Ablaufende Blockbuster-Patente als zentrale Herausforderung für die strategische Ausrichtung in Pharmakonzernen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203643