Karl IV. - Vorreiter eines modernen Diplomaten?


Seminararbeit, 2003

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Karl IV. – Herrscher und sein politisches Umfeld
2.1 Herrschercharakter
2.2 Politische Voraussetzungen

3. Der Romzug
3.1 Italien – Herrschaft der italienischen Städte
3.2 Vorbereitung zum Romzug
3.3 Die Reise nach Rom

4. Die Kaiserkrönung
4.1 Die Krönung in Rom
4.2 Reaktionen und Folgen

5. Schlussfolgerung

6. Literatur

1. Einleitung

„Etwas Herrliches hast du ausgerichtet, großer Kaiser, mit deinem so lange Jahre hindurch verschobenen Kommen nach Italien und deinem eiligen Weggang! Du bringst schließlich die eiserne Krone und die goldene Krone heim, dazu noch den unfruchtbaren Namen der Kaiserherrschaft. Kaiser der Römer wirst du dich nennen lassen, der du nur König von Böhmen allein bist.“[1], urteilte Petrarca, zeitgenössischer Dichter und Literat, über Karl IV kurz nach seiner Kaiserkrönung 1355 in Rom.

Was trieb Petrarca und andere Zeitgenossen zu so scharfer Kritik gegenüber Karl IV.?

Karl IV. war triumphal nach Rom gezogen, um sich dort die Kaiserkrone der Römer zu holen. Im Unterschied aber zu seinen Vorgängern gelang ihm der Weg an die Macht nicht mit Eroberung und Unterwerfung. Karl IV. beschritt einen anderen Weg, einen Weg ohne Blut und Eisen. Mit scharfem Verstand und gesundem Realismus beeindruckte er durch Diplomatie und friedliche Verhandlungen. Er war kein König des Mittelalters, sondern eher ein „Kaufmann auf dem Thron“[2]. Was unterschied ihn von den anderen Kaisern des römischen Reiches im Mittelalter? Was zeichnete ihn aus, dass er heute als einer der bedeutendsten Herrscher des 14.Jahrhunderts gesehen wird? Ist Karl IV. ein Vorreiter der modernen Diplomatie?

Dieser Frage gelten meine Überlegungen. Ich werde zunächst die Person Karl IV. betrachten. Wer war er? Was unterscheidet ihn von anderen Herrschercharkteren des Mittelalters? Wie sah sein Verhältnis zur Kirche, zum politischen Umfeld aus? Danach werde ich auf den Romzug eingehen. Warum kam es dazu? Wie vollzog er sich? In Folge betrachte ich die Kaiserkrönung Karl IV. und kläre die Reaktion darauf.

Mit der Person Karl IV. haben sich eine ganze Reihe von Historikern und Soziologen, aber auch Zeitgenossen beschäftigt. An erster Stelle steht jedoch Karl IV. selbst mit seiner Autobiographie „Vita caroli quarti“, die das Leben des Herrscher bis zu seiner Krönung zum deutschen König in lateinischer Sprache erzählt. Francesco Petrarca, ein Zeitgenosse Karl IV., widmete sich ebenfalls Karls Leben in mehreren Briefen und persönlichen Zeugnissen. Der wohl bekannteste Biograph Karl IV. unserer Zeit ist Ferdinand Seibt. Er schrieb mehrere bedeutende Publikationen über Karl IV., wie: „Kaiser Karl IV. - Staatsmann und Mäzen“,

„Karl IV.: ein Kaiser in Europa; 1346-1378“ und „Karl IV. und sein Kreis“, in denen er nicht nur die Taten Karl IV., sondern auch sein ganzes Umfeld kritisch und sehr genau betrachtet.

Nicht zu vergessen ist das Buch „Karl IV.: sein Leben und seine staatsmännische Leistung“ von Jiri Spevacek, der das Leben Karls IV. aufarbeitete und seine hervorragenden diplomatischen Leistungen in den Vordergrund stellte. Weitere wichtige Publikationen sind von Evamaria Engel „Karl IV.: Politik und Ideologie im 14.Jahrhundert“ und von Hans Patze „Kaiser Karl IV.: 1316-1378; Forschungen über Kaiser und Reich“.

Karl IV. ist eine herausragende Herrschergestalt im Mittelalter, der es gelang durch Geist und Diplomatie ihren Weg an die Macht zu gehen. Er wird zum Vorbild für spätere Humanisten und Diplomaten.

2. Karl IV – Herrscher und sein politisches Umfeld

2.1 Charakter Karl IV.

Eine Vielzahl der zeitgenössischen Beobachter rühmten die Schärfe seines Verstandes und seinen Realitätssinnes. Er war nicht nur ein kühler Pragmatiker, er besaß auch ein große Sprachbegabung, die sich schon in früher Kindheit am französischen Königshof seiner Tante entfalten durfte. Karl beherrschte fünf Sprachen. Er schrieb in seiner Autobiographie: „Dank der göttlichen Gnade haben wir aber nicht nur das Tschechische, sondern auch das Französische, Lombardische, Deutsche und Lateinische so sprechen, lesen und schreiben gelernt, dass wir eine wie die andere dieser Sprachen geläufig schreiben, lesen, reden und verstehen konnten.“[3]

Er war ein Gelehrter, der sich der Rechenkunst und der Entwicklung des wirtschaftlichen Geschehens widmete und nicht wie zu dessen Zeit sein Großvater Heinrich VII. auf ritterlichen Turnieren zu glänzen versuchte.

Karl war ein sehr frommer Mensch, ein treuer Sohn der Kirche. Sein Lehrer Petrus Rogerii von Fecamp, der spätere Papst Clemens VI., brachte ihm den christlichen Glauben nahe. Es entstand eine Beziehung ähnlich der eines Vaters zu seinem Sohn, was die enge Verbundenheit und Freundschaft zwischen Papst und Karl IV. erklärte.

Ein so enges freundschaftliches Verhältnis zwischen Kaisertum und Papsttum war zu Zeiten des Mittelalters sehr unüblich. Friedrich I, Barbarossa, stand der Kirche kritisch und gespannt gegenüber. Hier waren es gegenseitige Macht und Einflussansprüche, die geltend gemacht wurden. Das galt auch für Ludwig den Bayern, der im Streit mit der Kurie vom Papst exkommuniziert worden war. Selbst Karl der Große, der eigentliche Beschützer und Hüter der Kirche, setzte an seinem Hofe kein Leben in Frömmigkeit durch.

Karl IV. unterschied sich von anderen Herrschercharakteren.

Politik zu machen, verstand Karl IV., hatte doch sein Großonkel Balduin von Trier ihn schon sehr früh in die deutschen Verhältnisse eingeführt. Karl IV wusste genau, wo seine Grenzen lagen, konnte abschätzen, wann er reagieren oder lieber abwarten sollte. Wie sein Großvater Heinrich VII. war er sehr verantwortungsvoll in seinen Aufgaben als Verwalter und später als König und Kaiser, jedoch fehlte es Karl IV. an kriegerischer Ritterlichkeit, jenem Wert, den sein Großvater und auch viele andere seiner Vorgänger, wie Friedrich I., Barbarossa, und Karl der Große, ihm vorlebten. Karl verabscheute die kriegerische Auseinandersetzung. Er hielt fest: „Aber alles […] muß eher versucht werden, als das Eisen“[4].

Mit dieser Einstellung stand Karl IV. allein, denn es war doch Sitte seiner Ahnen, Konflikte immer mit kriegerischen Mitteln beizulegen. Karl der Große, aber auch Friedrich I. zeichneten sich als große Krieger und Feldherrn aus. Das machte sie zu mächtigen Herrschern. Welche Achtung und Verehrung wäre Karl dem Große wohl zugekommen, wenn er nicht mit seinem ritterlichen Mut und seiner Tapferkeit eine Schlacht nach der anderen gewonnen hätte, ob gegen die Langobarden, Sachsen oder Spanier? Karl IV. verweigerte kriegerische Gewalt.

Er suchte den friedlichen Weg, ohne das Leben unschuldiger Untertanen zu opfern.

Karl IV. war ein sehr begabter, nüchterner, frommer Gelehrter und Kaufmann, der sich durch einen scharfen Verstand und kühlen Realismus auszeichnete.

Er war kein Krieger oder Feldherr, sondern ein Friedensfürst, der kriegerischen Auseinandersetzung gut aus dem Weg zu gehen verstand.

2.2 Politische Voraussetzungen

Karl IV. meisterte seinen Weg zur Macht nicht nur mit kluger Diplomatie und Vertragskunst, sondern es schien ihm auch das Schicksal gnädig gestimmt. Mit Antritt seiner königlichen Laufbahn starb sein ärgster Gegenspieler Ludwig der Baier bei einem Jagdunfall. Eine schnelle Einigung mit dem Wittelsbachern, trotz dessen Kirchenbannes, wurde rasch vollzogen. Kein deutscher Fürst stand Karl IV. nun im Wege. Seine große Hausmacht sicherte seine Stellung im Reich. Sein Vermögen stellte alle anderen Fürstenhäuser in den Schatten. Das Vermögen der Luxemburger wurde zur damaligen Zeit auf 100000 Talente Silber pro Jahr geschätzt, das durch das hohe Silbervorkommen in Kuttenberg und durch Zolleinnahmen, Zahlungen aus Königsstädten und Klöstern zustande kam.

Karl IV. hatte sehr gute Ausgangsbedingungen, um die Kaiserherrschaft zu erlangen.

Es herrschten keine Bürgerkriege im Land. Ludwig der Baier hatte darunter zu leiden. Die Kirche war geschwächt, das französische Königshaus befand sich in der Krise. All das kam Karl zugute. Davon hätte manch anderer angehende Kaiser nur geträumt. Das Leben seines Vorgängers, Ludwig der Baier, gestaltete sich dagegen als ein einziger Kampf mit der Kirche und mit Fürstenhäusern um die Macht. Friedrich I., Barbarossa, rang mit Heinrich den Löwen um die Macht und litt unter der Kirchenspaltung durch das Alexandrinische Schisma.

[...]


[1] Heintze, Horst (Hrsg.): Petrarca Francesco. Dichtung und Prosa, Berlin 1968, S. 351.

[2] Seibt, Ferdinand: Kaiser Karl VI.. Staatsmann und Mäzen, München 1978, S. 76.

[3] Kavka, Frantisek: Am Hofe Karls IV., Stuttgart 1990, S. 12.

[4] Heintze, Horst (Hrsg.): Francesco Petrarca. Dichtungen und Prosa, Berlin 1968, S. 331.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Karl IV. - Vorreiter eines modernen Diplomaten?
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Mittelalter)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V20384
ISBN (eBook)
9783638242707
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl, Vorreiter, Diplomaten
Arbeit zitieren
Anne Piegert (Autor), 2003, Karl IV. - Vorreiter eines modernen Diplomaten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20384

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