Bedeutungswandel: Eine Analyse der Prozesse, Motive und Verfahren

Metapher und Metonymie: die Primärverfahren?


Hausarbeit, 2009
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Bedeutungswandel - Semantische Innovationen
2.1 Semantische Grundlagen: komplexes semiotisches Modell
2.2 Motive für semantische Innovationen
2.3 Verfahren des innovativen Bedeutungswandels
2.3.1 Metapher: Similaritätsprinzip
2.3.2 Metonymie: Kontiguitätsprinzip

3. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Bibliographie

Eigenständigkeitserklärung

1. Einleitung

Engl. mouse ist im deutschen Sprachraum sowohl als Begriff für das `grauhaarige Nagetier´ als auch für das `graphische Zeigegerät´ bekannt. Dieses Phänomen steht repräsentativ für den Schwerpunkt in der Hausarbeit: semantische Innovation. Das Konzept `Maus´ trägt nach dem Wandel neben der Primärbedeutung eine zweite, die des graphischen Zeigeräts (cf. Blank 2001:71-72).

Als eine der ältesten Forschungstradition der sprachwissenschaftlichen Semantik beschäftigt sich die Historische Semantik mit dieser zentralen Thematik. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Klassifikation verschiedener Verfahren des Bedeutungswandels und den entsprechenden Motiven, die eine semantische Reduktion oder Innovation auslösen (cf. Blank 2001:69).

Der Sprachwissenschaftler Andreas Blank bereitete in diesem Kontext im 20. Jahrhundert „den Ertrag des Strukturalismus für eine (…) onomasiologisch und kognitiv orientierte Historische Semantik auf.“(Lebsanft/Gleßgen 2004:1). Diese versucht Sprachdaten optimal zu segmentieren und zu vernetzen, ein Beziehungsgefüge zu erstellen. Die kognitiv-linguistische Forschung setzt ihren Schwerpunkt auf menschlich-universelle kognitive Strukturen als Basis für Austausch und Verarbeitung von Informationen. Die kreativ-ökonomische Verarbeitung von Sprachdaten stellt zugleich eines der Hauptmotive des Bedeutungswandels dar (cf. Völker 2004:166-167).

Fritz Gerd, Professor für germanistische Linguistik hat sich ebenfalls mit der Erscheinung Bedeutungswandel auseinandergesetzt. Neben der Frage der Diffusion und den Folgen des Bedeutungswandels[1], welche hier nicht diskutiert werden, steht der Umgang mit dem Bedeutungspotenzial sprachlicher Ausdrücke im Vordergrund (cf. Gerd 1998:4). Diesen Gesichtspunkt der sprachlichen Kreativität wertet auch Blank als eine der Ursachen semantischer Innovation. Eine Charakterisierung der verschiedenen Motive semantischer Neuerungen folgt im Abschnitt 2.2.

Basierend auf Blanks komplexem semiotischem Modell gilt es Grundtermini wie Konzept und Bedeutung zu erläutern, um den Prozess der semantischen Innovation und dessen Ursprung nachvollziehen zu können. Der ungarische Linguist Stephen Ullmann liefert hierfür in den Grundzüge(n) der Semantik eine geeignete Terminologie zum Gegenstand Semantik.

Adäquate Beispiel zu den verschiedenen Verfahren der semantischen Innovation und eine Klassifizierung der selbigen liefert dann Blank in seiner Abhandlung Prinzipien des lexikalischen Bedeutungswandels am Beispiel der romanischen Sprachen. Ausgehend von antiken Assoziationsmechanismen zwischen den Konzepten, scheint Blanks Einteilung in elf Primär- und zwei Sekundärverfahren für einen Überblick, wie es diese Hausarbeit geben soll, besonders geeignet (cf. Lebsanft/Gleßgen 2004:18-22). Angebracht erscheint auch die differenzierte Gewichtung der Verfahren, da er der Metapher und Metonymie einen besonderen Stellenwert einräumt(cf. Blank 1997:157). Diese Wertschätzung, welche die Gliederung der Arbeit beeinflusste, soll am Ende ebenso eine Antwort finden, wie die Frage nach Motiven, Prozessen und Verfahren des Bedeutungswandels. Allerdings würde eine Thematisierung jedes einzelnen Verfahrens den Rahmen dieser Analyse sprengen.

2. Bedeutungswandel - Semantische Innovation

„Bedeutungswandel ist Wandel der Intension über die Extension […]“ (Burkhardt 1991:22), so Armin Burkhardt in seinem Artikel zum Nutzen der diachronen Semantik. Damit will der Sprachwissenschaftler auf den Aspekt des ad hoc Wandels, des Wandels beim spontanen Sprechen verweisen, was die Untersuchung dieser Thematik noch interessanter macht.

Im Kontext dieser Arbeit kann allerdings nicht auf die Entwicklung einer semantischen Innovation bis hin zu ihrer möglichen Lexikalisierung oder Varietät eingegangen werden. Im Vordergrund stehen, wie bereits erwähnt, die Motive für semantische Innovation bzw. Reduktion lexikalischer Einheiten (cf. Blank 2001:71-72). Zum Anderen die Klassifizierung verschie­dener Verfahren des Bedeutungswandels, exemplarisch hierfür die an­geführte Innovation engl. mouse.

Bei dem Versuch eine geeignete Definition für den Begriff Bedeutungswandel zu geben, trifft der Leser/die Leserin immer wieder auf kritisch reflektierte Äußerungen. Blank verweist in diesem Zusammenhang auf den entscheidenden Fakt, dass der Terminus Bedeutungswandel zu unpräzise sei. Ihm zufolge handle es sich eben nicht um eine totale Modifizierung, sondern vielmehr um die Ergänzung einer weiteren Bedeutung oder gar um den Wegfall einer vorhandenen lexi­ka­lischen Einheit (cf. Blank 2001:70-71). Dies belegt folgende Definition von Blank und Koch:

Ein sprachliches Zeichen Zn (lat. capere), das ein Konzept Ks GREIFEN, FASSEN ausdrückt, kann ab einem bestimmten Zeitpunkt neuerdings ein weiteres Konzept Kt VERSTEHEN versprachlichen. (Blank/Koch 2003:1).

In diesem Fall, des Bedeutungszuwachses, handelt es sich um den innovativen Bedeutungswandel (cf. Blank 2001:69-70). In Opposition dazu wird bei dem reduktivem Bedeutungs­wandel ein polysemes Wort reduziert, indem eine oder mehrere Bedeutungen wegfallen. Bei diesem lassen sich allerdings keine eindeutigen Verfahren charakterisieren, da die lexikalische Einheit einfach wegfällt, wenn die Sprachgemeinschaft sie nicht mehr verwendet (cf. Blank 2001:99). Deshalb werden die nachfolgenden Betrachtungen explizit die semantische Innovation tangieren.

2.1 Semantische Grundlagen: komplexes semiotisches Modell

Für die Erläuterung des Bedeutungswandels, ist eine Analyse des komplexen semiotischen Modells vorab besonders wichtig. Auf diese Weise können die im Kontext semantischer Innovation wichtigen Grundtermini Bedeutung, Konzept und Referent anschaulich charakterisiert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(cf. Blank 2001:9)

Die Bedeutung, welche über das Konzept außersprachlich fundiert ist, wird über den Zeichenausdruck, das phonologische Wissen und den Zeicheninhalt mit dem einzelsprachlich-sememischen Wissen sprachlich gestaltet. Das Konzept[2] vereint hierbei das enzyklopädische Wissen, Konnotationen, prototypische Vorstellungen und Weltwissen über den Referenten (cf. Blank 2001:8-10). In seinem Aufsatz „Seme und Sachen“ fasst Frankwalt Möhren das relevante Wissen für die Konstruktion eines Zeichens zu einem Trio zusammen: außersprachliches, einzelsprachlich-lexikalisches und einzelsprachlich-sememisches Wissen (cf. Möhren 2004:74-75).

Auf Basis dieses Modells soll deutlich werden, dass das Konzept die entscheidende Rolle beim Bedeutungswandel trägt, da über diese kognitive Konzeption Beziehungsgefüge zwischen Referenten oder Designaten erstellt werden. Die Zeichenebene bleibt, laut Blank beim Bedeutungswandel konstant, wohingegen auf semantischer Ebene eine Diskontinuität entsteht.

[...]


[1] Zum Thema Diffusion der semantischen Innovationen, Lexikalisierung und Konventionen findet sich ein Einblick in Gerds „Historische Semantik“.

[2] Anstelle des Konzepts verwendet Blank auch den Begriff des potentiellen Designats, wenn es keinen konkreten Referenten gibt, es sich um Abstrakta oder noch nicht existente Gegenstände handelt, die zunächst noch lexikalisiert werden müssen (cf. Blank 1997:148).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Bedeutungswandel: Eine Analyse der Prozesse, Motive und Verfahren
Untertitel
Metapher und Metonymie: die Primärverfahren?
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Ausgewählte Aspekte der Systemlinguistik
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V203848
ISBN (eBook)
9783656305385
ISBN (Buch)
9783656306696
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutungswandel, eine, analyse, prozesse, motive, verfahren, metapher, metonymie, primärverfahren
Arbeit zitieren
Claudia Könitzer (Autor), 2009, Bedeutungswandel: Eine Analyse der Prozesse, Motive und Verfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203848

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