Die Fähigkeit „ […] objektive, auf Ergebnissen standardisierter Verfahren beruhende, erkenntnisleitende Urteile […]“ zu fassen, stellt neben den fachlichen, methodischen und personalen Tätigkeitsbereichen einer Lehrkraft einen grundlegenden Aspekt der komplexen pädagogischen Kompetenz dar.
Diese diagnostische Kompetenz soll in den folgenden Analysen anhand zwei ausgewählter standardisierter Tests und deren exemplarische Durchführung, Auswertung sowie Interpretation erweitert werden. Im Fokus stehen hierbei zunächst eine Schülerin und deren persönlichen Merkmale, welche mittels eines Explorationsgespräches erfasst wurden. Dabei werden besonders ihre Schulleistungen und deren Zusammenhang mit ihren individuellen Merkmalen (z.B. Motivation) den Kontext der Analysen verkörpern.
Die schulische Leistung, welche für Schüler ein essentieller Referenzpunkt der Selbsteinschätzung sind, wird hierbei von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Neben der schulischen/familiären Lernumwelt sind auch emotionale Stabilität, das schulische Fähigkeitsselbstkonzept , Lern- und Arbeitstechniken sowie die Motivation wichtige Bestandteile. Die vorliegende Fallarbeit wird zwei Faktoren herausgreifen, theoretisch diskutieren und an standardisierten Tests ermessen. Darauf folgt die Auseinandersetzung mit adäquaten Fördermaßnahmen zur Prä- bzw. Intervention. Abschließend werden in einer Reflexion Rückschlüsse über Erfahrungen während der exemplarischen Testdurchführung und Wertung gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorinformation und Personenbeschreibung
3. Fragestellung
4. Theorie
4.1 Fähigkeitsselbstkonzept
4.2 Lern-und Leistungsmotivation
5. Untersuchung
5.1 Untersuchungsbericht
5.1.1 Skalen zur Erfassung des schulischen Selbstkonzeptes
5.1.2 Skalen zur Erfassung der Lern- und Leistungsmotivation
5.2 Untersuchungsergebnisse
5.2.1 Untersuchungsergebnis SESSKO
5.2.1.1 Verhaltensbeobachtung
5.2.1.2 Ergebnistabelle
5.2.1.3 Interpretation
5.2.2 Untersuchungsergebnis SELLMO-S
5.2.2.1 Verhaltensbeobachtung
5.2.2.2 Ergebnistabelle
5.2.2.3 Interpretation
6. Diskussion
6.1 Hypothese 1
6.2 Hypothese 2
6.3 Beantwortung der Leitfrage
7. Förderung
8. Reflexion der Fallarbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Fallarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen den schulischen Leistungen einer Schülerin und ihren individuellen Dispositionen, konkret ihrem Fähigkeitsselbstkonzept sowie ihrer Lern- und Leistungsmotivation. Ziel ist es, durch die Anwendung standardisierter Testverfahren zu prüfen, ob die sehr guten Leistungen der Schülerin mit einem positiven Fähigkeitsselbstkonzept und einer ausgeprägten Motivation korrelieren.
- Analyse des schulischen Fähigkeitsselbstkonzepts mittels SESSKO
- Erfassung der Lern- und Leistungsmotivation durch SELLMO-S
- Theoretische Fundierung von Selbstkonzept und Motivationskonstrukten
- Überprüfung von Hypothesen zu Leistung und Motivation
- Ableitung pädagogischer Fördermaßnahmen
- Reflexion des diagnostischen Prozesses und der Testergebnisse
Auszug aus dem Buch
4.1 Fähigkeitsselbstkonzept
Die Forschung unterscheidet allgemeinen zwischen Selbstwert, welcher eher emotionale Komponenten des Selbst integriert und dem Selbstkonzept, welches sich hauptsächlich auf kognitive Aspekte und das Wissen über eigene Leistungsmöglichkeiten bezieht. Beim Selbstkonzept kann es sich um die Beurteilung sowie Repräsentation verschiedenster Merkmale handeln, wie etwa körperliche, psychische, emotionale und andere individuelle Eigenschaften (Vgl. Mummendey 1995:55). „Das schulische Fähigkeitsselbstkonzept kann […] als die Gesamtheit der Gedanken über die eigenen Fähigkeiten in schulischen Leistungssituationen definiert werden.“ (Schöne et al. 2003:4). Die Genese eines solch selbstbezogenen Wissens unterliegt sowohl entwicklungs- als auch sozialisationsbedingten Konditionen und wird im Verlauf des Lebens zu einem wachsenden ausdifferenzieren Kompetenzbereich (Vgl. Beutel/Hinz 2008:39).
In Hinblick auf die Konstituierung dieses Fähigkeitsselbstkonzepts lassen sich verschiedene Bezugsnormen benennen, welche zeitgleich in unterschiedlicher Intension zur Generierung herangezogen werden: die soziale, individuelle und kriteriale. Erstere stellt einen Referenzpunkt dar, welchen die Person in Dependenz zu ihrem sozialen Rahmen stellt; im Falle der Schülerin A. vergleicht sie ihre Fähigkeiten mit denen der Mitschüler. In dem Kontext sei besonders der big-fish-little-pond-Effekt angeführt, welcher die Abhängigkeit des Bezugrahmens beschreibt: „[…] if average ability students attend a school where the average ability level of other students is high […], it is predicted that this educational context will foster social comparison processes that will lead to academic self-concepts that are lower […] (Marsh 2005:120).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, pädagogische diagnostische Kompetenz anhand von zwei standardisierten Tests an einer Schülerin zu demonstrieren und theoretisch zu reflektieren.
2. Vorinformation und Personenbeschreibung: Dieses Kapitel stellt die Testandin A. vor, beschreibt ihr familiäres Umfeld, ihre Interessen und ihre bisherige schulische Situation.
3. Fragestellung: Hier wird der theoretische Bezug zur Forschungsdiskussion hergestellt und die Leitfrage der Arbeit sowie zwei daraus abgeleitete Hypothesen zur Prüfung formuliert.
4. Theorie: Das Kapitel erläutert die psychologischen Konstrukte des Fähigkeitsselbstkonzepts sowie der Lern- und Leistungsmotivation als wesentliche Persönlichkeitsmerkmale für den schulischen Erfolg.
5. Untersuchung: In diesem Kapitel werden die eingesetzten Testverfahren SESSKO und SELLMO-S vorgestellt, ihre Durchführung dokumentiert und die gewonnenen Daten ausgewertet sowie interpretiert.
6. Diskussion: Das Kapitel diskutiert die Hypothesen anhand der Testergebnisse, setzt diese in Bezug zur Theorie und beantwortet abschließend die eingangs formulierte Leitfrage.
7. Förderung: Auf Basis der Diagnose werden hier konkrete pädagogische Förderansätze zur Stärkung des Fähigkeitsselbstkonzepts und der Motivation der Schülerin abgeleitet.
8. Reflexion der Fallarbeit: Das abschließende Kapitel reflektiert den eigenen Lernprozess, die Qualität der diagnostischen Arbeit sowie Grenzen und Möglichkeiten der angewandten Testverfahren.
Schlüsselwörter
Fähigkeitsselbstkonzept, Lernmotivation, Leistungsmotivation, SESSKO, SELLMO-S, Schulleistung, Diagnostik, Bezugsnormen, Zielorientierung, Förderplanung, Schülerin A., Pädagogische Kompetenz, Selbsteinschätzung, Sozialer Vergleich, Individuelle Dispositionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit dokumentiert eine pädagogische Fallstudie, in der die schulischen Leistungen und die psychologischen Voraussetzungen (Selbstkonzept und Motivation) einer Schülerin der fünften Klasse diagnostisch untersucht werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das schulische Fähigkeitsselbstkonzept, die verschiedenen Arten der Lern- und Leistungsmotivation sowie deren Einfluss auf den schulischen Erfolg.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen den sehr guten schulischen Leistungen der Testandin und ihrem Fähigkeitsselbstkonzept sowie ihrer Motivation empirisch zu prüfen und daraus Förderempfehlungen abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus einem Explorationsgespräch zur Datengewinnung sowie zwei standardisierten Testverfahren (SESSKO für das Fähigkeitsselbstkonzept und SELLMO-S für die Lern- und Leistungsmotivation).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Einbettung der Begriffe, die detaillierte Durchführung der Tests mit Verhaltensbeobachtungen sowie die quantitative und qualitative Interpretation der Testergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Fähigkeitsselbstkonzept, Lernmotivation, Leistungsmotivation, pädagogische Diagnostik und Förderplanung beschreiben.
Welche Hypothesen wurden zur Schülerin A. aufgestellt?
Die Hypothesen lauteten, dass A. über ein überdurchschnittliches schulisches Fähigkeitsselbstkonzept verfügt und dass sie überdurchschnittlich motiviert ist.
Wie wurden die Ergebnisse in der Diskussion bewertet?
Die erste Hypothese konnte verifiziert werden, während die zweite Hypothese zur überdurchschnittlichen Motivation aufgrund der Testergebnisse falsifiziert wurde, die ein durchschnittliches, aber sehr ausgeglichenes Motivationsprofil zeigten.
Welche Rolle spielt die Verhaltensbeobachtung in der Arbeit?
Die Verhaltensbeobachtungen dienen dazu, die Validität der Testdurchführung sicherzustellen und die Selbstauskünfte der Schülerin in der Interpretation besser kontextualisieren zu können.
Was empfiehlt die Autorin für die weitere Förderung?
Empfohlen werden unter anderem Lernkontrakte, die Arbeit mit Portfolios, ein gezielter temporalen Vergleich sowie die Integration der Interessen der Schülerin in den Lernprozess.
- Citation du texte
- Claudia Könitzer (Auteur), 2012, Dokumentation einer Fallarbeit - Testdurchführung, - auswertung, -interpretation und -diskussion von SESSKO und SELLMO-S, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203850