Einer allgemeinen Analyse der Frage, was unter (mittelalterlicher) Rhetorik zu verstehen ist, folgt der konkrete Bezug zur Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide. Vor allem der Erste Reichston Walthers, bestehend aus Reichsklage, Weltklage und Kirchenklage, wird im Bezug auf seine formalen Besonderheiten, seinen (politischen) Inhalt, seine Symbolik, die darin angewandten rhetorischen Stilmittel und die Botschaft der einzelnen Strophen analysiert und interpretiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überzeugen
2.1. Exkurs: Kommunikationsmodell nach Jakobson
3. Nonverbale Kommunikation
3.1. Rhetorik
3.2. Gestik
3.3. Bedeutung nonverbaler Kommunikation im Mittelalter
4. Politische Dichtung (Schwerpunkt: Walther von der Vogelweide)
5. Analyse und Interpretation des Ersten Reichstons
5.1. Der Reichston
5.2. Reichsklage
5.3. Weltklage
5.4. Kirchenklage
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die rhetorische und kommunikative Strategie in der politischen Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide um 1200. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Dichter durch den bewussten Einsatz rhetorischer Mittel und nonverbaler Kommunikation seine politischen Botschaften in einer oral geprägten mittelalterlichen Gesellschaft erfolgreich vermittelte und als Autorität legitimierte.
- Grundlagen der persuasiven Kommunikation und Rhetorik
- Bedeutung nonverbaler Kommunikation im mittelalterlichen Kontext
- Analyse der politischen Lyrik am Beispiel Walthers von der Vogelweide
- Interpretation des Ersten Reichstons (Reichsklage, Weltklage, Kirchenklage)
- Zusammenhang von politischem Auftrag, Zeitgeschehen und künstlerischer Form
Auszug aus dem Buch
3.3. Bedeutung nonverbaler Kommunikation im Mittelalter
Die Bedeutung nonverbaler Kommunikation im Mittelalter kann nicht hoch genug eingestuft werden. In einer oral geprägten Gesellschaft mit einem hohen Anteil an Analphabeten galt das gesprochene Wort; ein öffentlicher Vortag fand vor zahlreichen Zeugen statt und auf darin Konstituiertes wurde vertraut. Öffentlichkeit hatte im Mittelalter einen grundlegend anderen Stellungswert; ihr Status ist für politische Kommunikation des Mittelalters im weitesten Sinne, nonverbale Formen wie Darstellung und Demonstration durch Gesten und rituelle Handlungen eingeschlossen, von eminenter Bedeutung. Herrschaftshandeln erhielt erst durch den öffentlichen Vollzug seinen konstituierenden und legitimierenden Charakter. Recht musste öffentlich gesprochen werden, die Gültigkeit wesentlicher Rechtsakte war von deren öffentlichen Verlautbarung abhängig.
Darum war es von äußerster Wichtigkeit, einen Vortrag gründlich zu planen und vorzubereiten. Da „[d]as Mittelalter [...] eine Kultur der Inszenierung, der 'Performance' entwickelt“ hatte und sich der Vortragende dessen durchaus bewusst war, konnte er unter Anwendung nonverbaler Kommunikationsmittel die Wirkung seiner Rede bewusst beeinflussen und zu seinem gewünschten Gesprächsverlauf führen.
Die mittelalterliche Sangspruchdichtung ist logischerweise an den öffentlichen Vortrag gebunden. Durch angewandte Rhetorik konnte dieser Vortrag gelungen und erfolgreich ausgeführt werden. Die Kunst lag darin, in einer einmaligen mündlichen Aufführung den zu vermittelnden Inhalt so darzubieten, dass der Großteil des Publikums ihn auf Anhieb verstand.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Überzeugung in der Politik ein und definiert den Gegenstand der Untersuchung: die politische Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide.
2. Überzeugen: Das Kapitel beleuchtet die semantische Entwicklung des Begriffs „überzeugen“ und führt in die Grundlagen der persuasiven Kommunikation sowie das Kommunikationsmodell nach Jakobson ein.
3. Nonverbale Kommunikation: Hier werden die verschiedenen Formen nonverbaler Mittel sowie deren rhetorische Bedeutung und ihr besonderer Stellenwert im Mittelalter dargelegt.
4. Politische Dichtung (Schwerpunkt: Walther von der Vogelweide): Es wird die Rolle der politischen Lyrik und Walthers als Dichter in der Geschichte sowie die Einbettung seines Werks in den historischen Kontext untersucht.
5. Analyse und Interpretation des Ersten Reichstons: Dieses Hauptkapitel widmet sich der detaillierten Untersuchung des Reichstons und seiner drei Teile, um Inhalt, Stilmittel und Botschaft Walthers zu ergründen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Walther von der Vogelweide seine rhetorischen Kenntnisse nutzte, um sich als politischer Dichter durchzusetzen und sein Werk zu einem Meilenstein der Geschichte werden zu lassen.
Schlüsselwörter
Walther von der Vogelweide, politische Sangspruchdichtung, Reichston, Rhetorik, nonverbale Kommunikation, Überzeugung, Mittelalter, Reichsklage, Weltklage, Kirchenklage, Persuasion, Kommunikation, politisches Engagement, Literaturwissenschaft, Lyrik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Sangspruchdichtung des Mittelalters, insbesondere das Werk von Walther von der Vogelweide, unter dem Aspekt rhetorischer und kommunikativer Vermittlungsstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verbindet medienwissenschaftliche Ansätze zur Kommunikation mit literaturwissenschaftlichen Analysen der hochmittelalterlichen Spruchdichtung und historischen Kontexten des Thronfolgestreits.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Walther von der Vogelweide rhetorische Mittel und nonverbale Kommunikation einsetzte, um seine politischen Botschaften in der mittelalterlichen Gesellschaft wirkungsvoll zu verbreiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch historische und rhetorische Theoriebildungen (u.a. Aristoteles, Jakobson) gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nach theoretischen Grundlagen zur Rhetorik und nonverbalen Kommunikation die drei Strophen des „Ersten Reichstons“ – Reichsklage, Weltklage und Kirchenklage – detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Walther von der Vogelweide, politische Sangspruchdichtung, Rhetorik, Kommunikation, Reichston und Mittelalter.
Wie verbindet Walther von der Vogelweide die drei Strophen seines Reichstons?
Walther nutzt narrative Berichterstattung, dezidierte Ich-Form sowie anaphorische Strophenanfänge, um stilistische Verbindungen zu schaffen und die Glaubwürdigkeit als Seher zu steigern.
Welche Rolle spielt die Kirche in Walthers "Kirchenklage"?
Walther kritisiert die Kirche als Institution für ihre Verstrickung in weltliche Angelegenheiten, ihre Bestechlichkeit und die Einmischung in den Thronfolgestreit, wobei er besonders das junge Alter des Papstes als Symbol für Unfähigkeit nutzt.
- Citation du texte
- Gabriela Augustin (Auteur), 2012, Überzeugungsstrategien in Walther von der Vogelweides Sangspruchdichtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203918