Im August 2002 war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland auf einem
historischen Höchststand von vier Millionen angelangt. Um die Arbeitsmarktpolitk in Deutschland zu reformieren und die Zahl der Arbeitslosen zu senken, setzte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Kommission “Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt”, umgangssprachlich nach dem 1. Vorsitzenden Peter Hartz auch Hartz-Kommission genannt, ein. Insgesamt erarbeitete die Kommission vier Gesetze, die den Arbeitsmarkt in Deutschland reformieren sollten. Sie werden auch als Hartz I bis IV bezeichnet und traten in der Zeit zwischen 2003 und 2005 in Kraft. Bis heute sind sie umstritten und ständig in der medialen Diskussion.
Eine Folge der Hartz-Reformen war der Umbau der herkömmlichen Arbeitsämter in Bundesagenturen für Arbeit (BA). Mit diesem Umbau und einer Evaluation der Maßnahmen, die zwischen 2004 und 2006 vom Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft in Saarbrücken (iso) durchgeführt wurde, beschäftigt sich die folgende Seminararbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Evaluation
2.1. Die Reform
2.2. Methodisches Vorgehen
3. Was wurde umgebaut?
3.1. Organisationsstruktur
3.2. Kundenzentrum (KUZ)
3.2.1. Empfangs- und Eingangszone
3.2.2. Service Center (SC)
3.3. Wandel der Vermittlertätigkeit und Neuorganisation der Leistungsgewährung
3.3.1. Die Organisation der Vermittlertätigkeit
3.3.2. Der Leistungsbereich: Antragsservice und Bearbeitungsbüro
3.3.3. Handlungsprogramme: Die Software der KUZ
3.4. Umstellung der Software
4. Ergebnisse der Evalution
4.1. Ergebnisse der qualitativen Interviews
4.2. Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung
4.3. Handlungsempfehlungen
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den organisatorischen Umbau der ehemaligen Bundesanstalt für Arbeit hin zur heutigen Bundesagentur für Arbeit (BA) im Kontext der Hartz-Reformen. Ziel ist die Evaluation der getroffenen Maßnahmen auf Basis eines Berichts des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso), wobei insbesondere die Umsetzung sowie die Akzeptanz und Effektivität bei Mitarbeitern und Kunden analysiert werden.
- Strukturelle Neuausrichtung der Bundesagentur für Arbeit
- Einführung von Kundenzentren und Service Centern
- Optimierung der Vermittlungsprozesse und Softwareanpassungen
- Evaluation durch qualitative Interviews und Mitarbeiterbefragungen
- Kritische Analyse von Handlungsempfehlungen und Reformerfolgen
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Empfangs- und Eingangszone
Wie gerade gesehen, werden die ungesteuerten Kundenströme als großes Problem der alten Agenturen genannt. Durch die Einführung der KUZ mit einer Empfangs- und Eingangszone, sollen die Kunden nun durch die BA „gesteuert” werden.
Der Empfangsbereich ist eine Haupttheke direkt im Eingangsbereich einer jeden BA. Dort muss jeder Kunde, der die BA betritt, vorsprechen und wird dann je nach Anliegen auf die verschiedenen Bereiche der BA verteilt. Da eine möglichst große Zahl von Kunden in sehr kurzer Zeit bedient werden soll, ist vorgesehen, dass die Vorsprache am Empfang nicht länger als 30 Sekunden dauern soll. Folgende Aufgaben werden von den Mitarbeitern am Empfang übernommen:
[...] die Identitätsprüfung und Klärung der Kundenanliegen, die Weiterleitung der Kunden mit Termin zu den entsprechenden Facheinheiten und der Kunden ohne Termin in die Eingangszone, darüber hinaus die Ausgabe von Vordrucken und Formularen und die Entgegennahme von Unterlagen, Veränderungsmitteilungen, Urlaubsanträgen und ähnlichem.
Wie schon erwähnt, werden die Kunden, die keinen Termin haben in die so genannte Eingangszone weitergeleitet, in der sie dann namentlich aufgerufen werden. Dort werden einerseits die Arbeitslos- oder Arbeitssuchendmeldungen bearbeitet, aber auch Auskünfte bezüglich Vermittlung und Leistung erteilt, die ohne Akteneinsicht getätigt werden können. Ebenso wird dort eine Berufsberatung angeboten und die Vermittlungsfachkräfte werden dort administrativ, etwa durch die Ausgabe von Vermittlungsgutscheinen unterstützt. Ziel der Eingangszone ist es, dort bereits 50 bis 70 Prozent der Kundenanliegen zu bearbeiten, und so zu einer erheblichen Entlastung der Fachkräfte beizutragen. Bei einer Messung im März 2006 wurde dieser Zielwert erreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den historischen Kontext der Hartz-Reformen und definiert das Ziel der Seminararbeit, den Umbau der BA unter Berücksichtigung der iso-Evaluation zu analysieren.
2. Die Evaluation: Dieses Kapitel stellt das methodische Vorgehen vor, welches primär auf qualitativen Interviews und Dokumentenanalysen basiert.
3. Was wurde umgebaut?: Hier werden die konkreten organisatorischen Veränderungen wie die Einführung der Kundenzentren, Service Center und die neue IT-Software detailliert beschrieben.
4. Ergebnisse der Evalution: Das Kapitel präsentiert die kritische Bewertung des Umbaus durch Mitarbeiter und Kunden sowie die formulierten Handlungsempfehlungen.
5. Fazit und Ausblick: Diese abschließende Betrachtung resümiert den Erfolg der Reformen und diskutiert den Status quo der Kritikpunkte, wie die Trägerschaftstrennung.
Schlüsselwörter
Bundesagentur für Arbeit, Hartz-Reformen, Arbeitsmarktpolitik, Evaluation, Kundenzentrum, Service Center, Vermittlung, Leistungsgewährung, Handlungsprogramme, IT-Struktur, Arbeitslosigkeit, Organisationsstruktur, Mitarbeiterbefragung, qualitative Interviews, Prozessoptimierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den organisatorischen Umbau der Bundesagentur für Arbeit infolge der Hartz-Reformen der Jahre 2003 bis 2005.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Primäres Ziel ist die kritische Evaluation der vollzogenen Umbaumaßnahmen unter Einbeziehung der Sichtweisen von betroffenen Mitarbeitern und Kunden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Sekundäranalyse des Evaluationsberichts des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft, der vorrangig qualitative Forschungsmethoden wie leitfadengestützte Interviews und Mitarbeiterbefragungen umfasst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Reform?
Die Schwerpunkte liegen auf der neuen Organisationsstruktur, der Einrichtung von Kundenzentren und Service Centern sowie der Einführung neuer IT-Systeme.
Welche Themen behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die operative Umsetzung, die veränderte Rolle der Vermittler und die Anwendung neuer Softwareprogramme.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kundenorientierung, Prozesssteuerung, Effizienzsteigerung und die Herausforderungen der Arbeitsmarktintegration.
Was kritisierten die Mitarbeiter besonders am neuen Service Center?
Die Mitarbeiter bemängelten insbesondere die hohen Fallabschlussvorgaben, die zulasten der Beratungsqualität gingen.
Warum wird die Trennung von SGB II und SGB III kritisch gesehen?
Die Evaluatoren betrachten diese Trennung als „Achillesferse“, da sie zu ineffizienten Doppelstrukturen und Problemen bei der Zuständigkeit für Arbeitsuchende führt.
- Citation du texte
- Bachelor of Arts Christine Konkel (Auteur), 2010, Der organisatorische Umbau der Bundesagentur für Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204001