(...) Diese Arbeit möchte die Argumentation von Bruno Latour bezüglich der Beschaffenheit von Alltagsobjekten aufgreifen und auf ein aktuelles Beispiel anwenden. Dabei versuchen wir folgende Fragestellungen zu beantworten: Wie begründet er das Verhältnis von Menschen und Technik? Welche besondere Bedeutung und welchen Einfluss hat Technik in Hinblick auf das soziale Handeln?
Dazu werden wir zunächst die wichtigsten Begriffe für die Analyse unseres Beispiels des eingesperrten Einkaufwagens erläutern. Im Anschluss versuchen wir die Theorie auf ein Praxisbeispiel anzuwenden. Wir wollen zeigen wie unnachgiebig die Moral der Technik ist und welche Konsequenzen sich daraus für die Handlung ergeben. Im Anschluss versuchen wir das Menschenbild Bruno Latours und die Rolle der Technik in diesem Verhältnis zu skizzieren. Im Fazit resümieren wir die Betrachtungen und wägen diese gegeneinander ab. (...)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffe für die Analyse
2.1. Akteur / Aktant
2.2. Programm – Gegenprogramm
2.3. Inskription
2.4. Übersetzung
3. Der eingesperrte Einkaufswagen
4. Abschließende Betrachtung
4.1. Bild der Gesellschaft und die Rolle der Technik
4.2. Fazit
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Mensch und Technik aus der Perspektive der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) von Bruno Latour, um zu zeigen, wie Alltagsobjekte moralisches Handeln durch Inskription und Delegation steuern können.
- Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) als theoretischer Rahmen
- Wechselwirkung zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Aktanten
- Analyse der moralischen Dimension von Technik am Praxisbeispiel Einkaufswagen
- Konzeptualisierung von Delegation, Inskription und Übersetzung
- Kritische Reflexion über die Rolle von Technik bei der Disziplinierung der Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
3. Der eingesperrte Einkaufswagen
Für die Erläuterung der Theorie Bruno Latours ließen sich zahlreiche Beispiele finden, der Ansatz bietet breite Anschlussfähigkeit. Unser Exempel beschreibt eine alltägliche Situation beim Einkaufen. Wir wollen versuchen zu zeigen, wie die Technik moralisches Handeln herstellen kann. Wir beschreiben die Delegation einer Aufforderung zu einer bestimmten Handlungsweise an die Technik, die durch ihre Inskription diese als Präskription den Handelnden vorgibt.
In nahezu jedem Supermarkt kann die Kundschaft die Vorteile eines Einkaufkaufswagens nutzen. Der Kunde kann seine schweren oder sperrigen Waren darin ablegen und schieben. An der Kasse kann der Bereich schnellst möglich wieder geräumt werden, denn der Käufer kann die bezahlten Artikel in den Wagen einladen und abseits des Kassenbereiches in Ruhe einpacken.
In der Regel sollen man die Wagen nach der Beendigung des Einkaufs wieder abgegeben. Dagegen werden sie häufig gestohlen entweder von Kunden, die ihre Einkäufe direkt bis nach Hause schieben oder von Jugendlichen, die ihn unautorisiert zweckentfremden für andere Aktivitäten wie beispielsweise Rennen, Transporte oder ähnliches. Es gibt Schätzungen, die davon ausgehen, dass ca. 100.000 Wagen im Jahr deutschlandweit gestohlen werden, bei Supermärkten in belebten Gegenden entspricht das rund 20-30 Wagen im Monat. Bei einem Geldwert pro Wagen zwischen 80 und 120 € sind die entstehenden Kosten für eine Neuanschaffung beachtlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Techniksoziologie nach Bruno Latour und Darlegung der Fragestellung zur Rolle von Objekten in der Gesellschaft.
2. Begriffe für die Analyse: Erläuterung der zentralen theoretischen Begriffe wie Akteur/Aktant, Programm/Gegenprogramm, Inskription und Übersetzung im Kontext der ANT.
3. Der eingesperrte Einkaufswagen: Anwendung der theoretischen Konzepte auf das praktische Fallbeispiel der Einkaufswagensperre zur Verhinderung von Diebstahl.
4. Abschließende Betrachtung: Synthese der Ergebnisse und kritische Diskussion über das Menschen- und Gesellschaftsbild sowie die moralische Bedeutung von Technik.
5. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Akteur-Netzwerk-Theorie, Techniksoziologie, Bruno Latour, Alltagsobjekte, Inskription, Delegation, Übersetzung, Aktant, Handlungsrahmen, moralisches Handeln, Programm, Antiprogramm, Einkaufswagen, Soziologie der Dinge, Technik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie Technik und Alltagsobjekte das soziale Handeln der Menschen beeinflussen und strukturieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Akteur-Netzwerk-Theorie, das Konzept der technischen Delegation von Handlungsanweisungen sowie die Frage der moralischen Steuerung durch materielle Artefakte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Bruno Latour das Verhältnis zwischen Mensch und Technik begründet und welche Bedeutung Technik für das soziale Handeln hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird ein theoretischer Ansatz der Techniksoziologie genutzt, der auf ein konkretes Fallbeispiel (den Einkaufswagen im Supermarkt) angewendet wird, um die Theorie empirisch zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der zentralen Analysebegriffe und die anschließende Anwendung dieser Begriffe auf das Beispiel der Einkaufswagensperre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen unter anderem Akteur-Netzwerk-Theorie, Inskription, Delegation, Übersetzung und moralisches Handeln.
Wie genau verhindert das System beim Einkaufswagen ein unerwünschtes Verhalten?
Durch die Installation von Magnetstreifen an der Grundstücksgrenze und die Umrüstung der Wagenräder wird beim Verlassen des Geländes eine Blockade ausgelöst, die den Wagen unbrauchbar macht.
Warum kritisiert der Autor die Verwendung des Begriffs „Moral“ bei Latour?
Die Autoren bemängeln, dass Latour seinen Moralbegriff nicht hinreichend präzisiert und offen lässt, was er exakt unter moralischem Verhalten versteht, obwohl er ihn sehr häufig verwendet.
- Arbeit zitieren
- Jana Frank (Autor:in), 2009, Die Moral der Technik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204096