"Wir leben im Prinzip von der Substanz und deshalb müssen wir in die neuen Technologien geistig und emotional viel mehr investieren“ - Diese Worte des Ministerpräsidenten Stoiber anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten zum hundert jährigen Bestehen des Deutschen Museums sprechen hier eine deutliche Sprache: Die Substanz, hier im Sinne von Technik gemeint , muss noch stärker gefördert werden. Geist und Gefühl, gewöhnlich Wesenzüge künstlerischer Produktion, müssten demnach vermehrt technischen Objekten zugeordnet werden.
Eine solche Aussage wirkt vor den historischen Gegebenheiten der Gründung des Deutschen Museums ungemein passend. Denn dieses Muster des sich hier andeutenden Spannungsbogens zwischen Kultur und Technik ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die 1903 erfolgte Gründung des „Deutschen Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik“ .2 Das Augenmerk dieser Arbeit liegt in der Hauptsache daher auf den Zeitraum zwischen 1903 bis 1914.
Entsprechend erfolgte die Auswahl der Literatur für die vorgelegte Arbeit : Aus der vorhandenen Vielfalt der Sekundärliteratur stachen im Besonderen die fundierten Analysen Mayerhöfers und Menzels hervor; das verwendete Quellenmaterial stammt zum großen Teil vom Deutschen Museum selbst . Zur Abrundung wird ebenfalls auf Zeitungsartikel, die sich mit dem Jubiläum des Museums befassen, verwiesen.
Im Folgenden wird die Gründung des Deutschen Museums behandelt , indem zunächst das Zusammenwirken persönlicher und gesellschaftlicher Interessen aufgezeigt wird. Die Konsequenzen dieses fruchtbaren Zusammenwirkens von den ersten Schritten bis hin zur Realisierung der Pläne stehen danach im Zentrum der Betrachtung. Im Weiteren werden das Deutsche Museum und seine Rezeption durch Förderer und Besucher verdeutlicht , um es danach in den größeren Rahmen, dem des Nationalismus und des Streites, um den Kulturwert der Technik zu stellen. Mit einem Resümee findet die Arbeit ihren Abschluss.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Jubiläum
2. Der Initiator: Oskar von Miller
2.1 Familiärer Hintergrund
2.2 Bildung, Ausstellungserfahrung und Politik
3. Die Interessen am Bau des Deutschen Museums
3.1 Verein Deutscher Ingenieure
3.2 Gesellschaft und Politik
4. Die ersten Schritte zur Umsetzung des Planes
4.1 Rundschreiben vom 1. Mai
4.2 Mai und Juni 1903
5. Die Realisierung der Pläne bis 1925
5.1 Provisorische Sammlungen
5.2 Größenordnung und weiterer Verlauf
6. Die Rezeption des Museums
6.1 Mitgliederentwicklung
6.2 Besucher 1907 – 1914
7. Der Symbolgehalt des Deutschen Museums
7.1 Nationales Institut
7.2 Technik und Kultur
8. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründungsgeschichte des Deutschen Museums in München im Zeitraum von 1903 bis 1914 und analysiert dabei das Zusammenspiel von persönlichen und gesellschaftlichen Interessen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert auf die Motivationslagen der Initiatoren, insbesondere Oskar von Millers, sowie auf die Einbettung des Projekts in den zeitgenössischen Kontext von Fortschrittsbewusstsein, Zivilisationskritik und nationalem Prestigedenken.
- Biografie und Wirken von Oskar von Miller
- Rolle des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) bei der Museumsgründung
- Struktur der Interessenskonstellationen zwischen Technik, Kultur und Politik
- Entwicklung und Rezeption des Museums durch Öffentlichkeit und Förderer
- Symbolische Bedeutung des Museums als nationales Institut
Auszug aus dem Buch
2. Der Initiator: Oskar von Miller
Oscar Wildes Aphorismus „Nur Persönlichkeiten bewegen die Welt, niemals Prinzipien“ mag streitbar sein, im Falle des Deutschen Museums kommt man jedoch nicht an einem hervorstehenden Einzelnen, Oskar von Miller, vorbei. Daher soll hier seine Biografie thematisiert werden.
Im Jahre 1855 wurde er als Sohn Ferdinand von Millers, Besitzer der Königlichen Erzgießerei, geboren. Der Vater, selbst noch aus dem kleinbürgerlichen Handwerksmilieu stammend, war rege politisch und gesellschaftlich aktiv, sei es als Vorstand des Kunstgewerbevereins, als Mitglied des Landtages und ab 1881 auch des Reichstages oder als Teil des Münchner Gemeindekollegiums. Von viel größerer Bedeutung ist jedoch eine andere Tatsache: Die Erzgießerei unter der Leitung Ferdinand von Millers gehörte in der exklusiven Kreis der Hoflieferanten – in diesem Falle zeigt sich aufs Deutlichste die Wechselwirkung zwischen sozialen und ökonomischen Aufstieg, die als exemplarisch für jene Zeit gelten kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Jubiläum: Einleitung zur Gründung des Deutschen Museums vor dem Hintergrund des hundertjährigen Bestehens und des Spannungsfeldes zwischen Kultur und Technik.
2. Der Initiator: Oskar von Miller: Darstellung der Biografie und des familiären Hintergrunds des Gründers Oskar von Miller als treibende Kraft hinter dem Museumsprojekt.
3. Die Interessen am Bau des Deutschen Museums: Analyse der unterstützenden Netzwerke, insbesondere des Vereins Deutscher Ingenieure, und deren Zielsetzung der gesellschaftlichen Anerkennung.
4. Die ersten Schritte zur Umsetzung des Planes: Beschreibung der initialen Initiativen, des Rundschreibens vom 1. Mai 1903 und der Gründung des Museumsvereins.
5. Die Realisierung der Pläne bis 1925: Untersuchung der Aufbauphase, der provisorischen Sammlungen und der Finanzierung des Museumsbaus.
6. Die Rezeption des Museums: Auswertung der Mitgliederentwicklung und der Besucherzahlen als Indikatoren für den Erfolg der musealen Konzeption.
7. Der Symbolgehalt des Deutschen Museums: Erörterung der Rolle des Museums als nationales Institut und der zeitgenössischen Debatte um den Kulturwert der Technik.
8. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Gründungszusammenhänge und des Erfolgs von Oskar von Millers Strategie zur Bündelung gesellschaftlicher Interessen.
Schlüsselwörter
Deutsches Museum, Oskar von Miller, Technikgeschichte, Kulturgeschichte, Musealisierung, Industrielle Revolution, Verein Deutscher Ingenieure, Technisches Museum, Nationalismus, Wissenschaftsgeschichte, Gründungsgeschichte, Ausstellungsmanagement, Kulturwert der Technik, Ingenieurwesen, Museumsverein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründung und die frühen Entwicklungsjahre des Deutschen Museums in München (1903–1914) unter Berücksichtigung persönlicher und gesellschaftlicher Interessensgefüge.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Rolle von Oskar von Miller, die Interessen des Vereins Deutscher Ingenieure, die symbolische Bedeutung als nationales Institut sowie die Debatte um die kulturelle Bewertung technischer Errungenschaften.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Museum durch die Bündelung von standespolitischen Interessen und nationalem Prestigedenken erfolgreich realisiert werden konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung von Sekundärliteratur (Analysen von Mayerhöfer und Menzel) sowie historischem Quellenmaterial des Deutschen Museums und zeitgenössischen Zeitungsartikeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie des Gründers, die Netzwerkanalyse der Unterstützer, die konkreten Umsetzungsschritte der Museumsgründung sowie die Rezeption des Museums bei Öffentlichkeit und Politik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Deutsches Museum, Oskar von Miller, Technikgeschichte, Kulturgeschichte, Industriekultur und nationales Prestigedenken.
Warum war Oskar von Miller so erfolgreich bei der Anwerbung von Exponaten?
Miller war bekannt für seine äußerst offensive "Fundraising"-Strategie, bei der er zehntausende "Bettelbriefe" versandte und die Korrespondenz strikt unter seiner eigenen Kontrolle hielt, um den Fortschritt des Museums voranzutreiben.
In welchem Spannungsfeld zwischen Kultur und Technik stand die Museumsgründung?
Zur Jahrhundertwende wurde Technik oft vom humanistischen Bildungsbürgertum abgewertet. Das Museum diente dazu, die Technik als nationales Kulturgut zu etablieren und Ingenieuren die gesellschaftliche Anerkennung zu verschaffen, die ihnen zuvor verwehrt blieb.
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- Felix Hessmann (Author), 2003, Die Gründung des Deutschen Museums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20419