Das Böse in Jeremias Gotthelfs „Die schwarze Spinne“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Vorwort

„Die Welt drückte so lange auf mich, bis sie mir Bücher aus dem Kopf drückte, die ich ihr an die Köpfe werfen konnte.“[1]

Wieso habe ich mir dieses Werk von Jeremias Gotthelf ausgesucht? Ich schaute mir die Liste an, lieh mir einige der Bücher aus, so zum Beispiel die Erzählungen von Hofmannsthal, Taganrog von Reinhold Schneider, Wir sind Utopia von Stefan Andres, Auf den Marmorklippen von Ernst Jünger, Jakob der Lügner von Jurek Becker und natürlich D ie schwarze Spinne. Mit dem einen oder anderen Werk konnte ich viel anfangen, mit anderen weniger. Was passierte bei Gotthelfs Novelle? Ich weiß es nicht. Irgendetwas faszinierte mich daran. War der Grund der, daß der Teufel vorkam, der mich seit jeher schon interessiert? Dieses Buch berührte mich, es erfreute mich. Das war es! Dieses Buch wollte ich für die Hausarbeit benutzen. Als ich mich näher damit beschäftigte, begann mich Jeremias Gotthelf in seinen Bann zu ziehen. Er studierte Theologie, dies ist mein Nebenfach, er hatte Probleme mit den religionswissenschaftlichen Fachidioten, auch mich können diese abgehobenen, lebensfremden Gedankenflüge nicht locken. Er schrieb Romane, Deutsch ist mein Hauptfach, und auch ich versuche mich (mehr schlecht als recht) darin zu schreiben. Er kümmerte sich sehr viel um Erziehung, beschäftigte sich mit Pestalozzi, übernahm 1835 das Amt des kantonalen Schulkommissärs und ich bin angehender Lehrer und gehöre zu denen, die diesen Beruf anstreben, weil ich es besser machen möchte als meine damaligen Erzieher.

Ich möchte mich im folgenden mit dem Biedermeier-Schriftsteller Gotthelf befassen, der der dichterischen Spitzengruppe dieser Epoche angehört und doch zu unrecht nicht sehr beachtet und oft abwertend als „Volksschriftsteller“ tituliert wird.

2. Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf

Ein wildes Leben wogte in mir, von dem niemand eine Ahnung hatte. Dieses Leben mußte sich entweder aufzehren oder losbrechen auf irgend eine Weise. Es tat es in der Schrift.[2]

Am 4.10.1897 kommt Albert Bitzius in Murten als Sohn des Pfarrers Sigmund Bitzius (1757-1824) und dessen dritter Ehefrau Elisabeth Bitzius-Kohler (1767-1836) auf die Welt. 1805 läßt sich sein Vater zum Pfarrer der Berner Gemeinde Utzenstorf im unteren Emmental wählen. Der Vater unterrichtet den Jungen, der dann 1812 nach Bern ins „Pädagogium“ (Literarschule) kommt. 1814 tritt er in die untere Stufe der Akademie, die sogenannte Philosophie, über. Er wird Mitbegründer der Literarischen Gesellschaft (einer Studentenorganisation) in Bern. 1817 beschäftigt er sich mit Schleiermacher, Macchiavelli und Johannes von Müller; er pflegt eine Freundschaft mit Rudolf Fischerin, einem politisch und pädagogisch interessierten Lehrer. 1820 macht er das theologische Examen und wird Kandidat des Predigeramtes und danach Vikar bei seinem Vater in Utzenstorf. 1821 studiert er in Göttingen, 1822 in Dresden, Nürnberg und Lindau, dann ist er wieder Vikar in Utzenstorf. Sein Vater stirbt zwei Jahre später und der Filius wird nach Herzogenbuchensee versetzt. Nun beginnt auch seine Freundschaft mit dem zehn Jahre älteren Bauern und späteren Amtsrichter Josef Burkhalter von Fluhacker. Durch ihn lernt er die Sorgen und Nöte der Bauern kennen, er beginnt sich auch dem Schulwesen zu widmen. 1829 wird er nach Bern in die Heiliggeistkirche als Pfarrgehilfe Samuel Wythenbachs versetzt. 1831 äußert Bitzius öfter seine Enttäuschung über die durch den Schweizer Liberalismus freigesetzte Unvernunft und Unmäßigkeit, außerdem schreibt er an Burkhalter, daß er gerne entweder eine neue Sprache lernen oder die neue Philosophie studieren oder ein Buch schreiben möchte (er wisse allerdings noch nicht worüber). 1832 wird er Pfarrer in Lützelfluh und widmet sich da besonders der Erziehung der Kinder; er verlobt sich mit Henriette Zeender, der Tochter eines Berner Professors. Es gibt Auseinandersetzungen mit Emmanuel Fellenberg (1771-1841; er errichtete 1803 eine Musterlandwirtschft, er hat die Idee des Erziehungsstaates: Vereinigung der Idylle des Landlebens mit dem kategorischen Imperativ Kants), die sich 1833 wiederholen; in diesem Jahr heiratet er auch seine Henriette. 1834 kommt seine Tochter Henriette auf die Welt, er wird Mitglied der Armeeanstalt Trachselwald. 1835 ist die Geburt seinen Sohnes Albert und er übernimmt das Amt des kantonalen Schulkommissärs. 1836 stirbt seine Mutter und 1837 erblickt seine Tochter Cecile das Licht der Welt. In diesem Jahr beginnt auch seine erste Schaffensperiode, die eine sozialkritische und pädagogische Tendenz aufweist. Es entsteht sein erster Roman: Der Bauernspiegel oder Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf. Von ihm selbst beschrieben. Seit diesem Zeitpunkt nennt er sich nach der gleichnamigen Gestalt dieses Werkes. 1838 und 1839 schreibt er weitere Bücher, in Leben und Freuden eines Schulmeisters greift er Fellenberg an. 1840 verfaßt er Aufsätze für den Neuen Berner Kalender auf das Jahr 1840 (welcher dem Rheinischen Schatzkästlein von Hebel ähnlich ist). 1840 beginnt auch seine zweite Schaffensperiode, in der er sich mit der ihm zugeordneten Wirklichkeit auseinandersetzt. Sünde und Bosheit sind für ihn nur da, um die Überwindungskräfte des Christentums hervorzulocken. Weitere Werke entstehen, wie z.B. Wie Uli, der Knecht, glücklich wird, Der letzte Thorberger, Ein Silvestertraum, Elsi, die seltsame Magd, Geld und Geist oder die Versöhnung (1843). Die schwarze Spinne wird 1842 von ihm geschrieben. 1844 wird er Ehrenmitglied der Aargauischen landwirtschaftlichen Gesellschaft. 1845 wird er als Schulkommissär enthoben und er wendet sich gegen die Freischarenzüge, die gegen Luzern unternommen werden. 1846 beginnt die dritte Schaffensperiode, die Auseinandersetzung mit dem politischen Radikalismus, den Linkshegelianern und den Gedanken der Diesseitigkeit. Er schreibt z.B. Uli, der Knecht. Zweiter Teil: Uli, der Pächter (1849), Die Käserei in der Vehfreude, eine Geschichte aus der Schweiz (1850), Erlebnisse eines Schuldenbauern (1853) usw. 1848 wird er Präsident des kantonalen Pfarrvereins. 1849 verliert er seinen starken Rückhalt bei der deutschen Literaturkritik, nachdem schon Gottfried Keller Gotthelfs konservativen Standpunkt angegriffen hat. Am 22.Oktober 1854 stirbt er im Pfarrhaus in Lützelfluh.

3. Gotthelf: Mystiker? Pädagoge? Mahner und Wegweiser?

Grüß Gott, liebe Leute, und zürnet nüt! Eine Gabe bringe ich Euch dar, nehmt sie auf, wie sie gegeben ist, treuherzig. Ein Spiegel ist´s, doch nicht ein gemeiner, in dem ein jeder ein schönes Gesicht zu sehen glaubt, weil er das eigene erblickt. Mein Spiegel zeigt euch die Schatt- und nicht die Sonnseite Eures Lebens, zeigt also, was man gewöhnlich nicht sieht, nicht sehen will.[3]

Warum schrieb Gotthelf? Sein Drang zum Schreiben läßt sich durch sein vorausgegangenes Leiden erklären. Er mußte schreiben, bevor er „platzt“. Sein Wunsch war, anderen seine Erkenntnisse über das echte Menschsein mitzuteilen. Seiner Meinung nach kann sich der Zustand des Menschen nicht im Außen verändern, wenn nicht die innere Bereitschaft vorhanden ist. Wir können die Mitmenschen nicht verändern, wenn wir uns nicht selbst verändern, deswegen nützt es auch nichts, äußere Mißstände zu bekämpfen, eher im Gegenteil und daher wird der anfangs feuerprangende „Jeremias“ (der Warner) zum verstehenden und einfühlsamen Lebenshelfer, zum liebenden „Gotthelf“. Er lebte in einer Zeit, in der es in der Schweiz viele politische Aufstände und Umwälzungen gab und er blieb sein Leben lang mittendrin, als ein Kämpfer für seine Ideale. Er fühlt sich den Bauern seines Emmentals verbunden und im Gegensatz zu anderen Intellektuellen dieser Zeit ist er der Meinung, daß alle zu der Kunst, das Göttliche in sich sichtbar zu machen, berufen seien. In jedem Mensch sei schöpferische Kraft und vor Gott mache es keinen Unterschied, ob jemand nach bestem Wissen Bücher schreibe oder Bilder male oder Schweine mäste. Kunst hat für ihn den Auftrag, dem Menschen den Weg zu einem sinnvollen und auf höhere Werte gerichteten Leben, zu echtem Menschsein, aufzuzeigen.

[...]


[1] Gotthelf Augenblicke S.43

[2] Gotthelf Augenblicke S.43

[3] Der Bauernspiegel- die ersten Sätze seines ersten Romans, 1837

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Böse in Jeremias Gotthelfs „Die schwarze Spinne“
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Veranstaltung
Das Böse in der Literatur und Philosophie
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V204232
ISBN (eBook)
9783656302476
ISBN (Buch)
9783656302391
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jeremias Gotthelf, Philosophie, Malum, Das Böse, Die schwarze Spinne, Teufel
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagoge Jannis Plastargias (Autor:in), 2000, Das Böse in Jeremias Gotthelfs „Die schwarze Spinne“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204232

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