Nach dem Krieg für jede Generation eine Chance. Transgenerationale Weitergabe kriegsbelasteter Kindheiten


Diplomarbeit, 2012
20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Thema

2 Ziel und Nutzen

3 Hypothese

4 Historische Metapher

5 Eigene Metapher

6 Intervention, Integration und Zukunftsperspektive
6.1 Die 5-Rollen
6.2 Die Energiemuster
6.3 Beliefs
6.3.1 Dem Problem ins Auge sehen
6.3.2 Strategien für die Belief-Änderung – positive Gegenbeispiele finden
6.4 Traumata – EMDR
6.4.1 Einsatz von EMDR

7 Resumé

Literaturverzeichnis

Andere Quellen

1 Thema

Die Kriegskinder:[1] ’Sind Menschen, die in ihrer Kindheit durch direkte oder indirekte Einwirkungen des Krieges nachhaltig wirkende psychische und physische Schäden erlitten. Oft bleiben solche Kriegstraumatisierungen über Jahre unbewusst, sind aber doch wirksam und lösen komplexe seelische oder psychosomatische Krankheitsbilder aus. Die Lebensgestaltung eines so traumatisierten Menschen bleibt durch die Kriegserlebnisse geprägt und kann sowohl die nächste als auch die übernächste Generation verändern.’[2] Die daraus resultierenden Kommunikations- und Persönlichkeitsstörungen, sowie die Ängste, haben die Kriegskinder an ihre Kinder, die sog. Nachkriegskinder[3], teils bewusst, teils unbewusst weiter gegeben. In vielen Familien tritt ein Widerspruch zwischen materieller Verwöhnung und psychischem Desinteresse der Eltern auf. Das belastet viele Nachkriegskinder besonders.

Die Kriegskindgeneration hat die zutiefst eingeprägte NS-Erziehung, das unkritische Funktionieren, Leisten und Anpassen beibehalten und an ihre Kinder weitergereicht.

Die Kriegs-/ und Nachkriegsgenerationen in Deutschland, Österreich und in Osteuropa haben durch die immerwährende Propaganda der Kriegsschuld in den vergangenen Jahrzehnten eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten erlebt. Weder psychisch noch emotional konnte nach dem Krieg mit dem Aufarbeiten der Kriegserlebnisse begonnen werden. Erst nach der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland und den weiteren Grenzerleichterungen nach Osteuropa und die ehemalige Sowjetunion konnte ein öffentlicher Diskussionsprozess beginnen. Viele Kriegsauswirkungen wurden so erst um Jahrzehnte verspätet psychologisch, literarisch und medial behandelt und aufgearbeitet.

Die mittlerweile vertieften Erkenntnisse und die Darstellung in der Öffentlichkeit haben geholfen psychische Strukturen bei Patienten aufzudecken, die auf den Kriegs-erlebnissen und der transgenerationalen Übertragung dieser beruhen.

2 Ziel und Nutzen

Was aber können wir, die Nachkriegskinder tun? Im Coachingprozeß können wir mit den Coachees ihre transgenerationale Thematik aufarbeiten. Die Coachees können lernen ihren Eltern zu verzeihen, daß sie nicht mit Ihnen reden konnten. Die Coachees können lernen mit Ihren Eltern über das Thema zu reden, indem sie fragen was mit Ihnen geschehen ist. Sie können lernen Ihnen zu verzeihen, dass sie ihre Ängste weitergegeben haben. Das kann uns Nachkriegskindern helfen, unsere normalen Rollen zu leben, und das ‚Alte’, das nicht zu uns gehört, erlernen loszulassen.

Wir können uns mit den gleichaltrigen Angehörigen unserer Generation im Osten Deutschlands, Europas und den ehemaligen Sowjetrepubliken, deren Eltern die gleichen Kriegserlebnisse und –schicksale hatten wie unsere Eltern, zu Gesprächen finden und lernen sie zu verstehen. Wir können lernen uns gegenseitig zu verzeihen und das neu gewonnene Miteinander zu leben.

Als Coach können wir in unseren Coachinggesprächen in der Ziel- und Problemfindung die spezifischen Themen Nachkriegskinder anhand bestimmter Beliefs identifizieren. Wenn wir Coachees vor uns haben, deren Beschwerden aus der transgenerationalen Problematik herrühren, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über dieses Thema.

Unsere Großeltern und Eltern hatten Erlebnisse wie sie immer und immer wieder vorkommen. Der psychische Schaden, den Menschen weltweit in Kriegen erleiden ist unendlich groß und wirkt langfristig. Ständig gibt es Gelegenheiten in denen in der Öffentlichkeit über die Abschiebung von einzelnen Familienmitgliedern berichtet wird.

Durch das Coaching und die Anwendung der Resonanzmethode können wir helfen langwierige Leidensprozesse zu verkürzen. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe. In der Behandlung und der Umsetzung der Interventionen u.a. um Muster und Ängste zu lösen, helfen wir den Coachees sich weiter entwickeln zu können und ihre eigenen Potentiale zu heben. In unseren Behandlungen kann die Auflösung vieler psychischer und traumatischer Krankheitsbilder erfolgen.

Die Coachees gehen mit neuen Perspektiven in ein gesundes, angstfreies und erfolgreiches Leben.

3 Hypothese

Mit Hilfe der Ziel- und Problemfindungsmethodik können wir die Coachees dabei unterstützen ihre eigenen Muster zu erkennen. Die Lösungsansätze und Interventionen können helfen die Ängste zu lösen.

Wir Kinder der Nachkriegskinder nehmen mit zunehmendem Alter immer bewusster wahr, dass die Bedeutung des regelmäßigen Broterwerbs, die Art der Familiengründung und die Anforderungen der Gesellschaft und sowie lange gelebte Beliefs nicht erfüllend in unserem Leben sind. Wir hinterfragen uns vermittelten Lebensinhalte immer stärker. Dabei erfahren wir, dass wir ‚nur’ die Inhalte und Werte unserer Kriegskindfamilien leben.

Mit dem Erfahren darüber woher und warum wir diese Strukturen haben, lernen wir uns zu erlauben, dass wir uns Zeit für uns nehmen können und müssen, um über unsere Erlebnisse zu reflektieren. Mit unserem erworbenen Wissen können wir immer besser Muster erkennen und damit entsteht der Wunsch, die erkannten Muster aufzulösen. Häufig sind es Krankheiten die uns den Weg weisen, und die Aufforderung beinhalten, genauer nach den Ursachen zu forschen.

Wir beginnen unser Umfeld genauer zu betrachten und wundern uns, warum wir nicht viel früher begonnen haben, Dinge zu hinterfragen, die Kommunikation zur Elterngeneration aufzunehmen um die Ursachen zu erforschen.

Die unbesprochenen Erlebnisse und Auswirkungen des Krieges auf die Kriegs-generation werden erst seit der Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland in der Öffentlichkeit thematisiert.

Auch die Kriegskinder, unsere Eltern, beginnen ihr Leben zu reflektieren. Viele Publikationen und Filme sind in den letzten 20 Jahren entstanden, die helfen, die eigene Lebensgeschichte mit der Geschichte der gesamten Familie abzugleichen.

Das Thema, warum die Kommunikation mit den Eltern so schwer war, warum wir uns nicht trauten nach Erlebnissen zu fragen, warum es so schwer ist unverständliches Verhalten zu verzeihen, warum man selbst die Muster der Eltern weitergelebt hat, treten zu Tage.

Wir fragen uns, warum uns die jugendliche Leichtigkeit verloren gegangen ist? Wir sehnen uns wieder nach ihr. Woher kommt die Schwermut, für die es keinen echten Grund gibt? Woher kommt die Müdigkeit, die dazu führt, dass Dinge schwerer fallen? Was bedeutet es extreme Belastungen auf sich zu nehmen, und den Erfolg aus dem hohen Engagement und einer super guten Leistung nicht annehmen zu können? Immer wieder zu fragen: ‚Habe ich genug getan, genügt es, genüge ich?’ Stimmt die Qualität der Leistung? Der Ansporn wird immer höher und langsam merkt man, dass die Belastungen nicht mehr zu ertragen sind. Der Körper schreit nach Ruhe, und der Geist will Anerkennung und Erholung.

Wenn wir uns nun auf die Suche nach den Ursachen begeben, wissen wir, warum es notwendig ist für uns geeignete Interventionen zu finden. Wir beginnen vorsichtig mit unseren alten Eltern oder vertrauten alten Menschen zu reden, sie zu fragen. Wir lernen uns selbst zu erkennen um uns bedingungslos annehmen zu können. Wir lernen den Eltern zu verzeihen, weil wir nun verstehen warum sie nur so reagieren konnten.

Wir lernen unsere Fähigkeiten und Qualitäten kennen, um uns zu lieben und uns vertrauen zu können.

Auf einmal können wir auch andere anerkennen, bedingungslos lieben, und ihnen vertrauen, und müssen nicht immer alles selbst erledigen. Die Beliefs und Filter mit denen wir aufgewachsen sind verlieren ihre Bedeutung. Wir können lernen unser Schicksal mit vielen anderen Nachkriegskindern zu teilen und anzunehmen. Wir beginnen zu verstehen, warum wir langjährige Freunde haben und was uns mit ihnen verbindet.

Wir lernen, dass alle Ressourcen im Überfluss für alle vorhanden sind. Wir können lernen sie anzunehmen. So erleben wir ein neues respektvolles und gleichwertiges Miteinander.

4 Historische Metapher

‚Augen auf und neue Wege finden’, - ‚den Problemen ins Auge sehen!’

In dem nachfolgenden Textauszug aus der Kleine Prinz wird sehr anschaulich erzählt, wie weit wir manchmal unseren Weg gehen müssen, um unsere Werte zu erkennen und wie wenig es bedarf, um uns zufrieden zu stellen und uns glücklich zu machen. Wer die Geschichte und die Reise des kleinen Prinzen kennt, der weiß, dass gegen Ende seiner Reise die vielen Erfahrungen und Eindrücke, die er gesammelt hat zu großer Weisheit geführt haben.

Kapitel XXV[4]

‚Die Leute’, sagte der kleine Prinz, ‚schieben sich in die Schnellzüge, aber sie wissen gar nicht, wohin sie fahren wollen. Nachher regen sie sich auf und drehen sich im Kreis’. Und er fügte hinzu: ‚Das ist nicht der Mühe wert.’ Der Brunnen, den wir erreicht hatten, glich nicht dem Brunnen der Sahara. Die Brunnen der Sahara sind einfache, in den Sand gegrabene Löcher. Dieser da glich einem Dorfbrunnen. Aber es war keinerlei Dorf da, und ich glaubte zu träumen.

‚Das ist merkwürdig’, sagte ich zum kleinen Prinzen. ‚Alles ist bereit, die Winde, der Kübel und das Seil...’ Er lachte, berührte das Seil, ließ die Rolle spielen. Und die Rolle knarrte wie ein altes Windrad wenn der Wind lange geschlafen hat.

‚Du hörst’, sagte der kleine Prinz, ‚wir wecken diesen Brunnen auf, und er singt.’

Ich wollte nicht, dass er sich abmühte: ‚Lass mich das machen’, sagte ich zu ihm, ‚das ist zu schwer für dich.’ Langsam hob ich den Kübel bis zum Brunnenrand. Ich stellte ihn dort schön aufrecht hin. In meinen Ohren war noch immer der Gesang der Zugwinde, und im Wasser das noch zitterte sah ich die Sonne zittern. ‚Ich habe Durst nach diesem Wasser’, sagte der kleine Prinz, ‚gib mir zu trinken...’ Und ich verstand, was er gesucht hatte. Ich hob den Kübel an seine Lippen. Er trank mit geschlossenen Augen. Das war süß wie ein Fest. Dieses Wasser war etwas ganz anderes als ein Trunk. Es war entsprungen aus dem Marsch unter den Sternen, aus dem Gesang der Rolle, aus der Mühe meiner Arme. Es war gut fürs Herz wie ein Geschenk. Genau so machten, als ich ein Junge war, die Lichter des Christbaums, die Musik der Weihnachtsmette, die Sanftmut des Lächelns den eigentlichen Glanz der Geschenke aus, die ich erhielt.

‚Die Menschen bei dir zu Hause’, sagte der kleine Prinz, ‚züchten fünftausend Rosen in ein und demselben Garten und doch finden sie dort nicht, was sie suchen...’

‚Sie finden es nicht’, antwortete ich. ‚Und dabei kann man das, was sie suchen in einer einzigen Rose oder in einem bisschen Wasser finden.’ ‚Ganz gewiss’, antwortete ich. Und der kleine Prinz fügte hinzu: ‚Aber die Augen sind blind. Man muss mit dem Herzen suchen.’

[...]


[1] Ustorf, Anne-Ev. Wir Kinder der Kriegskinder. Verlag Herder GmbH, Freiburg, 2008
S. 14 – Kriegskinder: Zwischen 1927 und 1947 geborene Menschen

[2] http://www.kriegskind.de/index.html: Inhaltliche Definition der Kriegskinder 18.06.12

[3] Ustorf, Anne-Ev. Wir Kinder der Kriegskinder, Verlag Herder GmbH, Freiburg, 2008, S. 12 - Nachkriegskinder: Kinder der Kriegskinder, die zwischen 1955 und 1975 geboren wurden

[4] De Saint-Exupéry, Antoine. Der kleine Prinz. Wilhelm Heyne Verlag, München, 1989, S. 109-110

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Nach dem Krieg für jede Generation eine Chance. Transgenerationale Weitergabe kriegsbelasteter Kindheiten
Hochschule
Institut Kutschera
Veranstaltung
Ausbildung zum Dipl. Coach und NLP Practitioner
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V204320
ISBN (eBook)
9783656310099
ISBN (Buch)
9783656311348
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
nach, krieg, generation, chance, transgenerationale, weitergabe, kindheiten
Arbeit zitieren
Dipl. Betriebswirtin Andrea Martha Lang (Autor), 2012, Nach dem Krieg für jede Generation eine Chance. Transgenerationale Weitergabe kriegsbelasteter Kindheiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204320

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