Die Firma. Korporatistische Betrachtung des Romans und Films von John Grisham


Seminararbeit, 2005

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist eine Familie?
2.1 Die Familie von Mitch McDeere
2.2 Die Familie von Äbby McDeere
2.3 Die Firma als Familie
2.3.1 Was ist eine Korporation?
2.3.2 Kann man eine Korporation/Familie verlassen?
2.4 Die Moroltofamilie

3. Schaubild: Die Zusammenführung der Familien

4. Die verteilte Familie in „Die Firma“

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1» Einleitung

Diese Arbeit setzt sich mit dem Roman „Die Firma“ von John Grisham sowie dessen Verfilmung von-Sydney Pollack auseinander. Dabei geht es um folgende Fragestellung: Wie werden in den beiden Darstellungen Familien gezeigt, von denen ich für diese Betrachtung vier ausgewählt habe. Mit welchen insbesondere filmischen Mitteln werden diese Familien illustriert, was stellen sie einzeln für sich und was im Zusammenhang mit den jeweils anderen drei dar?

Dies wird im ersten Teil der Arbeit im Rahmen einer Interpretation bearbeitet.

Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass ich dem Film stärkere Beachtung geschenkt habe als dem Roman. Auch habe ich diesen Familiendarstellungen den meisten Umfang in dieser Arbeit zukommen lassen.

In gesonderten Kapiteln wird im ersten Teil mit dem Einfuhren des Begriffes „Korporation“ auch Bezug zum Seminar „Distributed Personhood“ genommen, vor dessen Hintergrund diese Arbeit verfasst wurde.

Mit einem Schaubild wird in den dritten Teil eingeleitet, in welchem die Analogien der einzelnen Familien herausgearbeitet werden sowie auf ihren Einfluss auf die Hauptperson der Roman- und Filmhandiung eingegangen wird.

Schließlich möchte ich noch darauf verweisen, das es in dieser Arbeit nicht darum geht, die Unterschiede zwischen Roman und Film zu beschreiben; es ist klar, dass ein Buch differenzierter beschreiben kann und ein Film visuelle und akustische Darstellungsmöglichkeiten hat, die dem Roman verwahrt bleiben. Es soll mit Hilfe des Romans und des Films eben nur um die verschiedenen Familien gehen.

Da es also in der Hauptsache um verschiedene und doch ähnliche Familiendarsteliungen gehen soll, schließt sich zunächst eine kurze Abhandlung über diesen Begriff an.

2. Was ist eine Familie?

Hier sollen zunächst zwei Definitionen von Familie gegeben werden, die gut in die Grundannahme dieser Arbeit passen, dass Familien sich sehr unterschiedlich legitimieren können.

„Familie ist der Kreis der durch Ehe, Verwandtschaft und Schwägerschaft verbundenen Personen, insbesondere die Ehegatten und ihre Kinder.“[1]

Diese Vorstellung ist sicherlich die naheliegenste, es gibt jedoch noch eine andere weitaus interessantere Definition, die bezüglich der Darstellung der verschiedenen Familienformen in Buch und Film Bedeutung haben wird:

„Rechtlich gibt es keinen feststehenden Begriff der Familie, meist versteht man darunter die Ehegatten mit ihren Kindern“[2]

Familie kann also auch noch etwas anderes bedeuten und gerade das wird in „Die Firma“ sehr deutlich, wie sich noch zeigen wird.

Wie werden demzufolge sowohl im Roman als auch im Film die verschiedenen „Familien“ dargestellt?

Dazu muss man zunächst alle Familien benennen, die in dieser Arbeit skizziert werden sollen:

Da gibt es eben die Familie von Mitch McDeere selbst.

Dann gibt es die Familie von seiner Frau Abby. Schließlich, wie schon erwähnt, die Firma als Familie, nicht zuletzt deshalb, weil sie sich selbst sowohl in der filmischen als auch in der literarischen Version selbst als Familie bezeichnet.

Und es existiert sogar noch die der Firma übergeordnete Mafiafamilie der Moroltos in Chicago. Diese vier Familienformen habe ich mir zur Untersuchung mit Hilfe des Films und Romas ausgewählt.

Das FBI in diesem Zusammenhang als Form einer Familie einzubeziehen, erschien mir zu weit hergeholt und würde auch den Umfang dieser Arbeit überschreiten.

Es soll hier also um vier verschiedene Konstellationen und Darstellungen von Familien gehen. Was für ein Bild geben diese jeweils ab, wie wird dieses Bild in der literarischen und filmischen Version inszeniert, wie verhalten sie sich zueinander?

Diese Fragen sollen im Folgenden im Rahmen einer interpretation des Films sowie Romans beantwortet werden.

2.1 Die Familie von Mitch McDeere

Im Film übergeht Mitch seine eigene Familie als recht belanglos, sein Vater wäre bei einem Grubenunglück ums Leben gekommen, seine Mutter hätte wieder geheiratet; allerdings verschweigt er hier seine Geschwister (Ch. 2, 1:00).

Die literarische Version bietet deutlich mehr Interpretationsraum (S.9ff): Hier kommt noch ein gefallener Bruder in Vietnam dazu, womit der Leser die Familie sofort mit einem historisch äußerst demütigenden Teil der amerikanischen Geschichte in Verbindung bringt und damit auch die Familie von Mitch mit Verlieren und Scheitern in Verbindung gebracht wird. Passend dazu ist die Mutter nach dem Tod ihres Sohnes in Vietnam auch noch wahnsinnig geworden.^ im Buch wird die Existenz eines weiteren Bruders zugegeben, nicht aber, dass dieser im Gefängnis sitzt. Seine Mutter hat im Buch wieder geheiratet, aber einen Alkoholiker. Was also wird sowohl in Film als auch im Buch. z. T. unterschiedlich, dargestellt:?

Gefängnis, Vietnam, Wahnsinn, Alkohol...aus all dem lässt sich folgern, dass man sich schwerlich eine mehr belastete Familie vorstellen kann: Sie bietet damit auch eine hervorragende Basis für Hollywood: Auf sich allein gestellt, ohne Unterstützung ganz nach oben zu kommen, wie es von Mitch ja auch zunächst demonstriert wird:

„Getrieben von dem glühenden Verlangen, seine Herkunft aus dem Arbeitermilieu zu vergessen (...)“[3] [4]

...jemand aus solchen Familienverhältnissen hat nichts zu verlieren. Auf das Arbeitermilieu wird im Film nur ganz kurz mit Mitch’ Arbeit als Kellner in einem Schnellimbiss verwiesen (Ch. 1, 1:35).

Indirektere Andeutungen, wie diese erste Form einer Familie dargestellt wird, finden sich aber noch mehr in den Kontrasten zu Beginn des Films, die sich auch hinsichtlich der Farbgebung und Kameraeinstellungen offenbaren:

Hier die enge, dunkle und schäbige Studentenbude, ein alter und dreckiger Mazda in einem mit Graffiti versehenen Vorort (Ch, 2, 3:15); dort das neue, großzügige und helle Haus mit Garten und Mercedes Cabriolet, in welches die Familie McDeere, also Mitch und seine Frau Abby, einziehen (Ch. 4).

Es findet also auch eine Art Metamorphose von Familiengegebenheiten statt, welche von Mitch bewusst forciert wird.

Verstärkt wird diese scheinbar neue und gute Weit auch durch die Filmmusik, in diesem Fall leichtes und unbeschwertes Klaviergeklimper bei der Ankunft der McDeeres in ihrem beschaulichen Wohnviertel in Memphis,Im Buch wird dieser Gegensatz zwischen den beiden Weiten und damit der Darstellung der bisherigen Familiensituation von Mitch eher an materiellen Punkten deutlich: Im Buch geht es beim ersten Aufeinandertreffen von Mitch und der Firma sehr viel um Materielles: Neuer BMW, zinsgünstiges Darlehen und viele weitere pekuniäre Vergünstigungen bestimmen hierzunächst das Geschehen (Kapitel 1, 2, und 4).

Mit dieser Betonung von Reichtum lässt sich an dieser Stelle gut an die nächste Familiendarstellung anknüpfen; nämlich an das, was passieren kann, wenn solch ein Reichtum in einer Familie vorhanden ist.

2.2 Die Familie von Abby McDeere

Diese wird interessanterweise im Film vollkommen vernachlässigt, während ihr im Buch immerhin ein ganzes verkrampftes Kapitel gewidmet wird (Kapitel 10, ab S. 128). Hier wird ein kompletter Gegenpol zu der Familie von Mitch gegeben. Erzkonservativ, wohlhabend, antiintellektuei!, verlogen und scheinheilig wird hier eine weitere Familienform dargestellt:

[...]


[1] Köhler, G., Pohl, H.: „Deutsch- Deutsches Rechtswörterbuch“, München 1991, S. 166

[2] Der Brockhaus, 9. vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Leipzig 2000, S, 267

[3] Grisham, X: „Die Firma“, München 1992, S. 17

[4] DVD „Die Firma“, 1993 by Paramount Pictures, Klappentext

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Firma. Korporatistische Betrachtung des Romans und Films von John Grisham
Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
17
Katalognummer
V204353
ISBN (eBook)
9783668135918
Dateigröße
5065 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mitch McDeere, John Grisham, Sydney Pollack, Korporation, Familie
Arbeit zitieren
Paul Langner (Autor), 2005, Die Firma. Korporatistische Betrachtung des Romans und Films von John Grisham, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204353

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