Schönheit als Kapital

Die Relevanz physischer Attraktivität für Arbeitsmarkterfolg und Partnerwahl


Bachelorarbeit, 2012
43 Seiten, Note: 10,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Physische Attraktivität
1.1 Physische Attraktivität bei Frauen
1.1.1 Gesichtsmerkmale
1.1.2 Körpermerkmale
1.2 Physische Attraktivität bei Männern
1.2.1 Gesichtsmerkmale
1.2.2 Körpermerkmale
1.3 Interpersonelle Konsequenzen durch Schönheit
1.3.1 Haloeffekt

2. Bourdieus Kapitalformtheorie
2.1 Körperliches Kapital

3. Relevanz physischer Attraktivität
3.1 Relevanz auf dem Arbeitsmarkt
3.1.1 Einkommen
3.1.2 Aufstiegschancen
3.1.3 Bewerbung
3.2 Relevanz bei der Partnerwahl

4. Schönheit als Kapital

5. Fazit

6. Ausblick

Einleitung

Der Markt für Schönheitsindustrie wächst weltweit enorm an, wie man anhand vieler Forschungsergebnissen sehen kann. Fitnesscenter erleben seit einigen Jahren einen gewaltigen Aufschwung. Aktuell beläuft sich die Mitgliederzahl der deutschen Fitnessclubs auf über sieben Millionen. Davon trainieren laut einer Allensbach-Umfrage zur Häufigkeit des Besuchs von Fitnessstudios über drei Millionen Mitglieder mehrmals wöchentlich. 3,9 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die Fitness- Branche 2010 in Deutschland (vgl. Statista 2012). Aber auch Kosmetik- und Pflegeprodukthersteller wie beispielsweise L‘Oreal verzeichnen immer größere Gewinne (vgl. Handelsblatt 2012). Zusätzlich nahm die Anzahl der Schönheits-OPs in den letzten Jahren auffällig zu (vgl. Viehöver 2011: 291). Allein im Jahr 2010 haben sich die Deutschen rund 117.000 Schönheitsoperationen sowie ca. 134.000 Faltenbehandlungen unterzogen. Das teilte die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V. mit (vgl. GÄCD 2011). Dabei geben Schönheitschirurgen an, dass sich ca. ein Drittel ihrer Patienten durch die Operationen bessere Chancen in Beruf und Karriere erhoffen (vgl. Nienhaus/Hergert 2008). Dieses Phänomen zeigt sich nicht allein bei Frauen, sondern auch immer häufiger bei Männern (vgl. Degele 2007: 29). Letztere investieren vor allem in den westlichen Industriestaaten immer mehr Zeit in ihre äußere Erscheinung (vgl. Hakim 2011: 45). Infolgedessen zerbricht das bisherige Klischee, Schönheit sei „Frauensache“. Es zeigt sich somit, dass es einen Trend des „Sich-Schön-Machens“ gibt, der sich geschlechterunabhängig in der Gesellschaft etabliert. Ökonomisches Kapital wird folglich immer mehr versucht in körperliches Kapital zu transformieren. Woher kommt aber dieser Trend bzw. wird er durch einen sichtbaren Erfolg in verschiedenen Lebenssituationen verstärkt oder gar ausgelöst? Ergibt sich durch körperliche Schönheit ein Vorteil auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Partnersuche? Um hierauf eine Antwort zu finden, stellt sich die Frage welchen Stellenwert physische Attraktivität beim Arbeitsmarkterfolg und der Partnerwahl einnimmt.

Ausgehend von Bourdieus Kapitalformtheorie ist es deshalb Ziel dieser Arbeit, anhand empirischer Daten aus nationalen sowie internationalen Studien die Frage zu beatworten, welche Relevanz physische Attraktivität für den Arbeitsmarkterfolg und die Partnerwahl besitzt. Dabei wird Bourdieus Kapitalformmodell auf die Kapitalform „Schönheit“ erweitert, um die Relevanz physischer Attraktivität in einem Vergleich der Kapitalformen zu ermöglichen.

Die sozialwissenschaftliche Bedeutsamkeit dieser Thematik leitet sich dabei einerseits aus dem sichtbaren Trend des Schönheitshandelns[1] sowie andererseits aus dem immer größer werdenden Umsatz der Schönheitsindustrie ab. Darüber hinaus gewinnt das Thema sowohl in den Massenmedien als auch in der wissenschaftlichen Literatur zunehmend an Aufmerksamkeit. Trotz allem lässt sich sagen, dass der aktuelle Erkenntnisstand viele Fragen unbeantwortet lässt und einige Ansätze zum

Anknüpfen bietet. Vor allem in der Zusammenfassung der von vielen unterschiedlichen Studien ermittelten Daten besteht Handlungsbedarf.

Zu Beginn der Arbeit wird das theoretische Fundament vorgestellt. Dieses bildet sich zum Einen aus einem sozialpsychologischen Teil, in dem die Merkmale sowie Auswirkungen physischer Attraktivität erläutert werden und zum Anderen aus einem soziologischen Teil, bei dem, wie bereits erwähnt, Bourdieus Kapitalformtheorie genutzt wird, um die sozialpsychologischen Aspekte von Schönheit soziologisch einzuordnen. Im Hauptteil wird die Relevanz des Schönheitskapitals mit Hilfe empirischer Daten aus verschiedenen Studien in zwei unterschiedlichen Lebenssituationen dargestellt. Dabei wird die Relevanz physischer Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt und darüber hinaus die Bedeutung bei der Partnerwahl aufgezeigt.

Der Stellenwert physischer Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt wird anhand mehrerer Merkmale analysiert. Einerseits wird untersucht, ob eine Signifikanz zwischen dem Einkommen und der Attraktivität besteht und andererseits wird überprüft, ob sich durch Schönheit ein Vorteil bei Bewerbungen und den Aufstiegsmöglichkeiten ergibt.

Im Bezug auf die Partnerwahl sollen die empirischen Untersuchungen Auskunft über die Bedeutsamkeit von Schönheit im Vergleich zu anderen Indikatoren wie beispielsweise ökonomischen Kapital oder sozialen Status geben.

Bei der Analyse der empirischen Daten, die aus wissenschaftlicher Literatur und Zeitungsberichten bestehen, wird zudem die Untersuchungsmethodik verglichen, um mögliche Unterschiede der bisher erhobenen Forschungsergebnisse zu erklären.

Der Schlussteil der Arbeit fasst dann die Ergebnisse in einem abschließenden Kapitel zusammen und ordnet sie in Bourdieus Kapitalformsystem ein. Anschließend folgt ein kurzer Ausblick.

1. Physische Attraktivität

Um Schönheitskapital messen bzw. analysieren zu können, ist es zunächst notwendig, Schönheit zu objektivieren. In dieser Arbeit wird daher der sozialpsychologisch geprägte Begriff der „physischen Attraktivität“ verwendet, um einerseits äußerliche Schönheit bei Menschen zu definieren und andererseits die daraus folgenden interpersonellen Konsequenzen aufzuzeigen.

Für die Operationalisierung von physischer Attraktivität ist neben der Unterscheidung in Gesichts- und Figurmerkmalen eine Unterscheidung in Männer und Frauen erforderlich. Denn aus evolutionsbiologischer Sicht lässt sich sagen, dass eine hohe Attraktivität gegeben ist, wenn ein hoher Fortpflanzungserfolg zu erwarten ist. Dieser kommt bei Frauen durch Merkmale von überdurchschnittlicher Fertilität und bei Männern durch Hinweise auf eine hohe genetische Qualität zum Ausdruck (vgl. Cyrus

2009: 19 f.). Wie genau sich diese Merkmale kennzeichnen, soll nun folgend erläutert werden.

1.1 Physische Attraktivität bei Frauen

Wie empirische Studien zur Attraktivität von Frauen zeigen, beurteilen Männer diese umso attraktiver, desto mehr sie den alters- sowie gesundheitsspezifischen Merkmalen entsprechen, die einen hohen Reproduktionserfolg anzeigen (vgl. Cyrus 2009: 19). Diese Merkmale werden zum Einen durch Jugendlichkeit sowie sexuelle Reife und zum Anderen durch einen guten Gesundheitszustand vermittelt.

1.1.1 esichtsmerkmale

Das Gesicht fungiert dabei hauptsächlich als Informationsträger des Alters und Gesundheitszustands, weshalb Gesichtsmerkmale, die Jugendlichkeit vermitteln, von Männern am attraktivsten eingestuft werden (vgl. Cyrus 2009: 21). Diese Jugendlichkeit kennzeichnet sich im sogenannten

„Kindchenschema“, welches sich durch eine kleine Nase, große Augen und einem kleinen Kinn abzeichnet. Noch attraktiver wird das Gesicht beurteilt, wenn zusätzlich Reifemerkmale in Form von ausgeprägten Wangenknochen vorhanden sind, die einen Hinweis auf sexuelle Reife geben. Darüber hinaus gelten expressive Merkmale in Form von hohen Augenbrauen und einem breiten Lächeln als attraktiv, da diese mit positiven Persönlichkeitseigenschaften assoziiert werden (vgl. Bierhoff 2006: 59). Desweiteren werden breite Lippen als attraktiver beurteilt als schmale Lippen (vgl. Müller/Schuster 2002: 206). In Bezug auf die Haut stellten zudem verschiedene Studien fest, dass eine Homogenität in Form von glatter und eben-colorierter Haut positiv mit Jugendlichkeit sowie Gesundheit korrelieren (vgl. Cyrus 2009: 22). Infolgedessen spielt insbesondere bei Frauen der Einsatz von Kosmetika eine wichtige Rolle, denn wie Studien zeigen, werden Frauen, die Make-up benutzen und ihre Haare pflegen, von männlichen Beurteilern signifikant attraktiver eingestuft als Frauen ohne Make-up (vgl. Böing 2009: 282). Wie in vielen weiteren

Untersuchungen festgestellt wurde, ist ein zusätzliches Merkmal für Gesundheit und infolgedessen von physischer Attraktivität die Präferenz für Symmetrie und den Durchschnitt, da diese beiden Faktoren Abweichungen vom Mittelwert und somit vermeintlich störende Mutationen ausschließen (vgl. Müller/Schuster 2002: 206). Welche Merkmale darüber hinaus für den Körper ausschlaggebend sind, wird im nächsten Abschnitt näher beschrieben.

1.1.2 Körpermerkmale

Wie auch beim Gesicht, wurden zur Ermittlung der physischen Attraktivität der Figur verschiedene Experimente und Studien durchgeführt. Anhand dieser lässt sich sagen, dass vor allem das Verhältnis zwischen Hüfte und Taille (WHR=waist-to-hip-ratio) ausschlaggebend für die Attraktivitätsbewertung ist (vgl. Bierhoff 2006: 60). Der WHR gibt dabei die Art der Fettverteilung des Körpers an. Bei gesunden Frauen liegt der Wert zwischen 0.67-0.80. Bei Männern hingegen zwischen 0.85-0.95 (vgl. Pils et al. 2002: 256). Die Studien zeigen zudem, dass bei Frauen ein Wert von 0,7 am attraktivsten eingestuft wird und den Eindruck von Gesundheit und Jugendlichkeit vermittelt. Bei Männern wird hingegen ein Wert von 0,9 am attraktivsten eingestuft (vgl. Bierhoff 2006: 60).

Desweiteren spielt der Body-Mass-Index[2] (BMI) sowohl bei Männern als

auch bei Frauen eine wichtige Rolle für die Einschätzung von körperlicher Schönheit. Der Normbereich liegt hierbei zwischen 19-24 kg/m² bei Frauen und zwischen 20-25 kg/m² bei Männern (vgl. WHO 2006). Die optimale Bewertung in Bezug auf die Attraktivität, Fertilität und Gesundheit liegt hingegen bei einem BMI zwischen 19 und 20 (vgl. Cyrus 2009: 29). Studien von Viren Swami und Adrian Furnham zeigten dabei, dass Übergewicht (gemessen am BMI) bei Frauen der häufigste Faktor für eine negative Figurbewertung ist (vgl. Hakim 2011: 287). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Kombination aus beiden Indizes die

aufschlussreichsten Erkenntnisse hinsichtlich weiblicher Figurattraktivität bringt (vgl. Cyrus 2009: 27).

Zusätzlich tragen aber auch andere Bereiche des Körpers zu Attraktivitätsunterschieden bei. So wurde 2006 anhand des „leg-to-body- ratio“ die positive Korrelation zwischen langen Beinen und hoher Attraktivitätsbeurteilung verifiziert. Desweitern wurde 2001 herausgefunden, dass ein Zusammenhang zwischen der Länge und Qualität von Haaren und dem Gesundheitszustand sowie dem Alter der von Frauen besteht (vgl. ebd.: 30).

Welche Gesichts- und Körpermerkmale bei Männern als besonders attraktiv eingestuft werden, soll im nächsten Abschnitt näher erläutert werden.

1.2 Physische Attraktivität bei Männern

Wie empirische Studien zur Attraktivität von Männern zeigen, beurteilen Frauen diese umso attraktiver, desto mehr die Männer Hinweise auf eine gute genetische Qualität und Anzeichen auf die Fähigkeit in den Nachwuchs zu investieren, signalisieren (vgl. Cyrus 2009: 31). Diese Merkmale werden durch das Gesicht, den Körper und den sozialen Status eines Mannes angezeigt.

1.2.1 Gesichtsmerkmale

Ein ähnliches Bild wie bei den Frauen ergibt sich bei der Gesichtsattraktivität der Männer. Denn auch hier bestimmt maßgeblich das Kindchenschema die Schönheit des Gesichts. Dieses kennzeichnet sich bei Männern in einem großen Augenbereich mit hohen und weit auseinanderliegenden Augen sowie einem kleinen Nasenbereich. Identisch zur weiblichen Gesichtsattraktivität ist zudem ein breites Lächeln. Allein der expressive Teil des Gesichts wird bei Männern und Frauen unterschiedlich bewertet (vgl. Bierhoff 2006: 59). Denn Studien zeigen, dass maskuline Gesichtszüge ebenfalls als attraktiv eingestuft

wurden. Dazu zählen beispielsweise ein kantiges Kinn oder ausgeprägte Augenbrauen und Wangenknochen.

Ebenso gelten alle Hinweise auf den physischen Gesundheitszustand der Männer als Indikator für Attraktivität. Dementsprechend spielt die Gesichtssymmetrie sowie die Haut- und Haarqualität eine wichtige Rolle, da sie Auskunft über den Gesundheitszustand und somit auch über die genetische Qualität der Männer gibt (vgl. Cyrus 2009: 37).

Desweiteren zählen geschlechterunabhängig weiße und gut erhaltene Zähne als Schönheitsindikator (vgl. Müller/Schuster 2002: 210). Zusätzlich zeigt der Körper verschiedene Merkmale auf, die Auskunft über die Attraktivität der Männer geben. Diese sollen im nächsten Abschnitt näher ausgeführt werden.

1.2.2 rkmale

Wie in mehreren Studien festgestellt werden konnte, kommt - im Gegensatz zu den Frauen - der Körpergröße der Männer ein entscheidendes Kriterium zu. So fand beispielsweise Marc-Alain Descamps in seiner Studie heraus, dass 97,5 Prozent der Frauen Männer mit durchschnittlicher bzw. überdurchschnittlicher Körpergröße (d.h. mindestens 1,80 Meter) am attraktivsten finden (vgl. Naumann 2006: 91). Zudem wird großen Männern bei Einschätzungen durchweg ein höherer Status zugetraut (vgl. Cyrus 2009: 38). Analog zum bereits erwähnten WHR bei Frauen spielt der WCR bei Männern eine wichtige Rolle bei der Attraktivitätsbewertung. Der „waist-to-chest-ratio“ gibt dabei das Verhältnis von Brustkorbbreite zu Taille an und wird bei einem niedrigen Wert von Frauen am attraktivsten eingestuft. Ebenso werden Männer im unteren Level des Normalgewichts (gemessen am BMI) präferiert.

Welche Konsequenzen sich auf interpersoneller Ebene aus diesen Ergebnissen ergeben, soll nun folgend erläutert werden. Es sei dennoch darauf hingewiesen, dass neben den bereits genannten Indikatoren persönliche sowie kulturelle Präferenzen existieren, die in ihrer Heterogenität nicht berücksichtigt werden können und somit nicht in die

Attraktivitätsbeurteilung mit einfließen. Nichtsdestotrotz kann zusammengefasst gesagt werden, dass sich körperliche Schönheit bei Menschen in viele Faktoren untergliedert, die mittlerweile größtenteils mit Hilfe von Kosmetika, Schönheitsoperationen oder gezieltem Training bearbeitet werden können und somit in den von Nina Degele geprägten Begriff des „Schönheitshandelns“ einfließen. Dieses soll anhand des Folgenden Zitats verdeutlicht werden:

„Ihre Gültigkeit behalten diese „vormodernen“ Mechanismen aber doch insofern, als AkteurInnen beispielsweise Kuren und Operationen, Diäten, Training und Entspannung gezielt als Mittel zur Steigerung der Schönheit einsetzen.“ (Degele 2004: 15)

1.3 Interpersonelle Konsequenzen durch Schönheit

Nachdem aufgezeigt wurde, dass körperliche Schönheit nicht ausschließlich im Auge des Betrachters liegt und alles andere als subjektiv ist, sondern durchaus messbar ist und Regelmäßigkeiten besitzt, soll nun im folgenden Abschnitt erläutert werden, inwiefern sich durch Schönheit interpersonelle Konsequenzen ergeben. Dieser Schritt in die Mikroperspektive ist wohl unumgänglich, will man Phänomene in der Makrowelt vollständig analysieren.

Dabei lässt sich sagen, dass sich schon im Säuglingsalter interpersonelle Konsequenzen durch Schönheit ergeben, da sie nachweislich positivere Gefühle und weniger Rückzugsverhalten gegenüber attraktiv aussehenden Interaktionspartnern zeigen, als sie das vergleichsweise bei unattraktiven Personen tun (vgl. Bierhoff 2006: 61). So werden Personen mit einem attraktiven Gesicht von Babys und Kleinkindern länger angeschaut und angelächelt (vgl. Hakim 2011: 133). In Anbetracht dessen, lässt sich schließen, dass das Attraktivitätsempfinden der Menschen nicht vollkommen anerzogen und sozialisiert ist, sondern stattdessen angeboren ist oder sich zumindest wenige Stunden nach der Geburt entwickelt (vgl. Sinzinger 2002: 177).

Und auch auf Seiten der Erwachsenen zeigt sich, dass diese Babys und Kinder unterschiedlich wahrnehmen und einerseits höhere Erwartungen

an schöne bzw. niedliche Kinder haben aber andererseits auch diesen mehr Aufmerksamkeit und positivere Gefühle schenken (vgl. Hakim 2011: 134.). Darüber hinaus werden schönen Kindern eher höhere Fähigkeiten und andere sozial erwünschte Eigenschaften beigemessen (vgl. Sinzinger 2002: 177). Es vollzieht sich somit ein Wechselspiel zwischen den Erwachsenen und Kindern, da die Vorliebe für attraktive Gesichter und deren positiven Assoziationen bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben (vgl. ebd.: 180). Schöne Menschen werden somit in vielen Situationen positiver wahrgenommen als unattraktive Personen. In der Psychologie spricht man in diesem Fall vom sogenannten Haloeffekt (vgl. Ebner et al. 2002: 187). Inwiefern sich dieser Effekt genau bemerkbar macht, soll im Folgenden erläutert werden.

1.3.1 Haloeffekt

Im Allgemeinen bezeichnen Haloeffekte zunächst Eindrucksverzerrungen. Diese werden dadurch hervorgerufen, dass wir zum Beispiel dazu neigen einen Menschen aufgrund einer oder mehrerer guter bzw. schlechter Merkmale ebenso in einem anderen Bereich gut bzw. schlecht zu beurteilen, obwohl diese Bereiche in keinerlei Zusammenhang stehen (vgl. Forgas 1999: 61). Im Falle der physischen Attraktivität bedeutet dies, dass die äußere Erscheinung eines Menschen gleichsam auch zur Grundlage für Eindrücke von Persönlichkeitsmerkmalen wird (vgl. ebd.: 62). So werden attraktiven Menschen im Vergleich zu unattraktiven Menschen durchweg bessere Eigenschaften in ihrer sozialen Anziehungskraft, der interpersonalen und beruflichen Kompetenz sowie in ihrer Anpassungsfähigkeit zugesprochen (vgl. Ebner et al. 2002: 200). Zudem werden sie als intelligenter und beliebter eingeschätzt (vgl. Hakim 2011: 49). Jedoch werden attraktiven Menschen nicht nur höhere sozial erwünschte Eigenschaften zugesprochen, sie werden gleichsam in Folge dessen auch anders behandelt. So zeigten die Studien von Langlois, dass attraktiven Personen im Vergleich zu unattraktiven Personen, deutlich mehr Aufmerksamkeit und Offenheit geschenkt wird. Desweiteren neigen wir dazu, attraktiven Menschen mehr Hilfeleistungen und Unterstützung

anzubieten und ihnen in Interaktionen positiver zu begegnen (vgl. Ebner et al. 2002: 200). Es verwundert demnach wenig, dass schließlich die Selbstwahrnehmung in Bezug auf Fröhlichkeit, Lebenszufriedenheit, der sozialen Kompetenz und der Intelligenz bei attraktiven Personen ebenfalls höher ausfällt (vgl. ebd.: 202). Insofern bestimmt das Sein das Bewusstsein und damit das Aussehen die Persönlichkeit (vgl. Menninghaus 2007: 238).

Nach Hakim sind diese Einflüsse auf die Persönlichkeit meist positiver Natur und schlagen sich in sozialen Kompetenzen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten nieder wie folgendes Zitat verdeutlichen soll:

„Daraus geht klar hervor, dass sich attraktive Menschen – ähnlich wie sehr wohlhabende – vom Durschnitt abheben. Sie haben soziale Kompetenzen und Kommunikationsfertigkeiten sowie ein gehöriges Selbstvertrauen erworben, wovon Arbeitgeber auch dann noch beeindruckt sind, wenn sie unsichtbar bleiben.“

(Hakim 2011: 235)

Weitere Assoziationen rufen zudem schlanke und durchtrainierte Körper hervor. Denn diese gelten allgemein nicht nur als schön, sie attestieren dem Besitzer auch Eigenschaften wie beispielsweise hohe Leistungsfähigkeit, Dynamik, Selbstbeherrschung oder Mobilität (vgl. Posch 1999: 158).

Inwiefern man anhand dieser Erkenntnisse Erfolge bei Partnerwahl und Arbeitsmarkt erklären kann und welche Konsequenzen sich aus diesem sozialpsychologischen Phänomen ergeben, soll im dritten Kapitel dieser Arbeit genauer analysiert werden. Im folgenden Kapitel soll jedoch zunächst der theoretische Teil dieser Arbeit aus soziologischer Sicht in Form von Bourdieus Kapitalformtheorie betrachtet werden.

[...]


[1] Schönheitshandeln ist ein von Nina Degele geprägter Begriff und beschreibt ein erfolgsorientiertes Handeln, welches Anerkennung und Aufmerksamkeit als Ziel hat (vgl. Degele 2007: 26). Dieses wird durch die Inszenierung der eigenen Außenwirkung versucht zu erreichen (vgl. ebd.: 10). Die Mittel hierfür reichen vom Schminken über das Bodybuilding bis hin zu Schönheitsoperationen (vgl. ebd.: 21).

[2] Der BMI berechnet sich, indem das Körpergewicht (kg) durch die Körpergröße (m) dividiert und anschließend quadriert wird. Der Wert zeigt somit die Körperfülle (Fettmasse) an (vgl. Pils et al. 2002: 256).

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Schönheit als Kapital
Untertitel
Die Relevanz physischer Attraktivität für Arbeitsmarkterfolg und Partnerwahl
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
10,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
43
Katalognummer
V204512
ISBN (eBook)
9783656445302
ISBN (Buch)
9783656446187
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schönheit, Kapital, Bourdieu, Relevanz, physische, Attraktivität, Arbeitsmarkt, Erfolg, Partner, Wahl, Einkommen, Aufstiegschancen, Bewerbung, interpersonell, Halo, Effekt
Arbeit zitieren
Daniel Burghardt (Autor), 2012, Schönheit als Kapital, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204512

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