Kindheit ist für uns heute ein allgegenwärtiger Begriff. Im Alltagsverständnis wird sie häufig mit eigenen Erinnerungen assoziiert und ist durch subjektive, biografische Eindrücke nicht allgemeingültig. Die ahistorische Komponente der Kindheit und die Abhängigkeit von gesellschaftlichen, kulturellen, strukturellen sowie sozialen Bedingungen lassen Kindheit zu einem komplexen Konstrukt werden, das sich allgemein im Laufe der Zeit auch als ein sehr schwieriger Forschungsgegenstand für die Wissenschaft herausstellte. Die Soziologie der Kindheit war bis zu etwa der zweiten Hälfte der 80er Jahre immer ein „institutionell vorprogrammierter Schutz- und Schonraum – mit dem funktional zwingenden Blick auf das spätere ,Normalarbeitsverhältnis„ des Erwachsenen … und eben auch in der soziologischen For-schung ein Randthema“ (Schweizer 2007, S. 50). Doch wie ist der aktuelle soziologische Blick auf die Kinder? In welcher Form hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen und was sagt das über die Kindheit an sich aus?
Diese Arbeit soll einen Überblick über die Soziologie der Kindheit geben. Da ich mich im Rahmen des Seminars bereits mit der Familiensoziologie auseinandergesetzt habe, wählte ich das Thema gezielt und eigenständig aus.
Die Arbeit umfasst als erstes Kapitel verschiedene Diskurse, um sich dem komplexen Phänomen Kindheit, neben der soziologischen Sichtweise der Systemtheorie, auch durch psychoanalytische und juristische Definitionen anzunähern. Im weiteren Verlauf der Arbeit wird auszugsweise die Sozialisation von Kindern betrachtet. Zum einen in der Familie als primäre Sozialisation, zum anderen im Kontext der Schule und im Umgang mit Gleichaltrigen als sekundäre Sozialisation. Ferner wird ein aktueller Ansatz der soziologischen Kindheitsforschung analysiert und auf seine Methodik hin untersucht, welcher das Kind als kompetenten Akteur begreift. Anschließend wird die Studie der LBS-Kinderbarometer vorgestellt, in der Kinder selbst als kompetente Informanten über ihre Lebenswelt Auskunft geben und somit verdeutlicht wird, was Kindern wichtig ist und was eine gute Kindheit für sie ausmacht. Zum Schluss erfolgt eine Zusammenfassung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Diskurse über Kindheit
3. Sozialisationsinstanzen der Kindheit
3.1 Primäre Sozialisation – Familie
3.2 Sekundäre Sozialisation – Schule & Peergroups
4. Aktueller Ansatz der soziologischen Kindheitsforschung – das Kind als kompetenter Akteur
5. Wann ist Kindheit aus Kindersicht gut – Studie der LBS-Kinderbarometer
6. Schluss
Zielsetzung und Themenbereiche
Diese Arbeit gibt einen wissenschaftlichen Überblick über die Soziologie der Kindheit, analysiert verschiedene theoretische Diskurse und untersucht die Sozialisationsinstanzen Familie und Schule. Das primäre Ziel ist es, den Paradigmenwechsel vom Kind als "defizitärem Wesen" hin zum Kind als kompetentem Akteur nachzuzeichnen und diesen Ansatz anhand der empirischen Daten des LBS-Kinderbarometers kritisch zu beleuchten.
- Soziologische und psychoanalytische Diskurse über Kindheit
- Sozialisation in den Kontexten Familie (primär) und Schule (sekundär)
- Konzeptualisierung des Kindes als kompetenter Akteur
- Empirische Untersuchung des Wohlbefindens durch das LBS-Kinderbarometer
- Verhältnis zwischen Leistungsdruck, Zukunftsängsten und Lebensqualität
Auszug aus dem Buch
3. Sozialisationsinstanzen der Kindheit
„Die Soziologie ließ sich bei der Erforschung der Kindheit zunächst von der Vorstellung der Sozialisation leiten“ (Bühler-Niederberger, Sünker 2006, S. 31). Die Sozialisationstheorie als interdisziplinäres Gebiet, aus der Psychologie und Soziologie kommend, hat sich bereits in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt. Die genannten psychoanalytischen und systemtheoretischen Theorien spielten dabei eine maßgebliche Rolle (vgl. Andresen, Hurrelmann 2010, S. 41). Noch heute gilt die 1980 entworfene Definition von Sozialisation des Soziologen Klaus Hurrelmann als sehr aussagekräftig. Dabei wird Sozialisation als ein „Prozess der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt“ (ebd., S. 41) verstanden, der mit der Geburt beginnt und lebenslang andauert. Im Folgenden werden die für Kinder besonders relevanten Sozialisationsinstanzen Familie und Schule, vorgestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Kindheitssoziologie ein und erläutert die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Diskurse über Kindheit: Hier werden unterschiedliche theoretische Perspektiven, darunter systemtheoretische, psychoanalytische und juristische Definitionen, beleuchtet, um das komplexe Konstrukt "Kindheit" zu fassen.
3. Sozialisationsinstanzen der Kindheit: Das Kapitel untersucht die primäre Sozialisation innerhalb der Familie sowie die sekundäre Sozialisation im Kontext von Schule und Peergroups.
4. Aktueller Ansatz der soziologischen Kindheitsforschung – das Kind als kompetenter Akteur: Diese Sektion beschreibt den wissenschaftlichen Paradigmenwechsel, bei dem Kinder nicht mehr als passive, sondern als aktive und kompetente Gestalter ihrer Umwelt begriffen werden.
5. Wann ist Kindheit aus Kindersicht gut – Studie der LBS-Kinderbarometer: Anhand einer großflächigen Studie wird das Wohlbefinden von Kindern empirisch analysiert, wobei die eigene Perspektive der Kinder im Zentrum steht.
6. Schluss: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung, Kindern als Akteuren auf Augenhöhe zu begegnen.
Schlüsselwörter
Kindheitssoziologie, Sozialisation, Familie, Schule, Kindheitsforschung, Kompetenter Akteur, LBS-Kinderbarometer, Wohlbefinden, Paradigmenwechsel, Primäre Sozialisation, Sekundäre Sozialisation, Systemtheorie, Identitätsentwicklung, Lebensqualität, Leistungsdruck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Überblick über die Soziologie der Kindheit und beleuchtet, wie sich die wissenschaftliche Sicht auf Kinder historisch und theoretisch gewandelt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Sozialisationstheorien, die Rolle von Familie und Schule sowie der moderne Ansatz des Kindes als kompetenter Akteur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Verständnis von Kindheit als soziales Konstrukt aufzuzeigen und die Relevanz der kindlichen Perspektive für die aktuelle Forschung zu untermauern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die zusätzlich empirische Ergebnisse des LBS-Kinderbarometers analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Diskurse), die Untersuchung von Sozialisationsinstanzen sowie die Analyse der aktuellen Kindheitsforschung anhand der LBS-Studie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Kindheitssoziologie, Sozialisation, kompetenter Akteur und das Wohlbefinden von Kindern.
Warum spielt die Schule eine so große Rolle für die Sozialisation?
Die Schule fungiert laut der Arbeit als wichtige Bildungs- und Selektionsinstanz, in der Kinder erstmals institutionalisiertem Leistungsdruck und gesellschaftlichen Erwartungen begegnen.
Was sagt das LBS-Kinderbarometer über das Wohlbefinden von Kindern in Deutschland aus?
Die Studie zeigt, dass sich Kinder im Durchschnitt wohl fühlen, jedoch signifikante Ängste in Bezug auf schulische Leistungen und Versagen äußern.
- Quote paper
- Jasmin Nicole Schmid (Author), 2012, Soziologie der Kindheit - ein soziologischer Blickwinkel auf das Kind, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204516