Auf unserer Welt gibt es unzähliges Leid. Viele Menschen fragen sich dehalb, wie dieses Leid mit einem "lieben Gott" vereinbar ist. Joachim Kahl, ein Theologe und überzeugter Atheist formuliert das eigentliche Problem in seinem Buch „Das Elend des Christentums“ mit der Frage „Wie kann ein angeblich liebender Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist, die Lebewesen, die er doch geschaffen hat, so unsäglich leiden lassen?“ Denn damit macht Kahl klar, dass allein die Tatsache, dass Gott den Menschen unbegreiflich liebt und dieser Leid durchlebt noch kein Problem wäre. Wäre Gott nämlich ein schwacher und handlungsunfähiger Gott, so wäre es verständlich, dass er nicht eingreift, weil er es eben nicht könnte. Wie Kahl aber nun schon andeutet, ist für den Gott, an den wir Christen glauben und der sich selbst als „ den Allmächtigen“2 bezeichnet nichts unmöglich. Und genau hier liegt der Kern des Problems. Gott ist voller Liebe für den Menschen, der Mensch leidet, Gott könnte das Leid verhindern, tut es aber nicht.
Muss man nun um diesen Widerspruch aufzuheben, Gott eine dieser Eigenschaften absprechen? Ist Gott also dann womöglich ein grausamer Sadist, der im Himmel auf einer gemütlichen Wolke thront und sich an dem Leid, dass die Menschen durchleben, erfreut obwohl er es mit einem Fingerschnipsen verhindern könnte? Oder schaut Gott vielleicht voller Verzweiflung und mit grenzenloser Liebe ohnmächtig auf die Welt herab und muss zuschauen wie seine geliebten Menschen leiden, weil er nicht allmächtig ist und nichts dagegen tun kann? Oder gibt es vielleicht Gründe dafür, warum Gott trotz seiner Liebe und Allmacht nicht eingreift, wenn wir Menschen leiden?
Nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema stand für mich fest, dass ich für mich persönlich eine Antwort auf diese Fragen brauchte und im Rahmen meiner BLL versuchen wollte, eine für mich befriedigende Antwort zu finden. In meiner folgenden Arbeit möchte ich nun darlegen, zu welchem Ergebnis ich gekommen bin.
Inhaltsverzeichnis
1.1 Vorwort
1.2 Wie ist Gott?
2. Leibniz - „Die beste aller möglichen Welten.“
3.1 „Die beste aller möglichen Welten?“ - Leid als Preis der Freiheit?
3.2 Freiheit - und dann?
3.3 Warum lässt du Leid zu?
3.4 Das Mitleiden Gottes
3.5 Perspektive Ewigkeit
3.6 Sinn im Leid?
4. Zwischenfazit
5. Das Buch Hiob
5.1 Der Prolog
5.2 Der Redeteil
5.3 Die Position der drei Freunde Hiobs
5.4 Die Position Hiobs im Dialog mit seinen Freunden
5.5 Die Position Elihus
5.6 Gott redet zu Hiob
5.7 Der Epilog
6. Warum lässt Gott nun Leid zu? – Das Gesamtfazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische und philosophische Fragestellung der Theodizee, also die Frage, warum ein liebender und allmächtiger Gott Leid in der Welt zulässt. Ziel ist es, nach einer theoretischen Auseinandersetzung mit Lösungsansätzen und einer Analyse des biblischen Buches Hiob, eine persönliche, befriedigende Antwort auf diesen existentiellen Widerspruch zu formulieren.
- Grundlagen des christlichen Gottesbildes
- Leibniz' Theorie der „besten aller möglichen Welten“
- Die Rolle der menschlichen Freiheit und Verantwortung
- Biblische Auseinandersetzung im Buch Hiob
- Das Konzept des göttlichen Mitleidens
Auszug aus dem Buch
3.1 „Die beste aller möglichen Welten?“ - Leid als Preis der Freiheit?
Obwohl viele Menschen Leibniz´ Theodizee gelesen und für eine plausible Erklärung für die Leiden in der Welt gehalten hatten, gab es, vor allem nach dem verheerenden Erdbeben von Lissabon 1755, das die ganze Welt zum Nachdenken anregte, zahlreiche Kritik an Leibniz Theorie von der „besten aller möglichen Welten“. Vor allem der berühmte Schriftsteller Voltaire kritisierte Leibniz´ Konzept in der satirische Novelle „Candide oder der Optimismus“ mit Aussagen wie „Wenn dies die beste aller möglichen Welten ist, wie mögen dann die anderen sein?“.14
Meiner Meinung nach ist dies, wenn auch vom Autor sicherlich eher als rhetorische Frage gemeint, eine durchaus berechtigte Frage. Wie würde wohl eine Welt aussehen in der kein Leid existiert?
Eine Welt ohne Leid wäre in meinen Augen auch eine Welt ohne Menschen. Denn das, was den Menschen ausmacht, ist, wie Leibniz schon in seinem Werk andeutete, seine Freiheit. Ohne Freiheit wären wir Menschen nur Marionetten und Gott ein Puppenspieler. Er könnte sich immer neue Geschichten ausdenken, die er mit den Menschen spielt. Ohne Gewalt. Ohne Mord. Ohne Hass. Aber - auch ohne den Menschen. Der Mensch wäre kein Mensch mehr, sondern eine Hülle, ein Roboter ohne Gefühle und ohne Willen. Er würde nicht mehr handeln, sondern nur Befehle ausführen. Wäre eine solche Welt also eine bessere?
Zusammenfassung der Kapitel
1.1 Vorwort: Die Autorin beschreibt ihre persönliche Motivation, sich mit der Theodizee-Frage auseinanderzusetzen, ausgelöst durch das Erdbeben in Japan 2011.
1.2 Wie ist Gott?: Es werden die wesentlichen biblischen Eigenschaften Gottes wie Liebe, Gnade, Allmacht und Allwissenheit herausgearbeitet.
2. Leibniz - „Die beste aller möglichen Welten.“: Vorstellung des philosophischen Lösungsansatzes von G.W. Leibniz, der die Welt als die bestmögliche mit dem geringsten Übel definiert.
3.1 „Die beste aller möglichen Welten?“ - Leid als Preis der Freiheit?: Diskussion darüber, ob Leid eine notwendige Konsequenz der menschlichen Entscheidungsfreiheit ist.
3.2 Freiheit - und dann?: Betrachtung der Verantwortung des Menschen im Umgang mit Freiheit und die Orientierungshilfe durch die Zehn Gebote.
3.3 Warum lässt du Leid zu?: Reflexion über die menschliche Eigenverantwortung und das Wirken Gottes durch Menschen als helfende Hände.
3.4 Das Mitleiden Gottes: Thematisierung der biblischen Gewissheit, dass Gott das Leid seiner Geschöpfe nicht ignoriert, sondern mit ihnen fühlt.
3.5 Perspektive Ewigkeit: Darstellung des christlichen Hoffnungsaspekts durch Jesus Christus und die Aussicht auf ein ewiges Leben ohne Schmerz.
3.6 Sinn im Leid?: Untersuchung der Möglichkeit, dass Gott Leid als erzieherisches Mittel oder zur Charakterbildung nutzen kann.
4. Zwischenfazit: Kritische Würdigung der bis dahin betrachteten theoretischen Ansätze, die zwar Teilantworten liefern, aber keinen umfassenden Trost spenden.
5. Das Buch Hiob: Einführung in das Buch Hiob als zentrale biblische Auseinandersetzung mit dem Leiden Unschuldiger.
5.1 Der Prolog: Vorstellung der Person Hiobs und der Wette zwischen Gott und Satan.
5.2 Der Redeteil: Übersicht über die Debatten zwischen Hiob, seinen Freunden und Elihu.
5.3 Die Position der drei Freunde Hiobs: Erläuterung des Tun-Ergehen-Zusammenhangs und der Schuldvorwürfe gegenüber Hiob.
5.4 Die Position Hiobs im Dialog mit seinen Freunden: Hiobs beharrliche Verteidigung seiner Unschuld und seine Anklagen gegen Gott.
5.5 Die Position Elihus: Analyse des Ansatzes, Leid als erzieherische Maßnahme und Gott als Lehrer zu sehen.
5.6 Gott redet zu Hiob: Gottes Antwort aus dem Sturm, die seine unerreichbare Größe und Macht verdeutlicht.
5.7 Der Epilog: Abschluss der Geschichte mit der Wiederherstellung Hiobs und der Anerkennung durch Gott.
6. Warum lässt Gott nun Leid zu? – Das Gesamtfazit: Abschließende Synthese, die betont, dass Gott nicht vollständig begreifbar ist und das Vertrauen auf ihn im Mittelpunkt steht.
Schlüsselwörter
Theodizee, Leid, Gott, Hiob, Freiheit, Allmacht, Liebe, Gerechtigkeit, Glaube, Vertrauen, Tun-Ergehen-Zusammenhang, Mitleiden, Sinn, biblische Exegese, Hoffnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der klassischen Theodizee-Frage: Wie ist die Existenz eines liebenden und allmächtigen Gottes mit dem Leid in der Welt vereinbar?
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die philosophische Betrachtung von Leibniz, biblische Gottesbilder, die menschliche Entscheidungsfreiheit sowie eine detaillierte Exegese des Buches Hiob.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nach einer Analyse verschiedener Thesen zu einer für die Autorin persönlich befriedigenden Antwort auf das Leid-Problem zu gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologische und philosophische Literatur- und Quellenanalyse, kombiniert mit einer exegetischen Auslegung des alttestamentarischen Hiob-Buches.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Debatte über Leid und Freiheit sowie eine umfassende Untersuchung der Dialoge und Positionen innerhalb des Hiob-Buches.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Theodizee, Allmacht, Freiheit, Hiob, Glaube, Vertrauen, Leid und Gerechtigkeit.
Wie bewertet die Autorin den "Tun-Ergehen-Zusammenhang" der Freunde Hiobs?
Die Autorin lehnt diesen als unzureichend ab, da er Hiobs unschuldiges Leid fälschlicherweise auf persönliches Fehlverhalten zurückführt und somit keinen echten Trost bietet.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Theodizee-Frage?
Sie kommt zu dem Schluss, dass es keine endgültige logische Antwort auf das "Warum" gibt, sondern dass der Mensch wie ein Kind auf Gottes für uns unbegreifliche Weisheit vertrauen muss.
- Citar trabajo
- Annika Botens (Autor), 2012, Leid - Warum lässt Gott das zu?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204538