In den Medien erscheinen, unter anderem in Verbindung mit der seit April 2010 andauernden Finanzkrise Griechenlands und den daraus resultierenden Auswirkungen für die gesamtwirtschaftliche Lage Europas, vielfach Berichte über die drei großen Rating-Agenturen Fitch Ratings (Fitch), Moody´s und Standard and Poor´s (S&P).
Ob die Ratings der drei Agenturen Auslöser für Finanzkrisen sind oder diese sogar verschärfen, ist umstritten. So lautet es in einem Artikel auf der Online-Präsenz des Spiegels vom 05.05.2010: „Griechenland ist der Beweis: Rating-Agenturen verschärfen Krisen, statt sie zu verhindern. Weil die Anbieter ihrer Aufgabe nicht gerecht werden, […].“ Tatsächlich stiegen die Zinsen für griechische Anleihen nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Rating-Agenturen rapide an. Griechenland konnte seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen und beantragte finanzielle Hilfe bei der Europäischen Union (EU). Doch zu keinem Zeitpunkt äußerten Rating-Agenturen, dass es ihre Aufgabe sei, Finanzkrisen von Staaten zu verhindern. Zugleich üben zahlreiche europäische Politiker Kritik an den Rating-Agenturen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 EINFÜHRUNG
1.2 ZIELSTELLUNG
1.3 METHODISCHE HERANGEHENSWEISE
2 RATING-AGENTUREN
2.1 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER RATING-AGENTUREN
2.2 GESCHÄFTSMODELL DER RATING-AGENTUREN
2.3 DAS OLIGOPOL DER DREI GROßEN RATING-AGENTUREN
2.4 RATINGS EXTERNER RATING-AGENTUREN
2.4.1 Rating und Rating-Skalen
2.4.2 Länder-Rating
3 DIE ROLLE DER RATING-AGENTUREN AUF DEM MARKT FÜR EUROPÄISCHE STAATSANLEIHEN
3.1 DIE FINANZIERUNG DES STAATES
3.2 STAATSANLEIHEN UND DER KAPITALMARKT
3.2.1 Der Kapitalmarktzins
3.2.2 Marktfunktionen der externen Rating-Agenturen
3.3 BASEL II
3.4 AUSWIRKUNGEN EINER HERABSTUFUNG DURCH EXTERNE RATING-AGENTUREN
4 FAZIT
5 WEITERFÜHRENDE FRAGESTELLUNGEN
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Bonitätsbewertungen durch die drei großen Rating-Agenturen (Fitch, Moody’s und S&P) auf die Finanzierungsmöglichkeiten von Staaten im Europäischen Wirtschaftsraum. Dabei wird insbesondere analysiert, ob Rating-Agenturen durch ihre Einstufungen Finanzkrisen, wie im Falle Griechenlands, (mit)verursachen oder verschärfen.
- Historische Entwicklung und Geschäftsmodell von Rating-Agenturen
- Die Marktstruktur und das Oligopol der "Big Three"
- Die Rolle von Ratings im Kontext von Staatsanleihen und Kapitalmärkten
- Einfluss der Basel II-Regulierungen auf die Kreditvergabe
- Analyse der Wirkungsketten bei Herabstufungen und deren Folgen für die Realwirtschaft
Auszug aus dem Buch
3.4 Auswirkungen einer Herabstufung durch externe Rating-Agenturen
Häufig wird den Rating-Agenturen vorgeworfen, sie seien mitschuldig an Finanzkrisen und/oder würden diese verschärfen. In diesem Kapitel wird untersucht, welche Folgen eine Herabstufung für einen Staat und die EU haben kann. Darüber hinaus wird geprüft, ob Rating-Agenturen Mitverantwortliche von Finanzkrisen sind.
Aus den vorigen Kapiteln geht bereits hervor, dass schlecht bewertete Staatsanleihen die Finanzierungskosten für einen Staat aufgrund der Risikozuschläge erhöhen können. Eine Herabstufung durch die Rating-Agenturen, deren Bewertungen sich in der Regel nicht wesentlich voneinander unterscheiden, kann jedoch eine gravierende Wirkungskette nach sich ziehen. Oftmals wird von einer Abwärtsspirale gesprochen.
Abbildung 5 zeigt die möglichen Wirkungsketten nach einer Herabstufung durch externe Rating-Agenturen, welche im Folgenden näher erläutert werden. Durch eine Erhöhung der Kosten für das Leihen von Geld am Kapitalmarkt kann sich das Staatsdefizit erhöhen, welches der Staat mithilfe von Steuererhöhungen ausgleichen kann. Daraus folgend kann das zur Verfügung stehende Einkommen der privaten Haushalte sinken und demzufolge auch die Spareinlagen, die von den Banken in Form von Krediten unter anderem an Unternehmen verliehen werden. Steht weniger Kapital in Form von Spareinlagen zur Verfügung, gehen die Investitionen der Unternehmen zurück, und demzufolge sinken die Steuerabgaben (z. B. Gewinnsteuer). Damit einhergehend kann auch die gesamte Wirtschaft des Staates zurückgehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Rating-Agenturen während der Finanzkrise sowie Definition der Forschungsfrage und methodischen Vorgehensweise.
2 RATING-AGENTUREN: Überblick über die Entstehungsgeschichte, das Geschäftsmodell und die marktbeherrschende Stellung der drei großen Rating-Agenturen in Europa.
3 DIE ROLLE DER RATING-AGENTUREN AUF DEM MARKT FÜR EUROPÄISCHE STAATSANLEIHEN: Untersuchung der Finanzierungsstruktur von Staaten, der Bedeutung von Staatsanleihen sowie der Auswirkungen von Basel II und Rating-Herabstufungen.
4 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Rating-Agenturen als Informationsdienstleister und deren Einfluss auf die Finanzstabilität.
5 WEITERFÜHRENDE FRAGESTELLUNGEN: Aufzeigen weiterer Forschungsfelder, wie etwa Rendite-Analysen oder die Übertragung der Untersuchung auf andere EU-Staaten.
Schlüsselwörter
Rating-Agenturen, Finanzkrise, Staatsanleihen, Kreditwürdigkeit, Kapitalmarkt, Basel II, Bonitätsbewertung, Informations-Asymmetrie, Staatsdefizit, Eurozone, Risikoprämie, Finanzierungskosten, Speculative Grade, Abwärtsspirale, Investitionstätigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der Rating-Agenturen für die staatliche Finanzierung in Europa und deren Einfluss auf die Entstehung oder Verschärfung von Finanzkrisen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Oligopol der Rating-Agenturen, der Funktionsweise des Rentenmarktes, den Eigenkapitalvorschriften von Basel II und den ökonomischen Folgen einer Rating-Herabstufung.
Was ist das zentrale Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, inwiefern die Bewertungen der "Big Three" Rating-Agenturen die Finanzierungsmöglichkeiten eines EU-Staates beeinflussen und ob sie eine Mitschuld an der griechischen Finanzkrise tragen.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Wirkungszusammenhänge, kombiniert mit einer Fallbetrachtung der wirtschaftlichen Lage Griechenlands im Kontext der Herabstufungen durch Rating-Agenturen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Ratings, der Abhängigkeit von Staaten vom Kapitalmarkt sowie den regulatorischen Auswirkungen durch Basel II auf die Kreditvergabe.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Rating-Agenturen, Staatsanleihen, Kapitalmarkt, Bonitätsrisiko, Basel II und Finanzkrise.
Inwiefern beeinflusst das Basel II-Abkommen die Kreditvergabe an Staaten?
Basel II verknüpft die Eigenkapitalanforderungen für Banken mit der Bonität der Kreditnehmer. Herabstufungen durch Rating-Agenturen führen zu höheren Risikogewichten, was die Eigenkapitalkosten für Banken und damit die Refinanzierungskosten indirekt beeinflussen kann.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Länder-Rating und Unternehmensrating?
Ja, das Länder-Rating dient oft als Obergrenze. In den letzten Jahren konnten Banken oder Unternehmen in einem Land kaum eine bessere Bonitätsbewertung als der Staat selbst erhalten.
Warum wird die Rolle der Rating-Agenturen im Fall Griechenland als umstritten bezeichnet?
Während Kritiker den Agenturen vorwerfen, durch spekulative Herabstufungen Krisen zu verschärfen, betonen diese selbst, lediglich realistische Risikoeinschätzungen zu übermitteln und keine politischen Weichenstellungen vorzunehmen.
Was ist die „Abwärtsspirale“ in diesem Kontext?
Es beschreibt einen Prozess, bei dem eine Rating-Herabstufung zu steigenden Kapitalkosten führt, was das Staatsdefizit erhöht, Investitionen hemmt, zu Steuermindereinnahmen führt und letztlich erneut die Kreditwürdigkeit verschlechtert.
- Quote paper
- Michele Genrich (Author), 2012, Die Rolle der Rating-Agenturen für die Finanzierung der Staaten im Europäischen Wirtschaftsraum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204652