Zu Alois Hahns 'Differenzierung, Zivilisationsprozess und Religion'

Aspekte einer Theorie der Moderne nach Alois Hahn


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Tenbruck’sche Differenzierungstheorien
2.1 Einfache/Primitive Gesellschaften nach Tenbruck
2.2 Hochkulturen nach Tenbruck
2.3 Moderne Gesellschaften nach Tenbruck

3. Differenzierung und Ideenentwicklung nach Luhmann

4. Religion und Differenzierung nach Weber

5. Zivilisationstheorie nach Michel Foucault

6. Zivilisationstheorie nach Norbert Elias

7. Die Bedeutung der Religion im Zivilisationsprozess

8. Zwischenfazit und Interpretation nach Hahn

9. Das Prinzip der Geselligkeit
9.1 Kritische Betrachtung einer Akteursmotivation

10. Fazit und Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In seinem Text „Differenzierung, Zivilisationsprozess, Religion“ unternimmt Alois Hahn den Versuch, scheinbar gegensätzliche Theorien gesellschaftlicher Differenzierung zu einer umfassenden Theorie zu verbinden. Hierzu verdeutlicht er in seinem Text die Prozesse der funktionalen Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Teilsysteme, durch welche die europäische Moderne entstand und die von verschiedenen Autoren beschrieben wurden.

In der Synthese der Theorien zeigt nach Hahn auf, wie die verschiedenen Entwicklungen zu gesellschaftlichen Konflikten bzw. zu deren Lösung führten und in welcher Form sie die Wurzeln der heutigen Zivilisation sind bzw. welcher Wert ihnen unter diesem Aspekt zugemessen werden kann.

Dabei beginnt Hahn seine Ausführungen zunächst mit einer Erläuterung der Tenbruck’schen Differenzierungstheorie.

2. Tenbruck’sche Differenzierungstheorien

Die Tenbruck’sche Differenzierungstheorie zeichnet sich zunächst dadurch aus, dass sie eindimensional ist und keine Zeitachse beinhaltet. Sie unterscheidet lediglich nach dem Grad der gesellschaftlichen Differenzierung und ordnet in drei Gruppen: Primitive bzw. einfache Gesellschaften, Hochkulturen und moderne Gesellschaften.

Diese unterliegen jedoch nach Tenbruck keiner bestimmten zeitlichen Abfolge. Wann eine bestimmte Gesellschaft entsteht, ist folglich für die Bestimmung des Differenzierungsgrades dieser nicht von Belang (vgl. Hahn, 1986, 214f.).

2.1 Einfache/Primitive Gesellschaften nach Tenbruck

Die primitiven Gesellschaften zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie dem Lokalitätsprinzip unterliegen. Somit ist Kommunikation als Beziehung nur zwischen Menschen möglich, die eine gewisse örtliche Nähe teilen. In diesen Gesellschaften wird lediglich durch die Kriterien Alter und Geschlecht zwischen den einzelnen Mitgliedern differenziert.

Durch das Lokalitätsprinzip ist die parallele Existenz mehrerer solcher einfachen Gesellschaften möglich, solange sie örtlich weit genug auseinander liegen und somit berührungsfrei bleiben (vgl. Hahn, 1986, 214f.).

2.2 Hochkulturen nach Tenbruck

Die Hochkulturen zeichnen sich besonders durch die Existenz einer Oberschicht aus, welche über ein meist bäuerliches Substrat herrscht. Um dieses Substrat wird dabei eine Art Soziale Klammer gebildet, welche das Substrat einengt und dessen Ausbrechen verhindert. Träger der Kultur, welche die gesamte Hochkultur auszeichnet, ist hierbei im Wesentlichen die Oberschicht. Diese ist durch eine gemeinsame durchgängige Kommunikation auch überlokal verbunden und erhält somit ihre Stellung gegenüber den weiterhin dem Lokalitätsprinzip unterliegenden Substraten. Eine gemeinsame Auffassung von ständischem Ethos, Recht, Religion usw. sowie eine einheitliche Weltanschauung sind dabei die Grundlage dieser Existenzsicherung und Machterhaltung (vgl. Hahn, 1986, 215).

2.3 Moderne Gesellschaften nach Tenbruck

Die bisher komplexeste Form der strukturellen Differenzierung stellt die moderne Gesellschaft dar, in welcher das Lokalitätsprinzip gänzlich hinfällig geworden ist. Die moderne Gesellschaft basiert laut Tenbruck in der Hauptsache auf einer funktionalen Differenzierung, wodurch die einzelnen Individuen mit verschiedenen Rollen an verschiedene Funktionskreise bzw. –systeme gebunden sind, welche sich wiederum sachlich und personell voneinander unterscheiden. Dies führt zu einer zunehmenden Zahl menschlicher Rollen, die sich in flüchtigen und funktionsspezifisch organisierten Gruppen treffen.

Eine solche Form der gesellschaftlichen Differenzierung zeigte sich erstmals im Europa des 18. bzw. 198. Jahrhunderts und ging einher mit der Abnahme der charakteristischen Organisationsfunktion der Oberschicht aus den vorhergegangenen Hochkulturen. Die Oberschicht wurde dabei zu einer Klasse, in welcher lediglich äußere Merkmale übrigblieben und die nicht länger durch einen einheitlichen Lebensstil verbunden war.

Die von Hahn hierbei besonders hervorgehobene Unterscheidung der modernen Gesellschaft zu den anderen beiden Typen gesellschaftlicher Differenzierung, ist das Fehlen einer einheitlichen Kommunikationsgruppe ob der funktional verselbstständigten Funktionsbereiche mit jeweils größerer oder geringerer Zirkulation (vgl. Hahn, 1986, 215f.).

Alois Hahn ergänzt im Weiteren Verlauf seines Aufsatzes die Tenbruck’schen Typologien um die Differenzierungstheorien von Luhmann und erweitert Tenbruck somit um die Zeitdimension bzw. eine historische Konkretisierung. Durch die Herausstellung der Inhalte, Ideensysteme, Religion, Moral usw. der jeweiligen Typen zur jeweiligen Zeit verdeutlicht Hahn, wie es zur Herausbildung der Moderne kam. Dementsprechend wird im Folgenden die Differenzierungstheorie von Luhmann erläutert.

3. Differenzierung und Ideenentwicklung nach Luhmann

Die grundlegende Frage, die Luhmanns Theorie behandelt, ist nach Alois Hahn die nach der Funktion von Bewusstseinsphänomenen. Dabei sei relevant, ob diese über eine handlungssteuernde Funktion die Voraussetzung für Strukturveränderungen sind oder eine Folge dieser. Luhmann benennt hier die gepflegte Semantik (vgl. Hahn, 1986, 216), welche den Übergang in eine moderne Gesellschaft mit entsprechender funktionaler Differenzierung sowohl begleitet und ihn signalisiert (vgl. Hahn, 1986, 216).

Dieser Begriff und dessen Auslegung nach Luhmann beschreibt Hahn als Behauptung, dass ein Wandel der Ideen nicht unabhängig von korrelativen Veränderungen der Gesellschaft geschehen kann (Hahn, 1986, 216f.).

Eine ähnliche Funktionsweise des Menschen finden wir bereits in den abseits dieser Theorie geprägten Begriffen der Mimesis oder der Kosmopolis. Beide verdeutlichen, dass der Mensch und entsprechend seine Denkweise an dem Umfeld bzw. seiner Erkenntnis über dieses orientieren. Demnach untermauert es die These, dass es einen Wandel der Gesellschaft braucht, damit in dieser Gesellschaft die Ideen weiter entwickelt werden können.

Auf dieser Grundlage entwirft Luhmann Differenzierungstheorien, welche den Tenbruck’schen gleichen, wenngleich sie andere Bezeichnungen erhalten. Die Tenbruck’sche primitive Gesellschaft bezeichnet Luhmann als segmentär differenzierte Gesellschaft, die Hochkulturen als stratifikatorisch differenzierte und die moderne Gesellschaft schließlich als funktional differenziert. Bezüglich der stratifikatorisch differenzierten Gesellschaft betont Luhmann jedoch im Gegensatz zu Tenbruck, dass es insbesondere die Gemeinsamkeit der Oberschicht ist, die diese Art der Differenzierung auszeichnet und nicht unbedingt die Ungleichheit zwischen Ober- und Unterschicht. Das bedeutet, dass die Unterschicht durchaus differenziert sein kann, solange die Oberschicht in sich überwiegend gleiche Merkmale aufweist, bleibt diese Form der Differenzierung bestehen (vgl. Hahn, 1986, 217).

Das sich daraus ergebende besondere Charakteristikum der modernen funktionalen Differenzierung ist die irreversible Entwicklung hin zu einer Gesellschaft, welche sich nicht mehr gesamtgesellschaftlich betrachtet in Schichten einteilen lässt, sondern vielmehr ermöglicht, dass alle in allen Funktionssystemen inkludiert sein können bzw. sind und somit von einem zum anderen Funktionssystem eine entsprechend andere hierarchische Position besetzen (vgl. Hahn, 1986, 217).

Die verschiedenen Potentiale der Ideenentwicklung innerhalb der Hochkultur und der modernen Gesellschaft beschreibt Luhmann entsprechen o.g. Ausführungen so, dass es von der Hochkultur zur modernen Gesellschaft flexibler ist. Während in der Hochkultur nur eine geringe Fixierung der Ideengrundlagen in Form von Gedankengut möglich ist, da es allen innergesellschaftlichen Ansprüchen der Oberschicht als kulturtragende Klasse gerecht werden muss, kann es in der modernen Gesellschaft an verschiedene Subsysteme gebunden werden. Demnach kann wahr bzw. unwahr an Theorie und Wissenschaft, recht bzw. unrecht an das Gesetz und schön bzw. hässlich an den Stil gekoppelt werden. In jedem dieser Bereiche ist das Ideenpotential frei vom Zwang, in einem der jeweils anderen zu bestehen, wodurch in der Summe entsprechend mehr Gedankengut fixiert werden kann, aus welchem sich wiederum die Möglichkeit zur Veränderung der Gesellschaft ergibt. Wissen verliert somit den einst notwendigen Charakter der Spiegelung des Seins der ganzen Welt. Luhmann sah diese „Veränderung gesellschaftsstruktureller Bedingungen der Möglichkeit von Ideenrevolution“ (Luhmann, 1980, 48 & Hahn, 1986, 218) in der Krise der Dogmatisierung des 18. Jahrhunderts symbolisiert (vgl. Hahn, 1986, 217f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zu Alois Hahns 'Differenzierung, Zivilisationsprozess und Religion'
Untertitel
Aspekte einer Theorie der Moderne nach Alois Hahn
Hochschule
Universität Osnabrück  (FB 01 - Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Formen gesellschaftlicher Differenzierung
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V204705
ISBN (eBook)
9783656320357
ISBN (Buch)
9783656320760
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Ausarbeitung basiert grundlegend auf Alois Hahns gleichnamigen Text und betrachtet die dort vorgestellten Differenzierungstheorien.
Schlagworte
Differenzierungstheorie, Zivilisationsprozess, Religion, Differenzierung, Luhmann, Tenbruck, Elias, Jemeinigkeit, Gesellgikeit, moderne Gesellschaft, Weber
Arbeit zitieren
Peter Schröder (Autor), 2012, Zu Alois Hahns 'Differenzierung, Zivilisationsprozess und Religion', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204705

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