Unterrichtsstunde: Einander annehmen – Jesus schließt keinen aus (Mk 2, 13-17)

Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern (Klasse 5)


Unterrichtsentwurf, 2012
25 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse

2. Didaktische Analyse
2.1 Bezug zum Bildungsplan
2.2 Einordnung in den Unterrichtszusammenhang
2.3 Methodische-didaktische Analyse
2.4 Elementarisierung
2.4.1 Elementare Strukturen
2.4.2 Elementare Erfahrungen
2.4.3 Elementare Zugänge
2.4.4 Elementare Lernformen
2.4.5 Elementare Wahrheiten
2.5 Unterrichtsverlaufsskizze

3. Medien

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang
5.1 Text nach Mk 2, 13-17
5.2 Folien
5.3 Arbeitsblätter
5.4 Bild, mit Kegeln und Schnur am OHP erstellt

1. Sachanalyse

Als Grundlage der Unterrichtsstunde dient der Bibeltext Mk 2, 13-171:

Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern

13 Jesus ging wieder hinaus an den See. Da kamen Scharen von Menschen zu ihm und er lehrte sie.

14 Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf und folgte ihm.

15 Und als Jesus in seinem Haus beim Essen war, aßen viele Zöllner und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern; denn es folgten ihm schon viele.

16 Als die Schriftgelehrten, die zur Partei der Pharisäer gehörten, sahen, dass er mit Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?

17 Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.

„Der vorliegende Text zeichnet sich durch seine zeitliche Nähe zum historischen Jesus aus, denn er gehört zum „markinischen Urgestein“ […]. Markus, der im Jahre 70 n.Chr. als Judenchrist in Rom tätig war, hatte seine heidenchristlichen Leser im Blick, für die er in einer einfachen Alltagssprache die verschiedenen Erzähl- und Redestoffe zusammenfügte.“2

Die Perikope setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil berichtet von der Berufung des Zöllners Levi. Jesus trifft ihn, wie es typisch ist für eine Berufungsgeschichte, an seinem Arbeitsplatz, also einer Zollstation, an. Diese Zollhäuser waren an „Provinzgrenzen und Stadttoren, an Brücken und wichtigen Straßenkreuzungen“3 vorzufinden. Dort wurden Zölle für Handelswaren verlangt. Als Zöllner wurde Levi von den Juden verachtet und isoliert. Er galt als Kollaborateur mit den Römern, die Palästina besetzten und das jüdische Volk unterdrückten.4 Außerdem wurden die Zöllner als „unrein“ angesehen, da sie durch ihren Beruf auch in Kontakt mit nicht-jüdischen Menschen kamen. Desweiteren war die Auffassung, Zöllner als Betrüger anzusehen, weit verbreitet. Ihnen wurde vorgeworfen, falsch abzuwiegen oder Umrechnungskurse zu ihrem Vorteil zu verfälschen. Obwohl die Preise durch die Römer festgelegt wurden, wirtschafteten die meisten Zöllner überdies in die eigene Tasche.5

Jesus geht nun auf Levi zu und fordert ihn auf, mit ihm mitzukommen und dieser folgt Jesu Wort. Der Grund für dieses schnelle Aufbrechen aus seinem alten Leben ist für Levi wahrscheinlich, dass er bereits erkannt hat, dass diese Lebensweise nicht befriedigend sein kann. „Vorstellbar ist, dass er, um die eigene Lebensangst und die bestehende Einsamkeit zu überwinden, den Wert des Geldes über alles stellte und damit sich selbst verkaufte. Er, dem alles äußerlich Erstrebenswerte wie Karriere, Wohlstand und Besitz offen stand, zahlte den Preis in Form einer inneren und äußeren Gefangenschaft.“6 Durch seine rasche Nachfolge Jesu signalisiert er aber, dass er lieber in Gemeinschaft mit anderen leben würde und Anerkennung sucht. Levi kann folglich als Sünder angesehen werden, der bereits umgekehrt ist. Er benötigt aber noch jemanden, der ihn aufnimmt und anerkennt und diese Rolle nimmt nun Jesus ein, indem er ihn wieder solidarisiert. „In der Begegnung mit Jesus als einer angstfreien und wahrhaftigen Persönlichkeit erlebte Levi vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl, als Person angenommen zu sein und dazugehören zu dürfen.“7

Die Tatsache, dass Jesus anschließend öffentlich bei Levi zum Essen einkehrt, verletzt nach jüdischen Grundsätzen alle Reinheitsvorschriften und verstößt gegen die Gesetzesfrömmigkeit. Dadurch stellt sich Jesus eigentlich außerhalb der Gesellschaft. Die Empörung der Pharisäer folgt sogleich. Sie sind davon überzeigt, dass sie die Gesetze achten und sehen Jesus, der die Normen missachtet, als Bedrohung ihrer Stellung an.8 „Auch sie suchen die Bestätigung der Gesellschaft in Form von Ansehen für erbrachte Leistung“9. Die Pharisäer beschweren sich bei den Jüngern, doch dann geht Jesus auf sie zu, um sie aufzuklären. Durch diese Geste verdeutlicht Jesus, dass jeder in Gottes Gemeinschaft aufgenommen wird und darüber hinaus ganz besonders diejenigen, denen es am schlechtesten geht.10

2. Didaktische Analyse

2.1 Bezug zum Bildungsplan und zu erreichende Kompetenzen

Im aktuellen Bildungsplan der Realschule wird der katholische Religionsunterricht als „Dienst an den Schülerinnen und Schülern“11 beschrieben. „Er erschließt menschliche Grunderfahrungen wie Angenommensein und Bejahung“12. Dazu soll auch diese Unterrichtsstunde beitragen, indem jene Empfindungen erfahrbar gemacht werden. Dadurch wird erzielt, dass der Religionsunterricht „als Lebens- und Erfahrungsraum“13 gestaltet wird.

Im Bildungsplan ist das Unterrichtsthema der Einheit „Mit Jesus Christus unterwegs“ unterzuordnen, die für das Tagespraktikum aus dem Bildungsplan übernommen wurde. Allerdings wird nicht wie vorgeschlagen Lk 7, 36-50 erarbeitet, sondern die Geschichte von der Berufung des Levi (Mk 2, 13-17).14

Das Thema „Jesus schließt keinen aus“ fördert unterschiedliche Kompetenzen, die der Bildungsplan vorsieht. Zum einen ist hier die religiöse Kompetenz zu nennen, d.h. die SuS lernen, „verantwortungsvoll als Christ zu handeln“15 und „ihr Selbstkonzept in Bezug zu biblisch-theologischen […] Lebenskonzepten zu reflektieren und Konsequenzen für das eigene Leben und das Leben mit anderen zu bedenken“16. Zum anderen erwerben die SuS personale und soziale Kompetenzen, denn sie „werden fähig, die Perspektive anderer einzunehmen und Empathie zu entwickeln“17. Jesus wird im Bibeltext von der Berufung des Levi zum Vorbild: die SuS sehen, wie wichtig es ist, „mit anderen achtsam umzugehen; Fremdes an sich heranzulassen und Vorurteile abzubauen [und] Mitgefühl für andere zu entwickeln und sich für sie einzusetzen.“18

Die Unterrichtsstunde kann verschiedenen Dimensionen, die im Bildungsplan vorzufinden sind, zugeordnet werden. Unter dem Gesichtspunkt „Mensch sein - Mensch werden“ erfahren die SuS, „dass Angenommensein über die Familie hinaus in der Klasse und bei Freunden wichtig ist“19. Durch die Erarbeitung des Bibeltextes kennen die SuS sowohl „biblische Weisungen, die dazu auffordern, alle Menschen als gleichwertig zu achten“20 („Welt und Verantwortung“) als auch allgemein eine „Erzählung vom Leben […] Jesu“21, was dem Thema „Bibel und Tradition“ untergeordnet ist. Hauptsächlich wird jedoch die Dimension „Jesus der Christus“ angesprochen: die SuS „wissen aus dem Neuen Testament, wie sich Jesus Christus besonders benachteiligten Menschen zuwendet; kennen die Botschaft Jesu Christi vom Reich Gottes, ausgedrückt in […] Begegnungserzählungen [und] kennen Lebensgeschichten von Menschen, die Jesus Christus nachfolgen“22. Von Belang ist in dieser Unterrichtsstunde außerdem, dass die SuS „Beispiele des Verhaltens untereinander mit dem Vorbild Jesu Christi vergleichen“23.

2.2 Einordnung der Stunde in den Unterrichtszusammenhang

Die übergeordnete Unterrichtseinheit „Mit Jesus Christus unterwegs“ umfasst sieben Schulstunden und befasst sich mit Bibeltexten, die Jesu Umgang mit unterschiedlichen Menschengruppen behandelt. „Einander annehmen: Jesus schließt keinen aus“ bildet die Mitte der Einheit. Zuvor wurde mit den SuS bereits allgemein behandelt, wie Begegnung Menschen verändern kann und als Beispiel für das Thema „Männer und Frauen gehen mit Jesus“ die Berufung der ersten Jünger besprochen. Desweiteren kennen die SuS die Geschichte von der Heilung des blinden Bartimäus. Die Berufung des Levi ist nun eine weitere wichtige und beispielhafte Bibelstelle, die Jesu Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen darlegt. In den darauffolgenden Schulstunden werden Bildworte im Allgemeinen und das Gleichnis vom Sämann in der Klasse durchgenommen. Den Abschluss der Einheit bildet eine Zusammenfassung mit dem Titel „Die Botschaft vom Reich Gottes“.

2.3 Methodisch-didaktische Analyse

Als Einstieg in die Unterrichtsstunde soll eine Interaktionsübung dazu führen, dass die SuS die Gefühle des Ausgeschlossenseins und des Ausschließens nachvollziehen können. Dazu stellen sich fünf SuS in der Mitte des Klassenzimmers in einem Kreis auf. Sie sollen versuchen, niemanden in diesen Kreis hineinzulassen, indem sie sich an den Händen halten oder sich gegenseitig ihre Arme auf die Schultern legen. Nun bittet die Lehrperson einen weiteren Schüler, zu versuchen, in den Kreis zu gelangen. Nach kurzer Zeit bricht die Lehrperson die Übung ab und stellt gezielte Leitfragen an die SuS. Zunächst wird der außen stehenden Schüler gefragt, wie er sich gefühlt hat, als er außerhalb des Kreises stand und vergeblich versucht hat, in den Kreis zu kommen. Mögliche Antworten wären, dass er sich ausgeschlossen und verstoßen gefühlt hat oder nicht beachtet wurde. Anschließend werden die SuS, die sich im Kreis befinden, nach ihren Gefühlen und Gedanken gefragt, als sie zusammengehalten, aber ihren Mitschüler nicht aufgenommen haben. Sie könnten erwähnen, dass sie sich in der Gemeinschaft stark und überlegen vorgekommen sind oder auch, dass sie nicht gern in der Position des Außenseiters gewesen wären. An dieser Stelle knüpft die Lehrperson zum Thema der Unterrichtsstunde an: „Wir alle möchten in einer Gemeinschaft sein, aber das ist manchmal gar nicht so einfach. Zur Zeit Jesu gab es auch viele Menschen, die ausgeschlossen wurden. Wir beschäftigen uns heute damit, wie Jesus mit diesen Menschen umgegangen ist und was wir von ihm lernen können.“ Daraufhin dürfen sich die SuS wieder auf ihren Platz setzen.

Zur ersten Erarbeitungsphase legt die Lehrperson eine Folie auf den OHP, auf der eine Zeichnung von einer Stadt zu sehen ist, wie sie in der Zeit, in der Jesus gelebt hat, ausgesehen haben könnte. Die Lehrperson erklärt, dass sich auf diesem Bild ein Mann befindet, der ausgeschlossen wird und markiert dabei die Zollstation vor den Stadtmauern. Auf der nächsten Folie, die gezeigt wird, ist eine solche Zollstation in größerem Format abgebildet. Die SuS sollen das Bild beschreiben. Mit Hilfe von Leitfragen der Lehrperson („Welchen Gesichtsausdruck haben die Männer im Hintergrund? Warum könnten sie wütend sein?“) finden die SuS heraus, warum der Mann am Zoll ausgeschlossen wird. Die Lehrperson erklärt in einem Lehrer-Schüler-Gespräch die damalige Situation der Zöllner und die Gründe für ihre Isolation aus der Gesellschaft. Diese Informationen sind grundlegend für das Verstehen des nachfolgenden Textes. Während des Gesprächs kann zur Orientierung an der Lebenswelt der SuS ein Vergleich zu einem fiktiven Mitschüler stattfinden, der andere beispielsweise verpetzt oder belügt.

[...]


1 Entnommen aus: Die Bibel. Einheitsübersetzung. ©1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau.

2 Willems 2005, S. 111

3 Worm; Schlecht 2007, S. 54

4 Vgl. Worm; Schlecht 2007, S. 54

5 Vgl. Worm; Schlecht 2007, S. 55

6 Willems 2005, S. 111f.

7 Willems 2005, S. 112

8 Vgl. ebda

9 ebda

10 Vgl. Willems 2005, S. 112

11 Bildungsplan Realschule 2004, S. 32

12 ebda

13 ebda

14 Vgl. Bildungsplan Realschule 2004, S. 37

15 ebda

16 ebda

17 Bildungsplan Realschule 2004, S. 33

18 ebda

19 Bildungsplan Realschule 2004, S. 35

20 ebda

21 ebda

22 Bildungsplan Realschule 2004, S. 35f.

23 Bildungsplan Realschule 2004, S. 36

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Einander annehmen – Jesus schließt keinen aus (Mk 2, 13-17)
Untertitel
Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern (Klasse 5)
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,5
Autor
Jahr
2012
Seiten
25
Katalognummer
V204725
ISBN (eBook)
9783656364566
ISBN (Buch)
9783656365068
Dateigröße
3194 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
annehmen, Jesus, ausschließen, Berufung, Levi, Mk2, Klasse 5, Zöllner, Elementarisierung
Arbeit zitieren
Sonja Schneider (Autor), 2012, Unterrichtsstunde: Einander annehmen – Jesus schließt keinen aus (Mk 2, 13-17), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204725

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