Die Sensibilisierungskampagnen sind wichtige Bestandteile von Programmen von öffentlichen Institutionen, weil sie die Verbreitung sozialer Ideen und Verhaltensweisen fördern. Da sich die Evaluationen dieser Programme auf die Zielerreichung begrenzen, sind die Wirkungen der durchgeführten Sensibilisierungskampagnen kaum analysiert.
In dieser Masterarbeit wird eine Methodologie zur ex-post-Identifizierung von Wirkungen öffentlicher Sensibilisierungskampagnen entwickelt. Als Fallbeispiel wurden öffentliche Sensibilisierungskampagnen zur verstärkten Nutzung von Trinkwasser in den ländlichen Stadtteilen von Medellín/Kolumbien ausgewählt. Seit 1993 hat die Stadtverwaltung von Medellín öffentliche Trinkwasserversorgungssysteme in den ländlichen Stadtteilen gegründet. Seitdem werden auch Sensibilisierungskampagnen ohne Evaluation durchgeführt, um in diesen Räumen den bisherigen Rohwasserkonsum zugunsten des Konsums von Trinkwasser aufzugeben. Dennoch gibt es heutzutage Rohwasserkonsum.
Durch Leitfadeninterviews wurden der Wissensstand der Zielgruppen und ihre Wahrnehmung der Sensibilisierungskampagnen erhoben, in der Absicht den Zusammenhang zwischen dem Grund für den Roh- oder Trinkwasserkonsum und den Sensibilisierungskampagnen festzustellen.
Es wurde bewiesen, dass von den angeschlossenen Nutzern der Trinkwasserversorgungsunternehmen 10% kein Trinkwasser und 54% wahlweise Trinkwasser und Rohwasser benutzten; aber 47% der Nutzer von Trink- und Rohwasser nehmen dieselbe Rohrleitung für beide Strömungen innerhalb der Wohnungen. Aufgrund des Vorkommens von Coliforme Bakterien im Rohwasser bedeuten diese beiden Verhaltensweisen eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung. Ein Grund dafür ist u.a., dass die unterschiedliche Wahrnehmung des Begriffes „Trinkwasser“ weitere Nutzung des Rohwasserkonsums beeinflusst.
Mittels der vorgeschlagenen Methodologie wurden nicht nur die Wirkungen der Sensibilisierungskampagnen identifiziert, sondern auch ihre kritische Aspekte. Das validiert diese Methodologie für die Analyse von Wirkungen der Sensibilisierungskampagnen.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
1. Einleitung
2. Problemstellung: Öffentliche Sensibilisierungskampagnen und ihre Evaluation
2.1. Begriffsdefinitionen
2.2. Strategische Kampagnenplanung
2.3. Probleme der Evaluation von Sensibilisierungskampagnen
3. Ziel und Fragestellungen der Arbeit
4. Methodik
4.1. Methodologische Anforderungen an die Erhebung von Sensibilisierungskampagnen
4.2. Untersuchungsdesign
4.2.1. Modul 1: Literaturrecherche
4.2.2. Modul 2: sozialwissenschaftliche Datenerhebung
4.2.3. Modul 3: Analyse der Wirkungen der Sensibilisierungskampagnen
4.3. Begründung des ausgewählten Untersuchungsgebiets
4.4. Recherche und Auswertung der Sensibilisierungskampagnen
4.5. Leitfadeninterviewsdesign
4.6. Erhebung der Wahrnehmung der Zielgruppen der Sensibilisierungskampagnen (angeschlossenen Nutzer)
4.6.1. Grundgesamtheit und Stichprobe
4.6.2. Änderung der Stichprobe
4.6.3. Durchführung der Leitfadeninterviews
4.7. Erhebung der Wahrnehmung der Experten
5. Trinkwasserversorgung in ländlichen Räumen in Kolumbien
5.1. Erklärung des Begriffs „Trinkwasser“
5.2. Wasserverfügbarkeit in Kolumbien
5.3. Bevölkerungswachstum
5.4. Wohlstand
6. Institutioneller, rechtlicher und organisatorischer Rahmen der Trinkwasserversorgung in Kolumbien
6.1. Kolumbianische Landesverwaltung
6.2. Institutionelle Strukturen des Wassersektors
6.3. Gesetzliche Rahmenbedingungen
6.3.1. Unternehmen
6.3.2. Benutzerklassifizierung
6.3.3. Gebühren der Trinkwasserversorgung
6.3.4. Subventionen und Kontributionen
6.3.5. Trinkwasserqualität
6.3.7. Effizienter Wasserverbrauch und Trinkwassereinsparung
7. Untersuchungsgebiet: Lage, Trinkwasserversorgung und hydrologische Grundlagen
7.1. Lage
7.2. Trinkwasserversorgung
7.3. Hydrologische Grundlagen
8. Akteure
8.1. Akteurstyp Bevölkerung
8.1.1. Demographische Merkmale
8.1.2. Wirtschaftliche und soziale Aspekte
8.2. Akteurstyp Trinkwasserversorgungsunternehmen
8.3. Akteurstyp Stadtverwaltung
8.4. Akteursbeziehungen
9. Analyse ausgewählten Sensibilisierungskampagnen
9.1. Sensibilisierungskampagnen der Stadtverwaltung von Medellín
9.2. Sensibilisierungskampagnen der Trinkwasserversorgungsunternehmen
9.2.1. Sensibilisierungskampagnen über Trinkwasserversorgung
9.2.2. Sensibilisierungskampagnen über das Wasseraufbereitungssystem
9.2.3. Andere Sensibilisierungskampagnen
10. Wahrnehmung der ausgewählten Sensibilisierungskampagnen
10.1. Wahrnehmung der Trinkwasserversorgung
10.2. Wahrnehmung des Trinkwasseraufbereitungssystem
10.3. Wahrnehmung der Trinkwasserversorgungsunternehmen
10.4. Wahrnehmung des Gebührensystems
11. Wirkungen der ausgewählten Sensibilisierungskampagnen
11.1. Gruppe 1: Rohwasserkonsum
11.2. Gruppe 2: Mischkonsum aus Rohwasser und aufbereitetem Trinkwasser
11.3. Gruppe 3: Trinkwasserkonsum
11.4. Andere Wirkungen
12. Kritische Aspekte der Wirkungen der ausgewählten Sensibilisierungskampagnen und mögliche Verbesserungsmaßnahmen
13. Methodologische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit entwickelt eine Methodologie zur ex-post-Identifizierung von Wirkungen öffentlicher Sensibilisierungskampagnen, um das Fehlen systematischer Evaluationen in diesem Bereich zu adressieren. Als Fallbeispiel dienen Kampagnen zur Trinkwassernutzung in ländlichen Stadtteilen von Medellín, Kolumbien, wobei insbesondere die Kluft zwischen beabsichtigter Trinkwassernutzung und tatsächlichem, teilweise risikobehaftetem Konsumverhalten untersucht wird.
- Entwicklung einer Methodologie zur Wirkungsevaluation ohne Vorher-Daten.
- Analyse der Wahrnehmung und Akzeptanz von Trinkwasserversorgungsmaßnahmen.
- Untersuchung sozialer Faktoren bei der Entscheidung zwischen Roh- und Trinkwasserkonsum.
- Identifikation beabsichtigter und unbeabsichtigter Kampagnenwirkungen.
- Kritische Reflexion der Rolle von Sensibilisierungskampagnen bei der Verhaltenssteuerung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die von Behörden oder nicht-kommerziellen Organisationen durchgeführten öffentlichen Sensibilisierungskampagnen versuchen, Menschen so zu beeinflussen, dass diese bestimmten Verhaltensweisen ändern oder bestätigen. Dadurch können die Verbreitung sozialer Ideen und alternativer Verhaltensweisen sowie die Entwicklung von Programmen oder Institutionen gefördert werden, um die Lebensqualität der Personen zu verbessern.
Obwohl die Evaluation des Prozessverlaufs, des Gesamtergebnisses und der Wirkungen von Sensibilisierungskampagnen ein wichtiger Bestandteil ihrer strategischen Planung sein sollte, „muss oft eine detaillierte Gesamtevaluation aus Zeit- und Kostengründen verzichtet werden“ (KLEINHÜCKELKOTTEN, 2002, S: 19). Beispielweise in Kolumbien werden sich die Evaluationen sozialer Programmen auf summative Evaluationen begrenzt (vgl. NINA, 2008; OPS, 2003; GALLO & MOLINA, 2008; DUQUE et al., 2007).
Aufgrund der damit fehlenden methodologischen Erfahrungen ist es das Ziel dieser Arbeit, eine Methode zur ex-post-Identifizierung von Wirkungen öffentlicher Sensibilisierungskampagnen zu entwickeln und an Fallbeispielen zu testen.
Als Fallbeispiel wurden öffentliche Sensibilisierungskampagnen zur verstärkten Nutzung von Trinkwasser in den ländlichen Stadtteilen von Medellín/Kolumbien ausgewählt. Ziel dieser Sensibilisierungskampagnen ist es, die Zielgruppen von einer (verstärkten) Nutzung von Trinkwasser zu überzeugen sowie die Akzeptanz der Trinkwasserversorgungsunternehmen in diesen Räumen zu fördern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, eine Methodologie zur ex-post-Identifizierung von Kampagnenwirkungen zu entwickeln, anhand des Beispiels der Trinkwassernutzung in ländlichen Stadtteilen von Medellín.
2. Problemstellung: Öffentliche Sensibilisierungskampagnen und ihre Evaluation: Erläutert Begriffe und strategische Planung von Sensibilisierungskampagnen und stellt die Problematik der fehlenden Evaluationen dar.
3. Ziel und Fragestellungen der Arbeit: Formuliert die Forschungsfragen zur Evaluierung der Wirkungen von Sensibilisierungskampagnen bezüglich der Trinkwassernutzung in ländlichen Räumen.
4. Methodik: Beschreibt den methodischen Ansatz, bestehend aus Literaturrecherche, Sozialraumanalyse und qualitativen Leitfadeninterviews mit Zielgruppen und Experten.
5. Trinkwasserversorgung in ländlichen Räumen in Kolumbien: Analysiert den Kontext der Trinkwasserversorgung, inklusive Begriffserklärungen, Wasserverfügbarkeit und Bevölkerungswachstum.
6. Institutioneller, rechtlicher und organisatorischer Rahmen der Trinkwasserversorgung in Kolumbien: Detailliert die administrative Struktur, gesetzliche Rahmenbedingungen, Benutzerklassifizierung, Gebührensysteme sowie Qualitätsstandards.
7. Untersuchungsgebiet: Lage, Trinkwasserversorgung und hydrologische Grundlagen: Charakterisiert die untersuchten Stadtteile und die lokalen hydrologischen Voraussetzungen für die Wassergewinnung.
8. Akteure: Identifiziert und beschreibt die Rollen von Bevölkerung, Trinkwasserversorgungsunternehmen und Stadtverwaltung sowie deren Akteursbeziehungen.
9. Analyse ausgewählten Sensibilisierungskampagnen: Beschreibt die Themen, Medien und Ziele der von Stadtverwaltung und Versorgungsunternehmen durchgeführten Kampagnen.
10. Wahrnehmung der ausgewählten Sensibilisierungskampagnen: Auswertung der empirischen Daten zur Wahrnehmung von Trinkwasser, den Versorgungsunternehmen und dem Gebührensystem durch die Zielgruppen.
11. Wirkungen der ausgewählten Sensibilisierungskampagnen: Kategorisiert die Konsumgruppen und analysiert die tatsächlichen Wirkungen der Kampagnen auf das Trink- und Rohwasserverhalten.
12. Kritische Aspekte der Wirkungen der ausgewählten Sensibilisierungskampagnen und mögliche Verbesserungsmaßnahmen: Reflektiert kritisch die Kampagnenwirkungen und schlägt Verbesserungen in der Vermittlung und Kommunikation vor.
13. Methodologische Reflexion: Fazit zur Eignung und Validierung der entwickelten Evaluierungsmethode.
Schlüsselwörter
Sensibilisierungskampagnen, Trinkwasserversorgung, Evaluation, Medellín, Kolumbien, Trinkwasserkonsum, Rohwasserkonsum, Sozioökonomische Schichten, Sozial-Marketing, Wasserqualität, Leitfadeninterviews, Verhaltensänderung, ländliche Räume, Daseinsvorsorge, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Erprobung einer wissenschaftlichen Methodologie, um die Wirkung öffentlicher Sensibilisierungskampagnen im Bereich der Trinkwasserversorgung zu evaluieren, wenn zuvor keine Vorher-Messungen durchgeführt wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit umfasst die Evaluierung von Sensibilisierungskampagnen, rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen der Trinkwasserversorgung in Kolumbien sowie sozioökonomische Einflüsse auf das Konsumverhalten der ländlichen Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist die Erarbeitung einer Methode zur ex-post-Identifizierung von Wirkungen solcher Kampagnen, um festzustellen, wie Zielgruppen diese wahrnehmen und ob eine Verhaltensänderung hinsichtlich des Trinkwasserkonsums stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein Methodenmix eingesetzt: Literaturrecherche, Sozialraumanalyse (Besichtigungen), Dokumentenanalyse und qualitative Leitfadeninterviews mit sowohl Zielgruppen als auch Experten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Untersuchungsgebiet in Medellín, die beteiligten Akteure, die inhaltliche Gestaltung der durchgeführten Kampagnen sowie die empirische Wahrnehmung dieser durch die Bewohner und die daraus resultierenden Wirkungen auf das Konsumverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sensibilisierungskampagnen, Trinkwasserversorgung, Evaluierung, soziale Faktoren, Sozioökonomische Schichten und Verhaltensänderung.
Warum gibt es in manchen Haushalten noch immer Rohwasserkonsum trotz Trinkwasseranschluss?
Die Arbeit zeigt, dass dies an mangelndem Wissen über Wasserqualitätsrisiken, einer fehlenden Unterscheidung zwischen Roh- und Trinkwasser im Verständnis der Nutzer sowie an finanziellen Faktoren liegt, da das Rohwasser oft als kostengünstigere Alternative wahrgenommen wird.
Welche Rolle spielen die untersuchten Versorgungsunternehmen bei der Sensibilisierung?
Die Unternehmen fungieren als Kampagnenbetreiber, die vor allem über Workshops, Infoveranstaltungen und das Versenden von Informationen mit Rechnungen versuchen, das Bewusstsein für Trinkwassernutzung zu schärfen.
Welchen Einfluss haben die sozioökonomischen Schichten auf die Ergebnisse?
Die Schichtzugehörigkeit beeinflusst maßgeblich das Einkommen und damit die finanzielle Belastung durch Trinkwassergebühren, was wiederum die Entscheidung für oder gegen den Trinkwasserkonsum stark mitbestimmt.
- Quote paper
- Luisa Fernanda Roldán Rojas (Author), 2011, Wirkungen öffentlicher Sensibilisierungskampagnen am Beispiel des Themas Trinkwasser in ausgewählten ländlichen Stadtteilen von Medellín (Kolumbien), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204795