Wenn Frauen zu sehr lieben - Eine Untersuchung der Abhängigkeit, die Liebe schafft


Hausarbeit, 2011

15 Seiten

Sarah Müller (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung der Literatur

3. Karina H. – Ein Fallbeispiel

4. Das Problem

5. Ursachen und Anzeichen

6. Anwendung auf das Fallbeispiel

7. Lösungsansätze

8. Fazit

Einleitung

Zu sehr lieben bedeutet etwas ganz anderes als "zu viele Männer lieben" oder sich "zu oft zu verlieben" oder "einen anderen Menschen zu aufrichtig und tief lieben". Zu sehr lieben bedeutet sich für einen anderen Menschen bis zur Selbstaufgabe zu verzerren; diese Bessenheit mit Liebe gleichzusetzen und zuzulassen, dass die eigenen Gefühle einen Großteil des Verhaltens bestimmen. Es bedeutet zu erkennen, dass diese Besessenheit sich auf die eigene körperliche und seelische Gesundheit negativ auswirkt - und die Tatsache trotz allem nicht loslassen zu können. Es bedeutet den Grad der Liebe zu einem anderen Menschen an den mit ihr verbundenen Qualen zu messen.[1]

So definiert der sozialpsychologische Ratgeber „Wenn Frauen zu sehr lieben – die heimliche Sucht gebraucht zu werden” das Problem, welches Gegenstand dieser kurzen Hausarbeit sein wird.

Die Struktur meiner Hausarbeit sieht wie folgt aus: Nach dieser Einleitung erfolgt ein kurzes Vorstellen meiner Literatur und einer psychologischen Einordnung derer. Zunächst werde ich als Fallbeispiel die Erlebnisse von Karina H. schildern, die ihr Problem erkannt hat und sich zu der Gruppe Frauen zählt, die zu sehr lieben. Namen und Orte sind aus Gründen des Quellenschutzes geändert.

Anschließend werde ich auf das Problem und die Ursachen dieser Krankheit eingehen, um das ganze dann auf das Beispiel von Karina H. anzuwenden. Zum Ende dieser Arbeit werde ich Lösungsansätze diskutieren und schließlich ein eigenes Fazit erbringen, in dem ich die Theorie des Buches mit der Lebenswirklichkeit vergleichen werde.

Einordnung der Literatur

Um die Literatur von Robin Norwood, die auf das Thema meiner Hausarbeit wie zugeschnitten war einem genauer in ein psychologisches Fach einzuordnen, würde ich es in erster Linie als sozialpsychologisches Werk einstufen.

Sozialpsychologie ist wie folgt definiert: Alle psychischem Erscheinungen im sozialen Kontext betrachtet, alle sozialen Beziehungen und Strukturen vom psychischen Hintergrund der Beteiligten verstanden; Untersuchung der Wechselverhältnisse von Individuum, Gruppe und Kultur.[2]

In dem Buch werden anhand von verschiedenen Frauen, denen jeweils ein Kapitel a 20n gewidmet ist, unterschiedliche Erscheinungsformen dieser Krankheit dargestellt. Robin Norwood gibt dabei zunächst die Gespräche mit den Frauen aus ihren Therapiesitzungen wieder, um an Ende jedes Kapitels Bilanz zu ziehen und das Problem der jeweiligen Frau näher in Augenschein zu nehmen.

Am Ende des Buches widmet sie vier volle Kapitel dem Weg zur Genesung. Dabei führt sie einen Adressenkatalog auf, an den die Frauen sich wenden können oder erklärt ihnen den Weg eine Selbsthilfegruppe zu finden. Ein ganzes Kapitel behandelt thematisch das richtige Gründen einer Selbsthilfegruppe und die Rahmenbedingungen, die man dabei beachten sollte.

Auch summiert sie in dem Kapitel „Ein Weg zur Genesung” einige Punkte, die Frauen an sich und ihrem Leben verändert haben und schließlich ihre Krankheit besiegt haben.

Das Buch behandelt also sowohl ein soziales Problem, was sich auf die Verhältnisse zwischen Individuen bezieht. Auch erläutert es die Strukturen vom Hintergrund der betroffenen Frau. Deshalb empfinde ich diese Einordnung als sehr passend.

Stellenweise würde ich es auch in die Persönlichkeitspsychologie[3] einordnen, weil das Suchtverhalten aus den charakterlichen Merkmalen der betreffenden Frau resultiert und sich das Buch auch darauf bezieht, wie die Frau etwas an ihrer Persönlichkeit ändert, um die Krankheit zu besiegen.

Karina H.– Ein Fallbeispiel

Karina H. ist jetzt 22 Jahre alt und lebt in Leipzig. Der Rückblick auf ihr bisheriges Leben erscheint ernüchternd.[4]

Das Mädchen ist ohne Vater aufgewachsen, weil er ihre Mutter schon in frühen Jahren verlassen hatte. Er hatte sich in eine andere verliebt, weil Karinas Mutter ihn nie als den Mann akzeptiert hatte, der er eigentlich war. Sie hatte ihm sämtliche Freiheiten geraubt und ständig versucht ihn zu verbiegen. Daran sei ihre Liebe zerbrochen. Karinas Mutter hat diesen Schlag niemals verwunden. Ab da an stürzte sie sich in eine endlose Abfolge von jungen Männern, immer auf der Suche nach der großen Liebe. Für ihre Tochter blieb da nicht mehr viel Zeit. Karina kam sich immer überflüssig und ungeliebt vor.

Ihre erste eigene Bindung ist sie mit 16 Jahren eingegangen – mit Sebastian - einem gut aussehenden Tischler, der ihr mit seinen 19 Jahren schon um einige Lebenserfahrungen voraus war. Die beiden hatten sich über ihre Kusine kennengelernt und Karina war sofort hin und weg von ihm. Auch er bekundete offensichtliches Interesse an ihr und so dauerte es nicht lange, bis aus den beiden ein Paar wurde. Doch die romantischen Erwartungen einer 16-jährigen wurden von ihm bald ernüchtert. Was er sich unter ihrer Beziehung vorstellte bezog sich lediglich auf schnellen und häufigen Sex, der ihm zugute kam und ihm Befriedigung verschaffte. Karina verweigerte sich ihm, da sie ihr erstes Mal nicht erwungen erleben wollte. Die Konsequenz daraus lag in Brutalität, Schlägen und moralischer Erpressung. Schließlich betrog er sie auch noch mit einer Freundin, die williger war als sie selbst. Und trotz allem konnte Karina ihn in ihrer Blindheit nicht loslassen und versuchte alles um die Beziehung zu retten.

Einen Ausweg aus diesem Debakel bot ihr schließlich ihr nächster Freund Norman. Sie lernte Norman kennen, als sie sich gerade auf dem Tiefpunkt angekommen sah. Norman war für Karina da, er hörte ihr zu und gab ihr den Respekt und die Selbstachtung zurück, die sie an Sebastian verloren hatte. Dass er ein Blender war, der große Reden schwang hinter denen nichts steckte, bemerkte sie dabei nicht. In gleichem Maße wie die Abhängigkeit und Verliebtheit Norman gegenüber zunahm, reduzierte sie sich von Sebastian. Plötzlich war es ganz leicht sich von ihm loszusagen, da sie jemand anderen gefunden hatte, dem sie ihre Liebe schenken und für den sie sich aufopfern und verzerren konnte. Aus Norman und Karina wurde ein Paar. Das ganze ging sogar fast 2 Jahre lang gut, bis sich mit dem Abitur Veränderungen einstellten. Der Alltag hatte sich die Beziehung geholt. Norman war zu demotiviert um etwas für seinen Abschluss zu tun, bekam deshalb nur schlechte Noten und wurde dadurch noch frustrierter. Karina versuchte ihn mit Moralpredigten dazu zu drängen weiterzumachen – schließlich wollten die beiden gemeinsam nach dem Abitur wegziehen. So zumindest war ihr Traum. Aber Norman ertrank seine Unlust mehr und mehr in Männerabenden und Alkohol und sackte schließlich ganz ab. Der Schulabschluss war mehr schlecht als recht, auf seine Bewerbungen bekam er ausschließlich Absagen und begann einfach damit sich von seinen Eltern aushalten zu lassen und in den Tag zu leben. Karina bekam einen Studienplatz und zog weg. Der Kontakt mit Norman reduzierte sich seinerseits auf ein Minimum, was sie fast zerstörte. Sie legte ihm Regeln auf, wann er was zu tun hatte. Wann er sie anrufen sollte. Wann er sich mit wem treffen durfte. Darüber hinaus wurde sie zum kompletten Kontrollfreak. Sie kontrollierte sein Handy, stalkte ihn in sozialen Netzwerken und setzte sogar Freundinnen auf ihn an, während sie unter der Woche weg war. Nebenbei versuchte sie sich seine Zuneigung durch viele liebevolle SMS-Nachrichten und gemeinsame Abende zu zweit zu sichern. Dabei zog sie alle Register.

Ihre Aufopferung und krankhafte Überwachung wurde beendet als Mark in ihr Leben trat. Ähnlich wie in der Kennenlernphase mit Norman verlagerte sich ihre Abhängigkeit rasch. Mark faszinierte sie auf eine Art und Weise, die sie die folgenden acht langen Monate - bis aus den beiden schließlich ein Paar wurde - einfach nicht loslassen wollte.

Jetzt da sie wieder jemand anderen gefunden hatte, den sie mit ihrer Liebe überschütten konnte geriet Norman schnell aus dem Blickfeld. Karina machte seine Veränderungen für das Ende der Beziehung verantwortlich – und nicht etwa ihre Neigung dazu sich jedem Mann an den Hals zu werfen, der ihr nur anbot sie respektvoll zu behandeln. Karina war ohne Rast und Ruh ständig auf der Suche nach Erwiderung ihrer Liebe – die nicht zu erwidern war, weil sie in Zwängen und Druck ausartete und jedem Mann die Luft zum Atmen nahm.

Letzendlich vollzog sich die altbekannte Achterbahnfahrt auch mit Mark an ihrer noch einmal von vorn. Sie verliebten sich, er trug sie auf Händen und sie wurde so blind vor Liebe und süchtig nach ihm und seiner Zärtlichkeit, dass sie wie besessen war. Dass sie duldete, dass er sie oftmals wegen seiner Exfreundin verletzte. Dass sie duldete, wie er vor ihrem Augen mit anderen Frauen tanzte, sie berührte und sie sogar manchmal betrog. Dass sie seine Launen duldete und alles, was er falsch machte bereits im Kopf rechtfertigte, wenn er es tat. Er zog sie zu sich hin, nur um sie wieder wegzustoßen. Trotzdem wurde Karina dieses Spiel nicht müde. Wie ein räudiger Hund kroch sie jedes Mal zu ihm zurück, obwohl offensichtlich war, dass auch Mark ein psychisches Problem hatte.

Heute ist Karina immernoch mit Mark zusammen. Sie ist diejenige, die die Last der gesamten Beziehung trägt – und sie ist diejenige die alles versucht, damit es gut läuft. Und darüber hinaus immer wieder verletzt wird und daran verzweifelt. Sie ist unglücklich und versucht als Reaktion daraus krankhaft ihr Glück zu erzwingen und sie beide in Rollen zu pressen, die für sie in ihren Vorstellungen Glück ausmachen. Sie hat sich so in ihre Liebe zu ihm hereingesteigert, dass sie versucht ihn mit allen Mitteln zu halten – auf Kosten ihrer beiden Freiräume.

Viele Freunde haben sich bereits von Karina abgewandt, weil sie sie vernachlässigt hat und der einzige Grund warum sie noch den Kontakt zu ihnen sucht, Marks Launen und ihre Verzweiflung darüber sind.

Karina kennt ihr Problem durchaus, weiß was sie tut und weiß, dass es falsch ist. Aber sie kann nicht anders. Sie ist eine der Frauen, die aus Liebe zu einem anderen Menschen jegliche Selbstachtung und ihr Urteilsvermögen eingebüßt haben.

[...]


[1] Robin Norwood - Wenn Frauen zu sehr lieben – die heimliche Sucht gebraucht zu werden, Klappentext, 28. Auflage, November 2010

[2] Vorlesung Psychologie, 12. Sitzung, Wolfgang Heckmann

[3] Ebd.

[4] Erkenntnisse aus dem persönlichen Gespräch mit Karina H.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wenn Frauen zu sehr lieben - Eine Untersuchung der Abhängigkeit, die Liebe schafft
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V204800
ISBN (eBook)
9783656308881
ISBN (Buch)
9783656309215
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen, untersuchung, abhängigkeit, liebe, sucht, nicht los kommen, krankheit
Arbeit zitieren
Sarah Müller (Autor), 2011, Wenn Frauen zu sehr lieben - Eine Untersuchung der Abhängigkeit, die Liebe schafft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204800

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wenn Frauen zu sehr lieben - Eine Untersuchung der Abhängigkeit, die Liebe schafft



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden