Beim Erwerb einer Fremdsprache wird einem erst wirklich bewusst, wie viele einzelnen Schritte für
die Beherrschung der zu erlernenden Sprache notwendig sind. Das Lernen der Vokabeln und die
Verinnerlichung zahlreicher grammatischen Regeln gehören bspw. zum Lernprozess. Doch auch ein
Aussprachetraining ist vonnöten, sofern man als ein kompetenter Lerner angesehen werden möchte.
Denn jeder Sprache liegt ihr eigenes besonderes Lautsystem zugrunde, das eine entsprechende
Einstellung der Sprechorgane verlangt. Die sprachwissenschaftliche Disziplin, die sich mit der
Lautbildung beschäftigt, ist die artikulatorische Phonetik. Es ist aber auch wichtig, das zweite
Teilgebiet der Lautlehre, nämlich die Phonologie, zu berücksichtigen. Diese untersucht die
Phoneme einer Sprache. Unter Phonem versteht man dabei „das geringste Lautsegment, welches
zwei im übrigen gleiche Wörter voneinander zu unterscheiden vermag“ (Hammarström, 1998 : 9).
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Phonembestand des Französischen im Vergleich
zum Deutschen unter Berücksichtigung der Orthographie. Dabei stehen ausschließlich die
Vokalsysteme der beiden Sprachen im Vordergrund. Insgesamt wird zwischen zwei größeren
Gruppen der Vokale unterschieden: Oralvokale und Nasalvokale.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Charakteristika der Vokalen auf phonetischer Ebene
2.1 Grundlegende Merkmale der Oralvokale im Deutschen und Französischen
2.1.1 Vordere ungerundete Oralvokale
2.1.2 Vordere gerundete Oralvokale
2.1.3 Zentrale Oralvokale
2.1.4 Hintere Oralvokale
2.2 Einblick in die Vokalquantität
3. Phonem – Graphem – Beziehungen
4. Fazit
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Vokalsysteme der französischen und deutschen Sprache unter Berücksichtigung phonetischer und orthographischer Aspekte, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten für den Fremdspracherwerb herauszuarbeiten.
- Phonetische Klassifizierung von Oralvokalen
- Vergleichende Analyse von Vokalquantität
- Untersuchung von Phonem-Graphem-Beziehungen
- Artikulatorische Merkmale (Spannung, Zungen- und Lippenstellung)
- Polyrelationalität vs. 1:1 Phonem-Graphem-Entsprechungen
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Vordere ungerundete Oralvokale
Zu dieser Gruppe gehören im Französischen die Phoneme [ i, e, ɛ, a ] sowie [ i, ɪ, e, ɛ, a ] im Deutschen (vgl. Meisenburg & Selig , 2004: 62 ). Die Bezeichnung für diese Kategorie setzt sich wie folgt zusammen: Bei der Bildung der ungerundeten Oralvokale nähert sich die Vorderzunge dem Vordergaumen. Man spricht daher von den vorderen Vokalen bzw. den Vordergaumenlauten (frz. voyelles palatales ou antérieures). Für die Merkmale „gerundet“ und „ungerundet“ ist die Lippenstellung verantwortlich. Diese ist je nach dem Vokal der betrachteten Gruppe unterschiedlich. Schaut man sich die einzelnen Phoneme im Hinblick auf ihre Artikulation in beiden Sprachen genauer an, so werden die Unterschiede ziemlich deutlich.
[ i ] ist der geschlossenste Vokal dieser Reihe. Im Französischen ist er geschlossener als im Deutschen und auch die Mundwinkel sind weiter zurückgezogen. Beim Aussprechen nachstehender Beispiele kann man sich diesbezüglich vergewissern. Im Deutschen kommt dieser Laut nur in Fremdwörtern vor (vgl. http://de.wiktionary.org/wiki/Wiktionary:Lautschrift ).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die artikulatorische Phonetik und Phonologie sowie Definition des Ziels, die Vokalsysteme des Französischen und Deutschen zu vergleichen.
2. Allgemeine Charakteristika der Vokalen auf phonetischer Ebene: Erläuterung der artikulatorischen Parameter wie Zungenstellung, Lippenstellung und Öffnungsgrad sowie deren schematische Darstellung in Vokaltrapezen.
2.1 Grundlegende Merkmale der Oralvokale im Deutschen und Französischen: Detaillierte Unterteilung und Beschreibung der Oralvokale nach ihrer Artikulationsart, differenziert nach vorderen, zentralen und hinteren Vokalen.
2.1.1 Vordere ungerundete Oralvokale: Analyse der Phoneme, die durch eine palatale Zungenstellung und ungerundete Lippen charakterisiert sind.
2.1.2 Vordere gerundete Oralvokale: Untersuchung der Phoneme, bei denen die Lippen zusätzlich vorgestülpt werden, inklusive der Unterschiede zwischen dem deutschen und französischen Inventar.
2.1.3 Zentrale Oralvokale: Behandlung des Schwa-Lautes und weiterer zentraler Vokale, die in entspannter Zungenposition gebildet werden.
2.1.4 Hintere Oralvokale: Beschreibung der Vokale, die durch Zurückziehen der Zunge im hinteren Mundraum entstehen.
2.2 Einblick in die Vokalquantität: Untersuchung der Lautdauer als bedeutungsunterscheidendes Merkmal, besonders im Hinblick auf die unterschiedliche Relevanz im Deutschen und Französischen.
3. Phonem – Graphem – Beziehungen: Analyse der Wechselbeziehung zwischen der phonetischen Ebene und der Orthographie beider Sprachen.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ähnlichkeiten im Phoneminventar und der Unterschiede in der Abbildung durch Grapheme.
5. Literatur: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen Literatur und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Phonetik, Phonologie, Oralvokale, Vokalsystem, Kontrastive Analyse, Vokalquantität, Phonem-Graphem-Beziehung, Artikulation, Schwa-Laut, Polyrelationalität, Fremdspracherwerb, Vokalkategorien, Linguistik, Französisch, Deutsch
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einem kontrastiven Vergleich der deutschen und französischen Vokalsysteme unter phonetischen und orthographischen Gesichtspunkten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die artikulatorische Klassifizierung von Vokalen, die Bedeutung der Vokalquantität und die Korrelation zwischen geschriebener Sprache und Lautbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Vokalbildung beider Sprachen aufzuzeigen, um Lernenden ein besseres Verständnis für die korrekte Aussprache zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine kontrastive Analyse angewandt, die auf artikulatorischer Phonetik basiert und durch den Vergleich von Phonem-Inventaren und orthographischen Realisierungen erfolgt.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte phonetische Beschreibung einzelner Vokalgruppen, die Analyse der Vokalquantität und die Untersuchung der Phonem-Graphem-Entsprechungen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Artikulatorische Phonetik, Vokalinventar, Kontrastive Linguistik und Polyrelationalität.
Warum spielt die Vokalquantität eine so große Rolle für den Vergleich?
Während die Vokallänge im Deutschen oft bedeutungsunterscheidend wirkt (Minimalpaare), ist sie im Französischen weniger relevant, was für Sprachlernende eine wichtige Quelle für Aussprachefehler darstellt.
Was bedeutet der Begriff Polyrelationalität in dieser Arbeit?
Der Begriff beschreibt den Umstand, dass ein Phonem durch mehrere Grapheme dargestellt werden kann oder ein Graphem verschiedene Phoneme repräsentiert, was besonders im Französischen häufig vorkommt.
- Citation du texte
- Viktoria Hermes (Auteur), 2009, Kontrastive Betrachtung der deutschen und der französischen Vokalsysteme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204813