Titus Manlius Imperiosus Torquatus – exemplum severitatis

Die episodische Erzählung im Geschichtswerk des Livius und ihre Behandlung im Lektüreunterricht (Liv. 8, 7, 14–17a. 19b. 22b)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
51 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Übersetzung (8, 7, 14–17b. 19b. 22b)

III. Geschichtsbewusstsein, kulturelles Gedächtnis, Geschichtsbild: Aufgabe der Geschichtsschreibung nach Livius (praefatio)

IV. Inhalt und Aufbau der gesamten Episode (8, 6, 14–8, 2)

V. Einordnung der Textauszüge in das Geschichtswerk Ab urbe condita

VI. Sprachliche, stilistische und textkritische Analyse
1. Reaktion des älteren Manlius auf das Verhalten seines Sohnes (8, 7, 14)
2. Rede des älteren Manlius
3. Manliana imperia als exemplum (8, 7, 17b. 22b)

VII. Die fachdidaktische Umsetzung
1. Das exemplum severitatis, Manlius Torquatus, im Lektüreunterricht
2. Kulturkompetenz

VIII. Fazit

IX. Anhang
1. Transphrastik
3. Charakterisierungen der Protagonisten
3. Parallelüberlieferung der Episode
4. Rezeption – Historienmalerei
5. Tafelbild

X. Literaturverzeichnis
1. Primärliteratur
2. Hilfsmittel
3. Sekundärliteratur
4. Fachdidaktische Literatur
5. Internetquellen

I. Einleitung

moribus antiquis res stat Romana virisque.[1]

Mit diesem bekannten Hexameter, der uns aufgrund der fragmentarischen Überlieferung der Annalen nur durch seine Zitierung bzw. Paraphrasierung in anderen antiken Werken erhalten ist,[2] stellt der Dichter Quintus Ennius zu Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. die Wirkungsmacht des mos maiorum[3] als entscheidenden Stabilitätsfaktor der inneren Ordnung der res publica heraus. Dieser mos maiorum fungierte als Orientierungsrahmen für das individuelle und kollektive Verhalten der Mitglieder des Gemeinwesens. Skutsch[4] leitet aus Anspielungen im Geschichtswerk des Livius[5] ab, dass dieser berühmte Vers des Ennius ursprünglich in die Rede des Konsuls[6] Titus Manlius Imperiosus Torquatus[7] gehörte, in der er seinen eigenen Sohn zum Tode verurteilt.

Der ‚römische Historiker’ Titus Livius (ca. 59 v. Chr.-17 n. Chr.), der weder in Rom geboren oder aufgewachsen, noch eine militärische Ausbildung oder jegliche politische Erfahrung besaß, zählt zu den bedeutendsten Autoren des Altertums. Sein monumentales Geschichtswerk Ab urbe condita, in dem er in annalistischer Anordnung die berichtenswerten Taten des römischen Volkes schildert, umfasste 142 Bücher, von denen uns allerdings nur etwa ein Viertel erhalten geblieben ist. Von den übrigen Büchern besitzen wir periochae, die einen ungefähren Einblick in die jeweilige Thematik erlauben. Bei der Benutzung seiner Quellen ist er mitunter sehr unkritisch, wenngleich er recht getreu seiner jeweiligen Hauptquelle folgt. Sein Werk lässt sich nach dem Prinzip der römischen Annalistik in eine Pentaden- und Dekadenstruktur[8] einteilen.

Bei der Abfassung seines Geschichtswerkes war Livius beeinflusst von der tragischen Geschichtsschreibung[9] nach hellenistischem Vorbild,[10] weshalb er technische Mittel eingesetzt hat, die denen eines Dramas ähneln:[11] szenenhafte Darstellungen, Reden und Dialoge,[12] direkte und indirekte Charakterisierungen von Protagonisten einzelner Szenen, Peripetien, Anschaulichkeit, eingestreute Kommentare wie die eines auctorialen Erzählers, dramatische Spannung, Klarheit und Kürze. Um den Leser seelisch erschüttern (ἔκπληξις), aufrütteln oder auch zum Mitgefühl animieren (συμπάθεια) zu können, hat er die Handlungen der einzelnen Episoden psychologisch motiviert und somit innerlich dramatisiert.[13]

Inwiefern lassen sich in den hier zu analysierenden Textauszügen diese typischen literarischen Techniken des Livius finden? Wie gelingt es Livius in einem Wechsel aus narrativem und rhetorischem Teil ein Exempel zu konstruieren, das aufgrund seiner Bildhaftigkeit auf affektiver Ebene wirkt und sich bestens als Gemäldevorlage eignet? Auf welche Weise hat Livius die bekannte Gestalt der patrizischen gens Manliana,[14] Titus Manlius Imperiosus Torquatus, dessen Lebensgeschichte schon früh von Sagen und Anekdoten ausgeschmückt wurde, als eine Leitfigur der römischen Geschichte und als einer der auctores des mos maiorum skizziert? Wie gelingt es Livius diesen Charakter trotz dessen unerbittlicher Strenge gegenüber seinem eigenen Sohn unter dem Aspekt seiner didaktischen Intention der Geschichtsschreibung als vorbildhaftes Beispiel darstellen zu können?

Diese Leitfragen bilden den Kern der vorliegenden Arbeit, wobei das Hauptaugenmerk auf der Darstellung des exemplum severitatis liegt. Ziel dieser Untersuchung ist es folglich, die argumentative Struktur der wörtlichen Rede des Imperiumträgers und Vaters herauszuarbeiten, indem zunächst der Textabschnitt – gemäß den Leitfragen – auf der Grundlage sprachlicher, stilistischer und textkritischer Analyse interpretiert wird. So soll im folgenden Abschnitt eine daraus resultierende adäquate Übersetzung dieser Paragraphen dargelegt werden.

Um der Fragestellung dieser Arbeit gerecht zu werden, muss zunächst die didaktische Geschichtskonzeption des Livius anhand seiner praefatio zum ersten Buch herausgearbeitet sowie die Textstellen in den Gesamtkontext des Geschichtswerkes Ab urbe condita eingeordnet werden, um in einem nächsten Schritt die wesentliche Funktion dieser Episode herausarbeiten zu können.

Als notwendiges Kriterium zur Erörterung des römischen Geschichtsbewusstseins und kulturellen Gedächtnisses, das sich an derartigen exempla virtutis gebildet hat, muss die antike Parallelüberlieferung[15] zu den imperia Manliana, die bereits zu Lebzeiten des Livius sprichwörtlich wurden für strenge, grausame Befehle,[16] kontextualisiert werden. Insbesondere Valerius Maximus hat diese Anekdote in seiner Exempla-Sammlung Facta et Dicta memorabilia unter den Kaptiteln de disciplina militari (2, 7) und de severitate (6, 3) ausführlich nachgezeichnet.[17]

Im zweiten Teil dieser Arbeit werden die Ergebnisse des ersten, fachwissenschaftlichen Teiles fachdidaktisch und methodisch aufgearbeitet, unter besonderer Berücksichtigung der Rezeption der Anekdote in der Historienmalerei.[18]

II. Übersetzung (8, 7, 14–17b. 19b. 22b)

7, 14a Sobald der Konsul das hörte, wandte er sich sogleich vom Sohne ab und ließ auch sogleich mit einer Trompete eine Soldatenversammlung einberufen.[19]

7, 14b Sobald sich diese in voller Zahl versammelt hatte, sagte er:

7, 15 „Da du, Titus Manlius, weder die Befehlsgewalt der Konsuln noch die Autorität des Vaters geachtet hast und entgegen unserer Anordnung außerhalb der (Schlacht-) Reihe gegen den Feind gekämpft hast

7, 16 und, soweit es bei dir stand, die militärische Disziplin, auf der bis zu diesem Tag der römische Staat beruhte, aufgehoben hast und mich in diese Zwangslage versetzt hast,

7, 17 mich entweder vom Staat oder von meiner Selbstachtung und meiner Familie abwenden zu müssen, sollen lieber wir für unser Vergehen gestraft werden, als dass der Staat unter einem so großen Schaden für unsere Fehler büßen muss.

7, 17b Wir werden der heutigen Jugend ein trauriges und strenges, aber für die Nachwelt ein nützliches und lehrreiches Beispiel sein.

7, 19b Geh, Liktor, binde ihn an einen Pfahl!“

7, 22b …und dass ‚Befehle des Manlius’ nicht nur in diesem Augenblick schaudervoll waren, sondern auch in Zukunft ein trauriges und strenges Beispiel bildeten.

III. Geschichtsbewusstsein, kulturelles Gedächtnis, Geschichtsbild: Aufgabe der Geschichtsschreibung nach Livius (praefatio)

Im Gegensatz zur heutigen Geschichtswissenschaft, bei der der Anspruch auf Objektivität, Faktentreue, historische Genauigkeit sowie auf eine wissenschaftlich überprüfbare Darstellung liegt, zielte die römische Geschichtsschreibung, die unter dem Einfluss der Rhetorik stand,[20] auf eine übergeordnete Argumentation in Hinblick auf eine politisch-moralisch-didaktische Darstellung von Geschichte.[21] Dabei diente das historische Material als Beweismittel zur Stützung von bestimmten Leitgedanken, an welchen die antiken ‚Historiker’ die Fakten ausrichteten. Um ihre Leser zu ihrem intendierten Geschichtsbild führen zu können, stellten sie die Geschichte in unterhaltsamer und lehrreicher Manier dar – getreu dem Motto prodesse et delectare – und zwar nicht trocken, sondern stilistisch originell und bildhaft als eine Art „literarisches Kunstwerk“[22].

Livius’ Leitprinzipien seiner ‚exemplarischen Geschichtsschreibung’ lassen sich anschaulich anhand der praefatio[23] zu seinem Werk ab urbe condita erkennen. Darin nennt und begründet er das Thema[24] seines Geschichtswerkes, legt dabei sein eher pessimistisch geprägtes Geschichtsbild dar[25] und erörtert die nach seiner Ansicht didaktische Funktion[26] und den Nutzen von Geschichtsschreibung für die Gegenwart.

Da die Hauptaufgabe römischer Historiographen darin bestand, den Aufstieg Roms zur Weltmacht sowie auch dessen Abstieg bzw. Fall argumentativ zu erklären, verwendeten sie dabei meist eines der drei „altüberlieferte[n] Konzepte“[27]. Livius’ Geschichtskonzeption orientiert sich dabei an dem klassischen Dekadenzmodell[28], wonach der Luxus- und Sittenverfall in Rom einen Zusammenbruch des imperium Romanum zur Folge hat.[29] Demgemäß teilt Livius die gesamte römische Geschichte in zwei Perioden ein,[30] wobei er die leitenden Gesichtspunkte angibt, unter denen der Rezipient seine Darstellung in folgender Reihenfolge lesen soll: vita[31], mores, viri und artes[32] seien die Faktoren, welche zur Erringung und zur Vergrößerung des imperium beigetragen hätten.[33] Diese Passage erinnert eindeutig an den Hexameter des Ennius, wonach – wie bereits erläutert – der römische Staat nur bestehen kann durch die mores der maiores, das strenge sittliche Verhalten der Vorfahren als Grundlage des Aufstiegs Roms zur Weltmacht,[34] sowie durch seine viri, vorbildliche Gestalten und Träger des Aufbaus der römischen Herrschaft.

Da jedoch nach einiger Zeit die wesentlichen Stabilisierungskräfte der res publica, die disciplina und die mores, allmählich und danach stetig abgesunken seien[35] und sich bis zu den gegenwärtigen Zeiten des Livius vollständig aufgelöst hätten,[36] müsse sich der Staatsbürger an den sittlichen, religiösen und politischen Werten der alten Zeit orientieren. Genau darin sieht Livius die Aufgabe seines Geschichtswerkes und der Geschichtsschreibung im Allgemeinen: das Studium der Geschichte sei besonders salubre[37] ac frugiferum[38], da es lehrreiche Beispiele aller Art[39] zur Nachahmung[40] und Abschreckung[41] biete. Gerade der römische Staat biete eine außerordentliche Vielzahl an bona exempla,[42] an denen sich der Leser orientieren und sowohl für sich als auch für sein Gemeinwesen lernen soll.[43]

Livius stellt also Charaktere als vorbildhafte exempla der römischen Geschichte wie das eines Manlius Torquatus dar, der als einer der auctores des mos maiorum den allmählichen Niedergang der Ordnung aufgehalten habe. Somit bietet das Geschichtswerk ab urbe condita ein Vorrat an nationalrömischen Helden, die als Leitfiguren dem Leser Handlungsorientierungen geben sollen. Diese didaktische Zielsetzung, aus der Geschichte einen Nutzen für die Gegenwart zu ziehen, lässt sich – in Hinblick auf die Wahl seiner Episoden wie die dieser Arbeit – nach Livius am besten in dramatischen Konflikt- und Entscheidungssituationen erreichen.[44]

Die römischen Geschichtsschreiber konstruierten also ein Geschichtsbild einer eher personalisierten Geschichte, da in der römischen Gesellschaft das exemplum den immensen Stellenwert der Orientierungshilfe besaß. An solchen exempla und anderen Fixpunkten in der römischen Geschichte bildete sich das Geschichtsbewusstsein der antiken Zeitgenossen, um welche sich das historische Wissen im kulturellen Gedächtnis der Gesellschaft lagerte.[45]

IV. Inhalt und Aufbau der gesamten Episode (8, 6, 14–8, 2)

Nachdem der Senat 340 v. Chr. einem Krieg Roms mit den Latinern und ihren Verbündeten zugestimmt hatte (8, 6, 8), haben laut Livius die Konsuln T. Manlius Torquatus und P. Decius Mus (8, 3, 5) zwei Heere ausgehoben und marschierten bis Capua vor, wo die Latiner und ihre Bundesgenossen bereits zusammengekommen waren. Auslöser für diesen zweiten latinischen Krieg von 340 bis 338 v. Chr. sei die Forderung einer latinischen Gesandtschaft nach politischer Mitsprache im Senat sowie danach, dass einer der beiden Konsuln jedes Jahr ein Latiner sein müsse (8, 3–6). Aufgrund der Gefährlichkeit der Lage, die sich dadurch auszeichne, dass die Gegner den Römern ebenbürtig seien (8, 6, 15), werden im Kriegsrat zwei konkrete Beschlüsse gefasst: die militärische Zucht solle wieder auf den alten Stand gebracht werden (8, 6, 14) und niemand dürfe ab sofort außerhalb der Reihe kämpfen (8, 6, 16).

Nach der Darlegung des Hauptgedanken der Episode – der Erhaltung des imperium mit Hilfe der disciplina militaris – leitet Livius auf die eigentliche Anekdote hin, welche in zwei Spannungsbögen aufgebaut ist. Zunächst wird die äußere Voraussetzung für das folgende Geschehen, die Situation der Konfrontation, erörtert. Ferner charakterisiert Livius bereits hier die beiden Protagonisten des ersten Hauptabschnittes: Der Sohn des Konsuls Titus Manlius Imperiosus Torquatus und Präfekt einer Reiterabteilung, Titus Manlius, sei bei einem Erkundungsritt zufällig zu dicht an die feindlichen Posten herangekommen (8, 7, 1) und sei von dem kampfeswütigen Kommandeur der Tusculaner, Geminus Maecius, (8, 7, 2) in einem Rededuell zu einem Zweikampf provokativ herausgefordert worden (8, 7, 3–7). Diese Herausforderungsszene gibt Livius in oratio recta wider, um das kommende Geschehen begründen zu können. Vor der in epischer Genauigkeit dramatischen Darstellung des Reiterkampfes, auf den sich Manlius eingelassen habe, (8, 7, 9–11) versucht Livius dessen innerseelischen Zustand zu ergründen (8, 7, 8). Dabei erörtert er drei potentielle Beweggründe zum Kampf, denen Manlius ausgeliefert gewesen sein könnte und die ihn dazu verführt haben könnten, sowohl die konsularischen als auch väterlichen Anweisungen zu missachten. Dass jener dank selbstständigen Handelns oder aus freier Urteilskraft diese Zweikampfherausforderung angenommen haben könnte, kommt für Livius nicht in Betracht. Er sieht ihn als Spielball höherer Mächte, der sich durch die inexsuperabilis vis fati blindlings in einen Kampf fortreißen lässt, in dem es nach Livius’ Ansicht keinen Unterschied machen sollte, ob er als Sieger oder Verlierer herauskommt (8, 7, 8). Zwar sei Manlius aus diesem Kampf siegreich hervorgegangen (8, 7, 11), jedoch, so kommentiert Livius den Ausgang der Episode vorwegnehmend, ahne er nicht, welches Schicksal nun auf ihn zukomme: ob er von seinem Vater Lob oder Strafe verdient habe (8, 7, 12).

Dadurch baut Livius einen zweiten Spannungsbogen auf und stellt das Prinzip der unerbittlichen Sittenstrenge des Vaters und Konsuls in einer Person zugunsten der Staatsinteressen in den Mittelpunkt der Episode. Nachdem Manlius ins römische Lager zurückgekehrt sei (8, 7, 12), habe er sich selbstbewusst vor seinem Vater des Sieges gerühmt (8, 7, 13) und ihm dabei – in Anlehnung an den Zweikampf seines Vaters mit einem Gallier (7, 9, 6–7, 10, 14) – die Beuterüstung präsentiert, welche er dem Feind abgenommen habe (8, 7, 12). Daraufhin lässt Livius den Vater in einer langen Rede (8, 7, 15–19) vor dem versammelten Heer (8, 7, 14) das zwangsläufige Urteil darstellen, die Hinrichtung des eigenen Sohnes, die aus einer derartigen Gefährdung von Heer und Staat rühre, um der Nachwelt ein warnendes Beispiel zu geben (8, 7, 17). Dabei zeichnet Livius den inneren Entscheidungskonflikt des Vaters nach: durch das unbesonnene, kopflose Verhalten habe der junge Manlius ihn in die Zwangslage gebracht, zwischen Staats- und Eigeninteresse entscheiden zu müssen (8, 7, 17). Um die verletzte militärische Disziplin zum Wohle der res publica wiederherstellen zu können (8, 7, 19), müsse er sein eigenes Geschlecht bestrafen (8, 7, 17), müsse jegliche Freude über die tapfere Tat und Regung väterlicher Liebe von sich weisen und könne nur den schweren Ungehorsam gegen die Befehle der Feldherren sehen (8, 7, 18). Der prägnante Urteilsspruch (8, 7, 19) erhält eine besondere exemplarische Wirkung durch Livius` Inszenierung seiner öffentlichen Bekanntgabe vor der Heeresversammlung. Bei der Verbildlichung der Reaktion der anwesenden Soldaten bei der Urteilsvollstreckung (8, 7, 20–22) gelingt es Livius die psychische Verfassung der Zuschauer derart genau zu erörtern, dass der Leser mit dem Opfer Manlius mitfühlen kann. Noch in derselben syntaktischen Periode geht Livius zur Darstellung der späteren Folgen des harten Urteils für die römische Geschichte über (8, 7, 22–8, 8, 2): die atroces Manliana imperia würden zwar in Zukunft ein tristis exemplum bilden, aus welchem sich dafür aber für das Heerwesen sowie für den Ausgang des Latinerkrieges und somit für die gesamte römische Republik einen Nutzen ziehen lassen würde. Livius bestätigt also, dass sich das Vorgehen des Vaters trotz der Härte des Urteils als militärisch sinnvoll erwies.

V. Einordnung der Textauszüge in das Geschichtswerk Ab urbe condita

Der ‚Historiker’ stellt es also als Tatsache hin, dass diese Strenge[46] des Konsuls zur politischen Stabilität notwendig gewesen sei, ohne eine konkrete Bewertung seinerseits abzugeben, ob nicht auch eine mildere Bestrafung zu demselben Ergebnis geführt hätte. Bei der Darstellung eines ähnlichen Beispiels – der Bestrafung von Q. Fabius Maximus Rullianus durch den Diktator L. Papirius Cursor[47] – verkündet er eindeutig seine Meinung, dass eine massive Einschüchterung völlig ausgereicht hätte, um ein Exempel statuieren zu können.[48]

Im Hinblick auf die Komposition des Gesamtwerks hat Livius trotz des annalistischen Aufbaus den einzelnen Büchern übergeordnete Leitmotive zugewiesen und dabei den historischen Stoff in relativ überschaubare Unterabschnitte gegliedert, innerhalb dieser hat er dann die verschiedenen Ereignisse jeweils einem Hauptthema untergeordnet.[49] So hat er das disciplina -Motiv in der ersten Dekade durch die Darstellung von vier berühmten exemplarischen Fällen[50] über das Problem magistratischer Befehlsgewalt und ihrer rechten Anordnung bei Ungehorsam in dramatischer Weise veranschaulicht und diese als Beweismittel für historische Entwicklungen argumentativ angewendet. Innerhalb der Darstellung des Latinerkrieges hat er demgemäß die Episode aus dem Jahr 340 v. Chr. vom Verstoß gegen die disciplina militaris eingeschoben.

Diese an sich geschlossene Erzählung hat Livius wiederum durch Vor- und Rückverweise in der ersten Dekade kompositorisch und bedacht inszeniert: mit Hilfe von Charakterisierungen und Verhaltensanalysen des älteren Manlius sowie mit Hilfe indirekter Bewertungen. Um den älteren Manlius als Vorbild darstellen und den Ausgang der Episode als ein lehrreiches exemplum legitimieren zu können, weicht Livius absichtlich von einer seiner Hauptquellen der ersten Dekade, Claudius Quadrigarius,[51] ab. So gestaltet Livius diese Episode in Anklang zum Zweikampf des älteren Manlius mit einem Gallier (7, 9, 6–7, 10, 14),[52] fügt jedoch eine entschiedene Szene – abweichend von der Quellenlage – hinzu: Livius lässt den Vater um Kampferlaubnis außerhalb der Reihe bitten.[53] Dadurch betont er im Hinblick auf das spätere Fehlverhalten des Sohnes, dass sich ein römischer Einzelkämpfer erst von seinem Vorgesetzten die Erlaubnis zu einem Zweikampf holen muss. Allein durch die Hinzufügung der Legitimation zum Kampf kann Livius den Vater und Konsul Torquatus als Inbegriff der severitas als Teil der virtus Romana charakterisieren.

[...]


[1] Enn. Ann. 500 Vahlen = frg. 156 Skutsch. Vgl. insgesamt zu diesem Hexameter den Sammelband Haltenhoff (2000); ferner Stemmler (2000) 141–143; Pina Polo (2004) 163–170.

[2] Vgl. Cic. rep. 5, 1: moribus antiquis res stat Romana virisque, quem quidem ille versum vel brevitate vel veritate tamquam ex oraculo mihi quodam esse effatus videtur. Paraphrasiert wird dieser Hexameter auch in SHA Avid. 5, 7; Aug. civ. 2, 21, entnommen aus: Leigh (2006) 492.

[3] Vgl. Haltenhoff (2001) 213–217; Stemmler (2000) 141–205.

[4] Vgl. Skutsch (1985) 317f.

[5] Vgl. Liv. 8, 7, 16; 9, 16, 19. Auf die erste der beiden Stellen wird in dieser Arbeit noch näher eingegangen.

[6] T. Manlius Torquatus war laut Livius dreimal Konsul und zwar 347, 344 und 340 v. Chr., vgl. Liv. 7, 27, 3; 7, 28, 6; 8, 3, 5. Vgl. Münzer (1930) 1184.

[7] Der Beiname geht auf eine Halskette zurück, die er einem Gallier im Zweikampf abgenommen haben soll. Vgl. Liv. 7, 19, 11–13: iacentis inde corpus ab omni alia vexatione intactum uno torque spoliavit, quem respersum cruore collo circumdedit suoTorquati cognomen auditum; celebratum deinde posteris etiam familiae honori fuit.

[8] Das geläufige Gliederungsprinzip in Dekaden ist bereits für die Antike durch einen Brief des Papstes Gelasius aus dem Jahre 496 bezeugt: Livius secunda decade loquitur, zitiert aus: Burck (1992) 8.

[9] Livius’ Werk bildet zugleich einen Kontrast zur thukydideisch-sallustischen Tradition der Historiographie.

[10] Vgl. Von Albrecht (20033 ) 664–667.

[11] In dieser dramatischen Technik lässt er ebenso formelle wie sprachliche, stilistische und gedankliche Anklänge an Cicero erkennen.

[12] Zur Funktion der Rede in der tragischen Geschichtsschreibung vgl. Flach (1998³), 46 f.

[13] Vgl. Burck (1977) 143; Hüttemann (2003) 31.

[14] vgl. Lindermann (2006) 285.

[15] Vgl. die Überlieferung von anderen antiken Autoren: Cic. Sull. 32; Cic. fin. 1, 35. Sallust hat sich bei der Darstellung der Anekdote vermutlich bei der Nennung des Praenomens sowie des Krieges geirrt, vgl. Sall. Catil. 52, 30f. Vgl. Themann-Steinke (2008) 381. Vgl. auch Verg. Aen. 6, 824f.; Quint. inst. 5, 11, 7; Oros. 3, 9, 2. Die beiden letzten Stellenangaben sind entnommen aus: Fries (1985) 161.

Siehe insgesamt Anhang 3.

[16] Vgl. Liv. 4, 29, 5: quod imperia Manliana, non Postumiana appellata sunt, cum, qui prior auctor tam saevi exempli foret; Liv. 8, 7, 22: Manlianaque imperia non in praesentia modo horrenda, sed exempli etiam tristis in posterum essent; Liv. 8, 34, 2: ex parte altera imperium invictum populi Romani et disciplina rei militari set dictatoris edictum pro numine semper observatum et Manliana imperia et posthabita filii caritas publicae utilitati iactabantur: hoc etiam L. Brutum, conditorem Romanae libertatis, antea in duobus liberis fecisse; Gell. 9, 13, 20: imperia et aspera et immitia Manlia dicta, zitiert aus: Lindermann (2006) 297; Gell. 1, 13: ne ferox, durus, indomitus inexorabilisque sit, qualia fuerunt Postumiana imperia et Manliana, zitiert aus: Ebd. 298.

[17] Vgl. Val. Max. 6, 9, 1; 2, 6, 7. Vgl. Weileder (1998) 157–160.

[18] Ferdinand Bol und Jean Simon Berthélemy haben die Theatralik dieser Episode jeweils in einem Gemälde festgehalten,vgl. Anhang 4.a. und 4.b.

[19] Textliche Grundlage dieser Übersetzung ist die Textausgabe von Walters (19708 ).

[20] Vgl. Harth (2000) 186.

[21] Vgl. Lefèvre (1983) 31. Vgl. zur praefatio des Livius: Burck (1992) 126–131; Oppermann (1977) 169–180; Walsh (1977) 181–199.

[22] Kuhlmann (2004) 14.

[23] Liv. 1, praef. 1–13.

[24] Liv. 1, praef. 1: a primordio urbis res populi Romani perscripserim.

[25] Liv. 1, praef. 4–9: [sc. imperium Romanum ] eo creverit, ut iam magnitudine laboret sua… labente deinde paulatim disciplina velut desidentes primo mores sequatur animo, deinde ut magis magisque lapsi sint, tum ire coeperint praecipites, donec ad haec tempora quibus nec vitia nostra nec remedia possumus perventum est.

[26] Vgl. Burck (1992) p. XIII.

[27] Demandt (2007) 580.

[28] Das zweite Modell ist die Abfolge der Weltreiche – angedeutet bei Herodot und ausgearbeitet im Buch Daniel –, die aufgrund des gesetzmäßigen Syllogismus nur eine vorübergehende Dauer besitzen sollen. Die dritte Vorstellung ist die Veranschaulichung von Roms historischer Entwicklung mithilfe des Lebensaltervergleichs. Vgl. dazu Harth (2000) 184f.

[29] Vgl. Liv. 1, praef. 9. 11. 12.

[30] Vgl. Burck (1992) p. XVII.

[31] Nach Burck ist darunter die einfache Lebensführung zu verstehen. Vgl. Ebd. 128.

[32] Nach Burck sind darunter Fertigkeiten und Mittel der politischen Gestaltung sowie der militärischen Lenkung und Leitung (domi militiaeque) zu verstehen. Vgl. Ebd. 129.

[33] Vgl. Liv. 1, praef. 9: ad illa mihi pro se quisque acriter intendat animum, quae vita, qui mores fuerint, per quos viros quibusque artibus domi militiaeque et partum et auctum imperium sit.

Livius übernimmt in der Episode von Manlius Torquatus und seinem Sohn mehrere Schlüsselbegriffe aus seiner praefatio wie hier z.B. imperium. Vgl. zum Begriff imperium Liv. 8, 6, 14; 8, 7, 8. 15. 19. 21. 22; 8, 12, 4.

[34] Vgl. Hölkeskamp (2004) 197; 251. Vgl. Zum mos maiorum im Allgemeinen: Kierdorf (2000) 402–403 und die Angaben in Anm. 1.

[35] Vgl. Liv. 1, praef. 9: labente deinde paulatim disciplina velut desidentes primo mores sequatur animo. Vgl. zu dem Leitbegriff der Episode der disciplina [ militaris ] Liv. 8, 7, 16. 19.

[36] Vgl. Liv. 1, praef. 9: deinde ut magis magisque lapsi sint, tum ire coeperint praecipites, donec ad haec tempora quibus nec vitia nostra nec remedia possumus perventum est. Vgl. zu praeceps die Charakterisierung von dem jungen Manlius in Liv. 8, 7, 8.

[37] Vgl. Liv. 8, 7, 17: triste exemplum sed in posterum salubre iuventuti erimus.

[38] Liv 1, praef. 10: hoc illud est praecipue in cognitione rerum salubre ac frugiferum.

[39] Vgl. Liv. 1, praef. 10: omnis te exempli documenta in inlustri posita monumento intueri.

[40] Vgl. Liv. 1, praef. 10: quod imitere capias.

[41] Vgl. Liv. 1, praef. 10: quod foedum inceptu foedum exitu quod vites.

[42] Vgl. Liv. 1, praef. 11: nulla umquam res publica nec maior nec sanctior nec bonis exemplis ditior fuit. Vgl. zum Vorbildcharakter der römischen Vergangenheit: Oppermann (1977) 178f. Dieser römische Stolz auf die exempla findet sich auch bei Autoren der Rhetorik, vgl. Cic. de orat. 3, 137; fin. 2, 62; off. 3, 47; Quint. inst. 12, 2, 29f. Vgl. Weileder (1998) 38, Anm. 208.

[43] Vgl. Liv. 1, praef. 10: inde tibi tueaque rei publicae quod imitere capias, quod foedum inceptu foedum exitu quod vites.

[44] Vgl. Burck (1957) 69f.

[45] Vgl. zum kulturellen Gedächtnis in der Antike: Hölkeskamp (2004) 138f.; 169. In dieser Monographie ist der Aufsatz von Hölkeskamp (1996) 301–338 über die Bedeutung und den Zusammenhang von exempla und mos maiorum in der republikanischen Zeit neu abgedruckt worden und zwar mit Ergänzung der bis dahin neuesten Forschungsliteratur.

[46] Livius betont mehrmals, dass dieser Befehl seiner Ansicht nach unerbittlich streng gewesen ist. Bei der Darstellung der Zuschauerreaktion, vgl. Liv. 8, 7, 21: exanimanti omnes tam atroci imperio, bei der Darstellung der Folgen für die römische Geschichte, vgl. Liv. 8, 8, 1: fecit tamen atrocitas poenae oboedientiorem duci militem, etin ultimo etiam certamine, cum descensum in aciem est, ea severitas profuit und bei der Zusammenfassung des Jahres 340 v. Chr., vgl. Liv. 8, 12, 4: sicut truci ita claro ad memoriam imperio.

[47] Vgl. die vierte Anekdote bei Anm. 51.

[48] Vgl. Liv. 8, 35, 9: firmatumque imperium militare haud minus periculo Q. Fabi quam supplicio miserabili adulescentis Manli videbatur.

[49] Vgl. Burck (1957) 37–39.

[50] Der erste Konsul L. Iunius Brutus soll seine beiden Söhne hingerichtet haben (Liv. 2, 5, 8). Der Diktator A. Postumius Tubertus soll im Jahre 431 v. Chr. nach der Schlacht gegen die Volsker und Aequer seinen Sohn den Kopf abgehauen lassen haben, da dieser sich gegen den Befehl seines Vaters in einen Kampf eingelassen habe (Liv. 4, 29, 4f.), Da diese Episode der von Manlius Torquatus sehr ähnelt, schenkt Livius ihr keinen Glauben, da man von imperia Manliana und nicht Postumiana spreche. Vgl. Münzer (1930) 1187. Der dritte Vorfall ist der hier zu analysierende von T. Manlius Torquatus (Liv. 8, 6, 14–8, 8, 2). Bei der vierten Anekdote soll der Diktator L. Papirius Cursor mitten im Samnitenkrieg im Jahre 325 v. Chr. beabsichtigt haben, seinen Reiterführer Q. Fabius Maximus Rullianus der Rutenstrafe zu unterwerfen und köpfen zu lassen, weil er entgegen seinen Befehl eine Schlacht gefochten hatte. Dabei soll er noch einmal mit dem Leben davongekommen sein, da sein Vater als patronus die Formel der Appellation ans Volk aussprach (Liv. 8, 29, 8–8, 35). Die ersten beiden Fälle sind nach Alföldi literarische Fiktion, vgl. Alföldi (1985) 196f.

[51] Vgl. Liv. 6, 42, 5: bellatum cum Gallis eo anno circa Anienem flumen auctor est Claudius inclitamque in ponte pugnam, qua T. Manlius Gallum, cum quo provocatus manus conseruit, in conspectu duorum exercituum caesum torque spoliavit, tum pugnatam. Die Episode aus dem ersten Buch der Annalen des Claudius Quadrigarius ist uns heutzutage über Gellius überliefert, vgl. Gell. 9, 13: Verba ex historia Claudi Quadrigari, quibus Manli Torquati, nobilis adulescentis, et hostis Galli provocatoris pugnam depinxit. fr. 10b, p. 207 – 210, Peter2 = Gell. 9, 13, 7–19: zitiert aus: von Albrecht (19953 ) 110.

[52] Vgl. die Szene von der Abnahme der Rüstung als Beute: Liv. 8, 7, 12: spoliisque lectis (Sohn); 7, 10, 11: iacentis inde corpus ab omni alia vexatione intactum uno torque spoliavit (Vater). Ferner die Szene von der Rückkehr ins römische Lager: Liv. 8, 7, 12: spoliisque lectis ad suos revectus cum ovante gaudio turma in castra atque inde ad praetorium ad patrem tendit (Sohn); 7, 10, 13: Romani alacres ab statione obviam militi suo progressi, gratulantes laudantesque ad dictatorem perducunt (Vater). Ferner die Zurschaustellung der eigenen Herkunft: Liv. 8, 7, 13: „ut me omnes“, inquit, „pater, tuo sanguine ortum vere ferrent, provocatus equestria haec spolia capta ex hoste caeso porto.” (Sohn); 7, 10, 4: si tu permittis, volo ego illi beluae ostendereme ex ea familia ortum, quae Gallorum agmen ex rupe Tarpeia deiecit.“ (Vater).

[53] Vgl. Liv. 7, 10, 3–4: „iniusso tuo“, inquit, „imperator, extra ordinem nunquam pugnaverim, non sie certam victoriam videam: si tu permittis, volo ego illi beluae ostendereme ex ea familia ortum, quae Gallorum agmen ex rupe Tarpeia deiecit.”

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Titus Manlius Imperiosus Torquatus – exemplum severitatis
Untertitel
Die episodische Erzählung im Geschichtswerk des Livius und ihre Behandlung im Lektüreunterricht (Liv. 8, 7, 14–17a. 19b. 22b)
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Klassische Philologie)
Veranstaltung
Römische Geschichtsschreibung im Lehrbuch- und Lektüreunterricht
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
51
Katalognummer
V204848
ISBN (eBook)
9783656316343
ISBN (Buch)
9783656318873
Dateigröße
4107 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
römische Geschichtsschreibung, Livius, Manlius Torquatus, exemplum, Bilder im Lateinunterricht, Geschichtsbewusstsein, kulturelles Gedächtnis, Geschichtsbild, Rezeption
Arbeit zitieren
Joana Gasper (Autor), 2011, Titus Manlius Imperiosus Torquatus – exemplum severitatis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204848

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