Stefano Bartolinis Aufsatz „Electoral and Party Competition: Analytical Dimensions and Empirical Problems“ wurde in dem Buch „Political Parties – Old Concepts and New Challenges“ veröffentlicht, das 2002 erschien. Die Herausgeber des Buches, Richard Gunther, José Ramón und Juan J. Linz, wollen einen kritischen Überblick über die Vielzahl an Literatur geben, die inzwischen zum Thema politische Parteien publiziert wurde. Es werden sowohl die Konzepte der Parteien und des Parteienwettbewerbes, die Parteienorganisation und Parteien-Modelle als auch die Bürgereinstellung gegenüber Parteien neu untersucht. In seinem Beitrag analysiert Stefano Bartolini den Begriff „Wettbewerb”. Bereits in der Einleitung weist er darauf hin, dass der Ausdruck so vielfältig und in so unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht wird, dass seine genaue Bedeutung nicht klar abgegrenzt ist und somit sehr wage erscheint. Das fundamentale Problem sieht der Autor darin, dass für die politische, zu viel aus der ökonomischen Wettbewerbstheorie entlehnt wird: „For several reasons, this borrowing is excessive if not unwaranted.“1 Dabei neigen die Politikwissenschaftler dazu, Wettbewerb als eindimensionales Phänomen zu sehen, das – je nach politischen System – mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt sein kann. Die stärkst mögliche Ausprägung wird dabei mit perfektem Wettbewerb assoziiert. Bartolini widerspricht dieser Vorgehensweise vehement. Er argumentiert, dass die Bedingungen für Wettbewerb in der Politik sehr vielfältig sind. Im Laufe seines Textes arbeitet er vier Dimensionen heraus, die für das Entstehen des Wettbewerbes unabdingbar sind und belegt somit schließlich die Multidimensionalität des Phänomens. [...]
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Simmel, Schumpeter, Downs
contestability
availability
decidability
vulnerability
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Stefano Bartolinis Aufsatz „Electoral and Party Competition: Analytical Dimensions and Empirical Problems“ auseinander, um die Multidimensionalität des politischen Wettbewerbs zu beleuchten und dessen Abgrenzung zur ökonomischen Wettbewerbstheorie zu hinterfragen.
- Analyse theoretischer Grundlagen des Wettbewerbs bei Simmel, Schumpeter und Downs.
- Untersuchung der vier zentralen Dimensionen des Wählerwettbewerbs: contestability, availability, decidability und vulnerability.
- Kritische Bewertung der Übertragbarkeit ökonomischer Modelle auf politische Systeme.
- Diskussion über die Wechselwirkungen und Zielkonflikte innerhalb des politischen Wettbewerbs.
Auszug aus dem Buch
vulnerability
„Vulnerability“ ist die Möglichkeit, dass eine amtierende Regierung aufgrund eines Wechsels in den Wählerpräferenzen, verdrängt und ersetzt oder sonst wie in ihrer Struktur verändert wird. Daraus ergeben sich zwei psychologische Effekte: Zum einen haben die Parteien die Chance Amtsautorität zu bekommen oder zu verlieren und zum anderen merken die Wähler, dass ihrer Stimme Bedeutung hat, weil sie Einfluss auf das letztendliche Ergebnis der Regierungsbildung nimmt oder zur Regierungserneuerung führt. Naturgemäß kann, wenn eine Politik implementiert ist, nicht eine andere Politik zur gleichen Zeit implementiert sein, das heißt, die Produkte die angeboten werden, schließen sich gegenseitig aus. Es können nicht zwei Akteure gleichzeitig für das gleiche Thema Gesetze erlassen bzw. das gleiche Thema regulieren. „vulnerability“ kommt von und ist nur im Bezug auf die Exklusivität politischer Autorität von Bedeutung. Für diese Wettbewerbsbedingung gibt es keine Analogie im wirtschaftlichen Wettbewerb.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in Bartolinis Kritik an der Übertragung ökonomischer Wettbewerbstheorien auf die Politik und Vorstellung des Konzepts der Multidimensionalität.
Simmel, Schumpeter, Downs: Darstellung und Einordnung der klassischen Wettbewerbstheorien sowie die kritische Reflexion über die Rolle von Normen und Regeln im Wettbewerb.
contestability: Analyse der Zugänglichkeit und Offenheit des politischen Systems als notwendige Bedingung für lebendigen Wettbewerb.
availability: Untersuchung der Wählerflexibilität und der empirischen Herausforderungen bei der Bestimmung von Wählerpotenzialen.
decidability: Erörterung der Qualität des Parteienangebots und der Unterscheidbarkeit von Wahloptionen durch Wähler.
vulnerability: Betrachtung der Auswirkungen politischer Machtwechsel und der Exklusivität politischer Autorität auf den Wettbewerb.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Bartolinis Dimensionen und der Erkenntnis, dass politischer Wettbewerb nicht linear, sondern nur als komplexer Mix verschiedener Bedingungen verstanden werden kann.
Schlüsselwörter
Politischer Wettbewerb, Parteienwettbewerb, Stefano Bartolini, Electoral contestability, Electoral availability, Electoral decidability, Electoral vulnerability, Demokratie, Rational-Choice, Wählerpräferenzen, Politische Systeme, Parteienmodell, Wahlverhalten, Politische Autorität, Multidimensionalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine wissenschaftliche Rezension und Auseinandersetzung mit Stefano Bartolinis Aufsatz über die analytischen Dimensionen und empirischen Probleme des Parteienwettbewerbs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung des politischen Wettbewerbs, die Abgrenzung zur Ökonomie und die Analyse von vier spezifischen Wettbewerbsdimensionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Bartolinis Modell auf seine Logik und Anwendbarkeit zu prüfen, insbesondere die These der Multidimensionalität des politischen Wettbewerbs zu verifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der bestehende Ansätze kritisch diskutiert und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Vorläufertheorien (Simmel, Schumpeter, Downs) sowie die detaillierte Untersuchung der vier Dimensionen: contestability, availability, decidability und vulnerability.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Begriffe sind Politischer Wettbewerb, Multidimensionalität, Wählerpräferenzen und Parteienwettbewerb.
Inwiefern unterscheidet sich politischer von ökonomischem Wettbewerb laut Bartolini?
Bartolini kritisiert, dass ökonomische Modelle die Besonderheiten politischer Autorität, insbesondere die Exklusivität bei Regierungsentscheidungen (vulnerability), unzureichend berücksichtigen.
Warum ist die Dimension „vulnerability“ laut der Autorin besonders?
Die Autorin hebt hervor, dass „vulnerability“ eine spezifisch politische Dimension ist, für die es in der freien Wirtschaft keine direkte Analogie gibt, da politische Macht exklusiv besetzt ist.
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- Carolin Münzel (Autor), 2008, Electoral and Party Competition: Analytical Dimensions and Empirical Problems, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205069