Seit der Einführung des Web 2.0 ist in Deutschland ein regelrechter Online-Hype ausgebrochen. War der Nutzer vorher nur in der Lage interessante Themen nachzulesen, ein passiver Nutzer, so kann er sich nun als Prosumer1 aktiv am Onlinegeschehen beteiligen. Durch die neue Online-Generation kommen neue Herausforderungen auf Erziehungsberechtigte, Gesellschaft und die Soziale Arbeit zu. Die neuen Prozesse tangieren aber auch das interne Geschehen zwischen SozialarbeiterInnen und eröffnen neue Wege der Vernetzung, bergen allerdings ebenso Gefahren und erweitern den Handlungshorizont der Sozialen Arbeit.
Gegenstand dieser Arbeit ist die Bedeutung sozialer Netzwerke im Internet für die Soziale Arbeit. Vorteile, die durch Soziale Netzwerke entstehen aber auch Gefahren bzw. neue Anpassungsleistungen, die auf Seiten der Sozialen Arbeit erfolgen müssen, sollen näher beleuchtet, kritisch hinterfragt und abgewägt werden.
Zunächst soll der Terminus Social Media kurz skizziert und die neuen Interaktionsmöglichkeiten im Netz beschrieben werden. In einem weiteren Schritt wird ein knapper Überblick über soziale Netzwerke gegeben, wobei das zentrale Netzwerk, auf das sich diese Arbeit stützt, Facebook sein wird. Im Hauptteil werden die relevanten Bedeutungen sozialer Netzwerke für die Soziale Arbeit näher erläutert und diskutiert. Da diese Arbeit auf wenige Seiten begrenzt ist und der Umfang der relevanten Faktoren diese Arbeit sprengen würde, habe ich mich auf die wichtigsten konzentriert. Ferner sei hier anzumerken, dass eine reine Aufzählung der Vor- und Nachteile von sozialen Netzwerken bei diesem Thema kaum möglich ist, da Vorteile ebenso Gefahren bergen und Nachteile wiederum positiv genutzt werden können. Von hoher Relevanz sind die ethischen Implikationen als auch die Sozialisation, die sich durch den Einsatz von Social Media in den letzten Jahren verändert haben – hier soll ebenfalls ein Einblick in die Änderungen gewährt werden. Die Vernetzung der Sozialen Arbeit als auch die Viralität im Netz sind Aspekte, die genauer betrachtet werden. Den Abschluss dieser Arbeit bildet die Synthese, die anhand der gesammelten Argumente erstellt wird und folgende Frage zu beantworten versucht: Welche Auswirkungen haben soziale Netzwerke im Internet auf die Soziale Arbeit?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Social Media – Interaktion im Netz leicht gemacht
3. Eine Auswahl sozialer Netzwerke im Internet
4. Relevanz der Sozialen Arbeit in Bezug auf soziale Netzwerke
4.1 Ethische Implikationen
4.2 Facebook'sche Sozialisation
4.3 Vernetzung der Sozialen Arbeit
4.4 I'll meet you online
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von sozialen Netzwerken im Internet für das Feld der Sozialen Arbeit und analysiert kritisch die damit verbundenen Vorteile, Gefahren sowie die notwendigen Anpassungsleistungen der Profession. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie soziale Medien sowohl die Kommunikation zwischen Sozialarbeitern und Adressaten verändern als auch neue Möglichkeiten für Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit bieten.
- Grundlagen des Web 2.0 und Phänomen der "Social Media"
- Ethische Herausforderungen im Kontext von Nähe, Distanz und Privatsphäre
- Veränderung von Sozialisationsprozessen durch digitale Interaktion
- Strategien zur Vernetzung und Zielgruppenansprache in der Sozialen Arbeit
- Anforderungen an ein professionelles Online-Konzept für soziale Einrichtungen
Auszug aus dem Buch
4.1 Ethische Implikationen
Zieht man soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter heran und erforscht diese näher, wird deutlich, welche ethischen Implikationen dabei für einen Sozialarbeiter entstehen.
Da Sozialarbeiter sehr oft als Vorbild fungieren und dadurch eine Öffentlichkeitsrolle einnehmen, ist es von hoher Relevanz, wie sie sich auf ihren Profilen darstellen. Wirft das erstellte Profil ein schlechtes Licht auf das Image des Sozialarbeiters, könnte dies seine/ihre Arbeit beeinträchtigen (vgl. Young 2009). Des Weiteren ist es wichtig, dass Sozialarbeiter die Privatsphäre und Vertraulichkeit ihrer AdressatInnen respektieren und schützen (vgl. ebd. 2009). Damit ist gemeint, keine Informationen über AdressatInnen aus den Profilen zu entnehmen, auch wenn der Verdacht besteht, dass bestimmte Informationen beim Erstgespräch vorenthalten wurden.
Der promovierte Sozialarbeiter Frederic G. Reamer postulierte, dass die zwei wichtigsten ethischen Konzepte in der Profession der Sozialen Arbeit Grenzen und Privatsphäre seien (vgl. Reamer 2009). In einer Welt, die von sozialen Netzwerken mehr oder minder regiert wird, kann dies zu einem Problem werden. Wie verhält sich der Sozialarbeiter professionell, wenn er eine Freundschaftsanfrage von AdressatInnen auf Facebook erhält? Annehmen oder ablehnen? Ferner stellt sich die Frage, inwiefern es klug ist, mit AdressatInnen eine Facebook-Freundschaft einzugehen. Besonders durch einen zu engen Facebook-Kontakt kann der notwendige Abstand zu AdressatInnen nicht immer eingehalten werden. Nähe- und Distanzprobleme können hieraus resultieren (vgl. Preßmar 2012). Die allgegenwärtige Frage, in der Praxis der Sozialen Arbeit im Umgang mit AdressatInnen und KollegInnen, ist die nach Nähe und Distanz (vgl. Thiersch 2006, 29). Die einen plädieren für einen intensiven Beziehungsaufbau, insistieren also auf Nähe, was durch das Sich-Einlassen auf die AdressatInnen gekennzeichnet ist. Die Anderen sehen in der Distanz das eigentliche Charakteristikum sozialpädagogischem Handelns (vgl. ebd., 29, 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Web 2.0-Zeitalter ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf die Soziale Arbeit.
2. Social Media – Interaktion im Netz leicht gemacht: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Web 2.0 und die damit verbundene Verschiebung von der passiven Nutzung hin zur aktiven Gestaltung durch den sogenannten Prosumer.
3. Eine Auswahl sozialer Netzwerke im Internet: Es wird ein Überblick über die Verbreitung sozialer Netzwerke in Deutschland gegeben, wobei Facebook als zentrales Beispiel für die Analyse herangezogen wird.
4. Relevanz der Sozialen Arbeit in Bezug auf soziale Netzwerke: Das Hauptkapitel untersucht die Chancen und Risiken digitaler Netzwerke für die professionelle Soziale Arbeit, von ethischen Fragen bis hin zur praktischen Vernetzung.
4.1 Ethische Implikationen: Dieser Unterpunkt diskutiert das Spannungsfeld zwischen professioneller Distanz, Privatsphäre und den neuen Herausforderungen bei Kontakten zu Adressaten in sozialen Medien.
4.2 Facebook'sche Sozialisation: Hier wird analysiert, wie das Internet als neuer Raum für Sozialisationsprozesse und Identitätsbildung junger Menschen fungiert.
4.3 Vernetzung der Sozialen Arbeit: Dieser Abschnitt beleuchtet Möglichkeiten der fachlichen Vernetzung, vorgestellt anhand von Beispielen wie "Netz-Sozial" oder LinkedIn.
4.4 I'll meet you online: Dieser Teil befasst sich mit der Notwendigkeit, Adressaten in ihrem digitalen Lebensraum abzuholen und beleuchtet die Bedeutung von Viralität in der Online-Öffentlichkeitsarbeit.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass soziale Medien verantwortungsbewusst in den Arbeitsalltag integriert werden müssen.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Web 2.0, Social Media, Facebook, Netz-Sozial, Sozialisation, Ethische Implikationen, Nähe und Distanz, Identitätsbildung, Online-Kommunikation, Vernetzung, Viralität, Digitalisierung, Jugendarbeit, Medienpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, welchen Einfluss soziale Netzwerke im Internet auf die Arbeitspraxis und Professionalität in der Sozialen Arbeit haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die ethischen Herausforderungen, die veränderte Sozialisation im digitalen Raum, Möglichkeiten zur fachlichen Vernetzung sowie Strategien für die Öffentlichkeitsarbeit von sozialen Einrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Auswirkungen der sozialen Netzwerke auf die Soziale Arbeit kritisch zu hinterfragen und Wege für einen verantwortungsbewussten professionellen Umgang aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie einem Leitfadeninterview mit einem Experten aus der Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung ethischer Implikationen, die Rolle von Facebook bei der Sozialisation, Ansätze zur digitalen Vernetzung und die virale Reichweite von Angeboten in der Jugendarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziale Arbeit, Web 2.0, ethische Implikationen, Nähe und Distanz, Sozialisation und digitale Vernetzung.
Warum ist das Thema "Nähe und Distanz" in sozialen Netzwerken so schwierig?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die private Selbstdarstellung in sozialen Medien die professionelle Abgrenzung erschweren kann, insbesondere wenn Adressaten und Fachkräfte digital vernetzt sind.
Welche Empfehlung gibt die Autorin für die Online-Präsenz von sozialen Einrichtungen?
Es wird empfohlen, nicht nur "präsent" zu sein, sondern ein klares Konzept mit definierten Zuständigkeiten zu entwickeln, um dynamische und relevante Inhalte bereitzustellen, statt nur statische Informationen zu teilen.
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- Nina Chin (Author), 2012, Bedeutung sozialer Netzwerke im Internet für die Soziale Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205100