„Nicht das preußische Heer hat sieben Jahre lang Preußen gegen die drei größten Mächte Europas verteidigt, sondern Friedrich der Große“ , äußerte Napoleon als Ursache für den von den Zeitgenossen nicht erwarteten Erfolg der preußischen Waffen im Siebenjährigen Krieg. Viele Arbeiten sind erschienen, die diesen Konflikt, seinen Ausgang und die Ursachen für selbigen untersuchten.
Lange Zeit herrschte in der Literatur bei der Betrachtung des Siebenjährigen Krieges eine starke Fokussierung auf die preußische Seite vor. Diese Arbeit soll dazu dienen, einen kleinen Perspektivenwechsel weg von der auf Preußen zentrierten Sichtweise durchzuführen. Ich werde versuchen, das russisch – österreichische Bündnis, als elementarstes Teilbündnis des gegen Friedrich II. gerichteten Verbundes von Staaten , in dieser Arbeit näher zu beleuchten. Ein weiterer Bestandteil wird die Frage nach den Ursachen für diesen Krieg bilden. Wie die Geschichte gezeigt hat, gelang es dieser überwältigenden Macht an Ressourcen und Menschen nicht, das in ihren Relationen betrachtet, unbedeutende Preußen zu besiegen. Worin lagen die Gründe dafür? Welche Ursachen liegen diesem von den Zeitgenossen nicht für möglich gehaltenen Sieg zu Grunde ? Läßt sich alles auf die o.g. Aussage Napoleons zurückführen? War es einzig und allein das Genie Friedrichs II. und /oder die Unfähigkeit der Koalition ? Oder existierten noch weitere Ursachen, die struktureller und damit grundlegenderer Natur waren ? Bei der Betrachtung werde ich die militärischen Aktionen, die überall nachlesbar sind, außen vor lassen und mich auf die strukturellen Gründe für das Scheitern konzentrieren.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Vorbetrachtungen zu dieser Allianz
1. Österreichische Vorstellungen
2. Russische Vorstellungen
III. Die Entstehung des Bündnisses
IV. Erhoffte Wirkung des Bündnisses
V. Probleme des Bündnisses und Ursachen für sein Scheitern
1. Allgemeine Bündnisprobleme und ihre Wirkung auf dieses Bündnis
2. Spezifische Probleme dieses Bündnisses
3. Spezifisch österreichische Probleme
4. Spezifisch russische Probleme
VI. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Ursachen für das Scheitern des russisch-österreichischen Bündnisses während des Siebenjährigen Krieges. Ziel ist es, einen Perspektivenwechsel einzunehmen und aufzuzeigen, warum eine militärisch überlegene Koalition trotz strategischer Vorteile nicht in der Lage war, Preußen dauerhaft zu besiegen, wobei militärische Einzelaktionen zugunsten struktureller Analysen vernachlässigt werden.
- Analyse der Intentionen und Ziele der Allianzpartner Österreich und Russland.
- Untersuchung der diplomatischen Entstehungsprozesse des Bündnisses.
- Bewertung struktureller Probleme, wie Koordinationsmängel und gegenseitiges Misstrauen.
- Herausarbeitung der spezifisch österreichischen und russischen strategischen Defizite im Vergleich zur preußischen „inneren Linie“.
Auszug aus dem Buch
3. Spezifisch Österreichische Probleme
Für die österreichische Seite waren in diesem Krieg weitere Mängel signifikant. Es gilt das nur mäßig organisierte Verwaltungswesen festzuhalten. Zwar herrschte im Gegensatz zur russischen Seite ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen der Herrscherin Maria Theresia und ihrem Oberbefehlshaber Feldmarschall Daun, doch wurde die rasche Umsetzung von Entscheidungen durch konkurrierende Behörden, die nur schlecht miteinander vernetzt waren, erheblich erschwert. Häufig kam es auch zu Streitigkeiten zwischen den jeweiligen Truppenkommandeuren und den Beamten in der Hofkanzlei. Dies führte oft zu organisatorischen Problemen bei der Vorbereitung von Feldzügen. Daraus lernend, begann der Wiener Hof noch während des Krieges mit einer Reform des Systems, doch kam die Reform nicht über einen Anfangsstatus hinaus.
Kriegführung negativ beeinflußte, war den geographischen Gegebenheiten und der Strategie des Ancien Regime geschuldet. Das Kriegsziel Österreichs war mit der Rückeroberung Schlesiens eindeutig offensiver Natur. Das Problem daran war der Gestalt, daß der Wiener Hof dies durch eine Defensivtaktik zu erreichen suchte. Ein Gedenk der geographischen Lage war die österreichische Armee so strukturiert, daß sie auf eine Verteidigung der Kernlande eingestellt war. Sie besaß eine stark ausgebaute Artilleriekomponente, die in Verbindung mit den Gebirgspässen, die die Stammlande schützten, eine besondere Bedeutung gewann.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die literarische Fokussierung auf Preußen und führt das Ziel der Arbeit ein, die strukturellen Gründe für das Scheitern des russisch-österreichischen Bündnisses zu untersuchen.
II. Vorbetrachtungen zu dieser Allianz: Dieses Kapitel analysiert die machtpolitischen Interessen und die unterschiedlichen Vorstellungen Österreichs und Russlands im Vorfeld des Konflikts.
III. Die Entstehung des Bündnisses: Hier werden die diplomatischen Bemühungen und vertraglichen Grundlagen der russisch-österreichischen Allianz seit 1746 dargelegt.
IV. Erhoffte Wirkung des Bündnisses: Das Kapitel beschreibt die beabsichtigte Strategie der Koalition, Preußen durch Umschließung und strukturelle Überlastung in die Knie zu zwingen.
V. Probleme des Bündnisses und Ursachen für sein Scheitern: Dieser Hauptteil identifiziert allgemeine Bündnisschwierigkeiten sowie spezifische organisatorische, geographische und militärstrategische Mängel auf österreichischer und russischer Seite.
VI. Zusammenfassung: Abschließend werden die vier Kernkomplexe – Bündnisprobleme, militärische Zwänge des Ancien Regime, geographische Faktoren und die Stärke des preußischen Staates – synthetisiert.
Schlüsselwörter
Siebenjähriger Krieg, Preußen, Österreich, Russland, Allianz, Bündnispolitik, Maria Theresia, Friedrich II., Ancien Regime, Strukturkrise, Magazinwesen, Kabinettspolitik, Strategie, Kriegsführung, innere Linie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Koalitionskriegführung zwischen Russland und Österreich im Siebenjährigen Krieg mit einem Fokus auf die Gründe für das Scheitern dieser Allianz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die diplomatischen Entstehungsbedingungen des Bündnisses, die strukturellen Probleme der Bündnispartner und die unterschiedlichen militärstrategischen Konzepte der Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist ein Perspektivenwechsel, der weg von der einseitigen preußischen Sichtweise hin zu einer Analyse der strukturellen und logistischen Herausforderungen der gegnerischen Koalition führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, um strukturelle Gründe für das Bündnisscheitern anstelle militärischer Ereignisse zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den allgemeinen Bündnisproblemen (Misstrauen, divergierende Ziele) insbesondere die spezifischen Schwächen Österreichs (Verwaltung, Geographie) und Russlands (Logistik, Magazinwesen) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Allianz, Bündnisprobleme, Siebenjähriger Krieg, innere Linie, Magazinwesen und Kriegsführung des Ancien Regime definiert.
Welche Rolle spielte das "Magazinwesen" für den Misserfolg der Verbündeten?
Das starre Magazinsystem schränkte den Aktionsradius der Armeen massiv ein; insbesondere für Russland war die Versorgung über weite, infrastrukturell schwache Entfernungen ein kritischer Faktor, der die Beweglichkeit behinderte.
Warum war der preußische Staat den Alliierten trotz Unterlegenheit strukturell überlegen?
Preußen konnte seine Ressourcen durch eine effiziente staatliche Organisation und die Führung des Heeres durch den Souverän ("innere Linie") effektiver einsetzen, was eine größere Flexibilität gegenüber den bürokratisch gehemmten Alliierten ermöglichte.
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- Patrick Schweitzer (Author), 2001, Koaltitionskriegsführung: Das Bündnis Russland und Österreich im Siebenjährigen Krieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2052