Die Auswirkungen des Marshallplans auf den westlichen Teil Deutschlands


Seminararbeit, 2002

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Warum optierte der westliche Teil Deutschlands für den Westen?

2. Die Marshallplanhilfe

3. Die ökonomischen und politischen Auswirkungen des Marshallplans in Deutschland
3.3.1 Fakten zur wirtschaftlichen Bedeutung des Marshallplans für den west- lichen Teil Deutschlands
3.3.2 Die wirtschaftliche Bedeutung des Marshallplans für Westdeutschland – 3 Aspekte
3.2 Die politische Bedeutung des Marshallplans für Westdeutschland

4. Fazit

Verwendete Literatur

1. Warum optierte der westliche Teil Deutschlands für den Westen?

Die „Option für den Westen“[1] war zunächst nichts anderes als eine Entscheidung gegen den Osten – große Teile der Bevölkerung sahen aufgrund des Verhaltens der russischen Soldaten gegen Ende des Krieges (Plünderungen, Vergewaltigungen) ihre antikommunistischen Vorurteile bestätigt – die Amerikaner galten allgemein als der freundlichere Feind[2].

In seiner ersten Regierungserklärung am 20. September 1949 betonte Konrad Adenauer das Primat der Westbindung der jungen Bundesrepublik; er sagte, es bestehe „kein Zweifel, daß wir nach unserer Gesinnung zur westeuropäischen Welt gehören“[3]. Weiterhin dankte Adenauer in seiner Antrittsrede den USA, wörtlich sagte er:

„Ich glaube nicht, daß jemals in der Geschichte ein siegreiches Land es versucht hat, dem besiegten Land in der Weise zu helfen und zu seinem Wiederaufbau und seiner Erholung beizutragen, wie das die Vereinigten Staaten getan haben und tun.“[4]

Diese angesprochene Hilfe der USA, der Marshallplan ist Thema dieser Hausarbeit, in der – neben einer allgemeinen Beschreibung dieses Wiederaufbauprogramms – konkret auf die wirtschaftlichen und politischen Folgen des Marshallplans für die junge Bundesrepublik eingegangen wird.

2. Die Marshallplanhilfe

Die Anfänge der Eingliederung Westdeutschlands in die westliche Welt liegen im Jahr 1947: am 5. Juni hielt der Außenminister der USA, George C. Marshall, eine Rede, in der er die Bereitschaft der Regierung der Vereinigten Staaten erkennen ließ, Europa mit einem wirtschaftlichen Hilfsprogramm zu unterstützen. Sowohl an diesem, später als Marshallplan bezeichneten Wirtschafts- programm, als auch an der OEEC (Organisation for European Economic Cooperation), der Organisation, die zur Durchführung dieses Programms gegründet wurde, sollte Westdeutschland teilnehmen.

Wörtlich sagte Marshall[5]:

‚Unsere Politik ist nicht gegen ein Land oder eine Doktrin gerichtet, sondern gegen Armut, Verzweiflung und Chaos […].

Eine solche Hilfe, davon bin ich überzeugt, darf nicht als Stückwerk aufgebaut sein, das zu den verschiedensten Krisen führen würde. Jede Hilfe, die unsere Regierung in Zukunft gewähren wird, soll mehr ein Heilmittel als ein bloßes Palliativ sein. Jede Regierung, die an der Wiedergesundung mithelfen will, wird, dessen bin ich mir sicher, volle Unterstützung der Vereinigten Staaten finden. Jede Regierung aber, die versucht, die Wiedergesundung anderer Länder zu blockieren, kann keine Hilfe von uns erwarten […].

Die Initiative, glaube ich, müßte von Europa kommen. Unsere Rolle sollte in einer freundschaftlichen Hilfe beim Entwurf eines europäischen Programms bestehen, soweit dies für uns möglich ist. Das Programm soll mit einer Anzahl, wenn nicht mit allen europäischen Nationen aufgestellt werden […].’

Die politische Grundlage des Marshallplanes bildete die Truman-Doktrin: im März 1947 verkündete der Präsident der Vereinigten Staaten, Harry S. Truman, in einer Kongressbotschaft außen- politische Leitsätze, die ganz eindeutig gegen die Sowjetunion gerichtet waren. Truman gab zu erkennen, dass man die politische Welt von amerikanischer Seite her künftig in zwei Lager aufteilen werde – in eine freie Welt und eine totalitäre Welt. Um zu verhindern, dass sich die „freien Völker“ dem totalitären Lager zuwandten, sei es die Aufgabe der USA, die „freien Völker“ mit wirtschaftlichen und finanziellen Mitteln zu unterstützen[6].

Das zu diesem Zweck ratifizierte und später nur noch Marshallplan genannte Gesetz, der Economic Cooperation Act, trat am 3. April 1947 in Kraft. Im einzelnen sah das Gesetz vor, die Infrastruktur zu verbessern und eine Produktivitätssteigerung, die wenigstens das Vorkriegsniveau erreichen oder – wenn irgend möglich – übertreffen sollte, zu erzielen. Dazu gewährten die Vereinigten Staaten Hilfe in Form von verlorenen Zuschüssen (grants) und rückzahlbaren Krediten; 14 Mrd. US-Dollar, allerdings auf fünf jährliche Raten (1948-1952) verteilt, wurden insgesamt bewilligt. Von diesem Geld sollten vornehmlich in den USA produzierte Güter erworben werden (Warenkredite).

Weiterhin war das Gesetz auf eine Politik finanzieller Stabilität ausgerichtet: Neben der Förderung des privaten Unternehmer- tums, dem Entgegenwirken von Kartellabsprachen und monopol- artigen Zusammenschlüssen war das Erreichen stabiler Währungen und angemessener Wechselkurse Aufgabe des Gesetzes.

Als allgemeines Ziel der Marshallplanhilfe galt die Verhinderung einer zweiten (nach 1929) Weltwirtschaftskrise, die wohl nicht nur für Europa, sondern auch für die Vereinigten Staaten nahezu un- kalkulierbare Folgen gehabt hätte – die USA benötigten einen starken Wirtschaftspartner Europa als „Konjunkturlokomotive“.

Die OEEC, die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit, ein Zusammenschluss von Delegierten aus Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Schweden, der Schweiz, Irland und der Türkei, der sich am 16. Juli 1947 (zunächst als CEEC – Committee of European Economic Cooperation) konstituiert hatte, war mit folgenden Aufgaben betraut:

1. Vorbereitung und Durchführung des Marshallplanes in Europa.
2. Beseitigung von Handelsschranken, Herabsetzung von Zöllen, Abschaffung von Quoten- und Kontingentregelungen.
3. Steuerung eines multilateralen Zahlungssystems, Schaffung der Möglichkeit des freien Austauschs der Währungen (Konvertibilität), die Stabilisierung der nationalen Währungen und somit „gesunder“ Wechselkurse.

Dazu verfügte die OEEC über einen Rat, in dem alle Entscheidungen in gegenseitiger Übereinstimmung getroffen werden mussten, wobei jedes Land das gleiche Stimmrecht hatte und über ein Vetorecht verfügte.

[...]


[1] Herbst, Ludolf: Option für den Westen. Vom Marshallplan zum deutsch-französischen Vertrag. S. 7.

[2] Vgl. Faulenbach, Bernd: Überwindung des „deutschen Sonderweges“. Zur politischen Kultur der Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg. S.13.

[3] Verhandlungen des Deutschen Bundestages. I. Wahlperiode 1949. Stenographische Berichte (Band 1). S. 29.

[4] Verhandlungen des Deutschen Bundestages. I. Wahlperiode 1949. Stenographische Berichte (Band 1). S.30 f.

[5] „Kernsätze“: Marshall an die Adresse Europas. Auszug aus einer Rede vom 5. Juni 1947 vor Studenten an der Harvard Universität. Entnommen aus: Der Spiegel Nr. 27 (1947). S.3.

[6] Vgl. Herbst, Ludolf: Option für den Westen. Vom Marshallplan zum deutsch-französischen Vertrag. S.35.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen des Marshallplans auf den westlichen Teil Deutschlands
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in das sozialwissenschaftliche Studium II
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V20520
ISBN (eBook)
9783638243742
ISBN (Buch)
9783656069089
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auswirkungen, Marshallplans, Teil, Deutschlands, Einführung, Studium
Arbeit zitieren
Torben Wengenroth (Autor), 2002, Die Auswirkungen des Marshallplans auf den westlichen Teil Deutschlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20520

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