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Reaktionen auf die Pest: Die Neuzeit entsteht

Título: Reaktionen auf die Pest: Die Neuzeit entsteht

Proyecto/Trabajo fin de carrera , 2012 , 62 Páginas , Calificación: 2.1

Autor:in: Nina Schmeichler (Autor)

Historia de Europa - Edad Media, Edad Moderna
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Die europäische Bevölkerung ist im Mittelalter gleich zweifach von der Pest heimgesucht worden. Zunächst in der Mitte des 6. Jahrhunderts, als Pest des Justinian bezeichnet, und ein weiteres Mal im späten Mittelalter, dem 14. Jahrhundert. Beide Male kam die Seuche aus dem Osten und hatte ähnlich verheerende Folgen. Wobei der erste große Seuchenzug, welcher vermutlich zum Zusammenbruch des Römischen Reiches beitrug, gewissermaßen den Beginn und der Folgende das Ende des Mittelalters markierte. Die Pest des Justinian hatte, vor allem im Fachschrifttum, nur wenig literarische Spuren hinterlassen, wodurch sie ein halbes Jahrhundert später nur noch schwach im kollektiven Gedächtnis präsent war und die Menschen sich 1348 scheinbar einem neuartigen Krankheitsgeschehen gegenüber glaubten.
Folgewirkungen der Pest - Gemeint sind dabei die sowohl gesellschaftlichen und kulturellen als auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pest im Mittelalter. Dabei soll es ebenso um die direkten Folgeerscheinungen für die Zeitgenossen, wie Geißlerzüge und Judenpogrome, als auch um die weitreichenderen und längerfristigen Folgewirkungen des nächsten Jahrhunderts gehen.
František Graus fasst die Problematik in dem Haupttitel seiner Monografie sehr prägnant zusammen: „Pest-Geissler-Judenmorde“. Die Abfolge der Geschehnisse wird durch diese Skizzierung der Thematik bereits deutlich: Die Pest kam und die Menschen hatten zu reagieren. Zum einen taten sie dies mit Geißlerzügen und Flagellantentum, zum anderen mit Judenpogromen, die in einigen Städten die gesamte jüdische Bevölkerung auslöschten. Das 14. und 15. Jahrhundert, also das Spätmittelalter, ist, wie Graus in seiner Einleitung klar herausarbeitet, nicht die krisengebeutelte Epoche, als welche sie sich in der Fachliteratur oft wiederfindet. Vielmehr sei dies ein Zeitabschnitt gewesen, in dem eine außerordentliche Katastrophendichte herrschte, wodurch das Bewusstsein von Widersprüchen und die Notwendigkeit von Änderungen deutlich wurden. Mit Katastrophendichte sind hier Zeitabschnitte gemeint, in denen sich Naturerscheinungen, Epidemien, Kriege und Erschütterungen der Gesellschaft häuften. Da zwar die Auflösung der herrschenden Gesellschaftsform, was für Graus eines der Hauptindikatoren ist, eine Epoche als krisengebeutelte zu deklarieren, ausblieb, so bahnte sich doch eine Entwicklung an, welche die Geschicke zahlreicher europäischer Völker und Staaten entscheidend beeinflusste, gar prägte.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Das Krankheitsbild der Pest und deren Verbreitung

1.1. Die Pest als Krankheit

1.2. Der mittelalterliche Kenntnisstand über die Pest

2. Die Folgewirkungen der Pest

2.1. Ein Mangel an Arbeitskräften

2.2. Das Geißlertum

2.3. Die Judenpogrome

2.4. Warten auf das jüngste Gericht/ Moralverfall

2.5. Quarantäne, Pesthäuser und Flucht– Bewältigung der Pest

2.6. Totentänze – künstlerische Verarbeitung der Pest

3. Langfristige Folgen der Pest – die Neuzeit entsteht

3.1. Elitenwandel

3.2. Folgen der Mortalität für Berufsgruppen

3.2.1. Folgen der erhöhten Mortalität für den Klerus

3.3. Spitäler und Universitäten

3.4. Langfristige Folgen für die Bevölkerung auf dem Land und in der Stadt

3.5. Europas Weltanschauung wankt

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgewirkungen der Pestepidemien im Spätmittelalter, wobei die Pest primär als Katalysator für soziale und technische Veränderungsprozesse betrachtet wird, die den Übergang zur Neuzeit maßgeblich beeinflusst haben.

  • Analyse der direkten sozialen Auswirkungen (Geißlerzüge, Judenpogrome).
  • Untersuchung der wirtschaftlichen Folgen (Arbeitskräftemangel, Preisverschiebungen).
  • Bewertung des Einflusses der Pest auf religiöse Institutionen und die Kirche.
  • Betrachtung von Veränderungen in der Todeswahrnehmung und Kunst (Totentanz).
  • Diskussion der Rolle der Pest als Katalysator für technische Innovationen.

Auszug aus dem Buch

2.3. Die Judenpogrome

Neben den Geißlerzügen als Begleitphänomen der Pest, bzw. als Parallelepidemien, gab es noch ein weiteres Phänomen: Die Judenverfolgung. Jene Verfolgungen standen zwar nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit den Geißlerzügen, doch gingen diese den Judenpogromen meist voraus. Beide stellten Symptome einer aufkeimenden Kollektivangst dar, die sich in irrationalem Verhalten zu entladen versuchte.

Vermutlich von Südfrankreich aus kam das Gerücht auf, die Juden hätten die Brunnen vergiftet, um dem Christentum zu schaden, es gar auszulöschen. Jenes Gerücht verbreitete sich, da die Information direkt in den Schriftverkehr zwischen den Behörden Einzug hielt, schneller als die Pest selbst in die benachbarten Länder und löste regelrechte Judenschlächtereien aus. Friedell spricht gar von einem ebenfalls pathologischen und epidemischen Charakter dieser Judenverfolgung, welcher aber nicht direkt nur mit der Pest zu tun hätte, da solcherlei Erscheinungen zu allen Zeiten möglich wären und waren. Bei der Judenverfolgung bekundeten die Juden einen blinden Heroismus, welcher bei der Geschichte der Judenpogrome wiederholt sichtbar wurde. So stürzten sich Frauen, deren Gatten auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, mit ihren Kindern zusammen gleichfalls in die Flammen. Einige jüdische Gemeinden zündeten sich ganz und gar selbst an, um den Pogromen zu entgehen. Einerseits um zu verhindern, dass sie in die Hände der aufgebrachten Menge fallen, andererseits um dabei die Ausbeute für die Peiniger zu verringern. Aus Furcht, die ganze Stadt könnte in Flammen aufgehen, ließen die Stadthäupter Straßburgs die Juden zusammen treiben, damit diese dann in einem eigens dafür hergerichteten Holzhaus verbrannt werden konnten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das Krankheitsbild der Pest und deren Verbreitung: Dieses Kapitel definiert das medizinische Verständnis der Pest im Mittelalter und beleuchtet die Ausbreitungswege sowie den damaligen Kenntnisstand der Gelehrten.

2. Die Folgewirkungen der Pest: Hier werden die unmittelbaren gesellschaftlichen und ökonomischen Reaktionen auf die Pandemie analysiert, darunter der Arbeitskräftemangel, das Geißlertum, die Judenpogrome und der Moralverfall.

3. Langfristige Folgen der Pest – die Neuzeit entsteht: Das letzte Kapitel untersucht die nachhaltigen Wandlungsprozesse in der Gesellschaft, den Elitenwandel, die Veränderungen in der Klerusstruktur sowie technische und institutionelle Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Pest, Spätmittelalter, Schwarzer Tod, Judenpogrome, Geißlerzüge, Mortalität, Sozialer Wandel, Agrarkrise, Wirtschaftsgeschichte, Kirche, Mentalitätskrise, Totentanz, Katalysatorfunktion, Neuzeit, Krisenphänomene.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Auswirkungen der großen Pestepidemien des 14. und 15. Jahrhunderts auf die europäische Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen insbesondere die direkten sozialen Begleiterscheinungen wie Geißlerzüge und Judenpogrome sowie die längerfristigen ökonomischen Strukturveränderungen.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Pest als Katalysator für gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungsprozesse zu analysieren, die den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit begünstigten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen und einschlägiger wissenschaftlicher Fachliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Krankheit selbst, die unmittelbaren sozialen Folgen (Angst, Verfolgung) und die langfristigen Folgen für Eliten, Berufsgruppen und die europäische Weltanschauung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Pest, Spätmittelalter, Judenpogrome, Katalysatorfunktion und Krisenphänomene.

Welche Rolle spielten die Judenpogrome im Kontext der Pest?

Die Arbeit zeigt, dass die Pogrome eher durch soziale Spannungen und die Angst vor der Pest ausgelöst wurden, wobei die Seuche oft als Vorwand für wirtschaftlich motivierte Enteignungen diente.

Wie veränderte sich die Rolle der Kirche durch die Pest?

Die Kirche verlor während der Pest an Glaubwürdigkeit und Autorität, da sie den Krisen nicht angemessen entgegenwirken konnte, was den Ruf nach Reformen stärkte.

Final del extracto de 62 páginas  - subir

Detalles

Título
Reaktionen auf die Pest: Die Neuzeit entsteht
Universidad
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Historisches Institut)
Calificación
2.1
Autor
Nina Schmeichler (Autor)
Año de publicación
2012
Páginas
62
No. de catálogo
V205217
ISBN (Ebook)
9783656327196
ISBN (Libro)
9783656328247
Idioma
Alemán
Etiqueta
Pest; Der Schwarze Tod; Folgen der Pest; Europa im Mittelalter; Die Verwandlung Europas;
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Nina Schmeichler (Autor), 2012, Reaktionen auf die Pest: Die Neuzeit entsteht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205217
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