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Gedoppelte Agenten

Soziale Arbeit zwischen Trägerstrukturen und Adressatenerwartungen am Beispiel des Erziehungsbeistands nach § 30 SGB VIII

Title: Gedoppelte Agenten

Term Paper , 2012 , 61 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Oliver Hülsermann (Author)

Nursing Science - Nursing Management
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Gedoppelte Agenten sind Auftragnehmer, die sich hinsichtlich einer Aufgabe in Vertragsbeziehungen mit zwei Auftraggebern befinden. In der Sozialen Arbeit gibt es zahlreiche solcher Auftragsverhältnisse. Entsprechend groß ist die Anzahl der gedoppelten Agenten in diesem Bereich, sprich: der Professionellen, die bei einem Träger der Sozialen Arbeit angestellt sind und Adressaten bzw. Klienten betreuen. Dem folgend hat der Professionelle zwei Aufträge für ein und dieselbe Sache. Im Falle des Erziehungsbeistands nach § 30 SGB VIII betreut er Kinder oder Jugendliche. Zudem ist er bei einem Träger beschäftigt, verfügt über einen mehr oder minder präzisen expliziten Arbeitsvertrag mit diesem und hat somit den Auftrag, in dessen Sinne zu handeln. Neben dem Träger der Sozialen Arbeit ist der Adressaten des Erziehungsbeistands – also quasi den Hilfeempfänger, der eigentlich den Kern des expliziten Vertrages zwischen dem Professionellen und dem Träger bildet. Zwischen dem Adressaten und dem Professionellen besteht ein impliziter Vertrag. Auf diesen Vertrag fußt die adressatenspezifische Aufgabe des Professionellen im Erziehungsbeistand.
Der Professionelle als Agent wird von zwei Auftraggebern gedoppelt, die unterschiedlicher nicht sein können: Der Träger der Sozialen Arbeit beurteilt die Handlungen des Professionellen unter organisationalen und ökonomischen Kriterien. Für den Adressaten hingegen ist die Interaktion mit dem Professionellen zentrales Beurteilungskriterium. Das passt nur schwer zusammen. Mehr noch: Die Ökonomisierung hält vermehrt Einzug in die Soziale Arbeit. Dies hat Auswirkungen auf die Professionellen, die einerseits immer enger in die Trägerstrukturen eingebunden werden und diesen verpflichtet sind, aber andererseits loyal ihren Klienten gegenüber zu sein haben. Auf Basis dieses Dilemmas stellen sich diverse Fragen:
Welche Probleme ergeben sich aus den zunehmenden organisationalen und ökonomischen Steuerungsversuchen professioneller Tätigkeit in den Handlungsstrukturen Sozialer Arbeit?
Können ökonomische Kriterien, wie Qualität, Effizienz und Effektivität als adäquate Steuerungsmittel im Bereich der Sozialen Arbeit analysiert werden?
Welchen Platz hat dabei das zentrale Interaktionsgeschehen zwischen Professionellem und Adressaten?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Ziel der Arbeit und inhaltliches Vorgehen

1.2 Vorbemerkungen

2. Die Prinzipal-Agent-Theorie

2.1 Definition und Problemstellung

2.2 Vertragsbeziehungen

2.3 Interessenkonflikte

2.4 Umweltunsicherheiten

3. Informationsasymmetrien

3.1 Informationsdimensionen

3.2 Asymmetrietypen

3.2.1 Hidden Characteristics

3.2.2 Hidden Action

3.2.3 Hidden Information

4. Prinzipal-Agent-Probleme

4.1 Harmonie und Konflikt

4.2 Adverse Selection

4.3 Moral Hazard

4.4 Übersicht

5. Das Doppelte-Prinzipal-Agent-Modell in der Sozialen Arbeit

5.1 Hilfen zur Erziehung

5.1.1 Beratung und Bewilligung

5.1.2 Hilfeplanung

5.1.3 Erziehungsbeistand

5.2 Zwei Prinzipale und ein Agent

5.3 Der Träger als Prinzipal

5.3.1 Die ökonomische Organisationsanalyse

5.3.2 Informationsasymmetrien und Agenturprobleme

5.4 Der Klient als Prinzipal

5.4.1 Dienstleistung Soziale Arbeit

5.4.2 Die Bedeutung von Vertrauen

5.4.3 Der unmündige Prinzipal

5.4.3.1 Grenzen des Klienten

5.4.3.2 Vertragsbasis

5.4.3.3 Schutz des Klienten

6. Abschließende Gedanken und Ausblick

6.1 Diskussionsansätze für die Zukunft

6.1.1 Erweiterung der Grenzen

6.1.2 Rollenkonflikte und Entscheidungsunsicherheiten

6.1.3 Weiche Faktoren

6.1.4 Ethische Gesichtspunkte

6.2 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen professioneller Tätigkeit in der Sozialen Arbeit durch die Linse der Prinzipal-Agent-Theorie. Das Hauptziel ist es, das Spannungsfeld zu analysieren, in dem sich Professionelle – beispielhaft dargestellt am Erziehungsbeistand nach § 30 SGB VIII – bewegen, da sie gleichzeitig einem Träger der Sozialen Arbeit und den Adressaten als Auftraggebern verpflichtet sind. Die Arbeit geht der Frage nach, wie ökonomische Steuerungsinstrumente in diesem hochkomplexen Umfeld wirken und welche Rolle Vertrauen als zentrales Interaktionsmoment spielt.

  • Analyse von Informationsasymmetrien in der Sozialen Arbeit.
  • Untersuchung von Agenturproblemen wie Adverse Selection und Moral Hazard.
  • Konzeptualisierung des "Doppelten-Prinzipal-Agent-Modells".
  • Reflexion der Rolle von Vertrauen bei der Dienstleistungsproduktion.
  • Diskussion über den Schutz des "unmündigen Prinzipals" (Klient).

Auszug aus dem Buch

2.1 Definition und Problemstellung

Die Wurzeln der Prinzipal-Agent-Theorie liegen in der Neoklassik. Kurz ausgedrückt formuliert die Neoklassik einen Gleichgewichtszustand für den Markt, der dadurch gekennzeichnet ist, dass vollkommen rationale Entscheidungsträger mit absolut perfektem Informationsstand Güter miteinander tauschen. (vgl. Alparslan 2006, S. 1)

Die Prinzipal-Agent-Theorie nivelliert diese Annahme und geht davon aus, dass Marktteilnehmer immer mit verborgenen Handlungen anderer (Marktteilnehmer) konfrontiert sind. Sie verfügen demnach nie über vollkommene Informationen, z. B. hinsichtlich ihrer Handlungsspielräume. (vgl. Meinhövel 1999, S. 21)

Trotz dieses klaren Ansatzes hat sich in der Literatur keine eindeutige Definition der Prinzipal-Agent-Theorie durchgesetzt. Eine brauchbare allgemeine Definition der Theorie legen Pratt und Zeckhauser (1985, S. 2) vor:

„Whenever one individual depends on the action of another, an agency relationship arises. The individual taking the action is called the agent. The affected party is the principal.”

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik gedoppelter Agenten in der Sozialen Arbeit ein und definiert das Forschungsinteresse am Beispiel des Erziehungsbeistands.

2. Die Prinzipal-Agent-Theorie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Prinzipal-Agent-Beziehung, inklusive Vertragsverhältnissen und Interessenkonflikten.

3. Informationsasymmetrien: Es werden verschiedene Dimensionen und Typen von Informationsasymmetrien wie Hidden Characteristics oder Hidden Action analysiert.

4. Prinzipal-Agent-Probleme: Hier werden die daraus resultierenden Probleme für den Prinzipal, spezifisch Adverse Selection und Moral Hazard, theoretisch hergeleitet.

5. Das Doppelte-Prinzipal-Agent-Modell in der Sozialen Arbeit: Das Kernkapitel überträgt die Theorie auf die Soziale Arbeit, differenziert zwischen Träger und Klient als Prinzipalen und untersucht Vertrauensstrukturen.

6. Abschließende Gedanken und Ausblick: Das Kapitel diskutiert zukünftige Diskussionsansätze, wie den Umgang mit Rollenkonflikten und die Bedeutung weicher Faktoren in der Steuerung.

Schlüsselwörter

Soziale Arbeit, Prinzipal-Agent-Theorie, Erziehungsbeistand, SGB VIII, Informationsasymmetrie, Adverse Selection, Moral Hazard, Vertrauen, Dienstleistungsqualität, Agenturprobleme, Hilfeprozess, Struktur, Professionelle, Träger, Adressat

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die professionelle Tätigkeit in der Sozialen Arbeit mithilfe der Prinzipal-Agent-Theorie und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Trägerstrukturen und der Arbeit am Klienten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das "Doppelte-Prinzipal-Agent-Modell", Informationsasymmetrien, der Einsatz von Vertrauen als Steuerungsinstrument und die Rolle des Kindes oder Jugendlichen als Klient.

Welches Ziel verfolgt die Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Handlungsstrukturen von Fachkräften zu schaffen, die von zwei Seiten (Träger und Klient) als "gedoppelte Agenten" beansprucht werden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die bestehende Modelle der Prinzipal-Agent-Theorie auf den Kontext der Sozialen Arbeit (hier: Erziehungsbeistand) überträgt und kritisch weiterentwickelt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der ökonomischen Organisationsanalyse und die spezifische Anwendung auf die Fallbeispiele innerhalb der Jugendhilfe.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "gedoppelter Agent", "Informationsasymmetrie", "Vertrauensgut", "Hilfe zur Erziehung" und "Moral Hazard" charakterisiert.

Wie unterscheidet sich der Erziehungsbeistand von anderen Agenten?

Im Gegensatz zur klassischen ökonomischen Theorie sind die Rollen von Prinzipal und Agent oft vertauscht oder verschwommen; zudem spielt Vertrauen statt rein formaler Verträge eine tragende Rolle.

Was bedeutet der "unmündige Prinzipal" in der Arbeit?

Dieser Begriff beschreibt die Situation, dass Klienten (insb. Kinder) rechtlich oder faktisch oft nicht in der Lage sind, professionelle Leistungen aktiv zu steuern oder zu kontrollieren, was den Schutz durch dritte Instanzen erforderlich macht.

Warum wird Vertrauen als "Gut" bezeichnet?

In der Arbeit wird Vertrauen als ein immaterielles Gut verstanden, das zwischen den Akteuren getauscht wird und die Lücke dort füllt, wo explizite vertragliche Sanktionen nicht greifen oder unangemessen wären.

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Details

Title
Gedoppelte Agenten
Subtitle
Soziale Arbeit zwischen Trägerstrukturen und Adressatenerwartungen am Beispiel des Erziehungsbeistands nach § 30 SGB VIII
College
Protestant University of Applied Sciences Darmstadt
Grade
1,0
Author
Oliver Hülsermann (Author)
Publication Year
2012
Pages
61
Catalog Number
V205231
ISBN (eBook)
9783656316985
ISBN (Book)
9783656318514
Language
German
Tags
agenten trägerstrukturen adressatenerwartungen SGB VIII Soziale Arbeit Erziehungsbeistand Prinzipal-Agent-Theorie Informationsasymmetrien Adverse Selection Moral Hazard Hidden Characteristics Hidden Action Hidden Information Prinzipal Dienstleistung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Hülsermann (Author), 2012, Gedoppelte Agenten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205231
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