Besonders beim Eintritt in die erste Klasse in der Grundschule fragen sich die Schüler bzw. Schülerinnen, aber auch Elternteile: bin ich/ ist mein Kind den Anforderungen gewachsen, kann man das ABC genauso schnell und gut lernen wie der Sitznachbar? Was ist, wenn ich nicht gut lernen kann und eine schlechte Note mit nach Hause bringe? Dieser Leistungsdruck im schulischen Lernen fordert und fördert eine Art von Selbstbewährung und zwar zum einen bei Erfolg, aber auch bei Misserfolg. "Zufriedenheit, Stolz, aber auch Selbstzweifel und Selbstabwertung stehen am Ende solcher Selbst- und Fremdbewertungsprozesse." In der vorliegenden Hausarbeit wird auf die Chancen und Grenzen der Leistungsbewertung einschließlich der Bezugsnormen und der Fehlerquellen eingegangen. Weiter hin werden die Anforderungen an Leistungsbewertung dargelegt. Will man nun Schülerinnen und Schüler zum selbsttätigen Lernen befähigen, dann müssen sie ebenso eine Fähigkeit zur Selbstbeurteilung entwickeln können. Somit stellt sich die Frage, ob Schülerinnen und Schüler bereits in der Grundschule durch Förderung von Selbstkonzepten in der Lage sind, ihre Leistungen selbst zu bewerten. So liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf Möglichkeiten zur Entwicklung von Selbstkonzepten in der Grundschule, insbesondere mit der Zielsetzung zur Befähigung zur Selbstbewertung. Das letzte Kapitel stellt die Konsequenzen für den Schulalltag dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Chancen und Grenzen der Leistungsbewertung
2.1 Definition des Leistungsbegriffs
2.2 Geschichtlicher Abriss
2.3 Bezugsnormen der Leistungsbeurteilung
2.4 Fehlerquellen bei der Leistungsbeurteilung
3. Anforderungen an Leistungsbewertung in Grundschulen
4.1 Selbstkonzepte in der Grundschule
4.1.1 Definition Selbstkonzept
4.1.2 Ansätze und Modelle
4.1.3 Einflussfaktoren auf die Genese von Selbstkonzepten bei Grundschulkindern
4.2 Selbstbewertung
4.2.1 Funktion und Ziele
4.2.2 Selbstbewertung lernen
4.2.3 Selbstbewertung in der Grundschule
4.2.4 Einwände gegen Selbstbewertung
5. Konsequenzen für den Schulalltag
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler bereits in der Grundschule durch die Förderung von Selbstkonzepten zur Selbstbewertung zu befähigen. Dabei steht die kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Leistungsbewertungsmethoden sowie die Suche nach alternativen, förderorientierten Ansätzen im Vordergrund, um Lernprozesse transparenter und motivierender zu gestalten.
- Chancen und Grenzen traditioneller Leistungsbewertung
- Entwicklung und Bedeutung von Selbstkonzepten im Grundschulalter
- Methoden und Ansätze zur Implementierung von Selbstbewertung
- Die Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter und Coach
- Förderung der Eigenverantwortung und Selbstreflexion bei Grundschulkindern
Auszug aus dem Buch
4.2.1 FUNKTION UND ZIELE
Je mehr der Prozess der Konstruktion von Wirklichkeit in die Bewertung mit eingeht, desto mehr ist auch der Lehrer auf die Mitwirkung und auch Mitbewertung der Schüler angewiesen, und eine Validierung seiner Bewertung mit Schülern kann stattfinden. "Wenn sich allerdings die Selbstbewertung auf die Frage nach der Übereinstimmung der Benotung durch Schüler und Lehrer beschränkt, greift sie zu kurz und setzt sich dem Risiko aus, als Spielerei angesehen zu werden, da der Lehrer in der Benotung immer das letzte Wort hat und aus seiner Verantwortung auch nicht entlassen werden kann, wenn es um Zertifikate und Berechtigungen geht." Zudem ist in vielen Untersuchungen sichtbar geworden, dass Schüler die Bewertung ihrer Leistung und deren Ursache, aber auch die Bewertung anderer nur sehr subjektiv wahrnehmen und verarbeiten. Besonders kann es zu Überforderung kommen, wenn die Schüler selbst auf die Ursachen, d.h. ihre Stärken aber auch Schwächen, zu sprechen kommen und dabei mögliche Aspekte genannt werden müssen, die vom Lehrer alleine niemals entdeckt worden wären. Resultierend daraus und aus Angst vor neuen Aufgaben u.a. der Angst vor der Verantwortung, aber auch Misserfolgsfurcht, mangelnde Wirksamkeitserwartung, fehlende Kompetenzerwartungen, gelernte Hilflosigkeit, sowie Angst, Besorgtheit und Aufgeregtheit, kann das Bild von ihrem Selbstkonzept und somit ihre Selbstbewertung sich negativ entwickeln und in ihren Köpfen festsetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Leistungsdruck in der Schule und führt in die Fragestellung ein, ob eine frühzeitige Förderung von Selbstkonzepten die Befähigung zur Selbstbewertung im Grundschulalter ermöglicht.
2. Chancen und Grenzen der Leistungsbewertung: Dieses Kapitel definiert den Leistungsbegriff, beleuchtet historische Reformansätze und analysiert die verschiedenen Bezugsnormen sowie die subjektiven Fehlerquellen bei der Leistungsbeurteilung.
3. Anforderungen an Leistungsbewertung in Grundschulen: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit erläutert, Leistungsbewertung nicht nur ergebnisorientiert, sondern lernprozessorientiert zu gestalten.
4.1 Selbstkonzepte in der Grundschule: Der Abschnitt befasst sich mit der Definition des Selbstkonzepts, theoretischen Modellen sowie den zentralen Einflussfaktoren auf dessen Entwicklung bei Grundschulkindern.
4.2 Selbstbewertung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Selbstbewertung, deren Funktionen und Ziele, praktische Lernmöglichkeiten sowie die Einwände, die gegen eine solche Praxis vorgebracht werden.
5. Konsequenzen für den Schulalltag: Hier werden pädagogische Implikationen abgeleitet, wie Lehrer die Selbstbewertung sinnvoll in den Unterricht integrieren und ein positives Lernklima schaffen können.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Förderung von Selbstkonzepten und Selbstbewertung essenziell für die Persönlichkeitsentwicklung und das erfolgreiche Lernen ist und fordert eine stärkere Dialogkultur im Unterricht.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Selbstkonzept, Selbstbewertung, Grundschule, Lernprozess, Selbstreflexion, Pädagogische Diagnostik, Selbststeuerung, Notenfreiheit, Individuelle Förderung, Lernentwicklung, Kompetenzorientierung, Schulleistung, Bildungsauftrag, Dialogkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Grundschüler durch die gezielte Förderung ihrer Selbstkonzepte dazu befähigt werden können, ihre eigenen Lernleistungen realistisch und konstruktiv selbst zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Kritik an traditionellen Noten, die Bedeutung von Selbstkonzepten, Methoden zur praktischen Umsetzung der Selbstbewertung sowie die notwendige pädagogische Haltung der Lehrkräfte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob Schülerinnen und Schüler bereits in der Grundschule durch die Förderung von Selbstkonzepten zur Selbstbewertung befähigt werden können, um so ihren Lernprozess aktiver und verantwortungsbewusster zu steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die den aktuellen Diskurs über Leistungsbewertung und Selbstkonzeptgenese anhand pädagogischer Fachliteratur und Studien aufarbeitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der traditionellen Leistungsbewertung, eine theoretische Grundlegung der Selbstkonzepte sowie eine detaillierte Erörterung der Selbstbewertungsprozesse, deren Hindernissen und konkreten Umsetzungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch die Begriffe Leistungsbewertung, Selbstkonzept, Selbstbewertung, Grundschule, Lernprozess und Selbstreflexion charakterisieren.
Warum wird das Konzept der "Notenfreiheit" in den ersten Schuljahren thematisiert?
Noten können laut Autorin eine demotivierende Wirkung haben und Leistungsängste fördern. Notenfreiheit bietet Raum für eine differenziertere, prozessbegleitende Rückmeldung, die das Kind als Akteur seines Lernens stärkt.
Welche Rolle spielen die "Lernschatzfeiern"?
Lernschatzfeiern dienen der Portfolio-Präsentation. Sie verändern die Balance im Dreieck Kinder-Eltern-Schule, indem die Kinder selbst das Wort führen und ihre Arbeiten durch die positive Wertschätzung an Bedeutung gewinnen.
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- Karolin Strohmeyer (Autor), 2012, Selbstbewertung in der Grundschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205236