Kreditkrisen am Beispiel der Subprime-Krise


Facharbeit (Schule), 2008

51 Seiten, Note: 6 (Schweizer System)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Krise

3. Finanzinstrumente auf Kreditmärkten
3.1. Hypotheken / Mortgages (MBS)
3.2. Festverzinsliche Wertpapiere (Bonds)
3.3. Swaps & Credit Default Swaps (CDS)
3.4. Collateralized Debt Obligations (CDO)

4. Entstehung der Krise
4.1. Zinspolitik des Federal Reserve
4.2. Kreditvergabe
4.3. Verbriefung und Strukturierte Produkte
4.4. Blasenbildung und Häuserpreise im Höhenrausch
4.5. Zahlungsausfälle und Preiszerfall

5. Der Knall

6. Akute Gegenmassnahmen

7. Opfer der Finanzkrise
7.1. Amerikanische Investmentbanken
7.1.1. Citigroup
7.1.2. Bear Stearns
7.1.3. Merrill Lynch
7.2. Schweizer Banken und Unternehmen
7.2.1. UBS
7.2.2. Credit Suisse
7.2.3. Swiss Re
7.3. Andere Banken
7.3.1. Northern Rock
7.3.2. Société Générale
7.3.3. Sachsen LB

8. Der Fall UBS

9. Makroökonomische Folgen
9.1. US-Ökonomie unter Druck
9.2. Die globalen Ungleichgewichte
9.3. Die Folgen der Dollar Abwertung

10. Bankenkrise – Ein Einzelfall?
10.1. Die Leipziger Bank um 1900
10.2. Tschechische Krise um 1920

11. Die Zukunft der Finanzmärkte
11.1. Beschränkung im Einsatz von Fremdkapital
11.2. Verstaatlichung der Banken

12. Schlusswort

Glossar

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Sommer 2007 schockte die Finanzwelt mit ihren negativen Nachrichten die gesamte Welt. Damals war der Schock aber vergleichsweise klein. Niemand dachte an eine weltweite Krise und wer daran dachte, wagte nicht dies auszusprechen. Mittlerweile sind Experten und Beob- achter schlauer. Was mit einer Mini-Krise in einem kleinen Segment begann hat sich mittler- weile zu einem globalen Problem hochgeschaukelt, von welchem auch die Realwirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Für mich war schon bei der Themenauswahl klar, dass es sich um ein Wirtschaftsthema handeln musste. Und anstatt über Dinge zu schreiben, über die schon einige Arbeiten geschrieben wurden, entschied ich mich etwas Neues aufzugreifen. Und da mich die Finanzmärkte schon seit einiger Zeit faszinierten, lag die Hypothekenkrise nahe. Der Sprung ins kalte Wasser der Finanzmärkte gestaltete sich aber anfangs schwieriger als gedacht. Bevor ich also loslegen konnte, musste ich zuerst einmal Bücher über Finanzin- strumente und Kreditmärkte lesen, um die komplizierten Mechanismen zu verstehen. Aus diesem Grund finden auch Sie, falls Sie nicht in der Finanzbranche arbeiten, in Kapitel 3 alle wichtigen Finanzinstrumente so einfach wie möglich erklärt. Es ist deshalb ein so grosses Kapitel geworden, weil einige Instrumente das Wissen über Andere voraussetzen. Wenn Sie sich allerdings mit diesen Mitteln auskennen, können Sie Kapitel 3 getrost überspringen. Für alle anderen ist dieses Kapitel unverzichtbar für ein tiefes Verständnis.

Als ich anfangs dieses Thema aufgriff, dachte ich mich noch in einem kleinen Bereich zu be- wegen, der allenfalls wirtschaftlich interessierte Menschen zum grübeln bringt. Aber in nur wenigen Monaten wurde auch mir klar, dass ich mit diesem Thema den Nerv der Zeit treffen sollte. Die Zeitungen waren voll mit Analysen, Interviews und Hintergrundberichten und Wirtschaftsjournalisten von der Wall Street waren im Fernsehen gefragt wie nie. Ich begann mich also zu fragen, wie ich dieser Aufgabe gerecht werden konnte. Und mir war sofort klar, dass meine Arbeit die Kredit- und Finanzwelt möglichst umfassend analysieren sollte. Mein Ziel war es, die Krise so zu schildern, dass nicht nur Finanzmarktexperten etwas davon haben. Für mich galt es also folgende zentrale Fragen zu beantworten: Wie ist diese Krise entstan- den? Welche Umstände haben sie begünstigt bzw. entschärft? Wie funktionieren die Finanz- und Kreditmärkte? Welche Instrumente haben diese Krise ermöglicht und wie funktionieren diese? Und mit der Zeit öffnete sich das Fragenspektrum weiter: Wie sehen die Folgen aus

mikro- bzw. makroökonomischer Sicht aus? Wie kann man die Schäden begrenzen? Was kommt noch? Und vor allem: Wie sieht die Zukunft der Finanzmärkte und der Banken aus?

Und während ich zu schreiben begann, wurde mir klar, dass diese Bedrohung kein Einzelfall sein konnte. Also machte ich mich auf die Suche nach weiteren Krisen im Banken- und Kre- ditsektor. Im 10. Kapitel sind für Sie zwei ausgewählte Krisen geschildert, die zeigen sollen, dass selbige mit der Finanzwelt unzertrennlich verbunden sind. Auf weitere Krisen wollte ich bewusst nicht im Detail eingehen, da sich diese Arbeit im Kern mit der Subprime-Krise be- schäftigt. Dafür finden Sie den, aus Schweizer Sicht, sicherlich interessanten Abschnitt zum Fall UBS im Kapitel 8.

2. Die Krise

Die Subprime-Krise ist eine Banken- und Kreditkrise mit Schwerpunkt in den USA. Der Na- me entstand durch die für die Krise verantwortlichen Subprime-Hypotheken. Der Ausdruck Subprime bezeichnet Hypotheken von Kreditnehmern mit geringer Bonität. Fälschlicherweise werden diese Kredite teilweise auch unter dem Begriff Non-Conforming-Hypotheken zu- sammengefasst. Im amerikanischen Markt sowie im Britischen werden diese zwei Formen allerdings klar unterschieden. Während Subprime-Hypotheken zwar ein höheres Risiko im Bezug auf Zahlungsausfälle aufweisen, sind sie dennoch an standardisierte Verträge gebun- den. Im Gegensatz dazu entsprechen Non-Conforming-Hypotheken meist nicht den vertragli- chen Standards. Dies ist besonders im Bereich Laufzeit oder Darlehensbetrag ersichtlich.

Meist haben die Kredite im Subprime Segment keine indikatorische Wirkung für die Aktien- märkte. Dies kann aber, wie im Fall der Krise im Jahre 2007, geschehen, wenn die Anzahl der Zahlungsausfälle deutlich ansteigt und damit verbunden die Angst eines Liquiditätsproblems an den Börsen entsteht. [1]

3. Finanzinstrumente auf Kreditmärkten

Für ein tiefes Verständnis der Krise ist es nötig, die wichtigsten Finanzinstrumente der Kre- ditmärkte und deren Funktionsweise etwas genauer kennen zu lernen. Zunächst beginnen wir bei einem Instrument, welches allen wohl bekannte sein dürfte, der Hypothek.

3.1. Hypotheken / Mortgages (MBS)

Eine Hypothek ist ein durch Immobilien besicherter Kredit. Überall auf der Welt gilt dieser Grundsatz. Damit hat es sich dann aber schon mit den Gemeinsamkeiten. Während viele Län- der in der Hypothekenvergabe eher auf Sicherheit setzen, Liberalisten würden sagen konser- vativ sind, gibt es in einigen Ländern, darunter auch die USA, einen etwas risikoreicheren Markt für diese Kredite. Unterschiede gibt es vor allem im Bezug auf Laufzeit, Wert, Bonität des Schuldners und Refinanzierung. In den USA scheint dieser Markt durch die jüngsten Er- eignisse zwar frei, dominiert und kontrolliert wird er aber von zwei wichtigen Institutionen, die auf die Namen Freddie Mac und Fannie Mae hören. Diese mächtigen Institutionen haben ihren Ursprung in den 30er Jahren. Während der grossen Depression hatten viele Amerikaner ihr Eigenheim verloren und so schuf man 1938 die Federal National Mortgage Association (Fannie Mae). Die Aufgabe von Fannie war es, im Hypothekenmarkt für Liquidität zu sorgen. Fannie Mae war aber kein direkter Vertragspartner von jemandem, der ein Haus kaufen woll- te, sondern kaufte die Kredite von den Hypothekenbanken ab, trug das Risiko und refinanzier- te sich am Finanzmarkt. Um den Wettbewerb zu fördern, schuf die amerikanische Regierung später einen Konkurrenten. Die Federal Home Loan Mortgage Corporation (Freddie Mac) sollte die Alternative zu Fannie sein. Noch heute kaufen diese Institutionen Kredite, nach jährlich neu definierten Kriterien, um sie zu so genannten Mortgage-Backed Securities (MBS) umzuwandeln. Die MBS ist dem im deutschsprachigen Raum bekannten Pfandbrief ähnlich, besitzt jedoch den kleinen aber entscheidenden Unterschied, dass bei der MBS auch das Kre- ditrisiko mitverkauft wird. Ökonomisch verfolgt man mit der von Freddie und Fannie erwirk-

ten Verbriefung das Ziel, dem Hypothekenmarkt ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen.[2]

3.2. Festverzinsliche Wertpapiere (Bonds)

Festverzinsliche Wertpapiere, auch Bonds genannt, bezahlen in regelmässigen Abständen Zinsen und am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital zurück. Bonds können, im Gegen- satz zu Krediten, gehandelt werden. Man handelt sie an den Effektenbörsen bzw. Bondmärk- ten. Der Preis eins Bonds verhält sich, einfach gesagt, umgekehrt zu den Zinsschritten. Ma- chen wir ein kurzes Rechenbeispiel dazu: Angenommen Sie haben 100 CHF in ein 4%iges Wertpapier investiert und der Leitzins springt auf 5% hoch. Für unser Beispiel nehmen wir aber an, dass auch der langfristige Zins, welcher für Bonds massgeblich ist, auf 5% steigt. Für uns bedeutet dies, dass unser Papier an Wert verloren hat, weil es am Markt inzwischen Wertpapiere mit 5% Zins zu erwerben gibt. Wir nehmen also eine Wertberichtigung genau um den Prozentsatz vor, um den die Zinsen erhöht wurden. In unserem Fall sind dies 20% von 100 CHF. Unser Wertpapier hat also den neuen Preis von 80 CHF. Neben diesem Faktor, gibt es aber weitere Elemente, die zum Preis eines Wertpapiers beitragen. So ist zum Beispiel die Kreditwürdigkeit des Emittenten d.h. desjenigen, der das Wertpapier herausgibt enorm wich- tig für den Preis des Bonds. Die Ratingagenturen ermitteln diese Kreditwürdigkeit anhand von mathematischen Modellen und drücken dem Wertpapier dann den entsprechenden Stem- pel auf. Die wichtigsten Ratingagenturen sind Moody’s, Standard & Poor’s (S&P) und Fitch Ratings. Sie spielen auch in der jetzigen Kreditkrise eine wichtige Rolle, da sie es waren, die

Subprime Papiere mit dem bestmöglichen Rating (AAA bei S&P) bewertet und damit zu der grossen Investitionsfreude in solche Papiere beigetragen haben.[3]

3.3. Swaps & Credit Default Swaps (CDS)

Swaps sind vielleicht die mit Abstand modernsten, aber zu gleich auch gefährlichsten Finanz- instrumente und bilden zudem die Grundlage der Credit Default Swaps und der Asset Swaps. Ein Swap ist per Definition ein Austausch von Zahlungsströmen. Konkret heisst das: Zwei Parteien einigen sich Zahlungsforderungen, welche sie selbst zu leisten haben, untereinander zu tauschen. Besonders beliebt ist dieses „Swapping“ im Bereich von Zinszahlungen. Dies geschieht, wenn Firma A ihren variablen Zins mit dem festen Zins der Firma B tauschen möchte. Swaps bedienen also zwei unterschiedliche Parteien, mit verschiedenen Vorausset- zungen und Notwendigkeiten. Im Endeffekt ist ein Swap ein Nullsummenspiel, weil eine Par- tei verliert und die andere gewinnt – Je nachdem wie sich der Markt entwickelt. Und eigent- lich ist der Swap sogar ein Negativsummenspiel, weil sich die beiden Parteien nicht direkt treffen, sondern über Swaphändler zu einander finden. Der Swaphändler seinerseits erhebt natürlich auch wieder Anspruch auf eine Vermittlungsvergütung. Trotzdem ist der Zins-Swap sehr beliebt. Warum eigentlich? Der Zins-Swap ist deshalb so beliebt, weil viele Marktteil- nehmer nur Zugang zu bestimmten Krediten haben. Meist entspricht dieser Kredit aber nicht ihren Vorstellungen, weshalb sie nach alternativen Möglichkeiten suchen, um ihren Wunsch- kredit zu bekommen. Genau hier setzt der Swap an, indem er eine Nachfrage am Markt be- dient. So kann Firma A einen festen Zinssatz erhalten, um besser kalkulieren zu können und Firma B kann einen Variablen erhalten, um sich günstiger finanzieren zu können. Ein anderer Grund für die Swaps sind Markterwartungen. Glaubt man an ein Fallen der Zinsen, so kann man mit einem Swap Geld verdienen. Man sollte aber nicht ausser Acht lassen, dass am Ende der Laufzeit immer eine Partei gewinnt, die Andere aber verliert. Und trotzdem sind oft beide Parteien auf ihre Art Gewinner, wenn auch nicht unbedingt finanziell. Es kann zwar sein, dass sie, relativ zu dem was sie am Anfang hatten, verlieren, aber dennoch gewinnen beide, relativ zu den Möglichkeiten, welche ihnen die Bank zur Finanzierung angeboten hätte. Es gibt im

Swapgeschäft nur eine Partei, die immer gewinnt: Die Investmentbank. Da sie an jedem Swap mitverdienen.[4]

Credit Default Swaps sind, ihrer Wirkung entsprechend, mit Versicherungen gleichzusetzen. Die UBS gibt für CDS folgende Definition: „CDS. Kreditderivat, bei dem die eine Gegenpar- tei verspricht, gegen Erhalt einer Prämie der anderen Gegenpartei zukünftige Kreditverluste zu ersetzen.“[5]

Damit ist eigentlich die Kernaussage zum CDS gemacht. Wir wollen den CDS aber noch et- was genauer unter die Lupe nehmen. Dem Swap liegt meist ein vergebener Kredit oder ein Bündel von Bonds zu Grunde. Die Bank möchte sich nun gegen Zahlungsausfälle versichern und gründet zu diesem Zweck einen Credit Default Swap. Der Käufer dieses CDS erhält nun vierteljährlich eine Prämienzahlung der Bank, erklärt sich aber im Gegenzug damit einver- standen, bei Zahlungsausfall die festgelegte Versicherungssumme an die Bank zu zahlen. Der

Vertrag entsteht ohne Einbezug der Kreditschuldner bzw. der Bondherausgeber und ermög- lich dadurch jedem das handeln mit diesen Swaps. Die Struktur des Marktes ist also geradezu eine Einladung für Zocker und Spekulanten. Theoretisch ist es also möglich ohne den Einsatz von Geld an die vierteljährliche Prämie zu kommen. De facto aber werden Sie als Privatanle- ger nie an solche Produkte herankommen – Und das ist auch besser so. Viele Rechtsanwälte haben sich bereits mit der Frage befasst, ob man CDS als klassische Versicherung werten und damit dem Versicherungsrecht unterstellen kann. Allesamt kamen sie zu dem Ergebnis, dass dies nicht möglich ist. Nur so sind die ungezwungenen Grundsätze der CDS zu erklären. In diesem Markt gilt nicht das versicherungsübliche Prinzip uberrima fides, was soviel bedeutet wie: „Nach Treu und Glauben“, also mit der grösstmöglichen Transparenz und Offenheit zu handeln, sondern das Prinzip caveat emptor. Das bedeutet soviel wie: Käufer nimm dich in

Acht![6]

Käufer von solchen Swaps müssen sich also weiterhin sehr in Acht nehmen und sollten die Produkte die sie erwerben haargenau verstehen.[7]

Neben diesen Swaps gibt es noch weitaus komplizierter Swaps, so zum Beispiel den Asset Swap oder der Total Return Swap. Letztendlich dienen aber alle Swaps nur dem Ziel, das Portfolio massgerecht zu gestalten d.h genau das Risikoprofil zu wählen, welches einem passt. Die modernen Finanzinstrumente schaffen also mehr Flexibilität und Individualismus. Und das ist insofern nötig, als das Banken ihr Risiko heutzutage aktive managen wollen. Sie gehen zwar nicht weniger Risiko ein als früher, das Gegenteil ist der Fall. Aber die moderne Versicherungs- und Finanzmathematik erlaubt es ihnen, die Risiken genauer zu kalkulieren und zu managen. Einem Grossteil der Nachfrage dieser Produkten liegen Absicherungswün- sche vieler Anleger und Banken zu Grunde. Trotzdem gab es genügend risikofreudige Händ- ler am Kreditmarkt, die bereit waren mit diesen Derivaten (v. lat. derivare = ableiten) Ge- schäfte zu machen. Und wenn man der Überzeugung war, dass Zahlungsausfälle nicht sehr wahrscheinlich sein konnten, war man in der Lage, die vierteljährliche Prämie abzugarnieren. Die guten Aussichten waren es dann auch, die den Markt für diese Credit Swaps beinahe exp- lodieren liessen.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Entwicklung der Märkte für Kreditderivate [9]

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung des Volumens der weltweiten Märkte für Kreditderivate. Aus dieser Grafik ist klar ersichtlich, wie der Markt für CDS und Co. begonnen hat zu boo- men. Die Frage, was denn eigentlich das Problem bzw. das Risiko dieses Marktes für den Rest des Finanzmarktes ist, drängt sich hierbei natürlich auf. Die Deutsche Bundesbank macht in ihrem Bericht vom Dezember 2004 eine präzise Aussage über die Risiken in den Märkten für Kreditderivate: „Die Übertragung von Risiken auf Akteure ausserhalb des Bankensystems, die über kein Angemessenes Risikomanagement verfügen und einer geringeren Aufsicht un- terworfen sind würde dann zu einer Erhöhung der im gesamten Finanzsystem akkumulierten Risiken führen.“[10] Ein weiteres Risiko ist der Informationsvorsprung der Banken bezüglich der von ihnen herausgegebenen CDS. Das könnte dazu führen, dass diese Banken überwie- gend schlechte Risiken weitergeben. In diesem Fall heisst das Problem asymmetrische Infor- mation.[11]

3.4. Collateralized Debt Obligations (CDO)

CDO sind im Grunde genommen nichts anderes, als eine Spezialform der MBS bzw. ABS. Oft liesst man in Büchern, dass sich diese grundlegend unterscheiden, was allerdings nicht ganz zutreffend ist. Unterschiede bestehen zwar, doch das Prinzip ist dasselbe. Eine Bank gründet eine Zweckgesellschaft, um Kredite zu Wertpapieren umzuformen. Das Risiko wird dann in die so genannten Tranchen aufgeteilt, von den Ratingagenturen bewertet und schliess- lich dem Endinvestor weiterverkauft. Der Unterschied zu den MBS besteht darin, dass CDO keine Hypotheken direkt erwirbt, sondern die durch Hypotheken finanzierten MBS kauft. Man könnte die CDO also getrost als natürliche Weiterentwicklung der MBS sehen, die den Abstand zwischen Schuldner und Gläubiger nochmals vergrössern. Die CDO erlauben aber noch ganz andere Dinge. Sie machen es erst möglich, das Kreditportfolio aktiv zu managen und so spezielle Risikoprofile zu kreieren. Zudem kaufen CDO nicht nur durch Hypotheken besicherte MBS, sonder auch Autokredite, Private-Equity-Anleihen und sogar Kreditkarten- schulden. CDO sind damit zum Allesfresser der Kreditmärke geworden. An sich müsste man das aktive Management befürworten und diese Instrumente damit als Bereicherung für die Finanzwelt empfinden, da sie sich vom Risikoprofil her irgendwo zwischen Aktien und Bonds ansiedeln. Damit bieten sie einerseits eine ähnlich hohe Rendite wie Aktien, aber gleichzeitig eine ähnlich grosse Sicherheit wie Bonds. Das ist eigentlich ja zu schön um wahr zu sein und hätte deshalb auch einen besonders kritischen Blick verdient gehabt. Das Problem bestand darin, dass die CDO ihr Risikorating selbst bestimmen konnten. Dies wurde durch die so genannte „Überabsicherung“ möglich. Dabei wurde ein Rating besser, je mehr Kredite man als Sicherheit hinterlegt hatte, selbst wenn diese Kredite von schlechter Bonität waren. Es war also möglich ein AAA-Rating zu bekommen, wenn man nur genügend Kredite als Sicherheit hinterlegte. Von welcher Qualität diese Kredite waren interessierte bei S&P, Moody’s und Co. nicht wirklich jemanden. Die Finanzmathematik hatte schliesslich Zahlungsausfallquoten berechnet und damit würde das weggefallene Kapital bei einer grösseren Gesamtkreditsumme nicht mehr so arg ins Gewicht fallen. Dass die Börse nicht nur durch Mathematik sondern mehr durch Psychologie bestimmt wird, vergassen die ausgewiesenen Experten dabei glatt.

Und so wurde aus einem ganzen Haufen Ramschhypotheken ein Bond mit der vermeintlichen Sicherheit von Bundesobligationen geschaffen.[12]

4. Entstehung der Krise

4.1. Zinspolitik des Federal Reserve

Ein Grund für die Schwere der Krise und die Abwertung des Dollars dürfte die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank, genannt Federal Reserve, gewesen sein. Der damalige Vorsitzen- de Alan Greenspan senkte den Leitzins nach den Anschlägen vom 11. September dramatisch, um die Konjunktur anzukurbeln. Die Idee von Greenspan war an sich richtig, doch das Fed machte bei der Umsetzung einen fatalen Fehler: Die Notenbank liess die Zinsen auch nach dem Aufschwung weiterhin auf Rekordtiefe, wie in Abbildung 2 ersichtlich ist. Es ging sogar soweit, dass das Zinsniveau unter der Inflationsrate lag. In den Jahren 2003 und 2004 war genau diese der Fall. Ökonomen bezeichnen die Realzinsen in einem solchen Fall als negativ. Das heisst: „Wer Geld auf der Bank hatte und sparte, erzielte jedes Jahr einen Wertverlust. Wer sich hingegen Geld lieh, erzielte jedes Jahr einen Gewinn, denn die zu zahlenden Zinsen sind geringer als der Wertverlust.“[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - Leitzinsentwicklung USA [14]

Natürlich lagen die Zinsen in Wirklichkeit etwas über der Inflationsrate, dennoch war es für die meisten Amerikaner logischer, Geld zu leihen, als zu sparen. Sie handelten dabei völlig

rational indem sie die geschaffenen Anreize wahrnahmen. Dem amerikanischen Steuerzahler ist also kein Vorwurf zu machen.[15]

Die Niedrigzinspolitik von Greenspan und seinen Mitstreitern machte sich dann aber konse- quenterweise bald bemerkbar. Die Sparquote war zum ersten Mal in der Geschichte der ame- rikanischen Banken negativ. Greenspan vertritt zwar in einem Interview mit der Zeitung Die Zeit die Ansicht, dass die langfristigen Zinsen auf der ganzen Welt gesunken sein und die kurzfristigen Zinsen keinen belegbaren Effekt auf diese hätten. Er räumt aber gleichzeitig ein, dass die niedrigen Zinssätze wohl die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern gesteigert

hätten.[16]

Falsch wäre es nun aber den alten Notenbankchef Greenspan und den neuen Vorsitzenden Bernanke alleine für die Krise verantwortlich zu machen. Man darf bei alle dieser, sicherlich richtigen Kritik nicht vergessen, dass die amerikanische Wirtschaft vor allem dank der Fi- nanzpolitik von Greenspan einen derartigen Boom erleben konnte.[17]

4.2. Kreditvergabe

Ein wesentlicher Faktor in der aktuellen Finanzkrise bildet die Kreditvergabe. Diese sollte normalerweise nur dann erfolgen, wenn der Kreditnehmer über ausreichende Bonität verfügt. Allerdings machten die in Kap. 4.1 beschriebenen Umstände es den Banken sehr schwer, Kre- dite nicht zu vergeben, obschon diese von teils schlechter Bonität waren. Einerseits waren für die Kreditnehmer die Hypothekarzinsen so günstig wie nie und andererseits explodierten die Preise am US-Immobilienmarkt regelrecht. Für die Banken rechneten sich nun also die Hypo- theken mit geringer Bonität, denn die beliehenen Häuser wurden immer wertvoller. Bei die- sem extremen Wachstum würden auch einige Zahlungsausfälle den Gewinn nicht massgeb- lich schmälern, davon war man überzeugt. Und so kam es, dass jeder Mensch in eine Bank reinspazieren und eine Stunde und wenige Formulare später mit einem Kredit über 500'000 USD wieder zurückkehren konnte. Diese Taktik funktionierte so lange, bis die Preise am Häusermarkt zu sinken beginnen würden. Tatsächlich hätte schon eine Stagnation bei den

Preisen für erhebliche Turbulenzen sogen können. Heute wissen wir, dass genau dieser Fall eingetreten ist und somit das Geschäft mit den suboptimalen Hypotheken nicht mehr rentabel sein konnte.[18]

Besonders verwerflich war die Tatsache, dass Banken und Makler den oft armen und ungebil- deten Kunden derartige Hypotheken regelrecht andrehten. Oftmals gehen die wahren Opfer in dieser Krise vergessen. Sie nämlich sind es, die nun Zinsraten von 12 Prozent statt wie bisher 9,4 zahlen müssen und damit die Zinslast, welche in den USA allgemein knapp am Einkom- men kalkuliert ist, nicht mehr tragen können. Die Zahlungsausfälle führten zunächst zu einem steigenden Angebot am Immobilienmarkt und damit zu sinkenden Preisen. (vgl. Kap. 4.4) In der Folge konnten die in Ungnade gefallenen Hypothekennehmer ihre Häuser aufgrund der eben angesprochenen tiefen Preise nicht mehr verkaufen und um sie nochmals zu beleihen hatten sie ebenfalls zu wenig Wert. Dazu kam, dass keine Bank mehr gewillt war diesen Kun- den mit geringer Zahlungsfähigkeit weiterhin Kredite zu vergeben. Nach der Ablehnung eines Kreditbegehrens wegen zu schlechter Bonität antwortetet eine amerikanische Subprime Kun- din wie folgt und brachte damit die allgemeine Stimmung auf den Punkt: „Sie (die Bonität) war nicht zu schlecht, um mir die ursprüngliche Hypothek zu geben!“[19] Beinahe noch etwas treffender bringt es der Spiegel auf den Punkt: „Sie alle haben die klassischen Prinzipien der Branche verraten: Sie haben Kredite an Leute vergeben, die nie welche hätten bekommen dürfen, in einem Ausmass, das jeden vernünftigen Rahmen sprengt. Und sie haben die Risi- ken, die sie nie hätten eingehen dürfen, verschleiert.“[20]

So wie Helen Brown ging es vielen amerikanischen Hausbesitzern - für sie bleib letztendlich nur die Zwangsversteigerung übrig.[21]

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Subprime-Markt

[2] Wolfgang Münchau, S. 65-67

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Verzinsliches_Wertpapier

[4] Wolfgang Münchau, S. 71-78

[5] http://www.ubs.com/1/g/about/bterms/content_c.html

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Caveat_emptor

[7] Wolfgang Münchau, S. 78-84

[8] Wolfgang Münchau, S. 85

[9] Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Dezember 2004

[10] Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Dezember 2004

[11] Wolfgang Münchau, S. 78-88

[12] Wolfgang Münchau, S. 98-100

[13] Wolfgang Münchau, S. 8

[14] http://www.leitzinsen.info/charts/funds.htm

[15] Rainer Sommer, S. 77-79

[16] Thomas Fischermann, Die Zeit 31. Januar 2008, S. 21

[17] Wolfgang Münchau, S. 8

[18] Wolfgang Münchau, S. 10

[19] http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,500248,00.html

[20] Beat Balzli, Der Spiegel 28. Januar 2008, S. 23

[21] Beat Balzli, Der Spiegel 28. Januar 2008, S. 23

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Kreditkrisen am Beispiel der Subprime-Krise
Note
6 (Schweizer System)
Autor
Jahr
2008
Seiten
51
Katalognummer
V205241
ISBN (eBook)
9783656407942
ISBN (Buch)
9783656408260
Dateigröße
684 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreditkrisen, beispiel, subprime-krise
Arbeit zitieren
Patrick Menz (Autor), 2008, Kreditkrisen am Beispiel der Subprime-Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205241

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