Die Kreditkrise war lange Zeit nur ein Schwelbrand, der sich langsam aber sicher ausbreitete. Am 9. August 2007, abermals ein Donnerstag, war es dann soweit. Um die Mittagszeit kam es an den Interbankmärkten zu einem Verkäuferstreik. Dabei handelt es sich um jene Märkte, wo sich die Banken untereinander kurzfristig und ohne Sicherheit mit Liquidität versorgen. Nor- malerweise liegt der Zinssatz für diese Gelder etwa um den Leitzinssatz herum. Damals aber sprang der Marktzins für Tagesgeld von 4 Prozent, dem Leitzins der Europäischen Zentral- bank (EZB), auf über 4,4 Prozent. Es war offensichtlich, dass das Geld knapp zu werden be- gann und die Banken einander kein Geld mehr leihen wollten. In einer bis dato beispiellosen Aktion versorgte zuerst die EZB und danach das Fed den Geldmarkt mit 95 Mrd. Euro bzw. 24 Mrd. Dollar.
Diese Arbeit gibt einen Überblick über die Subprime- und Finanzkrise und beantwortet dabei u.a folgende Fragen:
Wie ist diese Krise entstan- den? Welche Umstände haben sie begünstigt bzw. entschärft? Wie funktionieren die Finanz- und Kreditmärkte? Welche Instrumente haben diese Krise ermöglicht und wie funktionieren diese? Wie sehen die Folgen aus makroökonomischer Sicht aus? Wie kann man die Schäden begrenzen? Was kommt noch? Und vor allem: Wie sieht die Zukunft der Finanzmärkte und der Banken aus?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Krise
3. Finanzinstrumente auf Kreditmärkten
3.1. Hypotheken / Mortgages (MBS)
3.2. Festverzinsliche Wertpapiere (Bonds)
3.3. Swaps & Credit Default Swaps (CDS)
3.4. Collateralized Debt Obligations (CDO)
4. Entstehung der Krise
4.1. Zinspolitik des Federal Reserve
4.2. Kreditvergabe
4.3. Verbriefung und Strukturierte Produkte
4.4. Blasenbildung und Häuserpreise im Höhenrausch
4.5. Zahlungsausfälle und Preiszerfall
5. Der Knall
6. Akute Gegenmassnahmen
7. Opfer der Finanzkrise
7.1. Amerikanische Investmentbanken
7.1.1. Citigroup
7.1.2. Bear Stearns
7.1.3. Merrill Lynch
7.2. Schweizer Banken und Unternehmen
7.2.1. UBS
7.2.2. Credit Suisse
7.2.3. Swiss Re
7.3. Andere Banken
7.3.1. Northern Rock
7.3.2. Société Générale
7.3.3. Sachsen LB
8. Der Fall UBS
9. Makroökonomische Folgen
9.1. US-Ökonomie unter Druck
9.2. Die globalen Ungleichgewichte
9.3. Die Folgen der Dollar Abwertung
10. Bankenkrise – Ein Einzelfall?
10.1. Die Leipziger Bank um 1900
10.2. Tschechische Krise um 1920
11. Die Zukunft der Finanzmärkte
11.1. Beschränkung im Einsatz von Fremdkapital
11.2. Verstaatlichung der Banken
12. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Ursachen, Mechanismen und Folgen der Subprime-Krise, um ein umfassendes Verständnis für Finanzinstrumente und Kreditmärkte zu vermitteln, wobei der Fokus sowohl auf der theoretischen Funktionsweise als auch auf konkreten Auswirkungen auf Banken und die Weltwirtschaft liegt.
- Grundlagen der Finanzinstrumente (Hypotheken, Bonds, Swaps, CDOs)
- Analyse der Entstehungsfaktoren der Krise (Zinspolitik, Kreditvergabe)
- Untersuchung betroffener Finanzinstitute und Krisenbewältigungsstrategien
- Makroökonomische Auswirkungen und globale Ungleichgewichte
- Diskussion über Zukunftsperspektiven und Regulierungsansätze für Finanzmärkte
Auszug aus dem Buch
3.4. Collateralized Debt Obligations (CDO)
CDO sind im Grunde genommen nichts anderes, als eine Spezialform der MBS bzw. ABS. Oft liesst man in Büchern, dass sich diese grundlegend unterscheiden, was allerdings nicht ganz zutreffend ist. Unterschiede bestehen zwar, doch das Prinzip ist dasselbe. Eine Bank gründet eine Zweckgesellschaft, um Kredite zu Wertpapieren umzuformen. Das Risiko wird dann in die so genannten Tranchen aufgeteilt, von den Ratingagenturen bewertet und schliesslich dem Endinvestor weiterverkauft. Der Unterschied zu den MBS besteht darin, dass CDO keine Hypotheken direkt erwirbt, sondern die durch Hypotheken finanzierten MBS kauft. Man könnte die CDO also getrost als natürliche Weiterentwicklung der MBS sehen, die den Abstand zwischen Schuldner und Gläubiger nochmals vergrössern. Die CDO erlauben aber noch ganz andere Dinge.
Sie machen es erst möglich, das Kreditportfolio aktiv zu managen und so spezielle Risikoprofile zu kreieren. Zudem kaufen CDO nicht nur durch Hypotheken besicherte MBS, sonder auch Autokredite, Private-Equity-Anleihen und sogar Kreditkartenschulden. CDO sind damit zum Allesfresser der Kreditmärke geworden. An sich müsste man das aktive Management befürworten und diese Instrumente damit als Bereicherung für die Finanzwelt empfinden, da sie sich vom Risikoprofil her irgendwo zwischen Aktien und Bonds ansiedeln. Damit bieten sie einerseits eine ähnlich hohe Rendite wie Aktien, aber gleichzeitig eine ähnlich grosse Sicherheit wie Bonds. Das ist eigentlich ja zu schön um wahr zu sein und hätte deshalb auch einen besonders kritischen Blick verdient gehabt. Das Problem bestand darin, dass die CDO ihr Risikorating selbst bestimmen konnten. Dies wurde durch die so genannte „Überabsicherung“ möglich. Dabei wurde ein Rating besser, je mehr Kredite man als Sicherheit hinterlegt hatte, selbst wenn diese Kredite von schlechter Bonität waren. Es war also möglich ein AAA-Rating zu bekommen, wenn man nur genügend Kredite als Sicherheit hinterlegte. Von welcher Qualität diese Kredite waren interessierte bei S&P, Moody’s und Co. nicht wirklich jemanden. Die Finanzmathematik hatte schliesslich Zahlungsausfallquoten berechnet und damit würde das weggefallene Kapital bei einer grösseren Gesamtkreditsumme nicht mehr so arg ins Gewicht fallen. Dass die Börse nicht nur durch Mathematik sondern mehr durch Psychologie bestimmt wird, vergassen die ausgewiesenen Experten dabei glatt. Und so wurde aus einem ganzen Haufen Ramschhypotheken ein Bond mit der vermeintlichen Sicherheit von Bundesobligationen geschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt dar, wie die Subprime-Krise von einer lokal begrenzten Problematik zu einem globalen Phänomen heranwuchs und definiert das Ziel der Arbeit, die komplexen Mechanismen der Finanzwelt verständlich zu erläutern.
2. Die Krise: Dieses Kapitel definiert den Begriff Subprime-Krise und erklärt die Unterscheidung zwischen Subprime- und Non-Conforming-Hypotheken sowie deren Rolle bei der Entstehung von Liquiditätsproblemen.
3. Finanzinstrumente auf Kreditmärkten: Es erfolgt eine detaillierte Erläuterung der Finanzinstrumente MBS, Bonds, Swaps, CDS und CDOs, die für das Verständnis der Krise essenziell sind.
4. Entstehung der Krise: Dieses Kapitel beleuchtet die Ursachen, darunter die Zinspolitik der Fed, problematische Kreditvergabepraktiken, Verbriefungsprozesse und die psychologischen Effekte der Blasenbildung am Immobilienmarkt.
5. Der Knall: Der Zusammenbruch der Märkte im August 2007 wird beschrieben, inklusive der Auswirkungen auf den Interbankenmarkt und den Markt für Commercial Papers.
6. Akute Gegenmassnahmen: Hier werden die Rettungsversuche der Zentralbanken und die Kritik an deren Interventionen, insbesondere am Beispiel der Northern Rock, analysiert.
7. Opfer der Finanzkrise: Ein Überblick über die schwerwiegendsten finanziellen Verlierer unter den amerikanischen und europäischen Banken sowie Rückversicherern.
8. Der Fall UBS: Eine vertiefte Untersuchung der spezifischen Krisenentwicklung bei der UBS, von der aggressiven Wachstumsstrategie bis zum Rücktritt von Marcel Ospel.
9. Makroökonomische Folgen: Das Kapitel analysiert die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen, wie stagflationäre Tendenzen, Handelsdefizite und die Folgen der Dollar-Abwertung.
10. Bankenkrise – Ein Einzelfall?: Historische Vergleiche mit früheren Krisen zeigen, dass die Finanzkrise 2007/2008 strukturell mit vergangenen Bankenkrisen verwandt ist.
11. Die Zukunft der Finanzmärkte: Es werden Lösungsansätze wie die Beschränkung von Fremdkapitalhebeln und die potenzielle Verstaatlichung von Banken diskutiert.
12. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die gewonnenen Erkenntnisse und unterstreicht die Notwendigkeit, das System grundlegend zu hinterfragen, um zukünftige Krisen zu bewältigen.
Schlüsselwörter
Subprime-Krise, Finanzkrise, Hypotheken, Kreditderivate, MBS, CDO, CDS, Bankenkrise, Federal Reserve, Wertberichtigungen, Liquidität, Finanzmarktregulierung, Stagflation, Leverage, Spekulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, den Mechanismen und den Auswirkungen der Subprime-Krise ab dem Jahr 2007 auf globaler Ebene.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen komplexe Finanzinstrumente, das Risikomanagement von Banken, staatliche Interventionen durch Notenbanken sowie die makroökonomischen Folgen der Krise.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die Subprime-Krise und ihre komplexen Zusammenhänge allgemeinverständlich aufzuarbeiten, sodass nicht nur Finanzmarktexperten die Ursachen und Konsequenzen nachvollziehen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus Literatur- und Quellenanalyse, die Untersuchung historischer Krisenbeispiele sowie die qualitative Analyse von Wirtschaftsdaten und Berichten.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil deckt die Funktionsweise von Finanzinstrumenten wie CDS und CDOs, die verhängnisvolle Zinspolitik der Fed, die Kreditvergabe-Praktiken und die spezifischen Krisenfälle von Großbanken wie der UBS ab.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kreditderivate, Subprime-Kredite, Leverage, Marktblasen und Bankenregulierung definiert.
Welche Rolle spielt die UBS innerhalb der Arbeit?
Die UBS wird als Schweizer Fallbeispiel für die Krise intensiv beleuchtet, wobei besonders der Übergang von einer Vermögensverwalterin zu einer riskanten Investmentbank-Strategie unter Marcel Ospel analysiert wird.
Warum zieht der Autor Parallelen zu historischen Krisen wie der Leipziger Bank?
Um aufzuzeigen, dass die aktuelle Krise zwar neu verpackt erscheint, aber im Kern auf ähnliche menschliche Verhaltensweisen und systemische Mängel zurückzuführen ist wie frühere Bankenzusammenbrüche.
- Quote paper
- Patrick Menz (Author), 2008, Kreditkrisen am Beispiel der Subprime-Krise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205241