Die Wissenschaft zwischen Printmedien und Öffentlichkeit


Seminararbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1. Einleitung

Wissenschaft in den Medien ist inzwischen weit verbreitet. Egal, ob Fernsehen, Radio, Zeitung oder Zeitschrift, alle arbeiten mit ihr und berichten über sie.

„Die Wissenschaft ist raus aus der Beilagenecke, in der sie einst als Nice-to-have-Abteilung um ihre Existenzberechtigung bangen musste. Intendanten und Chefredakteure haben ihre Wissenschaftsredaktionen in den Kreis der aufmacherfähigen und leitartikeltauglichen Ressorts aufgenommen.“[1]

Schon in den 90er Jahren begannen große Zeitungen und Zeitschriften ihre Blätter auch mit Wissenschaft zu füllen. Doch Tschernobyl, BSE, Naturkatastrophe und hohe Dioxin-Werte führten zu einem sich immer weiter verbreitetem Wissensdurst in der Gesellschaft. Die Printmedien reagierten mit Wissenschaftsressorts, Wissensmagazinen und wissenschaftlichem

Hintergrundwissen.

Daher gehören Informationen über Wissenschaft mittlerweile zu nahezu jedem Printmedium, Tages-, Wochen- oder Sonntagszeitungen berichten aus und über die Wissenschaft und unterstützen Berichte aus anderen Ressorts mit wissenschaftlichen Daten. Ganze Zeitschriften beschäftigen sich mit dem Thema und treten so zwischen das Fach und die Öffentlichkeit.

Medizin, Technik, Natur, Forschung und vieles mehr lässt sich in den Printmedien finden. Doch Umfang, Stetigkeit und Qualität der Berichterstattung zu besagten Themengebieten unterscheiden sich und lassen sich nicht pauschal aufjedes Medium übertragen, sodass eine Differenzierung und deutliche Unterscheidung publikationspolitischer Natur von Nöten ist. Indes ist eine Entzweiung des Wissenschaftsjournalismus ebenso obligat, da sowohl die Wissenschaft selbst, aber auchjedes beliebige andere Thema den Auslöser zur Berichterstattung darstellen kann.

Darauf aufbauend stellt sich die Frage: Mit welcher Vielfalt und in welchem Rahmen findet Berichterstattung zu wissenschaftlichen Themen in den deutschen Printmedien statt und wie unterscheidet sie sich? Im Folgenden werde ich versuchen diese Frage zu beantworten. Dazu werde ich die verschiedenen Typologien der Printmedien und die Arten des Wissenschaftsjournalismus definieren, auf die Qualitätsunterschiede eingehen und die wissenschaftliche Berichterstattung in den Printmedien beleuchten.

2. Wo gibt es Wissenschaft?

Um die Wissenschaft untersuchen zu können, muss vorerst eine Differenzierung der verschiedenen Printmedien vorgenommen werden. Nicht jedes Blatt hat die Kapazitäten für ein

Wissenschaftsressort und nicht bei jeder Zeitschrift bilden Wissenschaftler und Experten die Zielgruppe. Daher können „STERN“ und „NATURE“ eben so wenig wie die „NORDDEUTSCHE­RUNDSCHAU“ mit der „SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG“ verglichen werden.

Im nächsten Abschnitt werde ich daher vorerst auf die unterschiedlichen Typologien von Zeitungen und Zeitschriften eingehen.

2.1. Zeitungen

Zeitungen erscheinen täglich oder wöchentlich und nehmen sich einer möglichst aktuellen Behandlung verschiedener Themen an. Sie werden auf nicht besonders hochwertigem Papier gedruckt und nicht unter technischen Verbindungen, wie Klebe- , Heft- oder Drahtbindungen, hergestellt. Dieses Printmedium ist in der Regel allen Menschen zugänglich. Schaffrath definiert die Elemente Publizität, Aktualität, Periodizität und Universalität als Merkmale einer Zeitung.[2] Für diese Ausarbeitung relevant ist lediglich die Unterscheidung der Erscheinungsweisen und nicht die des Vertriebes, da eine täglich erscheinende Zeitung redaktionell anders aufgebaut ist und anders arbeitet, als eine Wochen- oder Sonntagszeitung. Indessen alle Typen sowohl als Kauf- und Abonnementzeitung vertrieben werde.

Eine Tageszeitung erscheint täglich. In der Regel geschieht dies morgens, vereinzelt auch nachmittags als „Abendzeitung“. Dieser Typ ist am weitesten verbreitet, durchschnittlich wurden im 4. Quartal 2011 in Deutschland täglich ca. 21,58 Mio. Exemplare verkauft.[3] Wissenschaft hat in diesem Typ eher wenig Platz, sie erklärt zwar bestimmte aktuelle Phänomene, Naturkatastrophen oder andere Attraktionen, hatjedoch nur vereinzelt, z.B. in großen Redaktionen wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, einen eigenen festen Platz.

Die Wochenzeitung erscheint wöchentlich meistens zum Wochenende am Donnerstag oder Freitag. Die Gesamtauflage liegt bei 1,79 Mio..[4] Die Texte sind länger und gehen inhaltlich mehr in die Tiefe. Die Radaktionen reagieren natürlich ebenfalls auf die aktuellen Geschehnisse, bieten jedoch mehr Hintergrundinformationen und eine Vielfalt von anderen Themen. So gehört ein Wissenschaftsressort zu diesem Typ Zeitung schon lange zum Bestandteil. Das Ressort Wissen der „Zeit“ hat sich in den vergangenen Jahren sogar zu dem Beliebtesten der Zeitung entwickelt. Die Leserschaften sind überdurchschnittlich gebildet, häufig in leitenden Positionen tätig, interessieren sich für Bücher, Politik, Kultur und Wissenschaft und fordern diese Themen von ihrer Zeitung.[5]

Die Sonntagszeitung stellt eine Mischform der beiden Vorherigen dar. Sie erscheint nur ein Mal in der Woche, die Redaktion arbeitet jedoch ähnlich wie die einer Tageszeitung. Die Zielgruppe ist dementsprechend größer, sodass die Auflage insgesamt 3,3 Mio. beträgt.[6] Aktualität steht in den Redaktionen im Vordergrund, dennoch beinhalten sie Themen, die über das Tagesgeschehen hinausgehen. Ein Beispiel hierfür ist die Existenz eines Wissenschaftsressort in den meisten Sonntagszeitungen. Doch auch die Länge der Beiträge, die in der Mitte derer der Tages- und Wochenzeitungen liegt, und die Aufmachung mit Fotos und Graphiken zeigt ein Produkt zwischen den anderen beiden Typen.

Wissenschaft findet man also in jeder Zeitung. Allerdings steht dabei immer die Frage im Raum, in welcher Art Wissenschaft abgebildet wird. In allen drei verschiedenen Typen wird diese anders dargestellt, anders genutzt und ein anderer Nutzwert gebildet. Dies gilt ebenfalls für die verschieden Typologien von Zeitschriften.

2.2. Zeitschriften:

Der auffälligste Unterschied zu den Zeitungen bildet das Layout, besonders das des Covers, welches heutzutage meistens bunt und/oder bebildert erscheint. Außerdem werden Zeitschriften buchbinderisch hergestellt. Das höherwertige Papier wird durch technische Verbindungen zusammengehalten und somit für einen häufigeren Gebrauch bestimmt. Dieses Printmedium erscheint regelmäßig in einem größerem Zeitintervall, welcher von Zeitschrift zu Zeitschrift sehr verschieden ist. Im Gegensatz zu Zeitungen wird dieser Typ anhand des Inhalts und der Zielgruppe unterschieden. Dabei herrschen allerdings uneinheitliche Vorgehensweisen. Am häufigsten werden die Zeitschriften in Fach-, Publikumszeitschriften, Corporate Publishing-Angebote und sonstige Presseprodukte segmentiert. Mit dem Augenmerk auf die Wissenschaft sind für diese Arbeit lediglich die Fach- und Publikumszeitschriften essenziell.

Fachzeitschriften befassen sich mit einem klar eingegrenzten Fachgebiet und wenden sich somit an ein daran interessiertes Publikum. Dieses hat einen hohen fachlichen, oftmals sogar wissenschaftlichen Anspruch, welcher zweifellos variiert. Das Publikum interessiert sichjedoch aus verschiedenen Gründen an einem Fachgebiet, weshalb die Fachzeitschriften in Professional und Science unterschieden werden. Erstgenannte beziehen sich auf berufliche Anwendungen, sie dienen damit der beruflichen Information und Weiterbildung. Die andere Gattung hat einen starken Bezug zu wissenschaftlichem Inhalt, welcher zum Beispiel mit wissenschaftlichen Beiträgen, Nachrichten aus Hochschulen und Wissenschaft und Tagungsberichten angereichert wird. Fachzeitschriften beinhalten jedoch immer Wissenschaft.

Publikumszeitschriften haben eine wesentlich breitere Zielgruppe, und pflegen aufgrund dessen ein ausgewogenes Sprachniveau und eine entsprechende Thementiefe. Dieses befindet sich häufig auf einer Ebene, wie die Wochen- oder Sonntagszeitungen. Auch diese Zeitschriftenart wird in zwei Genres geteilt. Zum einen die general interest, Magazine mit einem breitem, meist aktuellen Themenspektrum, wie der „STERN“ oder „SPIEGEL“ und zum Anderen die special interest. [7] Diese decken nur einen bestimmten Sektor ab, die Berichterstattung ist dafür tief gehender. Beide Zeitschriftengenres beinhalten Wissenschaft, wobei bei den special interest selbstredend der Themenschwerpunkt ausschlaggebend ist. Weshalb besonders die Magazine mit breitem Themenspektrum für diese Ausarbeitung wichtig sind. Die Zielgruppe ist breit gefächert und das Interesse der Leser am aktuellen Geschehen, Wissenschaft und Kultur hoch. Die Wissenschaft hat immer ein eigenes Ressort, welches sowohl über Aktuelles, als auch über Zeitloses berichtet.

In den nicht weiter erwähnten Zeitschriftenarten findet sich gelegentlich auch Wissenschaft wieder, jedoch bietet der Umfang dieser Arbeit nicht die Kapazität, diese in allen Printmediengattungen zu beleuchten, weshalb ich mich auf die genannten Zeitschriften beziehen werden. Grundsätzlich bedenken Wissenschaftsjournalisten beim Schreiben, ob es sich um B2B- oder B2C-Publizistik[8] handelt und auch wenn in der Recherche kein Unterschied gemacht werden sollte, haben viele schon dabei die Zielgruppe vor Augen. Doch nicht nur das Medium, welches die Wissenschaft an die Öffentlichkeit trägt ist zu differenzieren, auch der Wissenschaftsjournalismus selbst hat verschiedene Funktionen.

[...]


[1] Wormer, Holger (2006): Wissenschaft bei einer Tageszeitung. Fragen zur Vergiftung von Ehegatten und anderen Dienstleistungen. In: Holger Wormer (Hrsg.): Die Wissensmacher - Profile und Arbeitsfelder von Wissenschaftsredaktionen in Deutschland. Wiesbaden. S. 19.

[2] Schaffrath, Michael (2000): Zeitung. In: Faulstich, Werner (Hrsg.): Grundwissen Medien. München. S. 433 - 451.

[3] IVW, 2011, gezählt wurden nur die Zeitungen,die dem IVW angehören.

[4] IVW, 2011.

[5] Senkter, Andreas (2006): Wissenschaft zwischen Wochenzeitung und Magazin - Zu wenig Zeit für Die Zeit?. In Holger Wormer (Hrsg.): Die Wissensmacher. Wiesbaden, S. 66.

[6] BDZV, 2011, gezählt wurden nur die Zeitschriften, die dem BDZV angehören.

[7] Hillebracht, Steffen W. (2009): Marketing für Presseverlage. 2. Aufl., Berlin. S. 22.

[8] „Business to Business“ und „Business to Consumer“.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Wissenschaft zwischen Printmedien und Öffentlichkeit
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V205266
ISBN (eBook)
9783656323082
ISBN (Buch)
9783656324270
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikation, Wissenschaft, Zeitschrift, Printmedien, Qualitätsmedien
Arbeit zitieren
Laura Sarau (Autor), 2012, Die Wissenschaft zwischen Printmedien und Öffentlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205266

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