Der Eintritt in die Grundschule stellt für jedes Kind ein bedeutendes Ereignis im Leben dar. Es betritt einen neuen Handlungs- und Erfahrungsraum, in dem es meist zum ersten Mal mit gezielten Leistungsanforderungen konfrontiert wird. Das Kind wird neuen Lerngegebenheiten ausgesetzt, geht viele neue soziale Beziehungen mit seinen Mitschülern1 ein und muss sich den Forderungen, die das Schulsystem in sich birgt, stellen (vgl. Nickel 1976, S.19). Viele Regeln bestimmen nun den Tagesablauf des Kindes und die Zeit zum freien Spielen wird zunehmend weniger. Stattdessen gibt es feste Zeitstrukturen fürs Aufstehen und Zubettgehen, für den Schulweg, die Hausaufgaben und die Zeit, die mit anderen verbracht werden darf. Kinder sind dabei durchaus motiviert, in die Schule zu gehen, sich den Verbindlichkeiten zu stellen und zu zeigen, dass sie etwas können (vgl. Haug-Schnabel & Bensel 2011, S.137 f.).
Dennoch werden viele Kinder jeden Tag durch steigende Anforderungen – schon in der Grundschule – mit Situationen konfrontiert, die für sie zu Problemen führen und den Schulalltag erschweren können. Dieses habe ich selbst bei meiner Arbeit in einer offenen Ganztagsgrundschule in Nordrhein-Westfalen beobachten können. Es gibt dort viele Kinder, die durch die an sie gestellten Anforderungen durch den Unterricht und die zu erbringenden Leistungen überfordert und gestresst sind. Hinzu kommt dann häufig noch der Streit mit anderen Mitschülern oder die Auseinandersetzung mit den Lehrern, zum Beispiel aufgrund von fehlenden Hausaufgaben.
Ziel dieser Bachelorarbeit ist es deshalb der Frage nachzugehen, welchen schulischen Belastungen Kinder der ersten Klasse ausgesetzt werden. In der vorliegenden Arbeit habe ich daher besonders viel Wert auf das subjektive Erleben von Kindern gelegt und mich für die Anwendung qualitativer Forschungsmethoden entschieden. Diese werden in den theoretischen Rahmen der Stressbewältigung im Kindesalter eingebettet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition: Stress und Stresserleben
2.2 Ursachen für Stress und Belastungen in der Grundschule
2.2.1 Erfahrungsbereich Lernen und Unterricht
2.2.2 Erfahrungsbereich Lehrer
2.2.3 Erfahrungsbereich Mitschüler
2.3 Umgang mit Stress und Belastung in der Grundschule
2.3.1 Änderung der Situation
2.3.2 Stressbewältigung durch das Kind
2.4 Zusammenfassung des theoretischen Teils und Folgerungen für die eigene Untersuchung (Zielsetzung und Fragestellung)
2.4.1 Zusammenfassung des theoretischen Teils
2.4.2 Folgerungen für die eigene Untersuchung (Zielsetzung und Fragestellung)
3 Methodisches Vorgehen
3.1 Erhebungsmethode
3.2 Pretest
3.3 Stichprobengenerierung, Feldzugang und Durchführung
3.4 Aufbereitungs- und Auswertungsverfahren
3.4.1 Transkription
3.4.2 Qualitative Inhaltsanalyse
4 Darstellung der Ergebnisse
4.1 Lernen und Unterricht
4.2 Lehrer
4.3 Mitschüler
4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse im Hinblick auf die Fragestellung der Arbeit
4.5 Vergleich der Ergebnisse mit der Studie von Frank (2008)
5 Schlussfolgerungen der Arbeit (für die pädagogische Praxis)
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht das subjektive Erleben von Stress und Belastungen bei Kindern im Grundschulalltag. Ziel ist es, durch qualitative Interviews herauszufinden, welche schulischen Faktoren für Erstklässler als belastend wahrgenommen werden und welche Bewältigungsstrategien diese Kinder anwenden.
- Belastungsquellen im schulischen Kontext
- Die Rolle von Lehrkräften und Mitschülern bei der Entstehung von Stress
- Subjektive Wahrnehmung von Leistungsanforderungen
- Individuelle Bewältigungsmöglichkeiten von Stresssituationen
- Pädagogische Implikationen zur Unterstützung der psychischen Gesundheit
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition: Stress und Stresserleben
Der Begriff „Stress“ gehört zu unserem alltäglichen Sprachgebrauch. Nicht nur Erwachsene verwenden diesen Begriff, sondern schon Kinder im Grundschulalter benutzen den Begriff zur Kennzeichnung unterschiedlicher Belastungen (zum Beispiel wenn es Stress mit anderen Schülern oder Stress bei den Hausaufgaben gibt) (vgl. Lohaus & Domsch & Fridrici 2007, S.4).
Stress wird nicht allein durch eine schwierige Situation ausgelöst, in der man sich gerade befindet. Vielmehr ist Stress eine Folge von Interpretationen der einzelnen Personen, was dazu führt, dass erhebliche Unterschiede im Erleben von Stress und Belastungen gibt. Die Bewertung und Interpretation eines Ereignisses hängt dabei von früheren Erfahrungen ab.
Somit entsteht Stress in Folge einer Wahrnehmung und Bewertung einer stressauslösenden Situation, von abhängt, wie stark die Stressreaktion und das Belastungsempfinden ausfallen. Weiterhin entsteht Stress aus einer Wechselwirkung, in der sich Person und Umwelt gegenseitig beeinflussen. Dieses Stresskonzept wird als transaktionales Stresskonzept bezeichnet (vgl. Lohaus & Domsch & Fridrici 2007, S.5).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz des Schulalltags als Belastungsfaktor und definiert das Ziel sowie die methodische Ausrichtung der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel fundiert die Arbeit durch Definitionen von Stress, die Darstellung transaktionaler Stressmodelle und die Analyse schulischer Belastungsbereiche wie Unterricht, Lehrer und Mitschüler.
3 Methodisches Vorgehen: Hier wird die qualitative Forschungsmethode, bestehend aus Leitfadeninterviews, sowie das Vorgehen bei der Stichprobengewinnung und die Mayringsche Inhaltsanalyse erläutert.
4 Darstellung der Ergebnisse: Die Ergebnisse aus den Interviews werden kategorisiert und im Hinblick auf die Fragestellung analysiert sowie mit bestehenden Studien verglichen.
5 Schlussfolgerungen der Arbeit (für die pädagogische Praxis): Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und leitet pädagogische Handlungsempfehlungen zur Stressprävention und Unterstützung für den Grundschulalltag ab.
Schlüsselwörter
Grundschule, Stress, Belastung, transaktionales Stressmodell, Leistungsanforderungen, qualitative Inhaltsanalyse, Bewältigungsstrategien, Schulleben, Lehrer-Schüler-Beziehung, soziale Unterstützung, Schülermitwirkung, Schulentwicklung, Stressprävention, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das subjektive Belastungsempfinden von Kindern in der ersten Klasse der Grundschule und identifiziert dabei wesentliche Stressoren im schulischen Alltag.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Bereiche Lernen und Unterricht, die Interaktion mit Lehrkräften sowie das Sozialverhalten und die Beziehungen zu Mitschülern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche schulischen Bedingungen von Kindern der ersten Klasse als belastend empfunden werden und wie sie diese subjektiv verarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das auf Leitfadeninterviews mit Kindern und einer anschließenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, das methodische Vorgehen sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse aus den durchgeführten Interviews.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Kernbegriffe sind Stress, Belastung, Grundschule, Bewältigungsstrategien, Schülerperspektive, Lehrerrolle und soziale Unterstützung.
Welchen Einfluss hat die Lehrkraft laut den befragten Kindern?
Die Ergebnisse zeigen, dass die befragten Kinder ihre Lehrkräfte überwiegend als wichtige Unterstützungspersonen wahrnehmen und kaum Belastungen direkt durch das Lehrerverhalten erleben.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit anderen Schülern?
Der Vergleich mit Mitschülern, insbesondere im Bereich der schulischen Leistungen, kann für einige Kinder eine Quelle von Belastung und Konkurrenzdruck darstellen.
Wie gehen Kinder mit schulischen Belastungen um?
Die untersuchten Kinder verfügen bereits über individuelle Strategien wie das Suchen von Entspannung in den Pausen oder das Fokussieren auf positive Aspekte des Schullebens, um mit Stresssituationen umzugehen.
- Quote paper
- Ann Kristin Rielmann (Author), 2012, Belastung von Kindern im Grundschulalltag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205285