Einleitung
„ Der Engländer hat als Volk Grund stolz zu sein.“ 1 ,
äußerte Adolf Hitler am 10.12. 1919 also 13 Monate nach dem für ihn so schändlichen Ende des 1. Weltkrieges. Was bewog ihn dazu, dieses positive Urteil über den ehemaligen Feind zu fällen ? Welche Rolle spielte Großbritannien in seinem Weltbild bzw. welche Rolle sollte es
spielen ? Diese und noch einige Fragen mehr möchte ich versuchen ,durch diese Arbeit, etwas zu beleuchten. Dazu habe ich, wie aus der Gliederung ersichtlich, eine Unterteilung des durchführenden Teils der Arbeit in drei Abschnitte vorgenommen. Nach diesem einführenden
Gliederungspunkt werde ich in Gliederungspunkt II Hitlers grundsätzliche Annahmen und Theorien zur britischen Außenpolitik darstellen. Da die inhaltliche Kompatibilität dieser Theorien gering ist, erfolgt die Betrachtung für jede Theorie separat. Die Reihenfolge der Betrachtung richtet sich nach dem Zeitpunkt der Einflußausübung der Theorie, und die Abfolge erfolgt chronologisch . Grundsätzlich ist eine Entwicklung von einer absoluten Feindschaft zwischen Deutschland und England, über eine durch Dualismus bedingte
Rivalität, zu einer ,durch nicht kongruente Ziele ermöglichte Koexistenz bzw. Partnerschaft zu konstatieren.
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1 Hitler zitiert nach : Jäckl, Eberhard Hitlers Weltanschauung Entwurf einer Herrschaft, Tübingen 1969, S.35
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Darstellung der Entwicklung der 3 Theorien Hitlers zur Außenpolitik Großbritanniens.
1. Ewige Feindschaft zwischen Deutschland und Großbritannien
2. Das britische Anliegen des Erhalts des Gleichgewichts in Europa
3. Der imperiale Isolationismus als Mittelpunkt britischer Außenpolitik
III. Der Wunsch, Großbritannien als Partner zu gewinnen. Darstellung der theoretischen Grundlage, mögliche Konzessionen Deutschlands an Großbritannien und Ziele des Bündnisses aus Hitlers Sicht.
IV. Drei Versuche der außenpolitischen Umsetzung bis zum Jahre 1939.
1. Das deutsch - britische Flottenabkommen 1935
2. Das deutsche Angebot der Verteidigung des britischen Empires
3. Hitlers Offerte am Vorabend des Krieges 1939
V. Thesen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Hitlers außenpolitische Bestrebungen gegenüber Großbritannien von 1920 bis 1939 mit dem Ziel zu belegen, dass ein stetiger, anglophiler Wunsch nach einem Bündnis trotz zeitweiser taktischer Drohungen die Kontinuität seines Handelns maßgeblich bestimmte.
- Analyse der theoretischen Wandlungen in Hitlers Weltbild hinsichtlich Großbritanniens.
- Untersuchung der rationalen und rassisch-biologischen Argumentationsketten für ein deutsch-britisches Bündnis.
- Bewertung der Konzessionsbereitschaft Deutschlands, inklusive der Bereitschaft zum Bruch mit anderen Verbündeten.
- Überprüfung der Wirksamkeit von Hitlers Strategie des "Werbens und Drohens" im Zeitraum bis 1939.
Auszug aus dem Buch
3. Hitlers Offerte am Vorabend des Krieges
In diesem Abschnitt möchte ich das letzte deutsche Vorkriegsangebot des Ausgleichs unter die Lupe nehmen. Folgende Situation war am 23.08.1939 gegeben:
Der britische Botschafter in Berlin übergab , in Reaktion auf den bevorstehenden deutsch – sowjetischen Pakt, einen Brief Chamberlains an Hitler, in dem der britische Premier die Garantie für Polen erneuerte. Hitler reagierte darauf , seiner Gedankenwelt folgend, durch die Drohung, daß es zwischen Deutschland und England nur Verständigung oder Krieg geben könne. Dies war zum einen dadurch beeinflußt, daß Hitler die britische Aussage für einen Bluff hielt und zum anderen war er, wie in oben erwähnt, durch den Ablauf der Verhandlungen zum deutsch – britischen Flottenabkommen, davon überzeugt, Großbritannien durch Drohungen auf seine Seite ziehen zu können. Am 25.08.1939 um 13.30 Uhr bestellte Hitler Henderson ( den britischen Botschafter in Berlin) zu sich, um ihm ein letztes Angebot zu unterbreiten. Der deutsche Kanzler bot an, einen deutsch - britischen Ausgleich nach Lösung des Polen – Problems zu schaffen. Ferner bot er erneut an, das britische Empire gegen jeden Feind zu verteidigen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage bezüglich der Rolle Großbritanniens in Hitlers Weltbild und Skizzierung der methodischen Vorgehensweise.
II. Darstellung der Entwicklung der 3 Theorien Hitlers zur Außenpolitik Großbritanniens.: Analyse der drei Wandlungsphasen in Hitlers Einstellungen, von der frühen Feindschaft bis zur späteren strategischen Partnerschaft.
III. Der Wunsch, Großbritannien als Partner zu gewinnen. Darstellung der theoretischen Grundlage, mögliche Konzessionen Deutschlands an Großbritannien und Ziele des Bündnisses aus Hitlers Sicht.: Erläuterung der ideologischen und rationalen Motive für den Wunsch nach einem Bündnis zur Sicherung des Rückens für den Ostfeldzug.
IV. Drei Versuche der außenpolitischen Umsetzung bis zum Jahre 1939.: Konkrete Untersuchung der diplomatischen Versuche, durch Flottenverträge und Verteidigungsangebote ein Bündnis mit Großbritannien zu erzwingen oder zu erreichen.
V. Thesen: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die die Kontinuität der anglophilen Tendenz in Hitlers Außenpolitik hervorhebt.
Schlüsselwörter
Hitler, Großbritannien, Außenpolitik, Nationalsozialismus, Bündnispolitik, Flottenabkommen, Anglophilie, Ideologie, Diplomatie, Ostfeldzug, Empire, Strategie, Zweiter Weltkrieg, Ausgleich, Drohung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Umsetzung von Hitlers außenpolitischen Vorstellungen gegenüber Großbritannien im Zeitraum von 1920 bis 1939.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Hitlers ideologischen Wandlungen, seinen Motiven für ein angestrebtes Bündnis mit Großbritannien und den praktischen diplomatischen Umsetzungsversuchen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es zu belegen, dass Hitler trotz der späteren kriegerischen Auseinandersetzung dauerhaft eine anglophile Gesinnung besaß und einen Bündnisausgleich mit Großbritannien anstrebte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer chronologischen Betrachtung von Reden, Schriften und diplomatischen Dokumenten basiert, ergänzt durch Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Wandlungen Hitlers, die Analyse der Bündnisziele sowie drei konkrete praktische Umsetzungsversuche vor 1939.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Hitlers Anglophilie, die Bündnispolitik, das deutsch-britische Flottenabkommen und die strategische Ausrichtung auf den Ostfeldzug.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Flottenabkommens von 1935?
Der Autor sieht darin ein zentrales Instrument Hitlers, um den Wunsch nach einem Ausgleich mit Großbritannien formal zu manifestieren und Großbritannien zur Annäherung zu bewegen.
Warum lehnte Großbritannien Hitlers Angebote laut dem Autor ab?
Der Autor argumentiert, dass Großbritannien die Chance eines Ausgleichs nicht erkannte und aus einer Position des Hochmuts sowie einer falschen Einschätzung der Situation heraus handelte.
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- Patrick Schweitzer (Autor), 2001, Großbritannien in nationalsozialistischer Wahrnehmung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2053