Die Bekleidungswirtschaft umfasst nicht nur die Textil- und Bekleidungsindustrie sondern auch Teile des Handels und der Kreativwirtschaft. Bekleidung zählt zu den Gütern der Grundversorgung, deren Konsum rückläufig ist. Infolge der Verlagerung der Bekleidungsproduktion ins Ausland hat die Beschäftigung in der Bekleidungsindustrie abgenommen. Die Industrie ist überaltert, bildet kaum aus und ist durch zum Teil problematische Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen gekennzeichnet, wobei ein branchenspezifischer (negativer) Einfluss auf Einkommen, berufliche Erwartungen und Arbeitszufriedenheit nicht nachweisbar ist. Angesichts dieser schwierigen Situation kann davon ausgegangen werden, dass die Bekleidungsindustrie personell nicht über Ressourcen verfügt, um im Falle einer Veränderung der internationalen Rahmenbedingungen infolge Lohnkostensteigerung, steigender Transportkosten und Verlagerung der Nachfrage in Schwellenländer zu reagieren. Trotz der Innovationspotenziale fehlen vor allem Innovationen im produktiven Bereich, die angesichts der personellen Situation und der Nachfrageentwicklung im Inland eher unwahrscheinlich sind. Es ist zu befürchten, dass bei einem weiteren Abbau von Kapazitäten in der Bekleidungsindustrie der Kreativwirtschaft die notwendige personelle Basis fehlt (z.B. bei Kollektionsentwicklung und Musterproduktion). Gegenwirkende Momente sind eine stärkere Konzentration auf den Absatz im Ausland (vor allem bei Premiummarken), eine sich verändernde Nachfrage (durch Single-Haushalte und Besserverdienende) und Product-Lifecycle-Management (inklusive Open Innovation) sowie Nischenproduktion (z.B. Green Fashion). Damit diese greifen, bedarf es eines personellen und qualitativen Unterbaus, der in diesem Beitrag kritisch beleuchtet wird.
Inhaltsverzeichnis
Ausgangslage
Bekleidung und Mode
Zur Lage der Bekleidungswirtschaft
Perspektiven der Bekleidungswirtschaft
Beschäftigung in der Bekleidungsindustrie
Methode und Quellen
Merkmale der Beschäftigung
Vorbemerkungen
Beschäftigungsstatus und Stellung im Beruf sowie Betriebsgröße
Geschlecht, Alter und Migrationshintergrund sowie Stichprobenregion
Erforderliche Qualifikation
Arbeitszeit und Einkommen
Arbeitsbedingungen und Autonomie am Arbeitsplatz
Berufliche Erwartungen und Mobilität
Zufriedenheiten
Gewerkschaftlicher Organisationsgrad
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Untersuchung analysiert die Entwicklung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen in der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie im Zeitraum von 1984 bis 2010. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie strukturelle Veränderungen und globale Verlagerungen die personelle Basis, die Qualifikationsanforderungen und die Arbeitszufriedenheit in dieser Branche beeinflusst haben.
- Struktureller Wandel und Globalisierung der Bekleidungsproduktion
- Entwicklung von Arbeitsmarktmerkmalen wie Qualifikation, Einkommen und Arbeitszeit
- Analyse der Arbeitsbedingungen und der Autonomie am Arbeitsplatz
- Einfluss der Branche auf die beruflichen Erwartungen und die allgemeine Zufriedenheit
Auszug aus dem Buch
Zur Lage der Bekleidungswirtschaft
Die Bekleidungswirtschaft hinterlässt in ihrem gegenwärtigen Zustand einen zwiespältigen Eindruck: Seit 20 Jahren ist der Konsum von Bekleidung und Schuhen rückläufig (Schlese 2012a). Das betrifft sowohl den Anteil der Ausgaben für Bekleidung an den Konsumausgaben insgesamt (die objektive Konsumneigung) als auch die preisbereinigten Konsumausgaben im Zeitverlauf. Zudem stellt Bekleidung eher ein Gut der Grundversorgung als ein luxusaffines Gut dar (Schlese 2012b). Die objektive Konsumneigung bei Bekleidung und Schuhen ist in vielen entwickelten europäischen Staaten rückläufig. Auch steigende HH-Nettoeinkommen führen zu einer sinkenden Konsumneigung. Die Folge ist ein intensiver Preis- und Wettbewerbsdruck, der nicht nur zu einer stärkeren Konzentration – insbesondere im Textil- und Bekleidungshandel – führt, sondern auch dazu, dass im Bemühen, das Moderisiko zu begrenzen, die Variabilität und Originalität des Bekleidungsangebotes beschränkt wird. Demgegenüber wirkt die zunehmende Aufmerksamkeit für Mode und Design auf den europäischen Märkten fast schon unwirklich. Der offensichtliche Widerspruch zwischen der volkswirtschaftlich geringen Bedeutung der Bekleidungswirtschaft und der Entwicklung des Systems der Kleidermode stellt eine Herausforderung nicht nur für die Beobachtung der „konsumkapitalistischen“ Moderne, sondern auch für die Gestaltung der Bekleidungswirtschaft dar.
Zusammenfassung der Kapitel
Ausgangslage: Definiert den Untersuchungsgegenstand, grenzt die Bekleidungsindustrie begrifflich von der Bekleidungswirtschaft ab und erläutert die Herausforderungen durch Globalisierung und Modedynamik.
Methode und Quellen: Beschreibt das methodische Vorgehen unter Verwendung der Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) von 1984 bis 2010 zur Analyse der Beschäftigtenzahlen.
Merkmale der Beschäftigung: Untersucht spezifische Parameter wie den Beschäftigungsstatus, demografische Faktoren, Qualifikationsniveaus, Arbeitsbedingungen sowie Einkommensstrukturen im Zeitverlauf.
Fazit: Resümiert die strukturellen Probleme der Branche und warnt vor einem langfristigen Verlust des personellen Unterbaus, der die Innovationsfähigkeit gefährden könnte.
Schlüsselwörter
Bekleidungsindustrie, Textilwirtschaft, Beschäftigung, Arbeitsbedingungen, Globalisierung, Konsumneigung, Strukturwandel, Arbeitszufriedenheit, Qualifikation, Lohnentwicklung, demografischer Wandel, SOEP, Arbeitsplatzsicherheit, industrielle Maßkonfektion, Kreativwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die Bedingungen der Beschäftigung in der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie zwischen 1984 und 2010.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Schwerpunkte liegen auf dem Beschäftigungsstatus, dem demografischen Wandel, der Qualifikationsstruktur, den Einkommensniveaus sowie der Arbeitszufriedenheit und -autonomie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, ob die Bekleidungsindustrie noch über ausreichende personelle Ressourcen verfügt, um auf Veränderungen der internationalen Rahmenbedingungen reagieren zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Es wird eine deskriptive Analyse auf Basis der Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP) durchgeführt, ergänzt durch statistische Mittelwerte und Varianzanalysen.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Merkmale der Beschäftigung, angefangen bei Vorbemerkungen zum Branchenzustand bis hin zur Bewertung von Arbeitsbedingungen und beruflichen Erwartungen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Strukturwandel, Beschäftigungsabbau, Globalisierung, personelle Ressourcen und Innovationsfähigkeit der Bekleidungswirtschaft.
Wie wirkt sich die Verlagerung der Produktion auf die Branche aus?
Laut Autor führt die Verlagerung zu einem Beschäftigungsabbau und einer schwierigen Alters- und Ausbildungsstruktur, was die Kraft zur Erneuerung der Branche schwächt.
Gibt es branchenspezifische Nachteile beim Einkommen?
Die Untersuchung zeigt, dass Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie im Vergleich zu anderen Branchen schlechter bezahlt werden, wobei dies teilweise durch Qualifikationsanforderungen bedingt ist.
- Citation du texte
- Dr. Michael Schlese (Auteur), 2012, Leute machen Kleider, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205332