Die Darstellung von Spiel im Spiel in Arthur Schnitzlers "Der Grüne Kakadu"


Studienarbeit, 2011

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Problematik des Begriffs Metadrama
2.1 Zum Terminus Spiel im Spiel
2.2 Typologisierungsmodell von Spiel im Spiel

3. Spiel im Spiel in Arthur Schnitzlers Der grüne Kakadu
3.1 Die Revolution zwischen Realität und Spiel
3.2 Aspekte von Spiel im Spiel konkretisiert am Dramenpersonal

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit untersucht

Die Darstellung von Spiel im Spiel in Arthur Schnitzlers „ Der grüne Kakadu “ .

Dabei wird wie folgt vorgegangen:

Kapitel 2 widmet sich einleitend dem Terminus Metadrama, betrachtet diesen etymologisch, wobei hier auf die Forschungspositionen von Manfred Pfister und Charlit Durongphan zurückgegriffen wird, und grenzt anschließend die Gattung Metadrama von anderen heteroreferentiellen Dramen in Anlehnung an Vieweg- Marks ab. Weiters wird auf die Problematik der unzureichenden Unterscheidung der Termini Metatheater und Metadrama im Sinne von Gerda Poschmann und Lionel Abel, sowie auf die in der Forschungsliteratur vorherrschende Begriffsverwirrung, vor allem durch uneinheitlichen Gebrauch artverwandter Termini, wie beispielsweise Theater auf dem Theater, Theater im Theater, Spiel im Spiel nach Rainer Zaiser eingegangen. Abschluss des Kapitels bildet eine nähere Betrachtung des für diese Arbeit titelgebenden Terminus Spiel im Spiel hinsichtlich der Positionen von Robert J. Nelson, Manfred Schmeling und Joachim Voigt, wobei der Letztgenannte hier auch eine mögliche Typologisierung von Spiel im Spiel liefert. Einen knappen Abschluss des Kapitels bildet eine Untersuchung des Verhältnisses zwischen Literatur und Wirklichkeit mit Einbeziehung der platonischen Tradition und der Forschungsergebnisse von Jan Bauke-Ruegg, Arno Holz und Michael Schneider.

Kapitel 3 sucht konkret nach Aspekten von Spiel im Spiel im Primärtext, wobei das Kapitel mit einer Darstellung der Beziehung zwischen dem Autor Arthur Schnitzler und dem Phänomen von Spiel im Spiel eingeleitet wird. Im Punkt 3.1 dieser Arbeit wird die zeitliche und örtliche Ebene des Dramas, mit Hinblick auf ihre Relevanz für die Darstellung von Spiel im Spiel innerhalb des Dramas diskutiert, wobei hier vor allem die Forschungspositionen von Christiane Leiteritz, Hans Wolf-Jäger, Kathrin Ehlers sowie Herbert Herzmann zum Tragen kommen. Das Ende des dritten Kapitels untersucht die Auswirkungen von Spiel im Spiel an ausgewählten Figuren des Dramenpersonals. Konnexion zur Forschungsliteratur wird hierbei hauptsächlich durch die Positionen von Ulrike Landfester, Günther Schelling, Christiane Leiteritz, Herbert Singer, Axel Schalk und Herbert Herzmann hergestellt.

Kapitel vier liefert ein Fazit, in welchem die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst werden.

Kapitel fünf verweist einerseits auf die verwendete Primär-, und Sekundärliteratur und widmet sich andererseits weiterführender Literatur, welche innerhalb dieser Arbeit zu Vergleichszwecken herangezogen wurde.

2. Definition und Problematik des Begriffs Metadrama

Obgleich eine Definition des Begriffs Metadrama sich als äußerst schwierig erweist, da der Terminus ein komplexes Phänomen benennt und auch die Forschungsliteratur keine einheitliche Bestimmung zulässt, soll im weiteren Verlauf dieses Kapitels versucht werden einige wesentliche Definitionsversuche darzulegen.

Eingehens lohnt es sich den Begriff etymologisch in seine beiden Bestandteile zu splitten, und das dadurch erhaltene Nomen Drama, sowie das griechische Präfix Meta näher zu beleuchten.

Aus dem Griechischen übersetzt bedeutet das Wort Drama soviel wie Handlung oder Geschehen, stellt als Dichtungstypus den dritten großen Pfeiler neben Lyrik und Epik in den Hauptgattungen der Dichtung dar und reicht in seinen Ursprüngen bis ins Antike Griechenland zurück.[1] Wesentliches Differenzierungskriterium jedoch zur Lyrik und Epik ist, „[...] daß das Drama im Unterschied zu anderen literarischen Gattungen, etwa dem Roman oder dem lyrischen Gedicht, eine Textform ist, die [...] auf eine Theateraufführung abzielt.“[2] Da eine weitreichende, alle Aspekte der Gattung Drama zu berücksichtigen versuchende Definition den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde, sei an dieser Stelle auf das Standardwerk von Manfred Pfister Das Drama[3] verwiesen. Das Präfix Meta, so Charlit Durongphan, die sich in ihrem Werk P oetik und Praxis des Erzählens bei Peter Bichsel mit narrativer Selbstreflexion auseinandersetzt, indiziere ein bestimmtes Verhältnis von Objekt und Metaebene, das heißt von Beobachtung und Beobachtetem und weise daraufhin, dass die innerliterarische Reflexion, wie auch immer sie geartet sei, der fiktionalen Welt ihrer Selbstverständlichkeit beziehungsweise ihrer Stabilität beraube.[4] Nach Karin Vieweg-Marks leistet der Begriff in Analogie zu anderen Metakonzepten, einerseits eine Lokalisierung der literarischen Gattung des Dramas als Ort der Metaisierung und grenzt andererseits die unter dem Terminus zusammengefassten Formen selbstreflexiver Dramatik vom konventionellen heteroreferenziellen Drama ab.[5]

Vereinfacht gesagt, handelt es sich also beim Terminus Metadrama um einen „[...] Sammelbegriff für Dramen, in denen die Form des Dramas selbst Thema und Gegenstand der Reflexion ist.“[6]

Auffällig bei der Suche nach metadramatischen Elementen ist, dass sie sich vor allem in der englischsprachigen Literatur, hier insbesondere innerhalb der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts lokalisieren lassen, beispielhaft können hier unter anderem die Dramen Tom Stoppards herangezogen werden, wie etwa Rosencrantz and Guildenstern Are Dead oder auch The Real Inspector Hound. etc. [7]

Gerda Poschmann problematisiert, dass innerhalb diverser Lexika der fundamentale Unterschied zwischen Metadrama und Metatheater, bisher weder aus literaturwissenschaftlicher noch aus theaterwissenschaftlicher Sicht aufgezeigt wurde, wobei hier das Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, innerhalb dessen das Phänomen „Metadrama/Metatheater“[8] und dem Metzler Lexikon Theatertheorie, innerhalb dessen die Begriffe „Metatheater/Metadrama“[9] nach ähnlichen Parametern erläutert wird, exemplarisch herangezogen werden kann. Poschmann zieht hier ganz klar eine Grenze zwischen den beiden Termini, und so sind nach ihr als Metadrama nur solche „[...] Theatertexte zu bezeichnen, die das Drama als literarische Form selbst zum Thema haben und damit nicht eigentlich die Problematik der Aufführungssituation (das Theater) reflektieren, sondern Konstruktions- und Funktionsprinzipien des dramatischen Textes, und die damit eine kritische Perspektive auf das Verhältnis zwischen erlebter Wirklichkeit und ihrer dramatischen Darstellung und auf die Angemessenheit des repräsentationalen Prinzips einführen."[10]

Auch ist nicht immer klar, welche Phänomene unter dem Gattungsbegriff Metadrama und Metatheater subsumiert werden können. Lionel Abel, der den Begriff Metatheater kreiert hat rechnet dem Terminus bereits amorphe Bedeutung zu und sieht die Voraussetzung des Metatheaters bereits im Rollenbewusstsein der dramatis personae, also jener fiktiven im Drama vorkommenden Personen, die wissentlich innerhalb des Dramas eine andere Rolle verkörpern, oder zitiert nach Abel:

„[...] all of them [die Dramen] are theatre pieces about life seen as already theatricalized. By this I mean that the person appearing on the stage [...] are aware of their own theatricality. [...] I call them [these plays] [...] works of metatheatre.“[11]

Rainer Zaiser stellt fest, dass aus terminologischer Sicht innerhalb der meisten Studien der Begriff Metatheater in Konnexion mit höchst differenten Termini, wie etwa Theater auf dem Theater, Theater im Theater, Welttheater und -auch dem innerhalb des Titels dieser Hausarbeit verwendete Begriff- Spiel im Spiel in Verbindung steht, welche zwar allesamt gewisse Organisationsformen der dramatischen Rede, beziehungsweise des dramatischen Spiels erläutern, jedoch „ [...] nicht ausschließlich Reflexion über die Poetik des Theaters beinhalten.“[12] Da der Terminus Spiel im Spiel titelgebend für diese Hausarbeit ist, soll im folgenden Unterpunkt näher auf diese Begrifflichkeit eingegangen werden.

2.1 Zum Terminus Spiel im Spiel

Robert J. Nelson liefert eine weitreichende Spiel im Spiel Definition, welche die Signale der Meta-Spielebene nicht im Drama zu lokalisieren versucht, sondern dem Spielraum der Auslegung dem Rezipienten überlässt.[13]

„What is a play within a play? It is a formal imitation of an event through the dialogue and action of impersonated charakters occuring within and not suspending the action of just such another imitation. Who defines the inner play as a play? Must it not always be the offstage spectator [...] ?“[14]

Joachim Voigt grenzt das Verfahren auf im Drama zu lokalisierende Einlagen ein, innerhalb derer sich zwischen zuschauenden und schauspielenden Bühnenfiguren[15] differenzieren lässt:

„[...] Spiel im Spiel ist eine Einlage in ein Drama, die über eigene Zeitlichkeit, eigenen Raum und eigenes Geschehen verfügt, und zwar so, daß ein zeitliches und räumliches Nebeneinander von Spiel - und Dramensphäre entsteht. [...] Das Spielpublikum verhält sich dem Spiel gegenüber wie ein Dramenpublikum einem Drama gegenüber.“[16]

Zwecks systematischer Differenzierung plädiert Manfred Schmeling für eine Differenzierung der Topoi Spiel im Spiel und Theater auf dem Theater, wobei der Terminus Spiel im Spiel bei ihm Oberbegriff ist, der „[...] nicht nur die engere Form des Theaters im Theater im Sinne einer Binnenstückeinlage erfasst, sondern jede Form der Spielbewusstmachung von der Thematisierung des Rollenspiels der Bühnenfiguren bis zur Inszenierung von Traumspieleinlagen miteinbezieht.“[17]

Weiters stellt Schmeling fest, dass:

„Der eigentliche, als Spiel im Spiel bezeichnete und dem Metatheater einzuordnende Kunstgriff der theatralischen Selbstspiegelung bedarf einer genaueren Annäherung: [...] unter philosophisch-ästhetischem Aspekt („Homo ludens“) oder auf der Basis einer Identität von „Spiel“ und „Theater-Kunstwerk“[18]

[...]


[1] Silke Müller, Susanne Wess: Studienbuch Neuere Deutsche Literaturwissenschaft 1720-1848 - Basiswissen. Zweite, durchgesehene Auflage. Würzburg: Königshausen und Neumann 1999, Seite 99-100.

[2] Elke Platz-Waury: Drama und Theater. Eine Einführung. Fünfte, vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen: Gunter Narr Verlag 1999, Seite 13.

[3] Manfred Pfister: Das Drama. 11. Auflage. München: Willhelm Fink Verlag UTB 2001 .

[4] Charlit Durongphan: Poetik und Praxis des Erzählens bei Peter Bichsel. Würzburg: Königshausen und Neumann 2005, Seite 112.

[5] Karin Vieweg-Marks: Metadrama und englisches Gegenwartsdrama. Frankurt am Main: Lang Verlag 1989, Seite 14.

[6] Rudolf Beck, Hildegard Kuester, Martin Kuester: Basislexikon anglistische Literaturwissenschaft. Stuttgart: Willhelm Fink Verlag UTB 2007, Seite 290.

[7] Ebd.

[8] Ansgar Nünning: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie: Ansätze - Personen - Grundbegriffe. Zweite überarbeitete und erweiterte Auflage. Metzler Verlag 2001.

[9] Erika Fischer-Lichte, Doris Kolesch, Matthias Warstat: Metzler Lexikon Theatertheorie. Metzler Verlag 2005.

[10] Gerda Poschmann: Der nicht mehr dramatische Theatertext. Aktuelle Bühnenstücke und ihre dramaturgische Analyse. Tübingen: Niemeyer Verlag 1997, Seite 91.

[11] Lionel Abel: Metatheatre. A New View of Dramatic Form. New York 1963, Seite 60-61.

[12] Rainer Zaiser: Inszenierte Poetik. Metatextualität als Selbstreflektion von Dichtung in der italienischen Literatur der frühen Neuzeit. LIT Verlag 2009, Seite 40-41.

[13] Ebd. Seite 42.

[14] Robert J. Nelson: Play Within a Play. The Dramatist´s Conception of his Art: Shakespeare to Anouilh. New Haven: Yale University Press 1958, Seite 7.

[15] Vergleiche hier als Beispiel: Die als Arzt kostümierte „Toinette“ In: Jean Baptiste Moliere: Der eingebildete Kranke. Frankfurt: Insel Verlag 2006, 3. Szene, 10. Auftritt.

[16] Joachim Voigt: Das Spiel im Spiel. Versuch einer Formbestimmung an Beispielen aus dem deutschen, englischen und spanischen Drama. Dissertation Universität Göttingen 1954, Seite 169.

[17] Rainer Zaiser: Inszenierte Poetik. Metatextualität als Selbstreflektion von Dichtung in der italienischen Literatur der frühen Neuzeit. LIT Verlag 2009, Seite 43.

[18] Manfred Schmeling: Das Spiel im Spiel. Ein Beitrag zur Vergleichenden Literaturkritik. Stuttgart, 1977, Seite 10-11.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung von Spiel im Spiel in Arthur Schnitzlers "Der Grüne Kakadu"
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medientheorie)
Veranstaltung
L5
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V205341
ISBN (eBook)
9783656316329
ISBN (Buch)
9783656316817
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Metatheater;, Spiel im Spiel;, Der grüne kakadu;, Arthur Schnitzler;, Literatur;
Arbeit zitieren
Andreas Plank (Autor), 2011, Die Darstellung von Spiel im Spiel in Arthur Schnitzlers "Der Grüne Kakadu", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205341

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